Henryk M. Broder / 13.02.2015 / 15:54 / 3 / Seite ausdrucken

Auch Pöbeln ist nicht umsonst

Man könnte zum Beispiel die Gebühr staffeln. Für harmlose Invektive wie Blödmann, dumme Nuss, Intellektueller und Querdenker wären fünf Dollar pro Beitrag fällig. Idiot, Lump, Penner und Nahostexperte würden zehn Dollar kosten. Richtig teuer kämen Zuschreibungen wie Judensau, schwules Schwein, Populist und Putin-Versteher. So etwas wäre unter 100 Dollar nicht zu haben. Möglich wäre es auch, eine monatliche Flatrate einzuführen, die alles abdeckt, von Sexist bis Faschist. Unter Umständen wäre auch ein Familientarif sinnvoll oder einer für Wohngemeinschaften: “Friends & more”.
http://www.welt.de/kultur/article137433406/Kuenftig-darf-nur-noch-beleidigen-wer-dafuer-blecht.html

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Leserpost

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Annett Preuss / 14.02.2015

Guten Abend, Herr Broder, ich schätze Ihre Beiträge sehr und wäre deshalb neben einer ohnehin schon laufenden Patenschaft doch gleich mal bereit, einen 100-er fürs Pöbeln zu zahlen. Wohin? Ich lese täglich die Achse, doch ich gehöre nach Michael Miersch zu dem Pöbelpack mit Hasskappe.  Dabei finde ich Deutschland attraktiv und lebenswert und stimme zu, dass an den Deutschen “etwas dran ist”’ siehe einen Beitrag dieser Tage. Was ich aber nicht verstehe: Warum wird in Deutschland bei Einwanderern und dabei besonders bei muslimischen Migranten eine andere Messlatte angelegt als es in vielen anderen Ländern der Welt üblich ist, in die Deutsche auswandern? Dort zählen weder Religion noch Weltanschauung des Einwanderers, sondern nur sein Wissen und die Leistung und die Bereitschaft, sich anzupassen und zu integrieren.  Wir dürfen das aus persönlicher Erfahrung behaupten, denn unser Sohn lebt und arbeitet seit Jahren im Ausland. Und im Gegensatz zu vielen Behauptungen der vergangenen Wochen in den Medien konnten wir im pegidaverseuchten Dresden nicht beobachten, dass unsere asiatische Schwiegertochter angemacht wurde. Es wird seit Pegida viel von Islamphobie gesprochen, doch die Phobie besteht eher auf Seiten der Politiker - Bürgerphobie nenne ich das, weil nicht sein kann, was nicht sein darf: dass sich da Tausende getraut haben zu demonstrieren. Weil sie zum Beispiel nicht Zustände wie in Neukölln möchten neben vielen anderen Sorgen mit der aktuellen Politik. Die stehen natürlich alle rechts, sind dumme Dumpfbacken,  eben gelernte DDR-Bürger und deshalb nicht demokratiefähig. Manchmal kommen die auch aus der Mitte, je nach Sender oder Tageszeitung. Was an der medialen Bearbeitung besonders schlimm ist, dass bewusst Angst geschürt wird vor den Demonstranten. Ausländer hätten Angst, ja selbst Englischsprachige fühlen sich angeblich in der Stadt nicht mehr sicher.  Mir fehlen angesichts solcher Beiträge die Worte. Bürger,  die ihre Meinung äußern, werden dämonisiert,  ohne wirklich auf ihre Sorgen einzugehen.  Dafür gibt es obskure Umfragen, um das Weltbild für Dresden und den Osten wieder gerade zu rücken . Das hatten wir schon einmal, ist gerade 25 Jahre Geschichte . Warum nur fühle ich mich heute zurückversetzt? 100 Euro - zuviel gepöbelt?

Frances Johnson / 13.02.2015

Falls überhaupt, würde ich die Idee im Sommer zirkulieren lassen. Bis dahin haben wir die Heizkosten vergessen. Ich kaufe im Winter nicht mehr viel.

Ronald M. Hahn / 13.02.2015

Ja, jetzt mal ganz ehrlich: Für “Nahostexperte” wär ich schon bereit, pro Monat einen Hunderter rauszuwerfen.

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