Marcus Ermler / 01.11.2020 / 11:00 / Foto: Pixabay / 10 / Seite ausdrucken

Augsburger Gedenken für die Opfer des Faschismus gemeinsam mit Antisemiten

Im Rahmen der Gedenkveranstaltung „Für die Opfer des Faschismus“ zum Auftakt der 41. Augsburger Friedenswochen halten am 1. November 2020 die Direktorin des „Jüdischen Museum Augsburg Schwaben“ sowie die „Antifaschistische Jugend Augsburg“ eine Rede. 

Veranstalter ist die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der AntifaschistInnen (VVN-BdA) Kreisvereinigung Augsburg. Die Reden werden nach einem Schweigemarsch an der Gedenkstätte Westfriedhof gehalten, die an „235 AugsburgerInnen oder in Augsburg umgekommen KZ-Opfer“ erinnert, so der VVN-BdA.

Das Brisante hieran: Gemäß einer Stellungnahme des „Junges Forum DIG HG Augsburg“ aus dem Mai 2020 – die auch Jusos, Grüne Jugend und Linksjugend mittrugen – zeichnet sich die „Antifaschistische Jugend Augsburg“ durch ein besonders Verhältnis zu Israel aus, indem sie „mit ihrer ‚Kritik‘ an Israel die Grenze zum Antisemitismus“ überschreite:

Israel wird delegitimiert, indem ihm die Existenzberechtigung abgesprochen wird. Israel wird dämonisiert, indem bewusst Tatsachen ausgelassen werden und eine extrem einseitige Darstellung komplexer historischer Tatsachen zu Ungunsten Israels erfolgt. Ferner wird ein doppelter Standard an Israel angelegt […] Mit diesen drei Faktoren (Delegitimierung, Dämonisierung, Doppelstandards) spricht man nach allgemeiner Auffassung nicht mehr von ‚Kritik‘, sondern von Antisemitismus.“

„Die Katastrophe aus Vertreibung, Beraubung, Besatzung und Apartheid“

Die „Antifaschistische Jugend Augsburg“ (kurz AJA) spricht in einem Text vom Mai 2020 zum sogenannten „Nakba-Tag“ davon, dass im Mai 1948 „zionistische Milizen mit der Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung durch Terror und Massaker“ begonnen hätten und „eine Million Palästinenser […] von Zionisten aus Palästina vertrieben“ worden seien. Daher sei für die Palästinenser, der „72. Jahrestag der ‚Nakba‘, die Katastrophe aus Vertreibung, Beraubung, Besatzung und Apartheid, die bis heute nicht enden will“. 

Weiter erklärt die AJA sich „solidarisch mit den Freiheitskämpfer*innen Palästinas“. Das „Junges Forum DIG HG Augsburg“ schreibt dazu in oben referenzierter Stellungnahme: 

Kämpfer*innen ist dabei wörtlich zu nehmen und meint die islamistische Hamas, die al-Aqsa-Märtyrerbrigaden der Fatah und die Terrorzellen von ‚linken‘ Organisationen wie der PFLP oder DFLP. Sie alle eint – bei weltanschaulichen Unterschieden – ein gemeinsames Ziel: die Vernichtung Israels.“

Nach der Stellungnahme des „Junges Forum DIG HG Augsburg“ erklärten sich diverse linken Gruppierungen mit der AJA solidarisch. So die „Linksjugend [’solid] Landesverband Hamburg“, die „Jugend der KPD in NRW“, die „Migrantifa Bayern“, die „BDS Initiative Oldenburg“ oder auch die „Antifa Jugend Bremen“. In diesem Statement unterstellen sie Israel „die Nakba, die Massenvertreibung und den Massenmord“. Weiter heißt es, dass „BDS […] sich gegen die Besatzungs- und Unterdrückungspolitik Israels“ richten würde. 

