Henryk M. Broder / 29.05.2016 / 19:45 / 4 / Seite ausdrucken

Aus dem Müllhaufen der Geschichte

Seit gestern muss der Begriff Chuzpe neu definiert werden. Bedeutete er bis eben eine Mischung aus zielgerichteter, intelligenter Unverschämtheit, charmanter Penetranz und unwiderstehlicher Dreistigkeit, die zum Einsatz kam, wenn jemand in einer eigentlich verlorenen Situation mit Dreistigkeit noch etwas für sich herauszuschlagen versuchte, so ist es nun die Schamlosigkeit eines Elternmörders, der vor Gericht um mildernde Umstände bittet, weil er Vater und Mutter verloren hat. Nein, es ist noch mehr. Eine Mischung aus Kretinismus und einem unheilbar gesunden Gewissen.

Bernd Riexinger hat auf dem Parteiag der Linken eine Rede gehalten, in der er u.a. gesagt hat: "Gemeinsam können wir dafür sorgen, dass sie (die AfD) landet, wo sie hingehört, nämlich auf dem Müllhaufen der Geschichte." Hier ab 0:45

Die Linke und die AfD fischen im selben Becken. Und weil die Fische inzwischen bei der AfD öfter anbeißen als bei der Linken, geraten die Genossen in Panik und vergessen, woher sie kommen: Direkt vom Müllhaufen der Geschichte. Die Linkspartei hat eine beispiellose Metamorphose hinter sich, vergeichbar einer jungen Nutte, aus der im Laufe der Zeit eine alte Betschwester wurde. Die Stationen hießen: SED - SED/PDS - PDS - Linkspartei/PDS - Die Linke, geschickter lässt sich die Herkunft nicht verschleiern. Auf dem langen Marsch von der Staatspartei der DDR, die u.a. auch für das Grenzregime und die Mauertoten verantwortlich war, zu einer Truppe, die für soziale Gerechtigkeit kämpft und Reichtum für alle fordert, wurden Biografien umgeschrieben und Millionen verschoben. Noch heute sitzen in der Bundestagsfraktion der Linken ehemalige Stasi-Spitzel und Antisemiten, die das antizionistische Erbe der DDR pflegen. Die Linke kommt nicht nur aus dem Müllhaufen der Geschichte, sie ist der Müllhaufen der Geschichte.

Wenn Riexinger nun dazu aufruft, die AfD dorthin zu schicken, wo er und die Seinen herkommen, dann folgt er nicht nur der alten DDR-Parole "Vorwärts immer, rückwärts nimmer!"; er bietet auch seine Dienste bei der Bekämpfung negativ-zersetzender Elemente an. Das hat man davon, dass nach der Wende versäumt wurde, die SED als eine "verbrecherische Organisation" zu verbieten. So bekommen frühere Rattenfänger die Chance, sich als Kammerjäger zu bewähren.

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Leserpost

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Achim Dubois / 31.05.2016

“Die Linke kommt nicht nur aus dem Müllhaufen der Geschichte, sie ist der Müllhaufen der Geschichte.” Ja Herr Broder und nun ist die “staatstragende Fassade” der Linken schon so weit am Bröckeln, dass der menschenverachtende Kern dieser verkappten Kommunisten für jedermann sichtbar geworden ist. Polizei und Justiz sind um der Demokratie willen gefordert,  die AfD Mitglieder zu schützen. Es wird sonst nicht bei Hausbesuchen bei AfDlern mit Sachbeschädigungen bleiben.

Siegfried Schwarzl / 31.05.2016

Haben Sie in der Historie nicht die WASG vergessen?

Ralph H. Hoffmann-Odermat / 30.05.2016

Wenn die Linkspartei inzwischen nicht von der CDU/CSU, SPD, Grünen auch die FDP wurde reanimiert, als wichtiger Faktor im Kampf der Etablierten gegen die AfD erkannt worden wäre, hätte dieser Artikel mehr als Chancen in den Großem Medien zu erscheinen. Aber Hauptsache ich konnte freuen.

Paul Mittelsdorf / 29.05.2016

Ich würde sagen: Die Linke und die AFD fischen “teilweise” im selben Becken. Ich bin selbst AFD-Wähler und verbitte es mir, nachdem meine Eltern große Schwierigkeiten in der DDR hatten und ich den Sozialismus mehr hasse, als ich es hier kurz und prägnant beschreiben könnte, in ein “Becken” mit Linken-Wählern geworfen zu werden. Vielleicht ist es für Herrn Broder nur schwer begreifbar, aber es gibt auch liberal gesinnte Leute, die die AFD, trotz einiger Kritikpunkte, durchaus für wählbar halten.

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