Ein Aprilscherz, der keiner bleiben durfte, so könnte man den Vorgang überschreiben. Die studentische Zeitung Daily Tar Heel hatte satirische Texte über DIE (Diversity, Equity, Inclusion, auf Deutsch in etwa Vielfalt, Chancengerechtigkeit und Einbeziehung), Migration und Campuspolitik veröffentlicht. Der Ton war überspitzt, wie es für Satire üblich ist. Die Reaktion folgte prompt. Empörung auf dem Campus, öffentliche Distanzierung durch die Universitätsleitung, interne Selbstkritik bis zur Selbstaufgabe waren die Folge. Die Redaktion zieht nun Konsequenzen. Keine Satire mehr bis Semesterende, verpflichtende Schulungen zu Diversität, externe Kontrolle. Aus einem schlechten Witz wird ein ernsthaftes Programm zur Läuterung. Das ist Wokeismus aus dem Bilderbuch. Wer politisch versagt muss zur Nachschulung. War im Sowjetkommunismus auch so.
Bemerkenswert hier ist weniger der Auslöser als die Dynamik, die die Kritik ins Rollen brachte. Nicht ein staatliches Verbot beendet die Satire, sondern ein Zusammenspiel aus öffentlichem Druck und moralischer Intervention von oben. Die Universität betont zwar ihre formale Distanz, verurteilt jedoch inhaltlich und setzt damit den Rahmen. So entsteht ein leiser Präzedenzfall. Wer sich verspottet fühlt, definiert die Grenze des Sagbaren gleich mit. Die Redaktion passt sich an, nicht aus Überzeugung, sondern aus Erwartung. Satire war einmal die Kunst, Macht und Mächtige zu reizen. Heute reicht es vollkommen aus, deren Gefühle zu reizen. Und am Ende wird nicht nur der Witz verbannt, sondern die Lust, ihn überhaupt noch zu erzählen. Die Medizin gegen diese Krankheit hieße Zivilcourage, aber wo Wokeismus die Zivilisation zerstört, geht die Courage von allein zu Grunde. Vielleicht hülfe es, dem Clown einen Opferstatus zuzubilligen, um den Witz zu retten. Bis dahin ist der Aprilscherz erst mal tot.
Spargel, das weiße Gold des alten weißen Mannes
Der Genosse Trend rückt dem Spargel zu Leibe, jedenfalls dem weißen. Das „weiße Gold“, das köstliche Stangengemüse des Frühlings, verliert seinen Glanz, vor allem bei den Jüngeren. Während Ältere den Verzehr zelebrieren, empfinden viele unter 30 das Ritual als umständlich, altmodisch, vielleicht sogar moralisch fragwürdig. Man bedenke, Spargel isst man zu Schinken und zu Schnitzel. Man übergießt ihn mit Butter oder Sauce Hollandaise. Der Veganer wendet sich mit Grausen.
In der Tat mag der Streit primär kulinarisch wirken, im Kern ist er kulturell. Spargel steht für Tradition, für Ordnung am Teller, für eine Welt, in der man sich Zeit nimmt. Die neue Generation bevorzugt das Gegenteil. Schnell, praktisch, ohne großen Aufwand. So wird daraus mehr als Geschmack. Wer am Spargel festhält, gilt schnell als rückwärtsgewandt. Wer ihn ablehnt, als modern. Ein Gemüse wird zur Gesinnungsfrage erhoben. Das Private ist politisch!
Nicht der Staat reguliert hier Verhalten, sondern ein stiller sozialer Druck, der Traditionen lächerlich macht und damit verdrängt. Freiheit zeigt sich dann nicht mehr im Tun, sondern im Unterlassen. Am Ende sitzt man am Tisch und merkt, dass nicht der Spargel ausstirbt, sondern die Gelassenheit, ihn einfach zu mögen. Das ist die eigentliche Pointe, nicht die Tatsache, das kulinarische Vorlieben mal eine Generation überspringen, sondern alles zu politisieren und zu moralisieren. Da wirkt es schon fast wie ein Treppenwitz, dass grüner Spargel als weitaus unproblematischer angesehen wird.
