Ein Interview mit einem Spitzenkandidaten genügt, um ein Medium zum „Hetzkanal“ zu erklären. Campact hat 62 YouTube-Kanäle aufgelistet und rund 90 Unternehmen aufgefordert, dort keine Werbung mehr zu schalten. Edeka kündigte laut Campact an, seine Sperrlisten anzupassen. Die Hamburger Zentrale leitete das Anliegen zudem an regionale Genossenschaften weiter.
Auf der Liste stehen dezidiert rechtsextreme Angebote wie Compact TV neben gewöhnlichen journalistischen Medien wie Tichys Einblick, Apollo News, Nius, Weltwoche, Kontrafunk und Epoch Times. 44 Kanäle ordnet Campact der AfD oder ihrem Umfeld zu. Tichys Einblick gilt als „AfD-nah“. Als Beleg dafür dient ein Interview mit Ulrich Siegmund, dem Spitzenkandidaten der AfD in Sachsen-Anhalt. Dass Journalisten einen aussichtsreichen Kandidaten befragen, wird so zum Grund, ihnen Werbeeinnahmen zu entziehen. Der Fachbegriff ist Kontaktschuld.
Campact erklärt, Werbung dürfe Hass, Hetze und Falschinformationen nicht finanzieren. Unternehmen dürfen entscheiden, wo sie werben. Hier geht es jedoch darum, illegale Inhalte zu verhindern, sondern schlicht um interessegeleiteten organisierten politischen Druck. Eine Organisation versieht sehr verschiedene Medien mit willkürlich gewählten pauschalen Etiketten, setzt Firmen mit kurzen Antwortfristen unter Druck und liefert die schwarze Liste gleich mit. Dass Edeka hier brav Gefolgschaft leistet, ohne eine eigene Prüfung oder kritische Einordnung erkennen zu lassen, spricht für sich. Man kann seinen örtlichen Marktbesitzer gerne mal damit konfrontieren und seine Sicht der Dinge erfragen. Im Zweifel gilt nämlich, auch andere Supermärkte haben gute Ware.
Achgut.com muss übrigens seit vielen Jahren solche Angriffe auf seine wirtschaftliche Existenz ertragen und hat eine „Hall of Shame“ von Unternehmen veröffentlicht, die sich daran beteiligten.
Politische Moralwächter in Achim
Heidrun Wulff bot älteren Menschen ihre Hilfe an, wenn der Computer streikte oder das Smartphone rätselhafte Dinge tat. Seit dem vergangenen Herbst gehörte die 66-Jährige zum Team der PC- und Smartphone-Schnellhilfe des Senioren- und Behindertenbeirats in der Stadt Achim in Niedersachsen. Nachdem bekannt geworden war, dass Wulff für die AfD kandidierte, wurde sie zum Gespräch gebeten. Eine Sprecherin habe ihr erklärt, die Kandidatur sei mit den Werten des Beirats nicht vereinbar. Danach gehörte sie nicht mehr zum Team.
Es hatte weder Beschwerden über ihre Arbeit, über politische Äußerungen während der Beratung oder ein nachgewiesenes Fehlverhalten gegenüber Senioren gegeben. Die Kandidatur für die Verfemten genügte, um gecancelt zu werden. Bereits seit Jahren hatte sich die sich die frühere Konditorin ehrenamtlich engagiert. Im Repaircafé der städtischen Freiwilligenagentur arbeitet sie weiterhin am Empfang. Dort stört sich niemand an ihrem Parteibuch.
Der Achimer Heimatverein habe ihre Hilfe ebenfalls abgelehnt, da rechtes Gedankengut dort nicht hinpasse. Die Stadt lobte auf Anfrage jedes Ehrenamt, das der Allgemeinheit zugutekommt. Eingreifen wolle sie nicht. Die Gruppen entschieden selbst, wer in ihr Team passe. Die Stadt wahrt Neutralität, was gut und richtig ist. Dass sich eine im Rathaus tätige Hilfeeinrichtung zum politischen Moralwächter über Ehrenamtliche und deren sonstiges Engagement aufschwingt, sollte allerdings Konsequenzen haben.
