Bücher sind für gewöhnlich geduldige Zeitgenossen, weil sie aus Papier bestehen und Papier ist, wie das Sprichwort weiß, geduldig. Manchmal allerdings platzt jenen der Kragen, die Papier mit schwarzer Farbe haben bedrucken lassen: Den Autoren. So geschehen ist es in Münster. In der dortigen Stadtbibliothek stehen rund 350.000 Bücher geduldig herum. Einige der Bücher haben in jüngster Zeit einen Disclaimer bekommen. So sagt zum Beispiel einer dieser Warnhinweise: „Dies ist ein Werk mit umstrittenem Inhalt. Dieses Exemplar wird aufgrund der Zensur-, Meinungs- und Informationsfreiheit zur Verfügung gestellt.“
Dagegen hat sich der Autor dieses Buches nun mit Erfolg gewehrt. Der DFN-Infobrief Recht berichtet über den Fall. Zuerst hatte das Verwaltungsgericht in Münster den Antrag des Klägers abgelehnt, den Hinweis zu entfernen. In zweiter Instanz hat nun allerdings das Oberverwaltungsgericht Münster dem Kläger recht gegeben. Das OVG Münster hatte hier über einen Antrag auf einstweilige Anordnung zu entscheiden. Nach einer Abwägung über die Erfolgsaussichten einer solchen Sache in der Hauptverhandlung fällten die Richter eine Entscheidung auf Grundlage dieser Einschätzung. Dadurch soll die vorläufige Regelung die beteiligten Interessen am besten sicherstellen. Im Ergebnis, so der DFN-Infobrief, hat das OVG Münster dem Autor einstweilen Recht gegeben. Das Gericht verpflichtete die Stadtbibliothek also dazu, die Warnhinweise zu entfernen.
Die Bücher sollen sehr krude Inhalte haben, die historische Tatsachen leugnen und ähnliches. Das darf allerdings nicht dazu führen, dem Leser vorzuschreiben, was er über das Buch zu denken hat. Betreutes Denken sollte nicht die Aufgabe einer Bibliothek sein, nicht einmal dann, wenn es sich um eine Stadtbibliothek handelt.
Verbannung, weil zu jung
Nachdem nun in Australien seit dem 10. Dezember vergangenen Jahres alle Teenager unter sechzehn nicht mehr in Soziale Netze dürfen, soll es nun in Frankreich ein Gesetz geben, das alle jungen Menschen unter 15 aus den sozialen Netzen verbannt. Die Regierung in Frankreich plant, Onlineplattformen wie Instagram, Tiktok und andere vom Herbst 2026 an für alle Jugendlichen unter 15 Jahren zu verbieten. Das steht so in einem Gesetzentwurf hervor, der in Kürze im Parlament beraten werden soll.
Starten soll das Verbot ab dem 1. September 2026. Begründet wird die Initiative mit zahlreichen Studien und Berichten, die aufgezeigt hätten welche Risiken mit einer „exzessiven Nutzung“ von Onlinenetzwerken durch Minderjährige einhergehen. Dabei gehe es darum, Zugang zu „unangemessenen Inhalten“, „Onlinemobbing“ zu verhindern und durch die Nutzung der Netze festgestellter „Veränderungen des Schlafs“ entgegenzuwirken. In einem weiteren Schritt soll ein Verbot der Nutzung von Handys auf Gymnasien beschlossen werden. Eine entsprechendes Verbot gilt bereits seit 2018 ab der Vorschule und an anderen Schulen.
Der unkontrollierten Digitalisierung entgegenzuwirken, ist ganz sicher eine gute Idee. Nur leider wirken Verbote hier eher kontraindiziert. Die jungen Leute sind mit den modernen Techniken so gut vertraut, dass sie die Wege in die Netze am Verbot vorbei finden und gehen werden. Wer wirklich ein Recht auf analoges Leben für junge Menschen durchsetzen will, hat primär einen Bildungsauftrag, denn nur über Aufklärung und Einüben analoger Verhaltensweisen kann man schädliche Aspekte der Digitalisierung begrenzen.
