Atomunfall: Was geschah in Nyonoksa?

Am 8. August gab es auf dem Raketenversuchsgelände der russischen Marine in Nyonoksa wieder einmal ein Nuklearunglück mit (wahrscheinlich) acht Toten. Knapp einen Monat nach einem Brand auf einem Atom-U-Boot, bei dem 14 Besatzungsmitglieder starben. Zum Glück ist diesmal die Freisetzung von radioaktiven Stoffen nicht so groß wie in Tschernobyl – alles andere jedoch – wie gehabt: Geheimniskrämerei, nur Dinge zugeben, die bereits in „West-Medien“ veröffentlicht sind und Täuschung durch Falschinformationen. Trotzdem soll hier versucht werden, etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

Übereinstimmend wird von einem Anstieg der γ-Strahlung in Severodvinsk am 8.8.2019 in der Zeit von 11:50 bis 12:30 (lokal) auf 2 μSv/h berichtet. Sie soll gegen 16 Uhr wieder auf ihren Normalwert zurückgegangen sein. Greenpeace spricht von einer Erhöhung auf das 20-fache des Normalwerts. Es gibt keine näheren Angaben über die Isotopenzusammensetzung oder die genauen Ausbreitungsverhältnisse.

Severodvinsk ist eine Großstadt mit ca. 185 000 Einwohnern, 45 km westlich von dem militärischen Versuchsgelände in Nyonoksa. Anders als noch in Tschernobyl ist dort die Bevölkerung sensibilisiert (zwei Marinewerften, auf denen auch Atom-U-Boote gewartet werden) und vorbereitet (private „Geigerzähler“ etc.). Gleichwohl verbreiteten die Nachrichten Angst und Schrecken unter der Bevölkerung. Insbesondere der Transport der Verletzten und Toten durch Hilfskräfte unter Vollschutzkleidung.

So wird zum Beispiel von Panikkäufen von „Jodtabletten“ aus den Apotheken der Stadt berichtet. Ganz offiziell wurde für die Dvina Bay das Schwimmen und Fischen „wegen giftigem Raketentreibstoff Heptyl“ für einen Monat untersagt. Es ist mal wieder das typische Verhalten russischer Regierungen: Geheimniskrämerei und Halbwahrheiten, die das Vertrauen der eigenen Bevölkerung untergraben.

Leider muß man auch diesmal wieder dem „Westen“ eine gewisse Komplizenschaft unterstellen. Westliche Geheimdienste wissen über das Geschehen viel mehr, als sie bereit sind zu veröffentlichen. Hat sich doch dieser Murks nur 300 Kilometer entfernt von der finnischen Grenze ereignet. Es ist offensichtlich nach wie vor die Forderung von Edward Teller aus den 1980er Jahren richtig, alle Geheimdiensterkenntnisse öffentlich zu machen. Manch einem gutgläubigen „Putin-Versteher“ würde sicherlich Hören und Sehen vergehen.

Bis auf einen – alle Marschflugkörper beim Start explodiert

So ging schon 2015 ein Test auf dem gleichen Versuchsgelände in Nyonoksa schief: Die Kontrolle über einen Marschflugkörper ging verloren und dieser raste in ein Wohngebäude. Aber die Unglücksserie reißt nicht ab: In Sibirien ging im gleichen Zeitraum ein Munitionslager hoch – mit umfangreicher Zerstörung in der Umgebung. Man stelle sich nur mal vor, die Bundeswehr oder das US-Militär hätte eine solche Pannenserie mit so vielen Toten und so viel Umweltverschmutzung in nur einem einzigen Monat. Zumindest das Staatsfernsehen könnte sich vor lauter Sondersendungen mit „Atomexperten“ gar nicht wieder einkriegen. Aber schon meine Mutter sagte: Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe.

Übereinstimmend wird berichtet, bei dem Unglück (es fällt mir schwer, so etwas noch als Unglück zu bezeichnen) handelt es sich um einen Fehlstart eines Burevestnik (NATO Bezeichnung: Skyfall) Marschflugkörpers mit einem Kernreaktor als Antrieb. Bisher gab es 13 Tests, die – bis auf einen – alle beim Start explodiert sind. Gleichwohl protze Putin in einer Fernsehsendung mit einem Video seiner Wunderwaffe und verkündete, daß diese noch dieses Jahr an die U-Bootflotte übergeben werden sollte.

