Es gibt nur sehr selten Fälle von wünschenswertem Canceln. Hier ist so einer. Katar ließ die USA am 8. März wissen: „We expel the Hamas Leadership from our Territory, after the refused to condem the iranian attacks.“ (Deutsch: Wir weisen die Hamas-Führung aus unserem Gebiet aus, nachdem sie sich geweigert hat, die iranischen Angriffe zu verurteilen.) Das berichteten mehrere User auf X nachdem dies vom israelischen Kanal 12 (N12) gemeldet wurde. Die Unterscheidung zwischen Gut und Böse ist in der Golfregion nicht so ganz einfach. Da gibt es – das hat nicht nur die WM in Katar gezeigt – viel grau und auch viel dunkelgrau. Die Frage ist nicht, warum die Hamas-Führung nun gehen sollen, sondern, warum sie sich überhaupt in Katar aufhalten und sicher fühlen durfte. Ob das etwas mit diesem „Völkerrecht“ zu tun hat?
Noch wenige Tage vorher hatte es nämlich zwischen Katar und Israel ein „diplomatisches“ Hin und Her gegeben. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte Katar nach Angaben seines Büros aufgerufen, die Hamas-Anführer auszuweisen. Er warnte damals: „Ich sage Katar und all den Ländern, die Terroristen Unterschlupf gewähren, entweder weist ihr sie aus oder zieht sie zur Rechenschaft. Denn wenn ihr es nicht tut, dann werden wir es tun.“ Katars Außenministerium wies seine „rücksichtslosen Äußerungen“ scharf zurück. Katar verurteilte daraufhin „die ausdrücklichen Drohungen mit künftigen Verletzungen der staatlichen Souveränität“, heißt es in einer auf X veröffentlichten Erklärung des Außenministeriums. Netanjahus Worte seien ein „beschämender Versuch“, Israels Angriff in der katarischen Hauptstadt vom Dienstag zu rechtfertigen. Ob die Hamasführung Katar inzwischen verlassen hat oder nicht, weiß allenfalls der Mossad.
Hört nicht auf Alice
Eine Lesung der Feministin Alice Schwarzer im Schauspielhaus Hamburg wurde am Sonntagabend massiv gestört. Mehrfach stürmten Demonstranten auf die Bühne, riefen Hassparolen ins Publikum, erzeugten Tumult. Im Saal gab es Buhrufe, Gereiztheit und harte Fronten, berichtet der Spiegel. Alice Schwarzer saß währenddessen weiterhin auf der Bühne und wartete die Proteste ab. Später sagte sie: „Wir sind da, um voneinander zu hören, uns auszutauschen. Wir müssen überhaupt nicht einer Meinung sein.“
Bereits im Vorfeld hatten 340 Beschäftigte von Theatern das Deutsche Schauspielhaus Hamburg in einem offenen Brief gefordert, die für vergangenen Sonntag angesetzte Lesung mit der Alice Schwarzer abzusagen. Schwarzer hat in dem Theater ihr Buch „Feminismus pur. 99 Worte“ vorgestellt. Die Unterzeichnenden forderten: „Keine Bühne für Hetze! Keine Bühne für Alice Schwarzer!“. Die Theatermitarbeiter kritisierten, ebenso wie am Sonntag die Störer der Veranstaltung, Schwarzer kämpfe seit Jahren gegen Selbstbestimmung, Arbeitsrechte und soziale Teilhabe von Trans-Menschen und sogenannten Sexarbeiterinnen. Schwarzer kritisiert aus guten Gründen das Selbstbestimmungsgesetz, da es für Frauen in vielerlei Hinsicht eine massive Gefahr darstellt. Sie beharre – horribile dictu – auf „biologistischen“ Vorstellungen von Geschlecht, gruseln sich die Protestierer. Schwarzer ist zu Recht der Ansicht, das es Männer und Frauen gibt. Sie nenne Trans-Geschlechtlichkeit, so die Kritiker, einen „Trend“ beziehungsweise ein „Freizeitvergnügen“ und spreche „in AfD-Manier“ von einer Gefahr für „Kinder und Jugendliche, denen der Geschlechtswechsel verlockend leicht gemacht“ werde. Um es kurz und knapp zusammenzufassen, Alice Schwarzer bleibt sich als Frauenrechtlerin treu. Den Neofeministen (m/w/d) missfällt das.
