Gastautor / 23.11.2019 / 10:00 / Foto: Pixabay / 8 / Seite ausdrucken

Aus dem Heldenleben eines Schraubers (6): Moskau, die Zweite

Von Hubert Geißler. 

Der zweite Aufenthalt meines Bruders in Moskau ging über fast 3 Monate, vom August 1999 bis Anfang November dieses Jahres. Die Situation in Russland war immer noch prekär: Rubelkrise und Währungsverfall und der Beginn des 2. Tschetschenienkrieges versprachen nicht gerade einen erholsamen Aufenthalt. Währen dieser Zeit kamen in Moskau und anderen russischen Städten über 300 Menschen bei Sprengstoffanschlägen auf Wohnblocks zu Tode, nur um die Brisanz der Lage anzudeuten.

Bei diesem Auftrag ging es um den Aufbau einer riesigen Abkantpresse bei der Firma SIL in Moskau. SIL produziert alle Arten von Fahrzeugen, hauptsächlich aber Lastwagen, aber auch die aus Fernsehbildern bekannten straßenkreuzerartigen russischen Staatskarossen. Mit einem solchen Gefährt „Marke Politbüro“ wurden mein Bruder und sein Kollege Heiko jeden Tag von einem Fahrer von einem firmeneigenen Wohnheim abgeholt und zur Produktionshalle gefahren. Mein Bruder erinnert sich an die sofaartigen Rücksitze der Limousine und vermutet einen Durchschittsverbrauch von mindestens 40 Litern pro 100 km. Die Unterkunft bestand aus zwei Schlafzimmern und einer Küche, sowie einem Wohnzimmer mit Fernseher. Die Einrichtung war „sowjetisch-funktional“. 

Ab jetzt bringe ich der Lebendigkeit halber den Bericht im O-Ton meines Bruders:

„Am Tor der Halle waren zwei Hunde angekettet, die jeden Morgen mit lautem Geknurre begrüßten. Das wurde mit der Zeit unseres Aufenthalts besser, da sie ab und zu eine Wurst von uns bekamen. Im Presswerk der Halle stand eine Pressenstraße aus japanischer Produktion, die jedem deutschen Automobilwerk zur Ehre gereicht hätte. Das Problem war, dass kein Nachschub an Blech da war und bei Betrieb der Anlage die ersten Komponenten schon abgeschaltet wurden, wenn der Rest der Anlage die wenigen vorhandenen Bleche noch fertig formte. In der Halle wurden auch einige Feuerwehrautos produziert.

Schachtel Pralinen der Manufaktur "Roter Oktober"

Die Toiletten in der Halle waren ein gutes Stück entfernt und das war gut so, da der Duft die Lage der Örtlichkeiten über gut 50 Metern Entfernung anzeigte, als sanitäre Alternative wurde eine Erdaufschüttung an der Rückseite der Halle ausgemacht. Uns wurde ein Büroraum zugeteilt mit Kaffeemaschine und Wasserkocher und ausreichend Tee und Kaffee. Wie wichtig dieser Raum wurde, war mir anfangs nicht bewusst. Wir haben dort einige Tage mit sogenannter Planung verbracht, da uns nicht gesagt werden sollte, dass das Material zum Weiterarbeiten fehlte, das SIL uns zur Verfügung stellen musste.

Der Dolmetscher und der Abteilungsleiter (ein wirklicher Ehrenmann, an den ich mit sehr viel Respekt und Sympathie zurückdenke) gingen mit uns täglich in einen kleinen Speiseraum zum Mittagessen. Dort wurde von einer Köchin für uns extra gekocht und wir mussten dafür ein paar Rubel bezahlen.

Mit Hilfe der Kranfahrerin, die uns bei jedem Transportauftrag aus der Höhe ihrer Kabine heraus erst mal wüst beschimpfte, wurde die Grobmontage durchgeführt. Nach Überreichung einer Schachtel Pralinen der Manufaktur "Roter Oktober" wurde das Verhältnis wesentlich besser.

