Jeder normale Mensch, der schon einmal Kinder aus Fleisch und Blut in freier Wildbahn erlebt hat, kann wissen, dass Beleidigungen, Beschimpfungen, übelste Tiernamen, sexuelle Zuschreibungen und andere schwerst kriminelle Bezeichnungen im gewöhnlichen Alltag eines Kindes wenige Tage nach Eintritt in den Kindergarten der kommunikative Normalfall im freundschaftlichen Umgang miteinander ist. Der Wortschatz an krassesten Vulgärworten wächst innerhalb kürzester Zeit exponentiell. Die Aufgabe der Erwachsenen, also Eltern, Lehrer und Erzieher, ist es, diese Kommunikation im Laufe des Heranwachsens wieder in eine zivilisierte Form zu bringen. Aufgabe der Polizei ist das nicht.
Anders jetzt in Großbritannien. Britische Polizeibehörden erfassen nun laut Medienberichten auch Schulkinder wegen sogenannter „Non-Crime Hate Incidents“ (NCHI), etwa wenn sie auf Spielplätzen aneinander geraten, was ja vorkommen soll. Ein Neunjähriger wurde nach einer Beleidigung eines Mitschülers amtlich registriert. Zwei Schülerinnen gerieten nach einem Streit über Körpergeruch in den Fokus der Ermittler, weil sie zu einem Mitschüler gesagt hatten, er „stinke wie ein Fisch“.
Hintergrund ist eine staatliche Leitlinie, die „Non-Crime Hate Incidents“ erfassen soll. Es gibt bereits eine ganze Reihe von Fällen, in denen Kinder als Täter von NCHIs gemeldet wurden, das ergab eine Anfrage der Times an die Polizei. Die staatliche Leitlinie besagt, dass solche Vorfälle erfasst werden sollen, die „eindeutig durch vorsätzliche Feindseligkeit motiviert sind“ und bei denen ein reales Risiko einer Eskalation besteht, die „erheblichen Schaden oder eine Straftat“ zur Folge haben könnte. Die Kriterien dafür, wann dies tatsächlich der Fall sein könnte, sind offenbar weit dehnbar, wie inzwischen bei derartigen Gesetzen und Verordnungen leider üblich. Ein solches Gesetz können sich nur linke, kinderlose und kinderhassende Berufspolitiker einfallen lassen, die keine Ahnung davon haben, dass es unter Kindern manchmal ziemlich rau und gemein zugeht.
Die Internationale verlässt X
Völker hört die Signale! SPD, Grüne und Linke ziehen sich koordiniert von X zurück. Sie begründen den Schritt damit, dass die Plattform „im Chaos versunken“ sei und zunehmend Desinformation statt konstruktiver politischer Debatten fördere. Das Gegenteil ist der Fall. X ist die einzige Plattform, die nicht jedes Posting, das dem Linken Mainstream widerspricht, gleich löscht, zensiert oder in den Shadowban stellt. Ein Shadowban ist eine verdeckte Einschränkung auf einer Online-Plattform. Der User kann weiter posten, kommentieren oder sein Profil nutzen, aber die Inhalte werden anderen kaum oder gar nicht angezeigt. Auf X wird lebhaft diskutiert und auch umstrittene oder krude Meinungen haben ein Recht vorzukommen.
Der übliche Linke verträgt allerdings keinen Widerspruch und findet jede nichtlinke Meinung unerträglich. Mit „Nazis raus“, so sagte eine linke Funktionärin einst im Umfeld einer Demo gegen rechts, seien auch Christdemokraten mitgemeint. Da auf X sowohl deren Ansichen, als auch dezidiert wert- oder strukturkonservative Ansichten zu Wort kommen, Ordo- und Wirtschaftsliberale posten dürfen und selbst Verschwörungstheoretiker ihren Senf abgeben können, fühlen sich linke Gruppen unwohl. Fazit: Offizielle Partei- und Fraktionsaccounts sollen nicht weiter bespielt werden. Viele Akteure wechseln zu langweiligen Alternativen wie Bluesky. Linke Kritiker warnen, man überlasse X damit sogenannten radikaleren Stimmen. Menschen, die denken können und wollen, finden den Rückzug ebenfalls schlecht, da zu einem gesunden Diskurs auch linke Stimmen dazugehören. Zu bedenken ist, dass dieser koordinierte Rückzug zeigt, wie weit die Neuauflage einer Art SED in Deutschland schon wieder gediehen ist, wenn die linken Parteien ihre Kommunikation bereits als Kollektiv betreiben.
