Längst geht es um viel mehr als die Impfpflicht: Gegenwärtig entscheidet sich, wie wir als Gesellschaft künftig mit Ängsten umgehen wollen. Die alten politischen Schubladen sind da wenig hilfreich.
Seit zwei Jahren werden wir fortwährend auf eine neue Normalität eingestimmt und darauf, dass nichts mehr so sein werde, wie es war. Aber geht es dann mal in Richtung politischer Analyse, da hat man plötzlich den Eindruck, in eine zutiefst veraltete Normalität zurückgebeamt zu werden. Da wird plötzlich wie selbstverständlich davon gesprochen, dass die Gesellschaft politisch extrem polarisiert und in links und rechts aufgeteilt sei, ganz so als hätte es den Untergang des real existierenden Sozialismus vor 30 Jahren nie gegeben.
Damals Menschen hinsichtlich links und rechts zu verorten, lag nahe. Der ideologische Frontverlauf im Kalten Krieg prägte die politische Kultur und das Denken der Menschen. Doch diese Begriffe haben längst ihre ursprüngliche Prägung verloren und bedeuten heute etwas ganz anderes. Es scheint, als überlebten diese Ideologien als leere Begriffe, in die der Zeitgeist beständig neue Inhalte hineinfüllt, um diese irgendwie greifbar und verständlich zu machen. Aber warum ist das so? Es scheint, als gäbe es kein neues Begriffssystem, um die moderne Welt zu fassen und begreifen. Und es ist verrückt, was in Ermangelung sinnvoller moderner Zuschreibungen heute als links und was als rechts bezeichnet wird.
Die Linke hat sich einen neuen Feind ausgesucht
Linkssein bedeutet heute: gegen den Untergang ankämpfen, Katastrophen beschwören, Ängste betonen, um dadurch die trägen Massen aufzuwecken, die ja angeblich schuld sind. Revolution mittels Panik. Linke sind heute die Warner und Mahner. Sie betonen ihre Angst vor allen möglichen Veränderungen, ihr Angriffspunkt ist aber immer: Otto Normalverbraucher, also der Kerl, der weiterhin Auto fährt, der immer noch seine Wohnung heizt, Fußball schaut und darauf bedacht ist, Fleisch zu einem günstigen Preis zu erwerben. Wenn man so will, hat sich die Linke einen neuen Feind ausgesucht, und dieser Feind ist witzigerweise genau die gesellschaftliche Gruppe, für die die Linke einst zu kämpfen vorgab: die Liga der kleinen Frauen und Männer, die Arbeiterklasse.
Besonders deutlich wird dieses klare Freund-Feind-Schema im Lichte der heutigen gesellschaftlichen Proteste. In erster Linie sind dies Proteste gegen die staatlichen Corona-Maßnahmen. Und ich meine nicht nur die deutschen Spaziergänger. Ich meine die Proteste in vielen europäischen Staaten, und ich meine auch die kanadischen Truckfahrer. Spannend ist aber, dass Leute, die gegen staatliche Zwangsmaßnahmen aufbegehren, heute geradezu instinktiv als rechts eingestuft werden. Den LKW-Fahrern in Kanada wird eine Nähe zu den Trumpschen Kapitolstürmern unterstellt. Und auch hierzulande ist es für aufrechte Mitglieder der kulturellen Elite klar: Spaziergänger sind potenziell rechts.
Gegen die autoritären Zwangsmaßnahmen der staatlichen Angstpolitik zu sein, ist also rechts. Diese zu verteidigen gegen den dummen Pöbel, der nur egoistisch seine Freiheiten wiederhaben will, ist hingegen anständig, vernünftig, aufgeklärt und korrekt. Demonstrieren ist rechts, daheimbleiben ist links. Mit einer Ausnahme natürlich: Wenn Pubertierende oder Kind gebliebene Erwachsene freitags gegen den Klimawandel auf die Straße gehen, dann sind die natürlich nicht rechts, sondern links. Und warum: Na klar, weil es ist die pure Angst ist, die sie auf die Straßen treibt.
Angstmärsche gegen die Freiheit des kleinen Mannes
Vielleicht ist das heute der entscheidende Unterschied zwischen den Kategorien links und rechts: der Umgang mit der Angst. Wer heute mit Angst Politik macht oder ihr folgt, wer sich aus Angst an immer sonderlichere Regeln hält und das eigene Leben und das seiner Mitmenschen erzwungenen Schutzmaßnahmen unterordnen will, der ist links. Wer Veränderungen aus Angst will, für den sind diese immer verbunden mit Einschränkungen dessen, was die anderen bislang als Freiheit und Selbstverständlichkeit verstanden haben. Fridays for Future sind keine Demos für die Zukunft, sondern Angstmärsche gegen die Freiheit des kleinen Mannes.