Hoffentlich nicht, denn dann wäre ein zweiter Fall Kursk vorprogrammiert. Damals war auch ein neuartiger „Wundertorpedo“ Ursache für den grausamen Tod der Besatzung. Nichtsdestotrotz schwelgte Putin in seiner Fernsehshow von der Überlegenheit dieses Marschflugkörpers, der locker um die Welt fliegen kann und jede „Raketenabwehr“ austrickst. Glaubt dieser „Führer“ tatsächlich, daß seine Untertanen solchen Blödsinn glauben?

Wir leben heute im „Internet-Zeitalter“. Wenn man den Arbeitsaufwand nicht scheut, kann man eine Menge Fakten zusammentragen. Es gibt auch in Russland Menschen, die ungewöhnliche Dinge in ihrer Umgebung mit der Kamera festhalten und ihre Kenntnisse weiterleiten – und nicht zuletzt private Umweltschützer, die akribisch frei zugängliche Satellitenaufnahmen auswerten. Nur Öffentlichkeit kann die Putins dieser Welt zwingen, die Karten aufzudecken.:

  • Ort Am 8. August 2019, gegen 9:00 Ortszeit gab es eine heftige Explosion nahe der Stadt Nyonoksa, einer Hafenstadt an der Dvina Bucht, etwa 20 km (45 Straßenkilometer) von der Schiffbaustadt Severodvinsk entfernt. Nyonoksa ist seit Jahrzehnten ein Testgelände für Marineraketen einschließlich auch Interkontinentalraketen (ICBMs). Der Luftraum war großräumig in der Zeit vom 8.–11. August gesperrt (NOTAM).
  • Installation Satellitenbilder zeigen, daß der Versuch auf einem Ponton, etwa 4 km vor der Küste stattfand. Die Bevölkerung wurde vor Trümmerteilen am Strand gewarnt. Warum der Test nicht in den vorhandenen Anlagen an Land ausgeführt wurde, ist unbekannt.
  • SEREBRYANKA ist ein Spezialschiff für die Bergung und den Transport von radioaktiven Abfällen. Es befand sich auf Reede in der Nähe des Pontons und kam unmittelbar nach dem Vorfall zur Hilfe. Dieses Schiff wurde auch schon bei den Tests auf Novaya Zemlya beobachtet.
  • Messungen Zufällig (?) stellten die Überwachungsanlagen der CTBTO (Comprehensive Nuclear Test Ban Treaty Organization) in Dubna, Kirov, Bilibino und Zalesovo wegen angeblicher technischer Schwierigkeiten die Datenübermittlung während des Tests ein. Ein norwegisches Forschungsinstitut geht sogar von zwei Explosionen (eine unter Wasser und eine oberhalb) aus. Das Norsar Research Institute unterhält eigene Seismographen und Infraschallstationen in Skandinavien.
  • Opfer Offiziell hat es acht Tote gegeben. Drei Soldaten und fünf Techniker von Rosatom (Alexei Vyushin, Evgeny Koratayev, Vyacheslav Lipshev, Sergei Pichugin und Vladislav Yanovsky).
  • Strahlung Es sind zahlreiche Messwerte aus verschiedenen Orten vorhanden. Sowohl offizielle (Regionalbehörden, Meteorologische Stationen etc.), aber auch von Bürgern und Umweltschutzorganisationen. Alle sind bemerkenswert übereinstimmend. Man kann wohl mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass keine Gefahr für die Bevölkerung besteht (Kurzzeitig bis 20-fach der Hintergrundstrahlung). Das medizinische Personal wurde nicht über die radioaktive Belastung der Verletzten informiert. Nachdem Ärzte aus den Krankenhäusern massiv Kritik äußerten, bot der Gesundheitsminister kostenlose Untersuchungen in einer Spezialklinik in Moskau an. Bei einem Arzt wurde dort eine Inkorporation von Caesium-137 festgestellt. Die Opfer wurden unter Schutzkleidung nach Moskau transportiert. Dies ist durch zahlreiche Bilder und „Handy-Filme“ dokumentiert. Eine Woche nach dem Vorfall registrierten Luftmessstationen in Norwegen Spuren von Jod.
  • Testreihe Der aktuelle Versuch hat nach Valentin Kostyukov, Leiter des Forschungszentrums von Rosatom, eine „intensive Vorbereitung“ von mehr als einem Jahr erfordert. Nach Angaben aus den USA ist dies die 14. Versuchsreihe. Nur zwei waren teilweise erfolgreich. Bisher wurden die Versuche überwiegend auf dem alten Kernwaffentestgelände in Novaya Zemlya durchgeführt. In diesem ohnehin hoch belasteten Gebiet konnte man ungestört weiter rumsauen. Eine Erklärung für die Verlegung in bewohnte Gebiete weiter südlich dürfte die routinemäßige Überwachung durch Seeaufklärer sein, die nach Spuren von Kernwaffentests suchen.

