Augen zu, CDU! Angela Merkels Wohlfühldeutschland

Von Hans-Hermann Tiedje.

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https://www.nzz.ch/meinung/kommentare/augen-zu-cdu-angela-merkels-wohlfuehldeutschland-ld.1312722

Hans-Hermann Tiedje war Medienberater von Bundeskanzler Kohl. Er ist Aufsichtsratschef der Medienagentur WMP EuroCom AG in Berlin. Zuerst erschienen in der Neuen Züricher Zeitung.

Foto: Bundesregierung/Bilan

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Ernst Marquardt / 31.08.2017

Ich halte Merkels Politik für katastrophal. Deshalb bin ich auch fleißiger Leser von Achgut. Ich muß hier allerdings anmerken, dass der Autor mit seinem Artikel nur bekundet, dass er keine Ahnung vom Leben in der DDR hat. Und wenn dem so ist, sollte man sich nicht so weit aus dem Fenster lehnen. Und eine persönliche Anmerkung: Mein Heimatland war stets Deutschland in den Grenzen nach 1945.

Susanne antalic / 31.08.2017

Danke Herr Tiedje, dem ist nichts zuzuführen. Man frägt sich nur, warum es so, so wenige sehen und sich weiter so wünschen. Leider findet in vielen deutschen Medien und ÖR eine Gehirnwäsche von feinsten.  Es geht halt um die Wurscht nach den Wahlen und die Angst geht um, dass man in die rechte Ecke geschoben wird, was man auch wird, wenn man sich nicht dem Diktat unterwirft, Demokratie ist es nicht mehr.

Klaus Reichert / 31.08.2017

Leider ist auch niemand in Sicht, der Merkel herausfordern könnte. Die eigene Partei ist entkernt und paralysiert. Ein Jens Spahn macht mehr Schlagzeilen als Sinn. Und die SPD hat sämtliche Chancen vertan (Migration, Energiewende, Verkehrswende, Steuern, Bildung), um sich als Anwalt des “hart arbeitenden” (Zitat Schulz) kleinen Mannes zu profilieren. Stattdessen noch etwas mehr von Allem, was Merkel nicht gut gemacht hat und ansonsten den Grünen und der Linken hinterherrennen. Dabei zeigt der kurze Schulz - Hype im Februar (SPD von 21 auf 30%, CDU von 38 auf 31%), dass der Wunsch nach einer Alternative stark ist. Wie man’s macht, hatte zuletzt 1998 Schröder gezeigt. Den erlahmten ewigen Kanzler im Wahlkampf alt aussehen lassen, sich selbst strahlend und gleichzeitig seriös präsentieren, und vor allem -heute fast vergessen- die eigene Partei programmatisch links liegen lassen (so lange bis der Oskar hinschmeißt). Demokratisch ist das auch nicht, aber es wirkte. Und Schröder hatte eine Agenda: Industriepolitik für den Standort Deutschland bis zum Abwinken, soziale Wohltaten zurückfahren, wenn nichts Anderes wirkt, und eine außenpolitische Verortung nicht automatisch auf Seiten Amerikas. Auch hier: Wenn nichts Anderes wirkt.

Leane Kamari / 31.08.2017

Gut geschrieben und leider mehr als nur zutreffend - wenigstens gibt es noch Journalisten und Medien die sich trauen die Fakten zu benennen und zu analysieren - DANKE!

Werner Arning / 31.08.2017

Es soll ja Leute geben, die Merkel für die personifizierte Rache Honeckers an Deutschland halten. Rache für den Untergang der DDR. Nach dem Motto: was ihr zu vernichten schafft, schaffe ich schon lange. Plötzlich bekommt “Wir schaffen das” eine ganz neue Bedeutung…

J.Grünhagen / 31.08.2017

Dem könnte man nun ein Co-Referat nachschieben, aber das wesentliche ist enthalten und diesem ist nur bei zu pflichten. Wenn Merkel mit ihrer Kanzlerschaft fertig ist, wird die CDU in einem ähnlichen Zustand sein wie die SPD heute. Es graust mich nur um die Zukunft Deutschlands.

Dr. Roland Mock / 31.08.2017

Zwei kleine Anmerkungen zu der grandiosen Abrechnung Tiedjes mit Merkel: Ich erinnere mich an ein Interview mit Merkel, in dem diese äußerte, sie habe nach dem Zusammenbruch der DDR erst einmal die Wahlkampfveranstaltungen von SPD und CDU besucht, sich informiert und dann entschieden, bei wem sie sich engagieren werde. Mit 35 und nach vielen Jahren Möglichkeit, sich - u.a. über das im Berliner Raum problemlos empfangbare Westfernsehen - zu informieren, suchte Frau Merkel ihren politischen Kompaß! Ich fand das schon damals merkwürdig. Und was FDJ-Funktionen betrifft:  “Kufus” (Kulturfunktionäre) waren tatsächlich diejenigen, die Karten fürs Berliner Ensemble und die Volksbühne besorgten, Diskussionen mit Schriftstellern organisierten und privat Sartre lasen.  “Agitprops” hingegen waren die echt roten Socken, die im FDJ-Hemd in die Vorlesung kamen und Kommilitonen anschissen, wenn die zum “Republikgeburtstag” die Militärparade auf der Karl-Marx-Alle schwänzten. So etwas “wurde” man nicht, nach solchen Posten drängte man sich. Meistens, indem man gleichzeitig einen Antrag zur Aufnahme in die SED stellte. Insofern wüßte man wirklich gern, welchen der beiden Posten die junge Angela damals bekleidete.