Diejenigen aber, die sich für Freiheit einsetzen, die gelten heute als rechts. Was nicht nur eine Beleidigung für die hunderttausenden von Menschen in aller Welt ist, sondern auch den Begriff rechts ad absurdum führt. Denn Politik aus Angst vor Veränderungen zu machen, das ist gerade nicht fortschrittlich, sondern der Kern konservativer rechter Politik. Ein bisschen spürt man das heute bei der AfD: Die hängt sich zwar nicht so sehr an die Angst vor Viren, schürt dafür aber Ängste vor Migranten und vor allem, was ihnen fremd erscheint, um dann selbst als Mutmacher aufzutreten, oder als Auffanglager für politische Inlandsflüchtlinge.
Ich habe aufgehört, Menschen danach zu beurteilen, ob sie sich als links oder rechts verstehen. Ich frage auch gar nicht danach, es ist völlig irrelevant – übrigens genauso wie die Frage, ob jemand geimpft ist oder nicht. Mich interessiert einzig und allein, ob jemand sein Handeln von Ängsten leiten lässt oder vom Streben nach Freiheit und Selbstbestimmung – und zwar nicht nur für einen selbst, sondern auch für die Anderen. Gerade deswegen sind die aktuellen Proteste gegen die Corona-Politik so interessant: Wer da alles mitläuft … Sie halten sich nicht an das alte Links-Rechts-Denken, und so sehr Politik und Medien auch versuchen, die Marschierenden zu diffamieren und wieder in die alten Lager zurückzudrängen, es klappt nicht.
Es geht bei den Protesten schon lange um mehr als nur um die Impfpflicht. Es geht darum, wie wir als Individuen und auch als Gesellschaft künftig mit Ängsten, aber auch mit Möglichkeiten umgehen wollen. Die Spaziergänge sind insofern auch Proteste gegen unsere Angstkultur.
Angst ist nicht nur ein schlechter Ratgeber, wie es so schön heißt. Angst ist das einzige Herrschaftsinstrument, mit dem die Beherrschten sich selbst maßregeln, um dann ihre Herrscher um Hilfe anzuflehen. Die Kultur der Angst, in der wir alle leben, ist eine Kultur der Selbstgeißelung und der menschlichen Selbstverachtung. Gegen diese Angstkultur zu rebellieren, ist richtig. Und je schärfer gegen diese Proteste gefeuert wird, desto deutlicher wird es, dass es höchste Zeit ist für einen Aufstand gegen die Angstapostel.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Novo-Argumente.

Für mich bedeutet konservativ zu sein überhaupt nicht, Angst vor Veränderung zu haben. Es gibt diesen schönen Spruch: „Tradition ist die Weitergabe des Feuers, nicht die Anbetung der Asche.“ Nicht jede Veränderung ist auch ein Fortschritt. Bevor man Bewährtes aufgibt, sollte man gute und durchdachte neue Konzepte haben. Wenn man vor lauter Begeisterung und Machbarkeitswahn erst einmal Bewährtes über Bord wirft und die neuen Konzepte auf Wunschdenken beruhen, kommt so etwas heraus wie die „Energiewende“. Wenn Migration unkoordiniert abläuft und bedingungslos gut geheißen wird, ist es irgendwann zu spät, Fehler zu korrigieren. Und die AfD weist eben auch darauf hin, dass das gefährliche Folgen wie Kriminalität, kulturelle Inkompatibilität und hohe Kosten für die einheimische Bevölkerung haben wird. Viele Menschen möchten das gerne anders sehen. Mit den Jahren wird sich zeigen, wer recht hatte. Dass sich in Sachen Corona politisch verschieden tickende Menschen im selben „Lager“ wieder finden, ist vielleicht gar nicht schlecht. Man könnte darüber wieder mehr ins Gespräch kommen und das berühmte „Cui bono, wem nützt es“ betrachten, statt immer wieder auf „Teile und herrsche“ hereinzufallen.
Gibt es überhaupt noch richtige Linke in unserem politischen Spektrum ? Also Leute, die Herrschaftsverhältnisse analysieren und gegen Ausbeutung und Unterdrückung sind? Die auf Seiten der Malocher und Lohnsklaven usw. stehen? Die sich einsetzen z.Bsp. gegen das Aussaugen rechtloser Migranten auf den endlosen Gemüsetunneln und Obstplantagen Italiens, Spaniens und Portugals, damit wir immer fein Südfrüchte und Gemüse auch im Winter haben? Die die Arbeits- und Lebenssituation der zehntausenden ausgelaugten und ausgebrannten Pflegerinnen aus Südosteuropa, die bei uns für einen Hungerlohn rund um die Uhr Hintern auswischen und ihre Kinder wochenlang in Fremdbetreuung lassen müssen, verbessern möchten? Die unterdrückten und marginalisierten Frauen und Mädchen aus stammesgesellschaftlichen, oft muslimischen Verhältnissen zu einem selbtbestimmten, freien Leben verhelfen möchten? Solche Linken kenne ich nur aus privaten, eigenständig auf die Beine gestellten Initiativen. In der offiziellen Politik sehe ich nur abgefütterte Parvenüs, die im Monat mehr zum Leben haben als manch anderer im Jahr. Die fein gekleidet und frisiert in Talkshows sitzen und Hohlsätze zum besten geben. Jemand der links ist, setzt sich in allererster Linie für Arbeitsplätze ein, für angemessene Bezahlung und Sozialleistungen. Für soziale Gerechtigkeit und Gleichheit vor dem Gesetz. Für gute Schulen, Universitäten und Berufsausbildung. Ein einstiger hehrer Grundsatz solider Sozialpolitik war übrigens auch immer dass man nur das verteilen kann, was man eingenommen hat – z.Bsp. hat das Rote Wien der 20iger Jahre (Finanzstadtrat Hugo Breitner) seine sozialen Programme nicht durch Verschuldung sondern durch erhöhte Einnahmen finanziert.