Antisemitische Künstler boykottieren den ESC
Über 1.100 Musiker und Kulturschaffende fordern in einem offenen Brief der umstrittenen Initiative „No Music For Genocide“ einen Boykott des ESC 2026 in Wien, solange Israel teilnehmen darf. Sie werfen der Europäische Rundfunkunion (EBU) Doppelstandards vor, weil Russland nach dem Angriff auf die Ukraine ausgeschlossen wurde, Israel trotz des Gaza-Kriegs aber weiter antreten soll. Unterzeichnet haben internationale Künstler wie Massive Attack, Brian Eno, Kneecap und Sigur Rós sowie deutsche Namen wie DJ Paypal, Mechatokt, Nirit Sommerfeld und Stephan Mathieu. Fünf Länder – Spanien, Irland, die Niederlande, Slowenien und Island – haben ihren Rückzug bereits bestätigt. Gleichzeitig gibt es Gegenprotest: Mehr als 1.000 Prominente, darunter Helen Mirren, Gene Simmons und Amy Schumer, warnen, dass ein Israel-Ausschluss Künstler wegen ihrer Herkunft bestrafen und dem verbindenden Geist der Kunst widersprechen würde.
Dass allerdings auch der Kunst Antisemitismus nicht fremd ist, zeigen Events die wie documenta in Kassel immer wieder. Linke Kultur steht schon wegen der grundsätzlichen Imperialismuskritik gegen Israel. Aber auch politisch gehen Kunst und Antisemitismus Hand in Hand. Unvergessen die antisemitischen Skandale und Eskapaden der ehemaligen Kulturstaatsministerin Claudia Roth. Nun ist der ESC nicht die Welt, und der Kulturbetrieb eines Landes ist nicht das Land. Was bleibt, ist der Protest, den es gegen jeglichen Antisemitismus zu formulieren gilt. Dass die Politik des Staates Israel selbstverständlich kritisiert werden darf, sollte außer Frage stehen. Anderfalls entstünde die absurde Situation, dass israelische Oppositionspolitiker des Antisemitismus verdächtig würden. „Wenn man etwas besonders Dummes hören will“, sagte Marcel Reich-Ranicki einmal, dann müsse man einen Schriftsteller nur nach seiner politischen Meinung fragen. Für Musiker scheint es äquivalent zu gelten.
Dieses Fleisch ist haram
In Bremen sorgt ein Vorfall im Kinder- und Familienzentrum Marßel für einen veritablen Skandal. Dort soll Kindern Schweinefleisch ohne Kennzeichnung angeboten worden sein. Die Regel der Kita sagt, dass religiöse und kulturelle Essensregeln in der Kita berücksichtigt werden sollen. Der Träger KiTa Bremen leitete prompt ein Prüfverfahren und rechtliche Schritte ein. Mehr noch, die mutmaßlich verantwortliche Mitarbeiterin wurde freigestellt und beendete ihr Arbeitsverhältnis. Wie die Junge Freiheit berichtet, prüft der Staatsschutz, ob strafbare Handlungen vorliegen. Der Wind weht klar aus einer Richtung, im Raum steht der Verdacht eines rassistischen Motivs. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen, eine Mitarbeiterin verliert ihren Job, weil sie vergessen hat, ein Hinweisschild aufzustellen. Das mag ärgerlich sein, vielleicht auch peinlich. Da keine gesundheitliche Gefährdung vorlag, dürfte man wohl ein solches Vergehen mit einem milden Verweis als erledigt betrachten. Das war einmal!