Geduld und Leidensfähigkeit der Russen

In der Halle arbeiteten auch wehrpflichtige Soldaten, die Motorhauben mit Holzhämmern über einer Holzform ausrichteten. Zu ihrer Beaufsichtigung war ein Offizier anwesend, der sich aber immer in den Sanitätsraum zurückzog, da dort eine äußerst hübsche Krankenschwester arbeitete. Die Soldaten, denen man den harten russischen Militärdienst ansah, schickten immer einen Kameraden vor, um bei uns Zigaretten zu schnorren. Wir brachten daher jeden Tag ein extra Schächtelchen für die jungen Männer mit. Der Soldat braucht Tabak, das wussten wir auch.

Die Arbeitszeiten waren moderat, da die Leute nur ihre Sollstunden arbeiteten. Warum das so war, erfuhren wir, als die Halle eines Tages ab Mittag menschenleer war und uns gesagt wurde, dass die Leute seit 4 Monaten kein Gehalt bekommen hätten und jetzt einkaufen wären. Es würde mich interessieren, ob bei uns überhaupt einer noch zur Arbeit gehen würde, wenn es monatelang kein Geld geben würde. Die Situation sprach auf jeden Fall für die Geduld und Leidensfähigkeit der Russen.

Die Russen haben es geschafft aus der misslichen Lage nach dem Zusammenbruch der UDSSR wieder auf die Füße zu kommen und ich glaube dieser Weg ist noch nicht zu Ende (Respekt!!!).

Dass die Zeiten für viele in Russland sehr schwer war, haben wir auf den Straßen Moskaus oft gesehen, wo sehr alte Frauen und Männer oft mit Ihren Ordenspangen an den Jacken Zigaretten und Blumen an den Hausecken verkauften, um ihre Rente aufzubessern, die zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig war.  Wir haben unseren Tabak immer bei den Mütterchen gekauft. Bei uns wird es wohl auch so kommen, man denke an die Pfandflaschensammler und Rentner, die die Tafeln für ihr Überleben brauchen.

Moskau im Sommer 

Da wir abends und an den Wochenenden viel Zeit hatten, war natürlich eine ausgiebige Erkundung der Stadt angesagt. So ging es fast jeden Tag ins Zentrum oder zu irgendwelchen Besichtigungen von Museen und Sehenswürdigkeiten. Auch die lokale Küche wurde von einfach bis gehoben durchprobiert.

Das Verkehrsmittel der Wahl war die sehr saubere und hervorragend organisierte U-Bahn Moskaus. Was sehr schnell auffiel, waren die vielen lesenden Passagiere. Ich habe noch nie so viele Menschen gesehen, die mit Büchern, darunter vielen Klassikern, unterwegs waren.

In der Innenstadt um den Kreml im alten und neuen Arbat war auch viel junges Volk unterwegs. Die jungen Frauen waren ausgesprochen hübsch, feminin und offensichtlich sehr selbstbewusst. Die Preise in den Lokalen der Innenstadt hatten durchaus Weltniveau. Bei Besichtigungen konnten wir meist die einheimischen Ticketpreise ergattern, da mein Kollege mit seinen Russischkentnissen immer die Karten besorgte und ich mein Maul hielt. Heiko war ein jüngerer Ossi, die Zentrale der Firma war ja Gotha. Zur Zeit der Wende war er in Moskau, Maschinen aufstellen.

Auffallend war auch der Umgang der Geschlechter miteinander. Der Herr trug die Handtasche der Dame. Es wurde oft untergehakt „gewandelt“ und es fehlte eigentlich nur noch der Handkuss zur Begrüßung. Übrigens wurden Kuchen und Torte mit Messer und Gabel gegessen. Die Speisen und Getränke wurden mit Gewicht in den Speisekarten ausgezeichnet und auch immer wieder mal vor dem Servieren gewogen. Es gab in diesem Sommer sogar Konzerte von Rockbands mitten in der Stadt und auch das Orchester des Bolschoi Theaters war einmal bei einem Standkonzert in der Centralnaya, einer U-Bahnstation, zu hören.