„Zionismus schlug aus den Leiden des jüdischen Volkes Kapital“

Die Solidaritätsnote schließt mit einem Zitat aus dem Programm der PFLP. Ihre Bewegung stellt sich demnach „gegen den Zionismus als rassistische und aggressive Bewegung im Bund mit dem Imperialismus“, denn der „Zionismus schlug aus den Leiden des jüdischen Volkes Kapital“. Die PFLP ist eine Palästinenserorganisation, die von den USA und der EU alsTerrororganisation klassifiziert wird. Ein aktuelles Lagebild des deutschen Verfassungsschutzes sagt zur PFLP:

Die PFLP bestreitet somit das Existenzrecht Israels und propagiert offen den bewaffneten Kampf gegen Israel. Ihre antisemitische Agitation ist aufgrund ihrer Zielsetzung und der ideologischen Ausrichtung stark antizionistisch geprägt.“

Die AJA bedankte sich im Anschluss für die Solidarität, denn „Solidarität ist eine Waffe!“. Im Nachhinein sei, so das „Junges Forum DIG HG Augsburg“ dann „ein Sticker der AJA aufgetaucht, der sich positiv auf die Intifada bezieht“. Auf diesem heißt es „Hoch die Internationale Solidarität“ und „Palestina, Kurdistan – Intifada, Serhildan“.

„Problematisches Verhältnis der ‚Antifaschistischen Jugend Augsburg‘ zum jüdischen Staat“

Da verwundert es nicht, dass sich das „Junges Forum DIG HG Augsburg“ auch im aktuellen Fall in einem offenen Brief an die Veranstalter, also den VVN-BDA Augsburg, wendet und hierin schreibt:

[Es] ergibt sich mehr als ein problematisches Verhältnis der ‚Antifaschistischen Jugend Augsburg‘ zum jüdischen Staat. Die Verbreitung antizionistischer Ressentiments, der positive Bezug zur Terrororganisation PFLP und die Befürwortung von Terror gegen Zivilist:innen, darunter auch Überlebende der Shoah und deren Nachfahr:innen, macht die ‚Antifaschistische Jugend Augsburg‘ in unseren Augen ungeeignet, zu einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus beizutragen.“

Der VVN-BDA Augsburg habe ihre Bedenken, so das „Junges Forum DIG HG Augsburg“ weiter, „auch auf Nachfrage keiner Antwort gewürdigt“. Daher habe man sich am 31. Oktober 2020 dazu entschieden, den offenen Brief zu veröffentlichen.

Foto: Pixabay

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Wilfried Cremer / 01.11.2020

Möglicherweise sind alle Antifanten Antisemiten und - potentielle Mohammedaner. Auf nützliche Idioten hat Allah ein gnädiges Auge, die kriegen auch die Jungfrauen oder so.

Ralf Pöhling / 01.11.2020

Wie damals in den 70ern. Und auch den 40ern. Da befruchten sich deutsche Sozialisten, Kommunisten und Araber gegenseitig in ihrem Feindbild vom “jüdischen Kapital”. Als wenn die Juden die einzigen wären, die “Kapital” hätten. Man schaue nur auf die Ölmilliardäre in der arabischen Welt. Das scheint aber bei den Rot-Braunen keinen zu interessieren. @Volker Kleinophorst: Jüdische Vordenker gab es auch auf der Gegenseite. Denken Sie an Ayn Rand.

Angelika Meier / 01.11.2020

Danke für die Info. Auch wenn mit diesen ganzen Organisationsnamen schwer zu verfolgen ist, wer genau für was steht. Ich vermute sowieso, dass der eigentliche Grund all dieser Organisationen, das eigene Klientel mit Geld und Anerkennung zu versorgen. Ansonsten ist das kein neues Bild. Sondern etwas, an das ich mich gewöhnt habe. Wenn Alice Schwarzer gegen das Kopftuch kämpft, wird sie von jungen Feministinnen als Rassistin beschimpft. Schwulenorganisationen äußern sich äußerst selten zu solchen Vorfällen wie in Dresden. Der Zentralrat der Juden macht bei der offiziellen Darstellung der Sachverhalte mit, auch wenn die eigenen Mitglieder unter der Entwicklung der letzten Jahre ganz persönlich leiden. Ich finde das sehr interessant. In der alten BRD hätte ich mir das nicht vorstellen können, dass Interessengruppen gegen die Interessen ihrer Mitglieder agiert. Ist aber so. Man kann in Diktaturen oder diktaturähnlichen Regimen einiges lernen, wie so etwas funktioniert.