Winter: Bus und Bahn kommen nicht
Alle reden vom Wetter. Wir nicht. Die Bahn. Wer unter den hier anwesenden Boomern erinnert sich nicht an diesen Spruch und mehr noch, daran, dass er den Tatsachen entsprach. Der Weg von Osnabrück ins tief verschneite Sauerland zu den Großeltern nach Weihnachten für den Rest der Ferien war mit der Bahn ein Klacks. Die Züge kamen pünktlich, egal, was der Wetterfrosch sagte.
Heute fallen nicht nur Busse, denen man bei glatten Straßen den Ausfall zubilligen mag, sondern auch Bahnen bei der ersten Schneeflocke aus. Ganz konkret meldete beispielsweise der Privatbahn-Betreiber Metronom zu Beginn des Jahres, dass es auf allen seinen Strecken zu Ausfällen und hohen Verspätungen kommt. Ebenfalls betroffen ist weiterhin die Metronom-Verbindung zwischen Bremen und Hamburg. Das meldet das Webportal butenundbinnen.de „Angesichts der aktuellen Witterung stoßen die Systeme an den Schienenstrecken an ihre technischen Grenzen", teilte der Privatbahn-Betreiber mit. Der Schnee könne nicht mehr vollständig abgetaut werden und gefriere in vielen Fällen unmittelbar erneut, so das Portal weiter. Weichen und Signale fielen ebenfalls aus. Verspätungen und Teilausfälle gab es ebenfalls bei den Nahverkehrsverbindungen zwischen Bremen und Hannover sowie zwischen Bremerhaven und Osnabrück. Privatbahnen reden doch vom Wetter. Wir wollen die alte Bundesbahn zurück. Die Züge waren vielleicht weniger stylisch, aber sie fuhren.
Der Davidstern fehlte
Den Davidstern zu löschen, bedeutet Juden unsichtbar machen. Man kann hier mal die so gerne von Wokeisten benutzte Argumentationsfigur bemühen. Bei einem Neujahrsfeuerwerk in London am London Eye wurden Dutzende von Flaggen auf das London Eye projiziert. 100.000 Menschen standen am Ufer der Themse, um das Jahr 2026 zu begrüßen. Bei der israelische Flagge war in der BBC-Berichterstattung nur weiß mit zwei blauen Streifen zu sehen – und der Davidstern, der die jüdische Identität symbolisiert, war nicht sichtbar.
Das Büro des Bürgermeisters bestritt vehement, den Davidstern entfernt zu haben. Es sagte, dass die Flaggen nicht immer klar zu sehen seien, da sie relativ klein und bewegt in der Animation dargestellt würden. Die Zuschauer im Fernsehen sahen jedoch definitiv eine leere Stelle, wo der Davidstern hätte sein sollen. Das Problem scheint andere blau-weiße Flaggen während der Darstellung betroffen zu haben. Als der betroffene Abschnitt der Animation zu Ende geht, soll der Davidstern schwach auf der israelischen Flagge zu sehen gewesen sein. Ein Sprecher des Rathauses sagte der Daily Mail: „Eine Reihe von Flaggen wurde auf dem London Eye gezeigt, um die große Vielfalt der Herkunftsländer der Menschen darzustellen, die in London leben und zum Erfolg beitragen. Diese animierten Flaggen waren klein und beweglich und waren daher nicht alle an jeder Stelle ganz klar.“
„Nicknegerle“ entfernt
Die Diözese Rottenburg-Stuttgart hat eine Figur des „Nicknegerles“ aus der Wallfahrtskirche Weggental bei Rottenburg am Neckar im Kreis Tübingen entfernt. Derartige Spendenfiguren standen viele Jahre völlig unbeanstandet an den Krippen. Woke Kräfte sehen darin Rassismus und treten seit Jahren Diskussionen darüber los. Weihnachten solle als Botschaft des Friedens wahrgenommen werden, so teilte es die Diözese Rottenburg-Stuttgart mit. Damit das Fest und die Botschaft nicht durch Debatten über das Erbe des Kolonialismus oder durch Streit über bestimmte Darstellungen aus dem Fokus geraten, habe die Diözese die angeblich umstrittene Figur entfernen lassen.