Yann Song Kinn gecancelt
„Das Hamburg-Konzert am Freitag muss leider ausfallen. Der Raumvermieter wurde von ‚Hinweisgebern‘ darüber informiert, dass ich mit AfD-Kontaktschuld beladen bin und kündigte daraufhin dem NachDenkSeiten-Gesprächskreis den Raum.“ Das teilte der Dresdner Liedermacher auf seinem Telegram-Kanal mit. Seit 2020 tritt er bei Corona- und ähnlichen Demos sowie speziellen Veranstaltungen mit eigenen Liedern und Songparodien zu Themen wie Corona-, Energie- und Kriegspolitik auf. Der nach Eigenbezeichnung „schwurbelnde Liederkönig“ und „alternative Alleinunterhalter“ hätte diesen Freitag im Hamburger „Galatasaray Sportclub“ auftreten sollen.
Der Musiker vermutet als Hintergrund der Absage Angst vor Angriffen von Antifa & Co. Der Sachse Yann Song King war nach eigenen Angaben Grünen-Wähler. Er ist im AfD-Umfeld aufgetreten, auch bei der Kleinpartei dieBasis. Aktuell hatte der Hamburger Gesprächskreis der „NachDenkSeiten“ das Konzert organisiert. Das Medium steht dem Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) nahe. Für den Barden selbst „wäre es schon ein Ding gewesen, wenn dem dunkeldeutschen Bänkelsänger im Herzen der zur Klimaneutralität strebenden Partnerstadt (Anm. PW Dresdens) die Bühne geboten worden wäre.“ So ließ der Künstler auf Telegram wissen.
Auch Unternehmer müssen Haltung zeigen
Rostocks Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger, die der Partei Die Linke angehört, hat ihre Teilnahme an einem Treffen des „Rostock Business Club“ abgesagt. Im Rahmen der Veranstaltung sollte Kurt Krieger als Hauptredner auftreten. Der Unternehmer ist Gründer von Möbel-Höffner. Er hatte der AfD nach Berichten der Jungen Freiheit im Jahr 2024 insgesamt 18.000 Euro überwiesen. Kröger begründete ihren Boykott damit, dass finanzielle Zuwendungen politische Strukturen unterstützten. Sie gehe zwar davon aus, dass „Herr Krieger nicht rechtsextrem denkt“. Dennoch, so die Begründung für die Kritik, gehe es um „Salonfähigkeit von Rechtsextremisten“. Gleichgültigkeit aus rein wirtschaftlichen Erwägungen sei für sie nicht akzeptabel. Die Gelder seien geflossen und unterstützten somit Strukturen und Personen. Die von der linken Politiker monierten Spenden an einen politischen Mitbewerber gingen unter anderem an den AfD-Kreisverband Chemnitz.
Die Forderung nach Haltung wird offensichtlich nicht durchgängig geteilt. Kritik an der Absage Krögers äußerte die Vorsitzende der Rostocker Bürgerschaftsfraktion FDP/Unabhängige, Julia Kristin Pittasch. Sie warf der Oberbürgermeisterin Symbolpolitik vor. Der arbeitsmarktpolitische Sprecher der AfD-Fraktion im Schwerin Landtag, Michael Meister, kritisierte, die Oberbürgermeisterin schade mit ihrem Verhalten dem Standort. Auch Wirtschaftsminister Wolfgang Blank nahm am Business-Club teil.
188er auf dem absteigenden Ast
Noch ist er nicht gestrichen, der Paragraf 188 StGB, der in der jüngeren Vergangenheit zu umstrittenen Strafanzeigen, Hausdurchsuchungen und anderen repressiven Maßnahmen geführt hat. Doch eine Antwort der Parlamentarischen Staatssekretärin im Justizministerium, Anette Kramme auf eine Frage des AfD-Abgeordneten Peter Felser lässt aufhorchen: „Die Bundesregierung prüft kontinuierlich, ob Änderungen von strafrechtlichen Regelungen und damit auch der Regelung in § 188 des Strafgesetzbuches (StGB) erforderlich sind.“ Das berichtet die Junge Freiheit.
Deutet sich also doch die Abschaffung des Paragraf 188 an. Der Volksmund nennt ihn „Majestätsbeleidigung“, weil er nur Politiker in besonderer Weise schützt. Dass die Überprüfung mit dem sogenannten „Pinocchio“-Fall und den Presseberichten in Zusammenhang stehe, wies die Staatssekretärin als Grund für eine Löschung des Paragrafen 188 zurück. Der Grund kann einem egal sein, wichtig ist, dass dieses Gesetz verschwindet, da es ohnehin schon überlastete Gerichte und Staatsanwaltschaften nur noch weiter unnötig belastet.
