Das Wissen der Römer und anderer Mittelmeerkulturen über das Bauen von Viadukten, Brücken und Hafenanlagen konnte sich nicht durch die Sahara hindurch nach Süden verbreiten. Deshalb sind Brückenplanung und -bau, Häfen, Straßen, Flughäfen und Bahnstrecken im südlichen Afrika bis heute oft ein Importartikel aus Europa, Japan, Südkorea und immer mehr aus China.
Bauingenieur Mike Schlaich und Professor an der TU Berlin nennt seine 150-tägige Reise von Kapstadt nach Kairo eine „Ingenieursafari“. Er gibt mit seinem Buch „Bauen in Afrika“ (2015) Einblick, auch dank vieler Fotografien, in das zeitgenössische Bauen in zwölf Ländern (Südafrika, Botswana, Namibia, Angola, Sambia, Tansania, Ruanda, Uganda, Kenia, Äthiopien, Sudan und Ägypten) des südlichen und östlichen Afrikas. An vielen Universitäten sprach er mit Kollegen und Studenten über die Situation der lokalen Baukultur und -methoden und hielt 20 Vorträge. Ergänzt wird seine Darstellung durch Beiträge afrikanischer Kollegen. Viele Brücken, die er besucht und technisch beschreibt, stammen noch aus der kolonialen Zeit. Neue wurden oft in Rekordzeit von Chinesen gebaut.
Viel Raum nimmt auch der weitverbreitete lokale Selbstbau ein. Gebäude mit Wänden aus Lehm, Holz und Stein und meist grasgedeckten Dächern finden sich überall in Afrika, nicht nur in den von Mike Schlaich für dieses Buch besuchten Ländern. Sie sind den klimatischen und geologischen Gegebenheiten mit lokalen natürlichen Materialien angepasst.
Afrikanische Bauprojekte nutzen lokale Materialien
Schlaich bemerkt, dass Ruanda blitzsauber ist. In Kigali werden die Straßen gefegt, die Regenabläufe geputzt und das Gras geschnitten. Anders als in Kenia gerät er nicht häufig in Polizeikontrollen und wird auch nicht gefragt, wie denn ein "Euro aussehe". Ruanda ist nahezu ohne Korruption und wird seinem Ruf als innovationsfreudiger Staat vollauf gerecht. In dem Land wird zur Nutzung lokaler Baumaterialien geforscht. Lateritsteine aus verfestigter Lateriterde haben eine hohe Festigkeit, die durch Zugabe von Zement, Kalk oder anderen Bindemitteln noch gesteigert werden kann. Andere Ideen drehen sich um mit Bananenfasern verstärkten Kunststoff, Ferrozement unter Verwendung von Minenabfällen und um mit Sisalfasern sowie landwirtschaftlichen Nebenprodukten und Abfällen – wie Stroh – bewehrten Zement. Afrikanische Bauprojekte nutzen seit Jahrhunderten lokale Materialien.
Der inzwischen weltbekannte Architekt Diébédo Francis Kéré aus Burkina Faso erhielt 2022 den Pritzker-Preis. (Vgl. Achse des Guten am 21.03.2022 „Erster Afrikaner gewinnt den renommierten Pritzker-Preis“). Schlaich hebt Kérés Bauten als Beispiel dafür hervor, wie afrikanische Traditionen und moderne Ingenieurskunst die urbane Zukunft des Kontinents prägen können. Kéré baut hauptsächlich nach traditionellem Wissen mit Lehm und Holz. Lehm speichert die Hitze des Tages und gibt sie in der kühlen Nacht nach draußen ab. Das Problem fehlender nächtlicher Abkühlung in Westafrika löst er nach dem Vorbild von Termitenhügeln. Lüftungstürme leiten die warme Luft nach oben ab, während unten frische Luft nachströmt. So erreicht er mit einfachsten Mitteln höchste Energieeffizienz.
Kéré bezieht die lokale Bevölkerung in den gesamten Bauprozess ein. Das schafft Arbeitsplätze und die Bevölkerung lernt, wie die Bauten instandgehalten werden können.
Alle afrikanischen Staaten brauchen Schulen, Krankenhäuser, Straßen, Brücken, Eisenbahnen. Es fehlt an Energie und der Zugang zu sauberem Wasser. Selbst in Addis Abeba, der Hauptstadt von Äthiopien, verfügen nur etwas mehr als 10 Prozent der Einwohner über Toiletten, die an das Abwasser angeschlossen sind.
Engagement braucht viel Vorbereitung
Der reich bebilderte Reisebericht mit informativen Grafiken zu verschiedenen Themen wie dem Jahresumsatz chinesischer Baufirmen in Afrika, Handelsströme von Zement und Beton etc. ist nicht nur für Bauingenieure interessant, sondern bietet auch deutschen Unternehmen wichtiges Hintergrundwissen, kulturelles Verständnis, praxisnahen Zugang zum ganzheitlichen Bauen, der Nutzung von traditionellen Ressourcen, einen weiteren Aufbau der dringend notwendigen Infrastruktur und kostengünstigen Wohnungsbau.