Traditionell wird diese Spendenfigur, die sich vorwiegend an Kinder richtet, mit schwarzer Hautfarbe dargestellt. In früheren Jahren wurde das in der Schule so erklärt, dass wir Kinder aus dem reichen Nordwesteuropa den armen und zum Teil hungernden Kindern in Afrika etwas von unserem Taschengeld abgeben. Dankbar nickte das kleine afrikanische Kind, das von so manchem deutschen Kind außer einer Münze ein liebevolles Lächeln bekam. So wird der woke Verzicht der umstrittenen Diözese Rottenburg-Stuttgart unter den Besuchern der Wallfahrtskirche kontrovers diskutiert. Im Jahr 2008 hatten Unbekannte in einem Akt von Vandalismus die Parole „Nicken für Rassismus“ an die Wand der Kirche gesprüht. Die Polizei vermutete einen Zusammenhang zur Diskussion über die Spendenfigur. Sogar der Staatsschutz wurde damals in die Ermittlungen einbezogen. Nun will die Diözese die Figur in der Wallfahrtskirche definitiv nicht mehr einsetzen.
Es gibt auch gute Abschiebung
Mehrere Petitionen auf dem Portal Change.org, die die Abschiebung von Nicki Minaj in ihr Geburtsland Trinidad und Tobago fordern, haben zusammengerechnet mehr als 120.000 Unterschriften erreicht. Die erfolgreichste Petition – mit über 83.000 Signaturen – wurde am 9. Juli 2025 gestartet. Diese nennt unter anderem Minajs „Belästigung“ der „Carters“ als Auslöser. Ferner existieren mindestens drei weitere Petitionen, die zwischen dem 21. und 28. Dezember 2025 erstellt wurden. Sie stehen im Zusammenhang mit Minajs Auftritt am 21. Dezember gemeinsam mit Erika Kirk bei „Turning Point USA’s AmericaFest“, bei dem die Rapperin die Regierung von Präsident Donald Trump lobte. Das darf natürlich nicht akzeptiert werden. Eine der jüngeren Petitionen wurde schließlich am 27. Dezember gestartet. Sie verzeichnet bereits über 41.000 Unterschriften. Diese zeigt ein Foto, auf dem Minaj Kirk abklatscht. Der Verfasser der Petition behauptet, Minaj habe ihre LGBTQ-Fans „zutiefst enttäuscht“. Dazu verwies er auf Aussagen der Rapperin beim „AmericaFest“. „Jungs sollen Jungs sein. Daran ist nichts falsch.“
Fassen wir zusammen, Rapperin, konservativ, mit Erika Kirk befreundet und nicht genderkorrekt. Da darf man abschieben. Es ist mehr als nur ein wenig fraglich, ob man auch dann 120.000 Unterschriften für die Abschiebung bekommen hätte, wäre besagte Rapperin eine linke Aktivistin mit Gewalthintergrund.
Hier endet der allwöchentliche Überblick des Cancelns, Framens, Empörens, Strafens, Umerziehens, Ausstoßens, Zensierens, Denunzierens, Entlassens, Einschüchterns, Moralisierens, Politisierens, Umwälzens und Kulturkämpfens. Wir dürfen damit rechnen, dass es noch lange ungebremst weitergehen wird. Bis nächste Woche!
Ein Archiv der Cancel Culture in Deutschland mit Personenregister finden Sie unter www.cancelculture.de. Um auch weniger prominente Betroffene aufnehmen zu können, sind die Betreiber der Website auf Hinweise angewiesen. Schreiben Sie ihnen gerne unter cancelculture@freiblickinstitut.de
Apropos Canceln: Wer sich mal richtig gruseln will, sollte sich ansehen, was Daniel Günther (CDU) zum ggfs. ‚notwendigen‘ Verbot von Presseorganen gesagt hat, speziell über NIUS.* Ich dachte, die NIUS-Leute übertreiben vielleicht etwas für Clickbait, aber auch ich höre genau das heraus – das man, um Demokratie zu schützen, auch zu Verboten greifen müsse, was die Presse angeht. Man sehe und interpretiere selbst: NIUS-Artikel: „Video-Beweis! Kim Jong Günther (CDU) will NIUS verbieten“ mit der entsprechenden Video-Sequenz. Offenbar ist man in gewissen Kreisen immer noch sauer, dass man Brosius-Gersdorf nicht durchsetzen konnte. Ich kann mich übrigens nicht erinnern, bei NIUS jemals etwas Verfassungsfeindliches gelesen zu haben. Wie kommt man also auf solche Ideen? Brosius-Gersdorf hat sich ja jüngst bitter über die mangelnde Fraktionsdisziplin bei der damaligen Abstimmung über ihre Ernennung zur Verfassungsrichterin beklagt. Aber müsste eine Kandidatin für das BVerfG nicht wissen, dass Abgeordnete letztlich nach ihrem Gewissen entscheiden?