@Ludwig Luhmann :„… Die AfD schürt keine “Ängste vor Migranten„, sondern sie probiert auch den gutmenschlichen Bürgern die Augen für die Konsequenzen zu öffnen, die sich zwangsläufig ergeben, wenn Deutschland z.B. mit Millionen Mohammedanern geflutet wird. Das Wort “Migrationswaffe„ bezeichnet eine existierende Gefahr! – Es soll ja Leute geben, die glauben, dass Islam “Frieden„ bedeutet.“ Besser kann man die Realität nicht schildern! Danke, Herr Luhmann. MfG
Wie kann etwas „anständig, vernünftig, aufgeklärt und korrekt“ sein wärend es von Menschenverachtung und Selbsthass nur so trieft? Ist es nicht eher so das, wenn mir die Natur, oder das Naturgegebene bestimmte Vorbilder ins Leben stellt denen ich aus eigener Untalentiertheit oder persönlicher, physischer oder psychischer Unfähigkeit einfach nie nahe komme, und mir alle Wege versperrt bleiben auch nur ansatzweise den geistigen oder körperlichen Ansprüche gerecht zu werden, dann bleibt mir nur die erwachsene Möglichkeit zu kapitulieren und mir meine Nische zu suchen. Dafür muß man aber erwachsen geworden sein. Ist man es nicht geworden, und so wie es aussieht wird man das in diesem Land auch nicht mehr, dann wird man trotzig und gibt der Natur die Schuld. Und ich beziehe mich deshalb auf die Natur, weil man sie gleichsetzen kann mit der Kontinuität des Konservativen. Ohne das Konservative hätte es nicht einmal die Tierwelt gegeben geschweige denn mehr wie eine (1) Generation Menschen. Da wir das Erachsenwerden eliminiert haben, haben wir auch das kognitiv wichtige Konservative eliminiert. Wenn nun die trotzigen späten Kinder von Schwurblern, Rechten und Nazis stammeln, dann nicht weil sie wüssten was Links oder Rechts bedeutet, sondern weil sie in ihrer Infantilität nicht anderster können als mit dem Kopf gegen die Wand zu hauen. Natürlich gibt es auch noch die anderen, die Instinkt-, Panik-, Ideologie- und Gehorsammenschen, aber erstere kleben auf der Stasse und bringen nur sich selbst unter die Räder.
Mann oh Mann, es geht immer noch um Herrschaft, sonst nix.
wer sich iin die vorgeformten Schemata der Oligarchen-Demokratie pressen laesst,ist selber schuld.
Klar,ich bin deutscher Abstammung und deutscher Kultur verbunden,ich liebe mein Heimatland(letzthn eher weniger,aber grundsaetzlich ja), sehe mich selbst als deutsch-national-konservativer und habe mit anderen politischen Meinungen kein grosses Problem,solange Sie mir nicht aufoktroiert werden.
Aber wer noch nicht begriffen hat,das ALLES,was angeblich „links“ sen soll,im Grunde ANTI-Deutsche Politik ist,also genau entgegen gesetzt dem selbst abgelegten Amtseid, der erkennt das Problem nicht wirklich.
ich sehe die „freie linke“ auf Spaziergängen und Demos,die widerum von der „organisierten Linken“ bekämpft wird,die wiederum am Rockzipfel (finanziell und argumentativ) des Staates haengen.
Diese Republik ist im Grunde politisch tot,eine Einheitspartei gegen 15-20% derer, die noch die alte Vormerkel-Republik wollen
Die Preisfrage ist ja: ist man wirklich gegen die „Angstkultur“, oder nur gegen die übergriffigen Maßnahmen? Würden die wegfallen, wäre es einem dann nicht egal, wenn 80% der Deutschen Angsthasen sind? Ich finde diese Unterscheidung ziemlich wichtig, weil man sich dann auch selbst die richtigen Fragen stellt.