Die dunkele Seite der akademischen Macht
Nathan Cofnas veröffentlichte dokumentierte Textübereinstimmungen in der Doktorarbeit des verstorbenen Cambridge-Professors Jason Arday. Mehr als hundert Passagen standen unter Plagiatsverdacht. Arday bestritt den bewussten Betrug, räumte aber Fehler ein. Cambridge leitete eine Untersuchung ein. Arday trat zurück und starb wenige Tage später. Die Todesumstände werden weiter untersucht.
Danach richtete sich die dunkle Seite Macht des akademischen Apparats gegen den Kritiker. Die Universität Gent suspendierte Cofnas zunächst. Seit dem 26. August muss der Postdoktorand für drei Monate von zu Hause arbeiten, darf nicht mehr lehren und nur noch zu dem Thema forschen, für das er eingestellt wurde. Ein Disziplinarverfahren läuft. Die Universität nennt als Grund für die Suspendierung seine „jüngsten öffentlichen Äußerungen“. Gegen ihn werde wegen Diskriminierung Ardays ermittelt.
Über die wissenschaftliche Sorgfalt wacht „Rektorin“ Petra De Sutter, ein biologischer Mann, der als Frau lebt und für deren Antrittsrede eine Künstliche Intelligenz Zitate von Albert Einstein und anderen Autoren erfinden durfte. Zugleich warnte die Rede davor, den Ergebnissen künstlicher Intelligenz blind zu vertrauen. Viel peinlicher geht es nicht. De Sutter entschuldigte sich. Konsequenzen dafür gab es nicht. Es ist die Rache der Sith im akademischen Betrieb. Wer erfundene Zitate vorträgt, bleibt Rektor. Wer Plagiate öffentlich macht, lernt die Disziplinarordnung kennen.
Heinz cancelt Jesus
Im britischen Onlineshop von Heinz können Kunden Ketchupflaschen mit einem eigenen Wort auf dem Etikett bestellen. „Allah“, „Islam“, „Muslim“ und sogar „Satan“ nahm das System an. Bei „Jesus“ und „Christ“ verweigerte es den Dienst. Dieselbe Ablehnung traf Begriffe wie „Hitler“ und „Nazi“. Beatrix von Storch machte den Filter öffentlich. Die stellvertretende Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion sprach von einer subtilen Form der Christenfeindlichkeit.
Bild wiederholte den Versuch. Auch dort blieb Jesus zunächst von der Flasche verbannt. Der Hersteller von Heinz gab auch im Nachhinein keine Erklärung, weshalb ausgerechnet die christlichen Begriffe auf der Sperrliste standen. Der Konzern korrigierte den Filter jedoch umgehend. Seine Saucen seien für alle da, teilte eine Sprecherin mit. Inzwischen dürfen Jesus und Christ wieder auf das Etikett. Das Angebot gibt es allerdings nur in Großbritannien und Irland.
Der Fall erinnert an die Turnschuhe von Nike. Kunden konnten ihre Schuhe mit einem Kürzel besticken lassen. Ein damaliger Test zeigte: „SPD“, „CDU“ und sogar „NPD“ waren möglich. Nur „AFD“ entsprach plötzlich nicht mehr den Personalisierungsoptionen. Eine nachvollziehbare Begründung lieferte Nike nicht. Solche Wortfilter wirken nur so lange neutral, bis man sie stresstestet. Dann zeigt sich immer wieder eine erstaunlich zuverlässige Schlagseite. Diesmal half jedoch öffentlicher Widerspruch.
Libertäre dürfen nicht in den Bayrischen Hof in München
Seit 2013 veranstaltet das Ludwig von Mises Institut Deutschland seine Jahreskonferenz im Münchner Bayerischen Hof. Themen der Konferenz sind Marktwirtschaft, Geldpolitik und das immer wiederholte Postulat nach einem möglichst schlanken Staat. Nach der Konferenz 2026 ist damit Schluss. Libertäre müssen draußen bleiben.
Den Auftakt lieferte 2024 die Münchner Abendzeitung. Sie entdeckte im öffentlich angekündigten und später im Internet dokumentierten Treffen einen „Verschwörungsgipfel“. Das Hotel versprach eine Prüfung. Zwei Jahre später legte die Zeitung mit einem „dunklen rechtsextremen Kosmos“ nach. Kurz darauf kündigte der Bayerische Hof das Ende der Geschäftsbeziehung an. Die Konferenz am 17. Oktober darf noch stattfinden, weil der Vertrag bereits geschlossen ist. Danach gibt es keine Räume mehr.