Übrigens kenne ich auch ein paar Autoren, die „historische Tatsachen geleugnet“ haben, und zwar gegen ihr besseres Wissen. Z.B. Friedrich Schiller („Die Jungfrau von Orlean“, „Don Karlos“, „Wallenstein“ uva.) und sein genialer russischer Schüler Alexander Puschkin („Boris Godunow“, „Mozart und Salieri“). Aber immer noch fehlen die Warnhinweise, Uschi muss es doch unter Kontrolle bringen!
(Übrigens. Wer in diesem Zusammenhang auch an Shakespear denkt, legt falsch. Dieser leugnete die historischen Tatsachen nicht; er hat einfach von diesen Tatsachen keine Ahnung.)
Unser existentielles Problem hat einen Namen: TYRANNEI! Kleingeistige, böswillige, zersetzende Tyrannei, die sich das Schild „OFFENE GESELLSCHAFT“ vorn und „DSGVO und MENSCHENRECHTE“ hinten umgehangen hat, aber beide Parolen aktiv unterhöhlt. Es ist die TYRANNEI DER LÜGE!
„Wer erinnert sich nicht an Völkerball- oder Fußballspiele in seiner Kindheit? Wer nicht oder nur mit Widerwillen in eine Mannschaft gewählt wurde: der war ausgegrenzt.“ Als einer der Besten in fast jeder Sportart durfte ich wählen und wählte immer zuerst Oliver F. in mein Team, den schwächsten der Schwachen, vermutlich der ganzen Schule; statt den Sportlehrer. Habe ich damals etwa die Besten und den Sportlehrer ausgegrenzt?
„Heute fallen nicht nur Busse, denen man bei glatten Straßen den Ausfall zubilligen mag, sondern auch Bahnen bei der ersten Schneeflocke aus.“
Wenn die bei der Problemlösung nur halb so kompetent wären, wie dabei, Erklärungen für ihr Versagen zu auszuklügeln, wären wir ein enormes Stück weiter. In Japan schneit und regnet es deutlich intensiver als in Deutschland, wie schaffen die es bloß, dass deren Bahnverkehr nicht zusammenbricht? Man muss eben von denen lernen, die es besser als Deutschland können, das sind mittlerweile eine ganze Menge und es werden stetig mehr!
„Ausgrenzung ist einfach das falsche Wort, wenn man jemandem in der Meute auf Schritt und Tritt hinterhersteigt“
Nur dass das im Artikel dieser Woche gar nicht vorkommt. *kopfschüttel*
@ Bernhard Freiling Sie haben natürlich Recht, aber mit der Markierung von Büchern oder Menschen oder der Veröffentlichung privater Bilder im Netz ist eine neue Dimension erreicht.
Das Markieren wird zu einer lebensbedrohenden Waffe.
Im persönlichen Kreis wie bei Ihren Beispielen ist die Auswirkung eingedämmt. Die Möglichkeit besteht auch, daß man in sich geht und davon verabschiedet, ein Partielöwe zu sein.
Man(n) findet ja auch nicht bei jeder Frau den Wiederhall. Gilt auch umgekehrt. Ein bißchen ausgegrenzt zu werden, gehört zum Leben.
Und die Presse läßt oft das nötige Feingefühl vermissen. Kritiker im politischen Fahrwasser halten sich dann leicht für den Nabel der Welt, wie die umstrittene Tagesschau, oder Reich-Ranitzky. Zu schweren Verwerfungen im Verlagswesen hat er aber trotzdem nicht geführt.
Der hat den jungen Autoren immer den Ranitzky-Marsch geblasen.
Die Zeitungen funktionierten damals noch anders, die waren immer parteinah. Da wußte jeder, daß die nicht objektiv sind.
Zeitungen können aufklären, aber damit kann die Kritik auch sehr leicht als Waffe mißbraucht und eine gefährliche Qualität kriegen. Vor allem, wenn die sich ans Regime ranwanzen und mit verbotenen Methoden beim unwilligen Publikum abkassieren.
Vielleicht sehen Die das ja ähnlich, mal sehen, da kommt ja wohl noch was?