Feinste Speisen, Schampanski und Wodka in Strömen

Mein Kollege kannte von seinen früheren Montagen in Moskau ein Restaurant, das einem bekannten Liedermacher gehörte. Wir wollten Kaviar testen und gingen dorthin. An einem Nebentisch saßen ein paar 50-60-jährige, Typ ehemaliger Parteikader, mit ihrer jungen Damenbegleitung, die den ganzen Abend so richtig auf den Putz haute: Feinste Speisen, Schampanski und Wodka in Strömen.

Wie die Typen zu Ihrer Kohle gekommen sind, hab ich mich nicht zu fragen getraut. Übrigens, Kaviar sollte man mal gegessen haben, mehr aber auch nicht. Eines unserer Stammlokale war im alten Arbat. Es wurde von einem Ostberliner betrieben. Wir waren auch öfter da, weil die beiden Bedienungen, Swetlana 1 und Swetlana 2, sehr hübsch und sonnig waren.

Mein Kollege ist 10 Tage vor mir abgereist und ich musste das Apartement noch bezahlen. Unser Geschäftsfürer war zwei Wochen vorher hier und hatte uns 10.000 Dollar mitgebracht, die er dem SIL-Abteilungsleiter übergeben hatte, um sie an uns weiterzugeben. Dem guten Mann war anscheinend nicht bewusst, was 10.000 Dollar damals für eine Versuchung für die Leute war.

Der Abteilungsleiter war ziemlich angepisst

Aber wie schon gesagt, der Abteilungsleiter war ein absoluter Ehrenmann und so kam das Geld bei uns an. Die Bude kostete für uns zwei gesamt ungefähr 6.000 Dollar, leider nur in bar und ihn Rubel zu bezahlen. Und so zog ich los, um das Geld zu tauschen. Die Banken waren alle mit dieser Summe überfordert und ich musste 4 Banken abklappern, um das Geld getauscht zu bekommen. 

Jedesmal bekamen die Tauschaktion einige Leute mit und so ging ich mit einem mulmigen Gefühl durch die Stadt, mit Bündel von Rubeln in den Jackentaschen. Ich war heilfroh, als ich im Hotel zurück und die Rechnung nach langer Zählerei bezahlt war. Die restlichen Dollar musste ich zurückschmuggeln, da sie nicht auf meiner Devisenerklärung standen.

Die Übergabepapiere waren mit dem Abteilungsleiter gemacht und so dachte ich, der Auftrag wäre nun erledigt. Zu meiner Überraschung wurde ein neues Gespräch über das Protokoll angesetzt, an dem ein Funktionär der Importabteilung dabei sein sollte. Der Abteilungsleiter war ziemlich angepisst.

Das Gespräch ging über mehr als fünf Stunden und der Importmann wollte die ganze Zeit irgendwelche Zusagen von mir. Von mir kam immer die stereotype Antwort: „Ich werde ihr Anliegen notieren und unsere Firma wird dazu eine schriftliche Stellungnahme abgeben“. Der Übersetzer setzte schon mit der Übersetzung an, bevor ich mit meinem Standardsatz fertig war.

No risk, no fun

Die Maschine war schon seit Monaten bezahlt. Sie war funktionsbereit, also konnte der Mann mich mal. Um 6 Uhr abends verließ der Funktionär die Sitzung ziemlich ungehalten, da er nichts erreicht hatte. Der Abteilungsleiter nahm mich in den Arm und nannte mich einen Prachtkerl. Er war richtig froh darüber, das ich den Großkopfeten so richtig abblitzen habe lassen.“

Mein Bruder kommt immer ein bisschen ins Schwärmen, wenn er von dieser Moskauer Montage erzählt. Seine Erfahrungen mit den Russen generell sind gut: Der Sommer, das Gefühl der Freiheit in der Stadt, die kulturgesättigte Atmosphäre haben ihm sehr gefallen. Ganz ohne Gefahr, war die Sache allerdings nicht. Eines Nachts wachte er von einer Detonation in der Nähe auf. Terroristen hatten versucht einen Wohnblock zu sprengen. Ein andermal, es regnete etwas, gingen Heiko und er zu einem unterirdischen Kaufhaus in der Nähe des Roten Platzes. Aus dem Eingang quoll Rauch, Menschen kamen ihnen hustend entgegen: In einer der unteren Etagen war in einem Kentucky Fried Chicken eine Bombe hochgegangen. Aber wie gesagt: No risk, no fun.