Wolfgang Kaufmann / 31.08.2017

Wohlfühldeutschland, das ist es. Interessant ist weniger die Person, sondern die breite gesellschaftliche Zustimmung. Erstens sind in den Generationen seit ’68 die Studierten vielleicht nicht mehr gebildet sind, aber selbstverständlich links. Zweitens ist der Marsch durch die Institutionen gelungen; heute muss sich vor Gericht oder in den Medien jeder rechtfertigen, der anders denkt. Und drittens hat eine Bevölkerungsgruppe die Lusthoheit übernommen, die scharfe Wörter scheut, klare Gedanken hasst, offene Kämpfe vermeidet, nicht weiter plant als bis zum nächsten Mittagessen – und im Konfliktfall den Plan B fährt, die vorauseilende Unterwerfung. Anerkennung der realen Machtverhältnisse war schon immer eine weibliche Tugend.

Karla Kuhn / 31.08.2017

“........ sie hatte mit der Stasi nichts zu tun. Sie war nur Sekretärin für Agitation und Propaganda der Freien Deutschen Jugend (FDJ). Die FDJ war der einzig zugelassene Jugendverband in der DDR, und er war kommunistisch.  Mit der Stasi nichts zu tun ???? Beweisen kann man das nicht, d. h., “Otto Normalverbraucher” nicht.  Eine Person, die Sekretärin für Agitation und Propaganda war, soll mit der Stasi nichts zu tun gehabt haben ??  Mir kann man als ehemalige Stasi Verfolgte kein Märchen mehr erzählen. Warum wird dann ihre Akte nicht veröffentlicht ? Alle meine Freunde und Bekannten, mit denen ich regelmäßig kommuniziert habe, wurden von der Stasi abgehört oder ihre Post wurde kontrolliert oder, wenn wir uns im Ausland getroffen haben, konnten wir schon an der Kleidung sehen, daß Horch und Guck immer dabei war. Sie hatten zum größten Teil auch alle eine Akte bei der Stasi.  “Sie hofft darauf, dass die Menschen ihre Fehlleistungen vergessen – und damit ist sie gut gefahren.”  Vielleicht will sie das glauben aber warum wird sie dann bei ihren Wahlkampfauftritten so vehement ausgebuht ?  Wird natürlich in den “Qualitätsmedien nicht so gezeigt und wenn, sind es doch nur die AfD Anhänger. Wenn es so viele AfD Anhänger gibt, wie immer gesagt, warum dann noch Wahlkampf, dann hätte die AfD den Sieg doch schon sicher in der Tasche.  Ich stoße jeden Tag nur noch auf Widersprüche. Heute Gabriel bei t-online, er zweifelt an einem Wahlsieg der SPD.  Das ist für mich total glaubhaft und ich glaube selten etwas. Vielleicht Herr Tiedje sollten Sie mal die “wunderbaren” Stadtteile Köln Chorweiler und Halle Neustadt aufsuchen. Vor zwei Tagen habe ich eine Sendung darüber gesehen, da wird das Wunschdenken von Merkel zur Posse:  “Merkels Ziel: Ein gutes Gefühl für alle” Viele werden dort die NPD !! wählen für ein “gutes 2 Gefühl. Die Frau ist für mich untragbar und aus meinen Erfahrungen kann ich sagen, für sehr viele andere auch.

Klaus Wenzel / 31.08.2017

Die Wähler “kennen Merkel” und wissen natürlich, dass sie mit dem allseits erwarteten Auftrag zur Regierungsbildung für sie nach dem 24. September eine “Carte Blanche” für vielfältige Überraschungen ausstellen. Mit wem wird Frau Merkel koalieren? Welche abrupten Wendungen wird ihre Politik die nächsten vier Jahre nehmen? Wie wird sie auf die großen Fragen der deutschen Innenpolitik und der Außenpolitik reagieren? Das alles weiss die Frau doch heute selbst noch nicht, denn sie “fährt auf Sicht”.  In “normalen Zeiten” würde der Wähler natürlich mit Fug und Recht Rede und Antwort erwarten, allein: man hat sich an das Dahinwursteln gewöhnt. Und dem Land und den Leuten geht es (alles in allem) gut. Überdies: es gibt, leider, leider, keine wählbare Alternative. Herr Schulz verspricht jedem alles, weicht aber den brennenden Themen aus oder empfiehlt mehr vom Gleichen (mehr Europa, mehr Migration, mehr Staatsintervention). Die Grünen sind in den neunziger Jahren hängen geblieben, ihr “Führungs”-Personal möchte um nahezu jeden Preis mitregieren. Die FDP bietet nur eine polierte Oberfläche und die Linke unter den Lafontaines spielt Maximalopposition. Die AFD ist nicht politikfähig. So wird es wohl kommen, wie es kommen muss: die Kanzlerin heißt in Deutschland Merkel, das steht vermutlich fest. Welche Politik der Wähler unter diesem Namen in den nächsten Jahren bekommt, aber nicht.

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