Wer einen Nachbarn wie Russland hat, braucht keine Feinde mehr

Marschflugkörper sind, technisch betrachtet, Flugzeuge. Wegen der kleinen Tragflächen brauchen sie eine hohe Mindestgeschwindigkeit um den notwendigen Auftrieb zu erzeugen. Werden sie aus einem Starter (Schiff oder LKW) abgeschossen, benötigen sie eine zusätzliche Raketenstufe um erstmal ihre Mindestgeschwindigkeit erreichen zu können. Genau diese scheint bereits explodiert zu sein (Warnung vor Heptyl in der Bucht). Fliegt so eine cruise missile erst mal, kann sie trotz ihres kleinen Triebwerks und Treibstoffvorrats mehrere tausend Kilometer entfernte Ziele treffen. Der Witz dabei ist, dass sie dabei möglichst tief fliegt, um unter gegnerischem Radar hindurchzutauchen und dabei stets ihre Richtung ändert. Ihr Vorteil liegt also in ihrer schweren Entdeckbarkeit. Ist sie erst mal entdeckt, kann sie wegen ihrer relativ geringen Geschwindigkeit leicht abgeschossen werden.

Anders verhält es sich mit ballistischen Raketen. Je weiter sie fliegen sollen, um so höher müssen sie aufsteigen. Sie sind dadurch leicht aus großer Entfernung auszumachen. Ihre Flugbahn ist gut vorhersehbar, und sie können trotz ihrer hohen Geschwindigkeit relativ treffsicher abgeschossen werden.

Die Idee, einen Marschflugkörper mit Kernreaktor zu bauen, ist nicht nur verbrecherisch, sondern auch ziemlich idiotisch. Man diskutiert immer wieder den Einsatz von Kernreaktoren im Weltraum. Allerdings ist man sich darüber einig, solche Reaktoren erst in Betrieb zu nehmen, wenn sie sicher in der Umlaufbahn angekommen sind. Ab dem Moment, wo sie kritisch werden, produzieren sie nämlich Spaltprodukte und Neutronen in großer Zahl. Ein Marschflugkörper, angetrieben durch einen Kernreaktor, ist also fliegender Atommüll. Schon jeder Testflug ist damit vorsätzliche Umweltverschmutzung. Der einzig gelungene Testflug der Burevestik endete im Polarmeer. Bisher wurden die Reste noch nicht erfolgreich geborgen. Wer solch einen Nachbarn wie Russland hat, braucht keine Feinde mehr.

Der militärische Nutzen scheint äußerst fragwürdig. Man kann zwar in einem Staustrahltriebwerk die Brennkammer durch einen Reaktor ersetzen, gewinnt dadurch aber nicht viel. Was will man mit einem Marschflugkörper, der um die Welt fliegt oder ewig im Zielgebiet kreist. Je länger er unterwegs ist, desto größer die Wahrscheinlichkeit, entdeckt zu werden. Aufgrund des schlechten Wirkungsgrades eines Staustrahltriebwerks bei der geringen Geschwindigkeit eines Marschflugkörpers würde er wie ein Stern leuchten. Seine Abstrahlung ist leicht mit Standardmitteln völlig passiv zu orten. Hinzu kommt noch die hinterlassene Spur seiner ionisierenden Strahlung. Er wäre für jede F-35 auf Patrouille ein leichtes Opfer. Um was geht es also wirklich bei diesen Tests in Nyonoksa? Die Frage stellt sich um so mehr, da die USA schon in den 1950er Jahren ein ähnliches Projekt – SLAM (Supersonic Low Altitude Missile), auch „The Big Stick“ genannt – verfolgt und aufgegeben haben.

