Im Rahmen der Skandalshow „Die 100“ musste der Bundeskanzler die Würde des Amtes in der Garderobe abgeben, und sie wurde ebenso wie sein Haupt zeitweise unter einer schwarz-rot-gelben Perücke versteckt. Die Fragen waren zum Teil mehr als peinlich, das Publikum handverlesen. Ein kritischer Bürger kam nur unter die Teilnehmer, weil er bei der Auswahl nicht die Wahrheit gesagt hatte, sondern das, was die Redaktion hören wollte.
Insgesamt war diese Sendung ein Showformat des Regierungsfernsehens der feinsten Sorte. Ausgestoßen war hier nicht nur die Wahrheit und die Wirklichkeit in unserem Land zugunsten einer Propaganda, von der sogar Kim Jong-un noch lernen könnte. Ausgestoßen war die Würde des Kanzleramtes, da sich der Amtsinhaber als Showobjekt vorführen ließ. Und am Ende war auch der Kanzler selbst der Ausgestoßene, indem er seine eigene Botschaft vom Stadtbild widerrief und die unbedingte Notwendigkeit von Migration für unser Land feststellte.
Schornstein
Eigentlich ist es mehr symbolisch, aber es steht dennoch für eine falsche Energiewende. Der Schornstein des Kraftwerks Voerde am Niederrhein wird in den kommenden Tagen gesprengt. Steinkohlekraftwerke sind eben auch nicht mehr auf der Höhe der Zeit, wo man glaubt, alles dekarbonisieren zu können. Der Betreiber des Werkes, RWE, wird kurz vor Weihnachten den rund 180 Meter hohen Kamin auf dem früheren Kraftwerksgelände sprengen. Am 19. Dezember soll der Schornstein fallen. Um 12 Uhr soll ein lauter Knall das Ende des Bauwerks besiegeln und die Skyline des Ortes verändern. Auch künftig soll der Platz für Stromerzeugung genutzt werden. RWE plant an dem Standort ein wasserstofffähiges Gaskraftwerk. Ob das allerdings mit den Plänen der EU konform geht, wird sich zeigen müssen. Ferner wird man auf den Wasserstoff noch etwas warten müssen. Die industrielle Herstellung dieses Gases steckt noch in den Kinderschuhen. Das Problem ist nicht der Technologiewandel. Dieser wäre zu befürworten. Das Problem ist, die alte Technologie zu verbannen, bevor die neue einsatzfähig ist. Kraftwerke, egal wie dringend wir sie bräuchten, sind die Ausgestoßenen der Energiewirtschaft.
Make-Up-Artist in Berlin
Ein bekannter Unternehmer aus Berlin verlässt die Stadt aus Angst vor Kriminalität und homofeindlichen Bedrohungen. Beni Durrer ist ein erfolgreicher Make-up-Artist, früher hätte man Kosmetiker gesagt. Seit 30 Jahren lebt er in Berlin. Der Künstler und Unternehmer lebt mit René Durrer-Lehmann zusammen, mit dem er nach staatlichem Recht „verheiratet“ ist. Als Gründe nennt er den Wandel der Stadt, die steigende Kriminalität und den Verlust der einstigen Offenheit und Toleranz.
Der 57-Jährige betrachtete Berlin bislang als kreative Heimat und hatte in der Stadt sein Unternehmen „Beni Durrer Beauty“ aufgebaut. Der Abschied ist eine bewusste Abkehr von einer Stadt, die er als „am Ende“ betrachtet. Der Berliner Zeitung sagte er: „Solche Sprüche wie: ‚Ich steche dich ab, du Schwuchtel‘ sind hier mittlerweile normal – aber das darf einfach nicht sein in Berlin.“ Durrer und Durrer-Lehmann seien schon mehrfach Opfer homofeindlicher Angriffe und Bedrohungen geworden.
Bei aller berechtigten Klage über das Phänomen, dem man auch einen radikal zunehmenden Antisemitismus zurechnen muss, bliebt auch hier der rosa Elefant, der mitten in Berlin steht, ungenannt. Einwanderer aus Kulturen, in denen der Hass auf Homosexualität ebenso normal ist wie Antisemitismus, werden hier peinlich verschwiegen. Das ist ein Fehler, denn wer nur die Symptome nennt und die Ursachen verschweigt, weil sie dem eigenen – fehlverstandenen – Anspruch von Toleranz nicht gerecht werden, stellt sich der Lösung der Probleme in den Weg. Mag die Flucht noch klug sein, den Grund nicht beim Namen zu nennen, ist feige.