Connie Shaw braucht Sicherheitsleute
Connie Shaw ist eine externe Beauftragte der Free Speech Union. Sie wurde eingeladen, am 3. März bei einer Sitzung der Libertarian Society am University College London einen Vortrag über freie Meinungsäußerung und die Transgenderismus-Debatte zu halten. Das LGBTQ+ Network verfasste daraufhin eine formelle Petition an die Studentenvertretung. Die Aktivisten forderten, den Vortrag abzusagen, da „Transidentität nicht zur Debatte steht“. Es folgte eine Kampagne mit Social-Media-Posts und Flyern, die Shaw als transphob anprangerten. Mehrere Studentengruppen organisierten einen Protest vor der Tür des Veranstaltungsortes, anstatt an dem Vortrag teilzunehmen. Der Vortrag fand aus Sicherheitsgründen an einem nicht näher genannten Ort statt.
Samiksha Bhattacharjee, Präsidentin der UCL Libertarian Society, schrieb in einem Post auf Substack: „In den letzten 24 Stunden hat sich die Gegenreaktion von der großen Menge an Hasskommentaren zu unseren Beiträgen hin zum taktischen Vorgehen verlagert. Unsere Mitgliederliste hat einen Anstieg an Mitgliedern erlebt. Dazu gehören jedoch auch einige Personen, die die Petition zur Kündigung zur Absage der Veranstaltung unterschrieben haben. Sie sind unserer Gesellschaft beigetreten, um unsere interne Kommunikation zu überwachen. Die junge Studentin heißt diese Kritiker ausdrücklich in der Libertarian Society willkommen und zeigt, wie eine gute Kommunikation funktioniert, der sich die LGBT-Aktivisten verweigern wollen.
Forscher wird gecancelt, weil er biologische Tatsachen wertschätzt
Jacob George leitete in Großbritannien eine Pathways-Studie zu Pubertätsblockern für Jugendliche mit Geschlechtsdysphorie. Im März 2026 war er von der Leitung der Studie entbunden worden, nachdem ihm vorgeworfen worden war, zuvor genderkritische Ansichten in sozialen Medien geäußert zu haben. In einem Beitrag hatte er die Autorin JK Rowling, die für ihre genderkritischen Ansichten bekannt ist, als einen „Schatz unserer Zeit“ bezeichnet. In einem anderen Post sagte er, „die Leugnung grundlegender biologischer Tatsachen sei besorgniserregend“. Damit nahm er Bezug auf Fragen, ob der als Frau bezeichnete olympische Boxer, der unter dem Namen Imane Khelif firmierte, eine Frau sei.
Das war dann zu viel des Guten. Zwar hat Großbritannien längst die Gabe von Pubertätsblockern eingestellt und im Königreich zeichnet sich ein Gesinnungswandel ab, nachdem junge Menschen durch die umstrittene Behandlung schwere Schäden erlitten haben. Aber einen Wissenschaftler, der sich der biologischen Tatsache klar ist, dass es exakt zwei Geschlechter gibt, verkraftet die Gesellschaft dort wohl doch noch nicht. Es mag Hoffnung machen, das Sex Matters eine Kampagne für seine Wiedereinstellung starten will.
China eliminiert die Sprache von Minderheiten
Die Volksrepublik China hat ein umfassendes neues Gesetz verabschiedet, das in der Propgandasprache der chinesischen Führung zur Förderung der „ethnischen Einheit“ beitrage. Das berichte die BBC. Kritiker monieren, es werde die Rechte von Minderheitengruppen weiter untergraben. Auf dem Papier soll sie die Integration der 56 offiziell anerkannten ethnischen Gruppen in China gefördert werden. Allerdings wird das Land von den Han-Chinesen dominiert und Minderheiten eher unterdrückt. Durch Bildung und Schaffung von Wohnraum sollen diese ethnischen Gruppen besser integriert werden. Kritiker sagen jedoch, dass die Maßnahmen die Menschen von ihrer Sprache und Kultur abschneiden.
Es wird vorgeschrieben, dass alle Kinder vor dem Kindergarten und bis zum Ende der Oberstufe Mandarin unterrichtet bekommen sollten. Früher konnten die Schüler den Großteil des Lehrplans in ihrer Muttersprache wie Tibetisch, Uigurisch oder Mongolisch belegen. Das Gesetz wurde am Donnerstag verabschiedet, als die jährliche Sitzung des Parlaments zu Ende ging, in dem alle Maßnahmen der Regierung durchgewunken werden. „Das Gesetz entspricht einem dramatischen jüngsten politischen Wandel, um die seit 1949 formal anerkannte ethnische Vielfalt zu unterdrücken“, sagte Magnus Fiskesjö, außerordentlicher Professor für Anthropologie an der Cornell University, in einem Universitätsbericht. Die Kinder der nächsten Generation seien nun isoliert und würden brutal gezwungen, ihre eigene Sprache und Kultur zu vergessen. Der Regierung in Peking wird seit langem vorgeworfen, die Rechte ethnischer Minderheiten in Regionen wie Tibet, Xinjiang und der Inneren Mongolei stark einzuschränken.