Die Bremer Bildungsbehörde spricht von einem Einzelfall, entschuldigte sich brav und kündigte Besserung in Gestalt neuer Sensibilisierung der Mitarbeiter sowie vorübergehend externe Verpflegung an. Der Islam-Dachverband Schura kritisierte einen Vertrauensverlust. Eltern wurden auf einem Elternabend informiert. Um es an dieser Stelle klar zu sagen, religiöse oder kulturelle Speisegebote zu achten ist eine Sache. Es ist allerdings nicht Sache des weltanschaulich neutralen Staates, religiöse Gebote in seinen Einrichtungen durchzusetzen. Zählen wir mal grob auf, was alles zu beachten wäre. Es gibt Veganer, Vegetarier, Zuckerunverträgliche, Glutenunverträgliche, Laktoseunverträgliche, Muslime essen kein Schweinefleisch, Juden essen kein Schweinefleisch und keine Schalen- und Krustentiere, Hindus essen keine Kühe und vieles andere mehr. Wer ehrlich zu sich selbst ist, muss eingestehen, dass Gemeinschaftsverpflegung im 21. Jahrhundert längst nicht mehr leistbar ist. Jeder Werkskantinenbesucher weiß es, das war eigentlich schon immer eine Illusion. Vielleicht sollten Kinder ihr eigenes Essen in Kita und Schule mitbringen, wie es zu Kinderzeiten der Boomer noch normal war. Und wenn der Lehrer nicht guckte, dann durfte Ali mal am Schnitzel abbeißen.
Wegen Klima kein goldener Doktor
Die Universität Wien hat eine geplante Ehrung für den Mathematiker und ÖVP-Wissenschaftssprecher und preisgekrönten Mathematiker Rudolf Taschner abgesagt. Er hätte 50 Jahre nach seiner Promotion das „Goldene Doktordiplom“ erhalten sollen. Der Senat der Universität entschied jedoch gegen die Verleihung. Hintergrund sind laut Berichten kontroverse öffentliche Aussagen Taschners, unter anderem zum Klimawandel, zu Förderregeln des Wissenschaftsfonds FWF sowie zu Gender- und Postcolonial-Studies. Kritiker aus der ÖVP monieren die ideologisch motivierten Entscheidung und sehen darin einen Angriff auf Wissenschafts- und Meinungsfreiheit. ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti kritisierte die verwehrte Auszeichnung als im Wissenschaftsbetrieb untragbare ideologische Zensur: „Wenn sich Wissenschaft zum Erfüllungsgehilfen von Ideologie macht, verliert sie ihren Wert als objektive und unvoreingenommene Instanz, der sie für unsere Gesellschaft gerade so wichtig macht.“
Die Universität begründet den Schritt hingegen mit Taschners Aussagen zu Evidenz, Autonomie und Freiheit der Wissenschaft. Der Fall löste in Österreich eine Debatte darüber aus, ob Universitäten bei Ehrungen politische Positionen berücksichtigen dürfen oder damit unzulässig Gesinnung prüfen. Jeder denkende Mensch sollte sofort klar sehen, dass sich genau dies verbietet. Wissenschaft lebt vom Diskurs, von der Provokation, vom Widerspruch auch gegen das, was scheinbar unumstrittener Mainstream ist. Die Uni Wien sollte Taschner dankbar sein, die Gender-, Klima- und Kolonialdogmen hinterfragt zu haben und ihn dafür umso mehr ehren. In Zeiten woker Cancel Culture ist es für kritische Geister tatsächlich eher als eine Ehrung anzusehen, von einer Hochschule diskriminiert zu werden. Insofern hat Taschner vielleicht die weitaus höhere Auszeichnung erhalten.