Gespenster im Karneval
Jeder Westfale weiß das: Karneval ist eine ernste Angelegenheit. Diese Form von organisiertem Humor muss jedem Menschen zu weit gehen, der zum Lachen in den Keller geht. Es ist einfach zu ernst. Den Beweis dafür erbrachte jüngst die Hofbieberer Karnevalsgesellschaft "HoBiFa". Diese musste sich in den letzten Tagen mit viel Kritik und Diskussionen, die um den aktuellen Orden der Prinzenmannschaft ausgebrochen war, auseinandersetzen. In Verbindung mit dem Rot, Schwarz und Goldenen Bühnenoutfit der Karnevalisten, das an eine militärische Uniform erinnert, soll der Orden rechte Symboliken und rechtes Gedankengut transportiert haben. Der Verein wies die Kritik zwar zurück, zeigte aber sofort Haltung: Der Orden, die Fahne und die Pins wurden unverzüglich aus dem Verkehr gezogen.
Der Orden sei missverstanden worden, heißt es. So erklärte der Verein: „Die Basis unseres Ordens bildet das Wappen des SV Hofbieber, denn die gesamte Prinzenmannschaft besteht aus Mitgliedern des SVH". Außerdem sei auf dem Orden ein Adler mit Lorbeerkranz zu sehen, um den aktuellen Prinzen Maximilian LXIII. hervorzuheben. Dieser sei als „Der Vogel“ bekannt und gelte als Liebhaber der antiken Geschichte. Darüber hinaus sei der Orden mit der Kirche St. Johannes der Täufer in Allmus geziert. Dies stehe für die katholische Prägung und die Verbundenheit des Prinzen zu seinem Heimatort. Dazu komme ein Trikot mit der Rückennummer elf, die vom aktuellen Prinzen in seinem Verein getragen werde. Alle Erklärung half nichts, es musste ein neuer Orden her. Merke: Es ist möglich, mitten im lustigsten Karneval ernsthaft rechte Gespenster zu sehen.
Debanking mit antifaschistischen Grüßen
Es kann auch mal die anderen treffen. Konkret ist es die DKP, die Deutsche Kommunistische Partei, deren Konten von der GLS-Bank gekündigt wurden. „Die GLS-Bank hat zum 31. Dezember die Konten des Parteivorstands der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) sowie zahlreicher Gliederungen gekündigt“, berichtet die Partei auf ihrer Website. Berufen hatte sich die Bank auch hier auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) und die darin enthaltene Klausel zur Kündigung ohne Angabe von Gründen. Auch Institutionen, die sich wie die GLS-Bank selbst als ,alternativ‘ definierten, so die Partei in der Stellungnahme auf der Website, zögen sich teilweise in die Schützengräben des reaktionär-militaristischen Gesellschaftsumbaus zurück. Das sei skandalös, aber Teil der laufenden Kriegsvorbereitung, lässt Patrik Köbele, Vorsitzender der DKP, wissen und fährt fort: „Uns bestärkt das darin, den Kampf gegen die Kriegstüchtigkeit und für die Verteidigung demokratischer Rechte zu intensivieren – ebenso unsere internationale Solidarität mit dem sozialistischen Kuba, die uns vor dem Hintergrund der völkerrechtswidrigen Sanktionen zum Vorwurf gemacht wird.“
Soweit die DKP-Propaganda. Auch die des Kommunismus völlig unverdächtige Journalistin Aya Velázquez, der die Veröffentlichung der ungeschwärzten RKI-Protokolle zu verdanken ist, wurde ebenfalls Opfer von „Debanking“. Auch ihr hatte die GLS-Bank das Konto gekündigt. Um an dieser Stelle das Chaos zu komplettieren, sei noch auf eine Recherche von Apollo News verwiesen. Die Nachfrage des Portals bei der GLS-Bank wurde von einem Sprecher der Bank „mit antifaschistischen Grüßen“ unterzeichnet. Da man immer gerne zur Hilfe bereit ist, vielleicht kann die DKP bei Apollo News den Namen des Sprechers der GLS-Bank erfragen, der sicherlich die richtige Haltung und die nötige Solidarität mit der DKP haben müsste, um das antilinke De-Banking rückgängig zu machen.
Spanien, Irland, Slowenien, Island und Niederlande: Null Punkte
Der Eurovision Song Contest (ESC) ist immer wieder für ein Skandälchen gut. Zwar ist es gelungen ein Canceln von Israel zu verhindern, aber wegen der in Österreich verkündeten freudigen Nachricht, dass Israel teilnehmen werde, haben sich Spanien, Irland, Slowenien und Niederlande selbst gecancelt. Der angekündigte Boykott von inzwischen fünf Ländern beim ESC 2026 wirke sich laut der Europäischen Rundfunkunion (EBU) nicht auf die Finanzierung des Musikwettbewerbs aus. Die endgültige Anzahl der teilnehmenden Sender habe keinen Einfluss auf das geplante Produktionsbudget und den finanziellen Beitrag der EBU an den ORF, so die Europäische Rundfunkunion gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Eine Verarmung bleibt diese unsinnige Politisierung des Sängerwettstreits am Ende doch. Und somit gilt für alle Boykotteure: Null Punkte!