Mathias Rudek / 01.11.2020

Es ist wie es ist, der neue Faschismus kommt im Gewand des Antifaschismus! Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Bei mir lösen diese Antifa-Gruppen eine ganze elementare Reaktion hervor, nämlich den blanken Ekel. Sie haben sehr viel mit Islamisten gemein, deswegen verstehen sie sich so prima. Ideologie, Antisemitismus, Glauben, Bildungsferne, Kulturlosigkeit, Realitätsleugnung, Intoleranz, Entwurzelung, Gewaltverherrlichung und vieles mehr. Ich habe mit diesem entwurzelten Typus einfach ein ästhetisches Problem und das ist mein wichtigster Gradmesser.

Robert Bauer / 01.11.2020

Bei der Erwähnung der “VVN-BdA” fällt einem sofort der Holzmichl ein, der immer noch lebt. Dieser Zombie-Verein, bis 1990 von Walter Ulbricht und seinen Nachfolgern gesponsert , erfreut sich heute der finanziellen Sympathie von Frau “Dr.” Giffey, ohne jedoch seine SED bzw. KPD-Orientierung aufgegeben zu haben. Früher in der kommunistischen Schmuddelecke, heute in der Mitte der sogenannten Gesellschaft, besser läßt sich die Verwahrlosung unseres politischen Systems nicht illustrieren.

Volker Kleinophorst / 01.11.2020

Zum linken Antisemitismus noch ein Stolperstein: Ohne jüdische Vordenker gäbe es keinen Kommunismus. Schöner Widerspruch oder?

Volker Kleinophorst / 01.11.2020

Antisemitismus von links ist doch kein Problem. Nur die nationalen SOZIALISTEN fallen nicht unter diese Reglung. Weil die ja RÄCHTS waren. So plappert es jedenfalls der Volksmund. Kenntnisfrei wie immer.

Harald Unger / 01.11.2020

Dem cleveren Ägypter und späteren Dollar Milliardär Arafat, ist das Kunststück gelungen, seinen original Nazi-Style Faschismus in ein sprachlich linkes Gewand zu kleiden. Geschult wurden die PLO Funktionäre von den Vietcong in Nordvietnam. - - - Ein Vorgang, der als Blaupause der großen Think Tanks in den Obama Jahren diente, die reaktionärste politische Bewegung, zu der Menschen fähig sind, den aufkommenden Neuen-Feudal-Absolutismus, ebenfalls in eine linke Sprache zu verkleiden. - - - Auf diese Weise konnte - nach dem religiösen Antijudaismus, gefolgt vom rassistischen Antisemitismus - der ebenfalls eliminatorische Antizionismus zum ideologischen Gral der Linken aufsteigen. - - - In dieser aktuellen Gegenwart mutiert dieser Antizionismus zu etwas neuem, in der kongenialen Koalition mit dem Globalismus des neuen Absolutismus. - - - Israel ist nicht länger allein der Jude unter den Staaten, sondern der Trump unter den Staaten. Wie Trump, steht Israel für etwas, das unter allen Umständen vom Absolutismus vergessen gemacht werden muss: Das Eintreten für einen wirtschaftlich starken Staat, einer freien und wehrhaften Bürgergesellschaft.

Susanne antalic / 01.11.2020

Die heutige, sogenannte Antifaschisten sind die Faschisten von heute, nur meine bescheidene Meinung, ihre Denke und aggieren entspricht den Faschisten von damalls. Ausgrenzung, diffamieren, hetzen, sich an fremdem Eigentum vergreiffen und Judenhass und Propaganda verbreiten, natürlich mit freundliche Untetrstützung der MsMedien und der linke Politik.  Was kommt nächst?

Roland Müller / 01.11.2020

Ökofaschisten und Islamfaschisten demonstrieren gemeinsam gegen Faschismus, den sie nicht von mörderischem Sozialismus auseinanderhalten können. In Deutschland, einig Dummland, ist kein Ding unmöglich.

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