Kritische Sängerin gecancelt
Die Sängerin Róisín Murphy berichtete jüngst bei einer Parlamentsveranstaltung in London über die Folgen einer Kontroverse aus dem Jahr 2023. Damals hatte sie in einem privaten Facebook-Kommentar Pubertätsblocker für Kinder scharf kritisiert und gefordert, Frauen nicht als „Terfs“ zu beschimpfen. Inzwischen hat sich die Praxis der Vergabe der hochriskanten Pubertätsblocker an Kinder in England entschieden gewandelt. Nach ihrer Äußerung wurde sie öffentlich angegriffen. Laut Murphy brachen Freundschaften, berufliche Netzwerke und Unterstützung im Musikbetrieb schlagartig weg. Die übliche Cancel Culture, die jeder erlebt, der sich öffentlich dem links-woken Mainstream entgegenstellt.
Der Spectator-Autor Brendan O’Neill wertet den Fall konsequenterweise als Beispiel für Cancel Culture in der Kunst. Anlass der Veranstaltung war ein Bericht von „Freedom in the Arts“ (FITA), der zunehmende Boykotte im Kulturbetrieb beschreibt. FITA ist eine britische Initiative, die sich für Meinungs- und Kunstfreiheit im Kultursektor einsetzt. Sie untersucht Fälle von Absagen, Boykotten, Selbstzensur und beruflichem Druck gegen Künstler, Kuratoren oder Kulturschaffende wegen kontroverser politischer oder gesellschaftlicher Positionen. Erwähnt werden darin auch jene gegen jüdische und israelische Künstler nach dem 7. Oktober 2023. Genannt wird unter anderem die britisch-jüdische Band Oi Va Voi, deren Auftritte wegen einer israelischen Sängerin abgesagt worden seien. Bekannt wurde FITA unter anderem durch den Bericht „Afraid to Speak Freely“. Darin heißt es, viele Befragte im britischen Kunst- und Kulturbereich fühlten sich nicht frei, ihre Meinung öffentlich zu äußern; die Organisation sieht eine Zunahme von Cancel Culture, Boykottlogik und Selbstzensur.
Hier endet der allwöchentliche Überblick des Cancelns, Framens, Empörens, Strafens, Umerziehens, Ausstoßens, Zensierens, Denunzierens, Entlassens, Einschüchterns, Moralisierens, Politisierens, Umwälzens und Kulturkämpfens. Wir dürfen damit rechnen, dass es noch lange ungebremst weitergehen wird. Bis nächste Woche!
Ein Archiv der Cancel Culture in Deutschland mit Personenregister finden Sie unter www.cancelculture.de. Um auch weniger prominente Betroffene aufnehmen zu können, sind die Betreiber der Website auf Hinweise angewiesen. Schreiben Sie ihnen gerne unter cancelculture@freiblickinstitut.de.
Soll meinetwegen jeder sein religiöses Zipperlein haben. Der Skandal ist aber vor allem, dass es in der KiTa ein allgemeines Schweinefleischverbot gab und gibt, wie man liest. Nun ist man versucht zu sagen: Naja, in einer Stadt, in der die SED mitregiert, geschehen eben repressive SED-Dinge. Tja, schön, wenn sich diese Art der Repression nur auf solche Städte beschränken würde. Ältere werden sich übrigens erinnern: Religionskritik war mal essentiell für Linke fast jeglicher Strömung, damals, als ein noch ein paar mit Verstand gab.
„Schweinefleisch (…) freigestellt (…) prüft der Staatsschutz, ob strafbare Handlungen vorliegen.“
Da würde ich mich als Mitarbeiter auf die Hinterbeine stellen und die Rechtsgrundlage hierfür nennen lassen. Viel Spaß dann.
Alles ist vergiftet. Und wenn etwas nicht vergiftet ist, dann wird es vergiftet werden!
Gibt´s eigentlich SPEAKERS CORNER am HydePark noch?