Dementis auf dem Niveau eines Knaben beim Kirschen klauen

Kaum ein Politiker versucht die Menschen so dreist für dumm zu verkaufen. Das Verhaltensschema ist spätestens seit der Annektion der Krim bekannt: Erst heißt es, Uniformen und Waffen könnte man in jedem Militaria-Shop kaufen, dann sind es Soldaten, die ihren Urlaub nutzen, und darauf hätte er natürlich keinen Einfluss, um nach erfolgreicher Aktion ganz offiziell die Truppen zu ehren. Immer, wenn schon Bilder durch die Welt gehen, Dementis auf dem Niveau eines Knaben, der beim Kirschen klauen auf frischer Tat ertappt wurde. Ist die Aktion in seinem Sinne erfolgreich verlaufen, war es natürlich seinem langfristigen Plan zu verdanken. Schuld sind von Anfang an die anderen, er war ja nur gezwungen zu reagieren, um die Ehre seines Russland zu retten.

Mit bekannter Unverfrorenheit reicht er genau jetzt eine Resolution im Sicherheitsrat gegen die USA ein, wegen der nicht Verlängerung des INF-Vertrages und eines nuklearen Wettrüstens. Das alles, nachdem er seit Jahren an einem Marschflugkörper mit Kernreaktor rummurksen lässt. Was wäre denn gewesen, wenn der Test erfolgreich gewesen wäre? Noch letztes Jahr hat er doch – in einer eher peinlichen Fernsehshow – genau dieses Teufelsding als Wunderwaffe gepriesen, mit dem sein Russland (Nigeria with Nukes) einen Vorsprung von Jahrzehnten hätte.

In was eigentlich, in Umweltzerstörung? Welchem sozialistischen Modell eifert er nach? Der Volksrepublik China wohl eher nicht, die inzwischen die Welt mit Autos, Computern und Mobiltelefonen überhäuft, sondern wohl eher dem Hungerkommunismus Nordkoreas. Man sollte erwarten, daß er durch die Politik von Ronald Reagen und dem Zusammenbruch des Sowjetreiches etwas gelernt hat: Steigen die USA auf seine nuklearen Fieberträume ein, reicht all sein Öl und Gas nicht aus. Was aber soll dann China machen? Seelenruhig zuschauen wohl kaum. Wenn es jetzt nicht gelingt, Putin zu stoppen, wird eine weltweite nukleare Rüstungsspirale ausgelöst, gegen die der kalte Krieg nur ein Kindergeburtstag war. An irren Ideen mangelt es nicht, man muss sich nur Russlands derzeitige (nukleare) Aufrüstung anschauen.

Die Rolle von Rosatom

Besonders beängstigend in diesem Sinne ist die zivile und militärische Verknüpfung der Kerntechnik in Russland. Fünf der acht Todesopfer waren Techniker von Rosatom. Sie wurden bereits am 12. August in Sarov, 400 km östlich von Moskau, mit militärischen Ehren beigesetzt. Sarov mit über 90.000 Einwohnern ist bis heute noch eine „geschlossene Stadt“ (d.h. Zutritt nur mit Sondererlaubnis). Größter Arbeitgeber ist nach wie vor das Forschungslabor von Rosatom. Es besteht seit 1947, und in ihm wurde zum Beispiel die größte Kernwaffe (Zar-Bombe) aller Zeiten gebaut. Heute ist man stolz, auch Kernbrennstoffe für zivile Reaktoren herzustellen.

Liegt in dieser engen örtlichen und personellen Verknüpfung an verschiedenen Standorten der Grund für die Exporterfolge von russischen Kernkraftwerken in Iran, China, Indien, Türkei, Ägypten usw.? Geht es dabei wirklich nur um elektrische Energie? Schauen wir mal, wie problemlos die Kooperation in Finnland läuft. Die Finnen haben mit Sicherheit kein Interesse an Kernwaffen, sind aber nicht bereit, irgendwelche Kompromisse in Sicherheit und Qualität einzugehen. Dieser Exporterfolg könnte noch richtig teuer für Russland werden.

Die Rolle unserer „Atomkraftgegner“

Alle, die immer noch glauben, bei den Grünen und Greenpeace ginge es nur um die Gefahr und Angst vor Strahlung, müssen sich doch langsam wundern, warum nun eine solche Stille in diesem Lager herrscht. Frau Sylvia Kotting-Uhl etwa, die sich von jedem Castor-Behälter bedroht fühlt und um die Asse nicht in den Schlaf kommt, fühlt sich etwa nicht durch fliegenden Atommüll gefährdet? Der Genosse Trittin, der jedes „AKW“ bekämpft hat und heute die Rücklagen für den „Atommüll“ mit verwaltet, findet die Versenkung von ausgebrannten Kernreaktoren im Polarmeer tatsächlich in Ordnung? Das kann doch wohl nicht sein.

