Walter Schmidt / 18.07.2010 / 19:14 / 0 / Seite ausdrucken

Ausgeolt

Mit Ole von Beust tritt der sechste CDU-Landesfürst in Folge ab. Seit Wochen schon war von Amtsmüdigkeit die Rede. Jetzt nutzte der Hamburger Bürgermeister die letzte Gelegenheit für einen Abgang in Würde, nur wenige Stunden vor dem definitiven Scheitern seiner über alles geliebten Schulreform, für die er jegliches Profil der Hamburger CDU bereitwillig über Bord geworfen hatte.

Unter seiner Führung war die Hamburger CDU unter dem Logo der “modernen weltoffenen Großstadtpartei” zu einem beliebigen Gemischtwarenladen verkommen. Zunächst wollte von Beust mit Hilfe der Grünen zum ersten “Klimabürgermeister” Deutschlands werden und Hamburg zur “Klimahauptstadt Europas” machen, bevor auch ihn das sog. “Climategate-Schicksal” ereilte. Dann versuchte er seine Partei von den Vorzügen des “längeren gemeinsamen Lernens” von Schülerinnen und Schülern in einer sechsjährigen Primarschule zu überzeugen, doch maßgebliche Teile der CDU-Basis - zumal aus dem Bildungsbereich - wollten ihm darin nicht folgen. Als er merkte, daß er sich offenbar in eine Schulreform verrannt hatte, die weite Teile der eigenen Wählerschaft nicht nur aus den wohlhabenden “Elbvororten” ablehnten, bezichtigte von Beust diese der “Ausländerfeindlichkeit”.

Lange zuvor schon hatte der ach so liberale, weltoffene Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg sich zwar die Sympathien zahlreicher Minderheiten erobert, sich demgegenüber jedoch um so nachhaltiger jede machtpolitischen Alternativen verscherzt. Nach der letzten Bürgerschaftswahl verfolgte er auf Gedeih und verderb sein “schwarz-grünes Projekt” und vergraulte damit nicht nur die eigene Partei, sondern auch mögliche Koalitionspartner wie SPD und FDP. 

Nein, dieser Bürgermeister tritt nicht zurück, weil, wie er so schön sagte “alles seine Zeit hat”, und ansonsten die Dinge um Hamburg wohl bestellt sind, sondern weil seine Politik der Selbstaufgabe am Ende ist und er, der immer nur geliebt werden wollte, und seine Partei keinerlei Chance auf wiederwahl bei der Bürgerschaftswahl in zwei Jahren mehr haben.

Ole geht von Bord, aber die Karawane zieht weiter

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