Hier endet der allwöchentliche Überblick des Cancelns, Framens, Empörens, Strafens, Umerziehens, Ausstoßens, Zensierens, Denunzierens, Entlassens, Einschüchterns, Moralisierens, Politisierens, Umwälzens und Kulturkämpfens. Wir dürfen damit rechnen, dass es noch lange ungebremst weitergehen wird. Bis nächste Woche!
Ein Archiv der Cancel Culture in Deutschland mit Personenregister finden Sie unter www.cancelculture.de. Um auch weniger prominente Betroffene aufnehmen zu können, sind die Betreiber der Website auf Hinweise angewiesen. Schreiben Sie ihnen gerne unter cancelculture@freiblickinstitut.de.
Linke gegen Alice Schwarzer? Bienen gegen Honig?
„Auch nach Eckernförde muss ich mir wie so oft die Frage stellen: Warum wählt eine Mehrheit die Parteien, die für die Zustände in diesem Land, für die Erosion der Sicherheit und des Wohlstandes, die Verantwortung tragen? Warum vertrauen so viele weiter den Medien, die all das seit vielen Jahren vertuschen?“ (reitschuster)
Alice Schwarzer wird nun so behandelt, wie sie selbst viele Jahrzehnte die Menschen angegangen ist: ihre Aggressivität und Ihre ewige unverschämte (falsche) Behauptung, sie sei im Auftrag aller Frauen tätig und vor allem ihre extreme Haltung zur Tötung ungeborener Kinder sind dabei nur zwei Ihre Handlungsstränge. Alice Schwarzer trägt eine erhebliche Mitschuld am schlechten gesellschaftlichen Zustand Deutschlands.
Dass sie nun so behandelt wird liegt daran: die Revolution, die sie vehement mit losgetreten hat, frisst immer ihre Kinder. Eine Binsenweisheit – zu den Guten zählt sie m.E. ganz und gar nicht.
Alice Schwarzer hat in hohem Maße zu dem schlechten gesellschaftlichen Zustand in Deutschland beigetragen. Ihre Aggressivität, die sie dabei an den Tag legte und ihre ewige bis heute nicht zurückgenommene (Falsch-)Behauptung, im Auftrag von uns Frauen zu handeln – und ihren wahnsinnigen Einsatz zur Legalisierung Tötung ungeborener Kinder sind nur einige wenige Punkte. Dass manche Medien jetzt so tun, als wäre sie eine gute demokratische Person ist schon – merkwürdig. Sehr seltsam die ganzen Lobhudeleien. Sie hat selbst die Menschen so behandelt, wie sie jetzt behandelt wird – die Revolution frisst halt immer ihre eigenen Kinder. Müsste sie eigentlich ja selbst wissen.
Ausgestoßener des letzten Jahrzehnts: Der gesunde Menschenverstand!
Herr Winnemöller, schwören Sie Ihrem orientalischen Irrglauben ab. Lesen Sie Goethes Faust, da erklärt Mephisto, wohin Ihre Sucht nach gut & böse führt. Als Heide gibt es keine Guten & Bösen, nur Ab- oder Zuneigung. Nur diese Sicht der Dinge macht frei.
Gehört Katar jetzt zu den Guten, weil es mit der bösen Hamas gebrochen hat? /// Zu China und dem Sprachlerndiktat: Die einen versuchen es mit liberaler Großzügigkeit und wundern sich dann über die Entstehung von Parallelgesellschaften und deren unerfreulichen Folgen. Die anderen versuchen den gegenteiligen Weg. Wie man es macht, macht man es offenbar falsch. /// Und noch eine Erinnerung, wo wir gerade bei Sprachdikaten: Im Jahr 2023 hat die US-Marionette in der Ukraine russische Ortsnamen gecancelt und für die Russisch sprechenden Ukrainer (ein Drittel der Bevölkerung) Kenntnisse der ukrainischen Sprache und Geschichte zur Voraussetzung für die ukrainische Staatsbürgerschaft gemacht hat.