Die erste Folge dieser Beitragsserie finden Sie hier.

Die zweite Folge dieser Beitragsserie finden Sie hier.

Die dritte Folge dieser Beitragsserie finden Sie hier

Die vierte Folge dieser Beitragsserie finden Sie hier.

Die fünfte Folge dieser Beitragsserie finden Sie hier.

Hubert Geißler stammt aus Bayern und war Lehrer für Kunst/Deutsch/Geschichte. Die beschriebenen Situationen sind realistisch und gehen auf Gespräche mit seinem Bruder, einem Machinenbautechniker, zurück. 

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Leserpost

netiquette:

S.Niemeyer / 23.11.2019

Diese Helden-Berichte, lieber Herr Geißler, sind ein großes Lesevergnügen! In den vergangenen Wochen war aber die Kommentarfunktion dafür so schnell geschlossen. Bitte schreiben Sie weiter!  Heute werden in Nullkommanichts aus fast Nichts “Experten” deklariert, zu allem und nichts, dafür aber laut. Wer Berufsethos, Arbeitsethos hoch schätzt, ist schnell unbequem in Betrieben, in denen ein smartes Pseudo gefragt ist und nicht substantiell Gekonntes. Und wenn es mit der Motiviertheit in der Belegschaft hapert, werden Event-Manager geschaffen und Bespaßungsprogramme , um in der Belegschaft mehr “Commitment” zu generieren. Funktioniert natürlich nicht wirklich, kostet aber viel. Das müssen wieder die Schrauber erarbeiten, und wenn da gegrummelt wird, sofort gute Teams splitten und ein paar neue sinnlose Vorgaben machen (QM geht immer).  Und wieder bespaßen.    Den Gebrüdern Geißler vielen Dank und ein schönes Wochenende, bitte weitermachen!

Christian Feider / 23.11.2019

tja,die Russen mussten auch erst lernen wie “friedlich” der kaukasische Islam doch ist…. ich vermisse die 90er irgendwie, es gab soviele Möglichkeiten nach dem Mauerfall allerorten, etwas wirklich zu erleben… Gruss an den Bruder

Hubert Geißler / 23.11.2019

Lieber Herr Kolb, das ist nur “interesseloses Wohlgefallen” im Sinne Schillers. H.G.

Fritz kolb / 23.11.2019

Ich war etwa zur gleichen Zeit berufsbedingt in St. Petersburg, und zwar wegen dem Bau eines Flugzeughangars für die Lufthansa. Terroranschläge habe ich dort allerdings nicht erlebt. Aber in Bezug auf die ewig lange Dauer von Auftragsverhandlungen muss ich Ihnen zustimmen, es war manchmal eine Farce, worüber dort schier endlos diskutiert werden musste. Ihrem nicht zu übersehendes Faible für die sehr femininen, sehr gepflegten und hübschen Frauen dort kann ich indes beipflichten. Was mir möglicherweise auch deshalb besonders auffiel, weil zu dieser Zeit bei uns viele Frauen „schon weiter“ waren und oft ein eher rustikales Frauenbild (EMMA-Fashion) favorisierten.

Werner Arning / 23.11.2019

Wieder eine sehr erfrischende, wirklichkeitsnahe Beschreibung der Erlebnisse ihres Bruders. Ihr Bruder ist ein ausgezeichneter Beobachter, der in der Lage ist, sich flexibel an ungewohnte Umstände anzupassen und aus ihnen das Beste zumachen. Er begegnet den Situationen vorurteilsfrei, lässt sich überraschen, jedoch niemals unterkriegen. Gerade so, wie es des „Schraubers“ Art ist. Es gibt immer eine Lösung, immer einen Ausweg. Und er nimmt die Dinge von ihrer positiven Seite. Sieht das Gute und weiß dieses zu schätzen. Ein überaus angenehmer Zeitgenosse.