Das Hotel stehe für Weltoffenheit, Toleranz und Demokratie. Eine „Vielzahl“ öffentlicher Äußerungen von Institutsvertretern mache die Zusammenarbeit nach Ansicht des Hotelmanagements unvertretbar. Welche Äußerungen gemeint sind, verrät der Bayerische Hof nicht. Die Abendzeitung verweist auf AfD-Kontakte, die Auszeichnung des argentinischen Präsidenten Javier Milei und radikale Texte aus dem internationalen libertären Umfeld. Das deutsche Institut selbst wird vom Verfassungsschutz nicht beobachtet. Die Behörde sieht bislang keinen Anlass dafür. Ein privates Hotel darf gerne entscheiden, wem es seine Säle vermietet. Denn ausgerechnet diese Vertragsfreiheit gehört zum Kern libertären Denkens. Der Bayerische Hof missbraucht diese Freiheit allerdings zu einem Akt der Ausgrenzung gerade derer, die diese Freiheit besonders verteidigen. Es gibt auch andere schöne Hotels in München.
Herzensangelegenheiten der Caritas
Die Caritas Gesundheit Berlin, ein katholischer Verbund von Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und medizinischen Versorgungszentren in Berlin und Brandenburg, ordnet seine Herzensangelegenheiten neu. In der offiziellen Kommunikation werde das blaue Herz künftig nicht mehr verwendet, so heißt es in einem Leitfaden. Es könne im deutschen Social-Media-Kontext politisch missverstanden werden. Blau gehört bekanntlich der bösenbösen Schwefelpartei. Auch schwarze Herzen, Wassermelonen und Blitze stehen im internen Leitfaden unter Verdacht.
Die Melone gilt als Zeichen der Palästina-Solidarität, zwei Blitze erinnern an die SS. Was das schwarze Herz verbrochen hat, erklärt das Papier nicht. Vielleicht trauert es nur um die Unschuld der Emojis. Die Regel gilt für offizielle Kanäle der Einrichtungen und für das Intranet. Wer auf privaten Konten über seine Arbeit schreibt, soll ebenfalls sensibilisiert werden. Damit kümmert sich die Caritas nicht mehr nur die Gesundheit der Menschen an Leib und Seele. Sie achtet nun auch auf die politisch korrekte Farbe im Umgang miteinander. Das blaue Herz ist ausgestoßen. Das rote gilt weiterhin als Zeichen der Nächstenliebe.
Man könnte den Vorfall als kleines, unbedeutendes Aperçu abtun, doch das ist er nicht. Wenn sich eine Organisation in solcher Weise so tief in die Kommunikation seiner Mitarbeiter einmischt, dann ist Gefahr im Verzug. Das Recht auf freie Meinungsäußerung gilt auch für Emojis. Weder steht ein blaues Herz unbedingt für die AfD noch ist ein Blitz eine nationalsozialistische Rune. Um es mit einem vermutlich apokryphen Siegmund-Freud-Zitat zu sagen: „Manchmal ist eine Zigarre einfach nur eine Zigarre“. Doch nicht selten ist das Canceln bestimmter Formen der Kommunikation der erste Schritt zur Ausgrenzung von Menschen.
Eine TERF, eine Kugel
Die australische Frauenrechtlerin Sall Grover sollte am 23. August auf einer Kundgebung in Sydney sprechen. Die Teilnehmer verlangten, Frauen im australischen Antidiskriminierungsrecht wieder anhand des biologischen Geschlechts zu definieren. Ferner sollten geschützte Räume für Frauen ausschließlich für biologische Frauen zur Verfügung stehen. Grover ist Gründerin der Frauen-App „Giggle for Girls“. Weil sie eine Transfrau von der Plattform ausschloss, wurde sie wegen Diskriminierung verurteilt. Kurz vor der Kundgebung erhielt ihre Mitstreiterin Kirralie Smith eine private Nachricht von einem Absender, der sich „Riles“ nannte.
Darin wurde Smith eine Kugel in den Kopf angedroht. Die Nachricht enthielt außerdem ein Foto Grovers mit der Aufschrift „1 TERF 1 bullet“. TERF steht für „Trans-Exclusionary Radical Feminist“, auf Deutsch „trans-ausschließende radikale Feministin“. Der Ausdruck bezeichnet Feministinnen, die Transfrauen nicht als Frauen anerkennen oder deren Einbeziehung in Frauenräume ablehnen. Er wird heute häufig abwertend als politisches Schimpfwort verwendet. Smith meldete die Drohung nach eigenen Angaben der Polizei. Dass solche Drohungen ernst gemeint sind, sollte nach der Ermordung von Charlie Kirk niemand bezweifeln.