Man kann in Afrika ziemlich viel falsch machen. Man muss die kulturellen Nuancen kennen und funktionierende Netzwerke haben. Deutsche Firmen sollten die Chancen vor der eigenen Haustür nutzen und nicht alles den Asiaten überlassen. Allerdings braucht ein Engagement viel Vorbereitung. Sprachliche und kulturelle Barrieren erschweren den Zugang. Wer in Afrika Erfolg haben will, muss sich auf die örtlichen Gegebenheiten einstellen. Es ist wichtig, sich von erfahrenen Experten eine unabhängige Risikoanalyse machen zu lassen.
Es gibt aber durchaus vielversprechende Entwicklungen, vor allem in kleinen Ländern wie Benin, Botswana, Mauritius und Ruanda. Das sind Länder, die gezielt daran arbeiten, die Rahmenbedingungen für Investoren effektiv zu stärken.
Ich habe das Buch mit großem Gewinn gelesen. Schlaich stellt Zusammenhänge dar, die in den Perspektiven nicht selten nachdenklich stimmen.
Beitragsbild: James Wang - Website, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Der Jihad am Horizont!
Auf, auf nach Ruanda, wo die Welt noch i. O. ist!
Aus den 2% Musels können sehr schnell sehr viel mehr Musels werden … INSHALLAH!
„Der Islam in Ruanda ist eine anerkannte, aber in der Mehrheit christlich geprägte Minderheitenreligion . Laut der jüngsten Volkszählung bekennt sich etwa 2 % der Gesamtbevölkerung zum sunnitischen Islam . Muslime genießen volle Religionsfreiheit und werden von der Rwanda Muslim Community (RMC) vertreten.Hier sind die wichtigsten Facetten des Islam in Ruanda im Überblick:Historische Rolle: Während des Völkermords von 1994 verweigerten sich die bis dahin marginalisierten Muslime weitgehend den Massakern und halfen dabei, Verfolgte zu verstecken und zu schützen.Wachstum und Integration: Seit 1994 verzeichnet der Islam spürbaren Zulauf . Die friedliche Haltung vieler Muslime während des Genozids und ihr starker sozialer Zusammenhalt gelten als zentrale Gründe für den Zuwachs .Gesellschaftliche Dynamiken: Wie andere Glaubensgemeinschaften ist auch die muslimische Gemeinschaft bisweilen von staatlichen Regulierungen betroffen; so wurden in der Vergangenheit Beschränkungen für Lautsprecher-Gebetsrufe in bestimmten Stadtvierteln durchgesetzt .Wichtige Anlaufstelle: Das historische muslimische Viertel in der Hauptstadt Kigali ist Nyamirambo .Weitere Informationen zu den Aktivitäten und Entwicklungen der Gemeinschaft finden Sie auf der Website der Rwanda Muslim Community oder über das X-Profil der Rwanda Muslim Community.Wenn Sie tiefer in das Thema einsteigen möchten, lassen Sie mich wissen, ob Sie mehr erfahren wollen über:Die Geschichte der muslimischen Händler in Ruanda.
— Die ruandische Regierung geht gegen Religionsgemeinschaften vor. In einem Bezirk der Hauptstadt Kigali wurde es Moscheen verboten, die Gebetsrufe ihrer Muezzins…“
Afrika wird Peripherie bleiben und keine eigene Entwicklung erleben. Wobei es egal ist, ob Afrika die Peripherie von EUropa oder Asien/China ist. Ich habe Jahrzehnte im Seeverkehr (Hamburg) gearbeitet und erlaube mir das zu erläutern: Die Handelsrevolution erreicht Afrika durch das MPP-Vessel. Das sind kleine Containerfrachter (~2000 TEU), die eigenes Ladegeschirr/Ladekran an Bord haben. Deren Reichweite ist heute höher als die der Großfrachter der 80er Jahre. MPP-Vessel brauchen keine Hafenkräne um ihre Ladung
zu löschen. Das einzige was MPP-Vessel an Hafenanlagen brauchen ist eine 10m tiefe Pier. Das wars. Diese Piers werden gerade von den Chinesen massenhaft in Afrikas Häfen gebaut. Und mittlerweile sind Standardcontainer so billig, dass auch ein Totalverlust der TEU-Box irgendwo in Westafrika keine Rolle mehr spielt. Es gibt Firmen, die sich auf schrottreife Kühlcontainer spezialisiert haben, die dann von EU-Häfen aus inkl Kühlware auf den Märkten Afrikas landen. Beladen mit gekühltem Restfleisch, dass in EUropas Supermärkten unverkäuflich ist. Afrika übernimmt damit Entsorgung von Container und Inhalt. Und der Lieferant macht noch Gewinn dabei. Afrikas Bevölkerungsexplosion garantiert für ewige Nachfrage. Umgekehrt kann Afrika nichts liefern außer Rohstoffe.
Windtürme zur Kühlung durch den Kamineffekt kannten schon die alten Perser.
Ein Lichtblick zwischen den vielen schlechten Nachrichten! Dies erinnert an die Erkenntnis von Hans Rosling (und Nachfolger – siehe auch gapminder[punkt]org), dass die guten Entwicklungen oft gar nicht in den Nachrichten auftauchen. Erstens, weil sie sich oft in vielen kleinen Schritten vollziehen, von denen jeder zu klein ist, um Nachrichtenwert zu haben, und zweitens weil die menschliche Seele so sehr auf die schlechten Nachrichten anspringt und nicht so sehr auf die guten. – Vielen Dank, Herr Seitz!