Mario Bernkopf / 23.11.2019

Meine Frau und ich haben 1995 - 98 in Moskau gelebt und können die Erfahrungen Ihres Bruders nur bestätigen. Mit den Technikern konnte man hervorragend zusammenarbeiten, mit den Apparatschiks nicht. Meine Firma betrieb eine Pharmaherstellung nach westlichem Standard. Was mich besonders beeindruckt hat, war die Arbeitsqualität der Frauen. Work-life balance hat da eine eher geringe Rolle gespielt. Geschlechter gab’s auch nur zwei.

Sabine Schaad / 23.11.2019

17 Jahre her. Lassen Sie mich die aktuelle Fassung geben: nicht aus Moskau sondern 450km weiter östlich. Bezahlung ist mitlerweile mit Kreditkarte möglich, Geld abholen mit EC-Karte. Die Englischkenntnisse werden besser - sonst helfen Hände und Füsse sowie die 7 Begriffe, die man in einer fremden Sprache immer kennnen sollte (Ja, Nein, Bitte, Danke, Moin, Tschüss und OK). Die Leute sind eher still und bescheiden, aber gastfreundlich und hilfsbereit. Die Werker wissen zumindest in den großen Betrieben, was sie wert sind und würden nicht mehr 4 Monate auf ihr Gehalt warten. Arme Leute gibt es immer noch zu viele und viel Militär und Polizeipräsenz (Aber nicht annähernd so viel wie z.B. Indien). Kein Grund zur Beschwerde, immer alle höflich und geduldig und von Kriminalität nichts zu sehen. Meine Sachen konnte ich im Werk einfach an der Anlage oder im Büro liegen lassen, da wäre keiner dran gegangen. Die Instandhalter beherrschen ihr Fach und hören gut zu wenn man ihnen was erklärt. Bestechung ist nicht nötig oder erwünscht, aber man sollte keine Rechnung erwarten wenn einem mal ein Elektriker ein paar Stunden aushilft weil die Firma wieder mal keinen mitgeschickt hat. Die Planer… eher junge Männer die froh sind wenn man ihnen sagt was sie machen sollen. Deren Vorgesetzte sind mir erspart geblieben, aber auch dort scheint das Peter-Prinzip zu gelten. Wobei es aber auch unhöflich gewesen wäre vor Fremdarbeitern zu laut über den eigenen Vorgesetzten zu schimpfen. Alles in Allem - wie in anderen Teilen Europas. Praktisch orientiert und entgegenkommend. Wenn Sie mal was exotisches haben wollen, fragen Sie Ihren Bruder nach Indien. Da ticken die Uhren jetzt noch anders. Yes, Mam.

Wolfgang Schebsdau / 23.11.2019

Herzlichen Dank dem Autor und dessen Bruder. Jeden Samstag freue ich mich auf die neue Folge, hoffentlich geht diese Fortsetzungsgeschichte noch lange weiter. Es ist so, wie der Autor schreibt, wo Schrauber werken herrschen Vernunft und Augenmaß. Als ehemaliger Handwerker im Ruhrgebiet weiß ich diese Berichte zu schätzen und kann die Idiotie fachfremder Manager im Mittel- und Oberbau von Firmen bestätigen, die früher Eigengewächse auf verantwortliche Posten beförderten. Mittlerweile sind die Schrauber durch Betriebswirtschaftler ersetzt. Es regiert rasender Schwachsinn und die unteren Ränge kultivieren eine leck mich am Arsch Haltung. Hab ich auch so gehalten. Wenn man immer wieder von Nichtsnutzen und Hohlschwätzern ausgebremst wird, reagieren die Arbeiter mit Verachtung und schließlich machen sie Dienst nach Vorschrift. „Ich reiß mir für die Wichser nicht länger den Arsch auf.“ „Sollen die Penner doch sehen wie die klarkommen.” „Hauptsache ich hab pünktlich Feierabend und am Letzten ist die Kohle aufm Konto.“ Wie oft ich solche Sätze gehört und selbst gesagt habe. Die Haltung, für gutes Geld gute Arbeit abzuliefern und das Firmeninteresse über das Private zu stellen ist von Oben sabotiert worden. Einsatzfreude wird durch achselzuckende Gleichgültigkeit abgelöst. Kurz und gut, die Arbeit hat schon länger keinen Spaß mehr gemacht und jetzt bin ich Rentner und froh, die sinnlose Schufterei hinter mir zu haben.

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