Gunnar Heinsohn / 03.01.2015 / 07:00 / 3 / Seite ausdrucken

Auch die Deutschen waren große Kopisten

“Wer kopiert, kapiert”, wie es der Bremer Unternehmensberater Helmut Diez (Bremen) unübertroffen auf den Punkt gebracht hat. Nur wer überhaupt versteht, was er da heimlich in der Garage auseinander nimmt, kann beim Nachbauen auch gleich noch Verbesserungen vornehmen. Eben für dieses Talent (in den 1970er Jahren trifft es deutsche Kameras, heute südkoreanische Telefone) tadelt der DER SPIEGEL den chinesischen Smartphone-Hersteller JiaYu mit seinem Paradeladen in Kassel.

Die Anwürfe “Kopist” oder “Imitator” enthalten in Wirklichkeit ganz große Komplimente für die Geschmähten. Zwischen 1810, also seit der weit gestreuten Eigentumsschaffung in der Stein/Hardenberg-Reform, und 1914 sind es vor allem deutsche Nachahmer, die der seinerzeit führenden britischen Industrie die Butter vom Brot nehmen. In Zukunft dürften solche Asse immer seltener werden, obwohl es an elterlichen Garagen nicht mangelt; denn schon bei PISA 2012 schneiden in Mathematik von den altdeutschen Kindern (zwei Drittel des Nachwuchses) 30 Prozent mangelhaft, ungenügend und schlechter ab. Bei den Migrantenkindern (ein Drittel des Nachwuchses) landen sogar 51 Prozent im tiefsten Leistungskeller. Siehe hier Seite 299.

Wehe also den Industrieländern, denen die Imitations-Verbesserer ausgehen! Eine große Feier sollte deshalb der SPIEGEL ansetzen, wenn einmal hessische Kopisten beim Nachbau chinesischer Telefone erwischt werden.

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Leserpost

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Peter Seibel / 04.01.2015

Ein kurzer Artikel zwar, aber er trifft die Krankheit, unter der wir leiden auf den Punkt : unser Journalist vom Spiegel - als einem Synonym für die meisten seiner Kollegen. Sie alle wissen kaum wie die Welt tickt. Sie können - aufgrund mangelnden Einblickes in Wissenschaften, die Lösungen liefern - nicht erkennen wo und weshalb wir Defizite haben. Und so sind und bleiben sie selbst unser größtes Defizit.

Uwe Laugwitz / 04.01.2015

Verehrter Herr Prof. Heinsohn wo ist denn Ihr längerer Artikel von 31.12. abgeblieben? Gibt es Gründe für das Zurückziehen (außer dem daß er anderswo gedruckt werden soll)? herzliche Grüße Uwe Laugwitz

Klaus Kalweit / 03.01.2015

Nun machen Sie mal die deutsche Forscherjugend nicht schlecht. In meiner Kleinstadt wird an der KGS stramm wissenschaftlich gelehrt und geforscht. Die aufsehenerregendsten Beispiele standen in der Zeitung. Eine Mädchen-Forschergruppe zog so lange an einem Loop-Band, bis es riss. Gemessen wurde, wie doll man reißen muß. Dann legten die Damen die Bänder wochenlang in Lauge, um festzustellen, daß Silikon sich nicht auflöst. Wer hätte das gedacht! Das Fazit der klugen Jungforscherinnen: Diese Bänder sind eine Katastrophe für die Umwelt! Die Jungen dagegen zündeten alte Müllsäcke an und stellten fest: sie brennen! Ob das nun gut oder schlecht ist, verriet der Artikel nicht. Na, wer glaubt da nicht an die Zukunftsfähigkeit unseres Landes.

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