Kein Saal für den Komiker
Ein Comedian, ein Mikrofon, und immer öfter kein Saal. Nikolai Binner berichtet erneut selbst im Video, wie Auftritte platzen, sobald die woken Proteste einsetzen. Bereits früher hatte der Künstler Probleme mit Absagen. Inzwischen hält er seine Veranstaltungsorte teilweise geheim. Wer ein Ticket kauft, bekommt die Info, wo die Veranstaltung ist, kurz vorher. Kollegen intervenieren, Veranstalter knicken ein, Touren geraten ins Wanken. In einem aktuellen Vlog beschreibt er, wie sogar innerhalb der Szene aktiv versucht wird, seine Shows zu verhindern. Das Muster ist bekannt. Es gibt kein offizielles Verbot, keine staatliche Verfügung, keine gerichtlichen Anordnungen.
Stattdessen wirkt ein Zusammenspiel aus Druck, Empörung und vorauseilender Anpassung. Wer aneckt, verliert nicht seine Stimme, sondern die Bühne, auf der sie zum Tragen käme. Laut eigener Darstellung des Künstlers reichen inzwischen Hinweise auf seine Person, um Veranstalter nervös werden zu lassen. Binner berichtet seit längerer Zeit von Ausschlüssen aus der etablierten Comedy-Szene nach seinen kritischen politischen Äußerungen während der Zeit der Coronamaßnahmen. Rein formal bleibt wie immer alles sauber. Niemand verbietet ihm aufzutreten. Doch praktisch entsteht ein System, in dem wenige Beschwerden genügen, um im Räume zu verschließen. Privat organisierter Aktivismus ersetzt das Verbot durch Vermeidung. Das bleibt leise, effizient, folgenlos für die Verantwortlichen. Binner lässt sich nicht stoppen. Er spielt weiter, irgendwo zwischen Ersatzbühnen und Eigenorganisation.
Abgedrängt und angegriffen
Bei einer Demo des „Bielefelder Bündnis gegen Rechts“ gab es wieder einmal reichlich Beispiele für das Verständnis, das linke Kreise von der Pressefreiheit haben. Das Streamer-Duo Utopia TV Deutschland um Sandra Gabriel wurde ständig behindert und abgedrängt. Während die Bürgerinitiative „Bielefeld steht auf“ ihre Veranstaltung gegen die Regierung und zu hohe Spritpreise friedlich abhielt, versammelten sich rund 150 Personen zu einer Gegen-Demonstration des „Bielefelder Bündnis gegen Rechts“. Statt eines klaren Zeichens für Demokratie, Toleranz, Grundrechte und Meinungsvielfalt kam es vor Ort zu Belästigungen, Angriffen und Nötigungen, so berichtet das Streamer Duo auf ihrem YouTube-Kanal in oben verlinktem Video.
Sie wollten, so der Bericht, im Rahmen ihrer journalistischen Tätigkeit die Redebeiträge dokumentieren. Das ist Aufgabe der Presse. Statt Transparenz zuzulassen, so der Vorwurf der Streamer, versuchten Veranstalter der Demonstration gegen rechts, die Filmer aktiv auszuschließen. Es kam zu Gewalt gegen Sachen. Aggressionen, Angriffe folgten. Die Polizei wirkte zeitweise eher hilflos als helfend. Wie sollte es anders sein, die Linken sind doch die Guten, und nun werden sie böse. Es passiert womöglich gerade das Gegenteil von dem, was im Briefing gesagt wurde. Beobachter sprechen, so Utopia TV Deutschland, von chaotischen Zuständen, mangelnder Kontrolle und einer Atmosphäre, in der grundlegende Regeln eines Rechtsstaates plötzlich keine Rolle mehr spielten.
Der Kammerjäger muss zuhause bleiben
Am Reuterplatz in Neukölln, das ist ein Stadtteil unserer dysfunktionalen Hauptstadt Berlin, wird ein Problem auf vier Pfoten immer sichtbarer. Politik hin, korrekt her, es lässt sich einfach nicht wegdiskutieren. Dort laufen Ratten herum, viele Ratten, also so richtig viele Ratten. Nun muss man eines feststellen, sobald es beginnt, dass man Ratten öffentlich sieht, gibt es zu viele Ratten. Frech werden die Biester dann und nur dann, wenn sie viele sind. Der Bezirk greift ein. Das ist für Berlin ein bemerkenswerter Vorgang. Flächen werden gesperrt. Fachfirmen werden beauftragt. Diese legt Köder aus. Bis hierhin ist alles erschreckend normal, also vollkommen untypisch für Berlin, denn Ratten, das wusste früher jedes Kind, können Krankheiten übertragen und stellen ein Gesundheitsrisiko dar.
