Von Jost Kaiser
Heute war ich auf dem sogenannten Bürgeramt Charlottenburg.
An folgenden Bekundungen gesellschaftlicher Spezialinteressen bin ich vorbeigeschritten, um endlich ins Heiligste staatlicher Hoheitsaufgaben vorzudringen, der Passausstellung: Vor dem Rathaus hing die Regenbogenfahne. Im Gang hingen nacheinander: Der Schaukasten des Seniorenvereins. Der Kasten der SPD. Der Kasten der Migrationsbeauftragten. Der Kasten der Gleichstellungsbeauftragten. Der Kasten der Landsmannschaft Pommern/Schlesien.
Nun war es ein weiter Weg, vom irren deutschen Gedanken, dem Kern des deutschen Antiwestlertums, es gäbe nur ein Volk und darin keine verschiedenen Interessen. Und durchaus bin ich Fan der amerikanischen Staatsidee, dass eine Gesellschaft nicht nur nicht Parallelgesellschaften bekämpfen soll – sondern dass sie aus diesen besteht, und zwar ausschließlich. Nur: die Amerikaner haben ja auch eine Staatsidee und zwar eine schillernde, die das alles am Ende zusammenführt unter “E pluribis unum”.
Statt auf einem gut geführten Berliner Amt landet man also auf dem Jahrmarkt der Subkulturen.
Ich fragte mich: Reden die auch miteinander? Gehen die Schwulen mal bei den Schlesiern vorbei, oder die Frauenbeauftragte zu den Senioren? Geht da was zusammen, damit doch so etwas wie eine verbindende Idee entsteht?
Im Bürgeramt Charlottenburg ist man dem unbedingten Modernismus verfallen und denkt wohl, die Summe der Spezialinteressen ergäbe schon das Ganze. Und all das wäre nicht so schlimm, würde es nicht auf den Gängen am Ende doch nach schlimmstem preußischem Amtsschimmel stinken.
Jedenfalls musste ich erst zur Kenntnis nehmen, was der Seniorenverein und die Landsmannschaft Schlesien so denken – dabei wollte ich doch nur einen Paß!