Eine intensive Nachfrage bei jedem Auftauchen dieser Herrschaften und ihrer Parteigenossen scheint deshalb dringend angeraten. Oder sollte es wirklich böse kapitalistische und gute sozialistische Strahlung geben? Kardinal Marx und der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm als berufliche Moralisten sollten ihre geliebte Kanzlerin schnellstens auffordern, eine weitere Kommission einzusetzen. Nicht zuletzt alle Naiven, die glauben, Kernenergie ist gut fürs Klima (weil doch so „CO2-arm“), werden spätestens dann merken, wohin die Reise geht, wenn Kanzler Habeck den Mantel der Geschichte ergriffen hat.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf der Webseite von Klaus Humpich hier

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U. Langer / 27.08.2019

Da hat der Herr Humprich aber einen ganz schlechten Tag gehabt - nur ein paar Beispiele: - Njonoksa ist keine Stadt sondern ein 500-Seelen-Dorf, liegt nicht an der Küste (“Hafenstadt”) und ist weder 20km noch 45km von Severodvinsk entfernt. - Die ausgefallenen Messstationen, die Herr Humprich in einen Zusammenhang mit dem Unfall bringt, liegen viele Hunderte bis mehrere Tausende Kilometer vom Unglücksort entfernt - was soll man dort messen? Oder will Herr Humprich damit suggerieren, dass es sich um einen heimlichen Atomtest gehandelt hat? - Hamsterkäufe von Jodtabletten gab es auch nach Fukushima in Deutschland! Was sagt uns das nun? - Seine Aussage, dass bei einem explodierenden Minutionslager in Deutschland “Atomexperten” im Fernsehen auftreten würden, mag zwar stimmen, ich lese aber eigentlich achgut, weil ich solchen Unsinn nicht konsumieren will. Seine Hetze gegen Russland im Allgemeinen und Putin im Besonderen erinnert auch nur an Tagesguck und Alpenprawda. Ich frage mich nur, ob die vielen fachlichen Fehler in seinem Artikel vielleicht daher kommen, dass Haß das Denken vernebelt. Wie sonst konnte er auf die Idee kommen, dass die Messung von Spuren von Jod nach einer Woche irgendwelche Bedeutung hätte. Herr Humprich weiß doch eigentlich, dass Jod eine Halbwertszeit von 8 Tagen hat und demnach maximal Spuren von Jod freigesetzt worden sind! Vielleicht war dieser Artikel ja für das Greenpeacemagazin bestimmt und ist aus Versehen bei achgut hochgeladen worden.

Wolfgang Rebers / 27.08.2019

Die Mischung geheimdienstlicher Veröffentlichungen zwischen Information und Desinformation direkt oder indirekt über Medienberichte liegt heute bei 50:50. Würden Geheimdienste alles veröffentlichen, was sie in die Hände bekämen, dann hätte das nur zur Folge, dass mit mehr Informationen auch mehr Desinformationen veröffentlicht würden als heute. An der 50:50 Relation würde sich aber nichts ändern. Daneben muss man sich auch fragen, inwieweit die Russen bei den Unfällen geschludert haben und inwieweit das von tief eingeschleuste Agenten befördert wurde. Viel braucht es bekanntlich nicht, um ein sensibles, komplexes System aus dem Gleichgewicht zu bekommen. Insofern: Nullinformation. Das einzige, was man effektiv machen kann besteht darin, sich komplett rauszuhalten und heimlich einen Notvorrat anlegen, der auch Jodtabletten und einen Geigerzähler beinhaltet. Und ja, ich bin Zyniker.

Annette Mueller / 27.08.2019

Au ja, die guten deutschen Menschen mit “Haltung” sind ja soviel besser. Ich erinnere sehr gern an die Vorfälle im Jahre 1986 um die Gesellschaft für Kernenergieverwertung in Schiffbau und Schiffahrt mbH im Geesthachter Ortsteil Krümmel. Alle Versuche die Geschehnisse um den Brand und die deswegen vermutlicht erfolgte Freisetzung von PAC-Kügelchen in die Umgebung des Geländes plus die Messung von erhöhter Radioaktivität im nebenan gelegenen AKW Krümmel zu klären, wurden von stattlicher Stelle torpediert. Leukämiecluster Elbmarsch, sei als Stichwort genannt.