Grover zog ihre Teilnahme zurück. Sie wolle weder sich noch andere Frauen in Gefahr bringen, erklärte die alleinerziehende Mutter einer vierjährigen Tochter. Wer hinter der Drohung steht, ist nicht geklärt. Die angesprochenen Transaktivistengruppen äußerten sich auf Anfrage des „Australian“ nicht. Die Kundgebung fand ohne Grover statt. Ausgrenzung durch Androhung von Gewalt ist eine totalitäre, freiheitsfeindliche Methode der Cancel culture.
Hier endet der allwöchentliche Überblick des Cancelns, Framens, Empörens, Strafens, Umerziehens, Ausstoßens, Zensierens, Denunzierens, Entlassens, Einschüchterns, Moralisierens, Politisierens, Umwälzens und Kulturkämpfens. Wir dürfen damit rechnen, dass es noch lange ungebremst weitergehen wird. Bis nächste Woche!
Ein Archiv der Cancel Culture in Deutschland mit Personenregister finden Sie unter www.cancelculture.de. Um auch weniger prominente Betroffene aufnehmen zu können, sind die Betreiber der Website auf Hinweise angewiesen. Schreiben Sie ihnen gerne unter cancelculture@freiblickinstitut.de
@Th. Gerbert / „28.08.2026
@L. Luhmann – Sie schrieben: “Anscheinend hat Arday tatsächlich ein Gewissen gehabt zu haben.„“ --- Nun, er hat sich äußerst ehrenhaft und final abgemeldet, nicht wahr?
Das Übelste: Sie veröffentlichen auch noch die Namen der Unternehmen, die sich drohen lassen. Ist das schon erpressen? All diese Unternehmen können nur verlieren. Gerne nochmals zur Erinnerung, wer hier auf Spur gebracht wird und sich brav auf Spur bringen lässt. 90 Unternehmen soll´s sein. Hier eine Auswahl: Aldi Süd, Kleinanzeigen, Indeed, XXXLutz, DEVK, Constantin Film, Wolt, Bergfreunde, Immowelt, Euronics, Axa, die Berliner Wasserbetriebe, Milram, dm, ImmoScout, Edeka, FlixTrain, BiFi, Klosterfrau und Procter & Gamble. Neun weitere Unternehmen wollen den Vorgang zunächst prüfen. Dazu gehören unter anderem Rewe, Booking, Samsung, Krombacher, Sumup und LG Electronics.
Um Edeka mache ich einen großen Bogen
Soso, Heinz Ketchup stellt also Mohammed, Allah,Muslim, Hitler, Nazi, Satan und Islam in eine Reihe. Zum Glück gehört Jesus und Christ nicht dazu.
Kennen wir das nicht schon aus anderen totalitären Staaten, wo bestimmt wird, was man sagen und machen darf bzw, nicht machen darf?
Das Beste ist, dass man cancelt, dann aber gleichzeitig noch die Demokratie-Fahne vor sich her trägt. Hat hat was von Komik, ist aber ganz und gar nicht komisch.
Wie sagte Bärbel Boley, DDR Bürgerrechtlerin:>>Die Verbote, das Beobachten, der Argwohn, die Angst, das Isolieren und Ausgrenzen, das Brandmarken und Mundtotmachen derer, die sich nicht anpassen, das wird wiederkommen. Man wird Einrichtungen schaffen, die viel effektiver arbeiten, viel feiner als die Stasi<<
Und wenn man darauf hinweist, ist man Schwurbler oder Verschwörungstheoretiker.
Soso, die Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler. Die deutsche Kolonialherrschaft war von Ausbeutung, Enteignung und extremer Gewalt geprägt (sagt die KI). Und dann noch Händler statt Handelnde. Gehört sofort gecancelt.
Für das Versehen des Mannsweibs gibt’s aber eine Entschuldigung: Fast alle angeblichen Zitate Einsteins sind garnicht von ihm. Kann passieren.
Falschparken gegen Rechts. Macht alle mit!