Ab hier wird es berlinnormal. Also komplett bekloppt. Die Bekämpfung scheitert, immer wieder. Unbekannte zerstören die Köder, die Absperrungen und machen mit ihrer Sabotage die Maßnahmen gegen die Ratten wirkungslos. Selbst der vierte Versuch, die Ratten zu bekämpfen, endete im Abbruch. Berlin versuchte, öffentliche Räume sicher zu halten und Aktivisten griffen ein, indem sie diese Maßnahmen sabotieren. Das geschah nicht etwa aus Gleichgültigkeit, sondern aus Überzeugung. Fanatische Tierschützer sind eben fanatische Menschenfeinde. Die Folge ist, dass der Schutz der Allgemeinheit ausgehöhlt wird. Der betroffene Park bleibt weiterhin offen. Es ist eine Frage der Zeit, wann sie in die Häuser eindringen und Kinder und Obdachlose angreifen. Ratten tun das alles. In der Berliner Realität wächst unter den Büschen Reuterplatz in Neukölln ein Parallelraum für vierbeinige Nager, die, neben anderen Keimen, einen freundlichen Begleiter tragen, dessen Name Yersinia pestis ist.
Ermittlungen eingestellt
Der ÖRR Blog, der immer wieder mal unter Beschuss ist, meldet nun einen Erfolg im Streit mit dem BR-Rundfunkrat Hamado Dipama, über den auch die Achse des Guten berichtet hatte. Das gegen die Betreiber des ÖRR Blog eingeleitete Ermittlungsverfahren wurde nach Angaben des Accounts eingestellt, das berichtet das Portal Apollo News. Der ÖRR Blog hatte am 30. März diesen Jahres erklärt, von einem Mitglied des BR-Rundfunkrat wegen angeblich rassistischer Kommentare angezeigt worden zu sein. Die Vorwürfe wies der Blog stets als „haltlos und unbegründet“ zurück. Zu Recht, wie sich nun zeigt.
In einer Stellungnahme erklärte der ÖRR Blog: Man habe nach Akteneinsicht in einem ausführlichen Schreiben an die zuständige Staatsanwältin nachgewiesen, dass die beanstandeten Beiträge weder strafbar noch inhaltlich falsch gewesen seien. „Das Ermittlungsverfahren wurde daraufhin eingestellt“, schreibt der Account. Anlass für die Anzeige sollen Berichten zufolge zwei Posts auf X (vormals Twitter) des ÖRR Blogs über Dipama gewesen sein.
Mami wird nicht mehr gebraucht, Mami darf gehen
Es ging reichlich durch die Schlagzeilen und es wurde reichlich kommentiert und eingeordnet. Hendrik Streek und sein Partner gaben bekannt, dass sie nun ein Kind haben. Um die Herkunft des Kindes wurde arg herumgeheimnist, denn Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge soll Streeck gemeinsam mit seinem Partner den Weg ins Ausland gewählt haben. In einem US-Bundesstaat, in dem Leihmutterschaft legal ist, soll er die Geburt eines Kindes durch eine Leihmutter in Anspruch genommen haben. Dieser Vorgang an sich soll hier nicht kommentiert werden.
Bei allen Diskussionen kam nämlich eine entscheidende Person nicht vor. Dazu vorab ein Zitat aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch. Das steht im Paragraf 1591: „Mutter eines Kindes ist die Frau, die es geboren hat.“ Dieser Satz gibt eine sehr einfache Wahrheit wieder, die im Kontext des als Leihmutterschaft schöngeframten Kinderhandels geleugnet wird. Jeder Mensch hat eine Mutter. Das ist die Frau, die das Kind geboren hat. Man nennt die austragende Frau im modernen Kinderhandel „Surrogat“. Das Wort Mutter muss mit aller Kraft vermieden werden, sonst könnte klar werden, was Leihmutterschaft in Wirklichkeit ist. Die Ausgestoßene bei jeder sogenannten Leihmutterschaft ist die Frau, die nach deutschem Recht die Mutter des Kindes ist. Mami kann gehen, Mami wird nicht mehr gebraucht.