Ohne Lumumba
Was wären Deutschlands Weihnachtsmärkte ohne Glühwein, Punsch und heißen Kakao? Ein heißer Klassiker, der gerade in der Damenwelt sehr beliebt ist, soll nun aus dem Angebot verschwinden: der „Lumumba“, ein Kakao mit Rum. Der Name des Getränks geht auf den kongolesischen Unabhängigkeitsführer Patrice Lumumba zurück. Daher sorgt er bei postkolonialen Wokeisten seit Jahren für Diskussionen. Erst mal führt dies nun in Kassel zu Konsequenzen. Die Kritiker des Namens „Lumumba“ argumentieren damit, dass die Bezeichnung „unsensibel und rassistisch konnotiert“ sei. Sie spielen damit auf das Schicksal von Patrice Lumumba an, der als erster Ministerpräsident des unabhängigen Kongo und Symbolfigur des antikolonialen Kampfes im Jahr 1961 nach einem Putsch ermordet worden war. Ein alkoholhaltiges Getränk nach ihm zu benennen, empfinden sensible Seelchen als Verhöhnung seines Schicksals. Insofern hat die Kassel Marketing GmbH alle Standbetreiber angewiesen, das Getränk künftig unter einem anderen Namen zu verkaufen. Daran ist gleich mehreres falsch. Etwas nach dem Namen eines Anderen zu benennen, das in den Augen der Menschen geschätzt wird, ist auch dann, wenn es Alkohol enthält, eine Ehrung und keine Schändung. Der Ausweg ist immer die Stimme des Volkes. So wie man ein auf der Speisekarte als Paprikaschnitzel ausgewiesenes Gericht bei der Bestellung immer Zigeunerschnitzel nennen sollte, so sollte man Kakao mit Rum immer Lumumba nennen und mindestens mit dem ersten auf den Freiheitshelden Patrice anstoßen. Freie Rede ohne Angst ist Erste Hilfe gegen Cancel Culture.
Ohne Kassiererinnen
Wer heute einen Supermarkt betritt, sieht sie meist sofort, die SB-Kassen. Diese Übergangslösung ist der Anfang vom Ende der Kassiererin. Wie die Banken vor zwei Jahrzehnten begannen, die Schalterbeamten durch Geldautomaten zu ersetzen, lösen nun in Supermärkten die SB-Kassen die Kassiererin ab. Man nennt das Strukturwandel und es nützt nichts, der netten Dame hinterherzutrauern, die dereinst an der Kasse immer ein nettes Wort für einen hatte. Den Anfang machten – wenn man ehrlich ist – die Supermärkte, die den freundlichen Kolonialwarenhändler ablösten, und es war vor gut 50 Jahren gefühlt ein kulturelles Statement, ob man zum Kaufmann an der Ecke ging, wo man freundlich bedient wurde, oder in den Aldi, wo es damals den Kassiererinnen untersagt war, den Kunden zu grüßen.
Oft genug jedoch war es das Diktat des Portemonnaies, das die Entscheidung herbeiführte. Personalmangel und Kostendruck zwingen es den Lebensmitteleinzelhändlern auf, künftig noch mehr auf die SB-Kasse zu setzen, auch wenn diese nach neuesten Erhebungen den Ladendiebstahl begünstigt und wir als Kunden wieder mal gezwungen werden, eine Arbeit selbst zu machen, für die wir eigentlich bei den exorbitanten Lebensmittelpreisen mitbezahlen. Doch auch das ist nur eine Übergangsphase zum Supermarkt ganz ohne Kasse. Wer das einmal erlebt hat, glaubt sich endgültig nicht mehr in dieser Welt. Man geht hinein, scannt mit der App einen QR-Code, packt seine Waren in den Korb, verlässt den Markt und findet ad hoc den Kassenbon und die Abbuchung von der Kreditkarte auf dem Handy. Ist das gut? Vielleicht frage ich mal beim nächsten Supermarktbesuch die Kassiererin.
Hier endet der allwöchentliche Überblick des Cancelns, Framens, Empörens, Strafens, Umerziehens, Ausstoßens, Zensierens, Denunzierens, Entlassens, Einschüchterns, Moralisierens, Politisierens, Umwälzens und Kulturkämpfens. Bis nächste Woche!