Hier endet der allwöchentliche Überblick des Cancelns, Framens, Empörens, Strafens, Umerziehens, Ausstoßens, Zensierens, Denunzierens, Entlassens, Einschüchterns, Moralisierens, Politisierens, Umwälzens und Kulturkämpfens. Wir dürfen damit rechnen, dass es noch lange ungebremst weitergehen wird. Bis nächste Woche!
Ein Archiv der Cancel Culture in Deutschland mit Personenregister finden Sie unter www.cancelculture.de. Um auch weniger prominente Betroffene aufnehmen zu können, sind die Betreiber der Website auf Hinweise angewiesen. Schreiben Sie ihnen gerne unter cancelculture@freiblickinstitut.de.
Beitragsbild: Harris & Ewing - LOC, Gemeinfrei, via Wikimedia Commons
„V.Seitz / 24.04.2026
Herr Holm, “ Eierarsch„ hatte ich noch nie gehört. Zu meiner Überraschung ist es eine derbe Beleidigung aus dem Ruhrpott.
Da die Bezeichnung von Herrn Kubicki kam, hätte ich sie auch eher in den Norden verortet.“ – Ich bin im Ruhrgebiet aufgewachsen und wohne seit 50 Jahren hier ohne Eierarsch jemals gehört zu haben.
Also gut Herr Meins und Frau Neidhardt, noch eine Rattennummer, dann ist aber Schluß:
„Car il savait ce que cette foule en joie ignorait, et qu’on peut lire dans les livres, que le bacille de la peste ne meurt ni ne disparaît jamais, qu’il peut rester pendant des dizaines d’années endormi dans les meubles et le linge, qu’il attend patiemment dans les chambres, les caves, les malles, les mouchoirs et les paperasses, et que, peut-être, le jour viendrait où, pour le malheur et l’enseignement des hommes, la peste réveillerait ses rats et les enverrait mourir dans une cité heureuse.“ Camus, La Peste
Das mit den Ratten wußte jedes Kind……
Das gaben Eltern und Lehrer gerne weiter-
Das waren aber Zeiten als man auf Allgemeinbildung noch etwas hielt !
Der Beruf Lehrer ist heute kein Prädikat mehr,sie wissen wenig,dafür
verstehen sie etwas von Indoktrinierung :(
Woke Power und Privilege sind in den USA nicht nur ungebrochen, sondern bekommen durch den immer konfuser agierenden Trump auch noch kräftig Rückenwind. Wie wollen die USA in diesem Zustand, mit dem immer schneller schmelzenden Privileg des USD als Weltwährung, gegen China als führende Weltmacht bestehen?
„Spargel steht für Tradition, für Ordnung am Teller, für eine Welt, in der man sich Zeit nimmt. Die neue Generation bevorzugt das Gegenteil. Schnell, praktisch, ohne großen Aufwand.“ – Dazu passen die KI-Facebookaccounts mit Videos, wie schnell man angeblich irgendwas Gesundes schnell kochen könne. Alteingesessene werden bei diesen Videos bemerken, dass dort Vieles zusammengepappt/gerührt wird.
„Emil.Meins / 24.04.2026
Apropos Ratten und Yersinia pestis:
Wäre es nicht eine wunderbare Fügung, wenn halb Berlin von der Pest weggerafft würde, …“ – Wie amüsant, das habe ich gerade, bevor ich Ihren Beitrag las, von meinem Dreckkaff auch gedacht…
„Christiane Neidhardt / 24.04.2026
@Oliver Krug: hat übrigens mit “Angriffsfähigkeit„ nichts zu tun. Ist eine Angelegenheit der Hygiene. Ratten sind Krankheitsüberträger. Durch den Kot und den Urin von Ratten -zum Beispiel auf Spielplätzen etc- können zahlreiche Erkrankungen auf Menschen übertragen werden (Zoonosen) wie Salmonellen, Tuberkulose, Bandwürmer, Leptospiren etc. Deswegen hat man in Deutschland schon seit sehr, sehr langen Zeiten immer dafür gesorgt, daß die Ratten sich nicht ungehindert vermehren können. Die Rattenbekämpfung war immer auch eine zentrale Pflichtaufgabe der Gesundheitsämter. …“
Leider ist unsere Kommune – SPD Traditionsverein – bei der Rattenbekämpfung ebenso erfolgreich wie auf vielen anderen Gebieten auch. Ich habe mich nach so vielen Jahren daran gewöhnt die Tiere hier fast jeden Tag tot und lebendig zu sehen und finde sie inzwischen sogar ganz niedlich.