Ein Archiv der Cancel Culture in Deutschland mit Personenregister finden Sie unter www.cancelculture.de. Um auch weniger prominente Betroffene aufnehmen zu können, sind die Betreiber der Website auf Hinweise angewiesen. Schreiben Sie ihnen gerne unter cancelculture@freiblickinstitut.de
In unserem dörflichen Supermarkt wurde vor einigen Monaten stolz eine Selbstbedienungskasse präsentiert. Nach ein paar Wochen war sie kommentarlos wieder weg. Auf meine geflüsterte Frage an die Kassiererin kam die ebenso geflüsterte Antwort „Zuviel Diebstahl“. Dabei ist das ein ganz friedliches Dorf, bewohnt von überwiegend braven Bürgern … Eine Erklärung suche ich immer noch.
hi, wer nicht mehrfältig und unterwürfig Seuchenklima oder Klimaseuche spielt, kommt auf den virtuellen Scheiterhaufen. Suspendiert davon sind Invasoren, die reale Todesduschen fordern.
Die Anführungszeichen bei „verheiratet“ beim schwulen Make-up-Artist finde ich überflüssig.
Vielfach gecancelt wurden ja in den letzten Jahren einige bekannte und viele weniger bekannte Mitbürger, die gewagt hatten, sich z.B. auf X/Twitter weniger schmeichelhaft über Politiker zu äußern und deswegen frühmorgens um 6 unerwartet Besuch bekamen. Nun hatte Robert Habeck sich über S. Wagenknecht und deren Partei u.a. dahingehend geäußert, dass diese „Trollarmeen“ unterhalte, etwas, was Wagenknecht offenbar als falsche Tatsachenbehauptung einstufte und Habeck daher anzeigte. Habeck hat mittlerweile auch 12.000 Strafe akzeptiert, die an gemeinnützige Einrichtungen gehen. Im Gegenzug wurde das Verfahren eingestellt. Interessant ist nun aber die Erläuterung der Staatsanwaltschaft in dem Fall (vgl. den von AchGut verlinkten Artikel in der Presseschau von heute): „Die Staatsanwaltschaft begründete die Einstellung damit, dass in Fällen möglicher Äußerungsdelikte hohe Anforderungen an eine strafrechtliche Verurteilung bestehen. Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts müsse die Meinungsfreiheit besonders berücksichtigt werden. [!!!!] Zugleich betonte die Behörde, dass die Unschuldsvermutung für Habeck weiterhin uneingeschränkt gelte.“ Ist das nicht allerliebst? Wenn es unseren verehrten Ex-Wirtschaftsminister trifft, erinnert man sich plötzlich an die Meinungsfreiheit und einschlägige BVerfG-Urteile. Anderen, die noch nicht einmal Behauptungen aufgestellt haben, die man als „falsche Tatsachenbehauptung“ einordnen könnte, sondern die klar nur eine Meinungsäußerung waren, wurden in der Vergangenheit schon Bewährungsstrafen (!) auferlegt, die dann erst nach einer Klage durch die Instanzen wieder vom Tisch waren.
Ja, ja, Deutschland und die (Kraftwerks)Technik! Mit Vollgas im Rückwärtsgang! Wenn nun alle so furchtsam dächten oder Anno-Dunnemals gedacht hätten? Da sieht Horst Neandertaler (aus der Nähe von Düsseldorf) seine Berta mit einem seltsamen Gegenstand seinen neuen Sonntags-Fellmantel bearbeiten: <Was hast du da? Eine Nadel? Was soll der Unsinn? Wir sind früher ohne diese moderne Technik ausgekommen; kenne wer net, bruche wer net, fott domet (die Neandertalers waren schließlich Rheinländer). Außerdem viiiiel zu gefährlich, man kann sich an der Spitze stechen!> Hätte die Berta damals auf ihren Horst gehört, die Menschheit liefe noch heute in schloddrigen Pelzen ohne Nähte rum. Und da will Deutschland wieder hin?
Der schwule Make-up-Artist meint etwa das homophobe „Stadtbild“?
Zum Regierungsfernsehen-Klamauk: TV ist Show. Wer bleibt eingeschalten, wenn staubtrockene und verschachtelte Statements zwei Stunden ins Wohnzimmer flimmern? Das tun sich nur Masochisten und Journalisten an. Letztere, um zu informieren, was man angeblich verpasst hätte. Ich brauche Regierungen, bei denen man erkennt, deren Regierungszeit bringen Staat und Gesellschaft auf Trab. Stundenlanges Gerede hat man zu Hause, wenn die Lebensgefährtin oder Ehefrau da ist.