Alex Müller / 27.08.2019

Kommentatoren hier, die sind darüber lustig machen, dass in Russland 2050 nur noch “105 Millionen” Russen leben werden. Derzeit hat Russland ein ausgeglichenes Geburten- und Sterbeverhältnis von gut 2 Millionen jeweils pro Jahr. In Deutschland gibt es rund 800.000 Geburten und 1 Million Sterbefälle pro Jahr. Jetzt wisst Ihr auch warum Die Zuwanderung auf 200.000 begrenzt wurde. Jaja der Russe stirbt aus und Deutschland wird es 2050 prächtig ergehen!

Ulv J. Hjort / 27.08.2019

Mir sprang ein satz besonders ins auge : ” Wer einen Nachbarn wie Russland hat , braucht keine feinde mehr . ”  Die ganze wahrheit und nichts als die wahrheit ! Verstehe ueberhaupt nicht ,warum so viele in D den Putin verehren und sich russische zustænde wuenschen . Wer will denn freiwillig in einer dreiviertel demokratie leben ?—- Zum thema selbst , die zustænde der alten Sowjetunion bestehen nach wie vor , keine ænderung ,keine aufarbeitung . Der gleiche verlogene schlendrian .

Sabine Hahn / 27.08.2019

Bei im Kern rein militärischen Themen geht vieles, wie auch die Zuschriften zeigen, durcheinander.  Im Rahmen seiner Möglichkeiten sucht Rußland nach militärischen Optionen, um gegenüber den USA und China neues Drohpotential aufzubauen. Wie es scheint, sind hat das Land seine konventionellen Möglichkeiten ausgeschöpft. Als große Landmacht, die weiterhin auch weltweite Aktivitäten nicht außer Acht lassen will, muß Rußland sich scheinbar militärisch neu aufstellen. Chinas See- und Landpolitik, etwa der Ausbau maritimer Stützpunkte und die sogenannte Seidenstraße, kann es auf Grund mangelnder wirtschaftlicher Potenz nicht imitieren. Die amerikanische Stützpunktpolitik und den trotz aller Unkenrufe höchst effektiven Einsatz von Flugzeugträgerverbänden kann es ebenfalls auf Grund fehlender Technologie und mangels Kapitals nicht kopieren. Also wirft sich Rußland, auch ohne einen Putin, auf preiswertere, dennoch militärisch universal einsetzbare Lösungen. Ein nuklear betriebener Marschflugkörper, der jahrelang um die Erde kreist und bei Bedarf jeden beliebigen Punkt ansteuern kann, scheint mir unter diesen Umständen ideal und effektiv. Aus russischer Sicht eine hervorragende Lösung, die man zur Not auch unter Opfern technisch umsetzen muß. Aus deutscher Sicht sollte man sich allerdings fragen, ob man über Techniken verfügt, solche Geräte im All zu verfolgen und gegebenenfalls effektiv zu bekämpfen. Wie sagte schon Stalin: “Die Beseitigung des Krieges ist eine blöde Phrase.” Das eigentliche Problem ist nur, daß die deutsche Politik und der größte Teil der deutschen Öffentlichkeit die tiefe Wahrheit dieser Aussage intellektuell nicht zu verarbeiten vermag.

Anthonny Brandt / 27.08.2019

@Andreas Daire: Ich erspare mir Details, aber Ihre vollkommen platten Anmerkungen zu Russland gehen absolut an den Fakten vorbei. Russland säuft ab? Natülich, klar. Hier im Westen ist alles top, oder? Als Russland noch “demokratisch” war mit Gorbi und Jelzin, da blühte alles förmlich in Russland. Seit dem der böse Putin regiert geht alles den Bach runter. Klar. Und in Syrien haben die Russen auch ganz dolle verloren. Lesen Sie Zeitungen? Wenn ja, welche? Putins Außenpolitik war mehr als erfolgreich, ob es uns passt oder nicht. Würde man erkennen, dass das überleben der westlichen Zivilisation ohne Russland eine Illusion ist und scheitern muss, dann hätte die transatlantisch vorangetriebene, von angelsächsischen globaler Dominanz träumender Fantasie sofort gestoppt werden müssen. Die Gewinner dieser suizidalen Denke in Feind Kategorien gegenüber Russland wird sowohl den USA als auch EU-ropa sowie auch Russland das Genick brechen. Die Muslime der Welt bereiten schon die Übernahme der kompletten Länder vor, an Frankreich, Belgien, England kann man schon heute erkennen wo die Reise hingeht. Und in meinen Augen das bereits unumkehrbar. Ohne Crash kommen die autochtonen Bevölkerung von dem falschen Gleis nicht mehr runter. Die US-Bevölkerung ist jung und wächst? Ach ja? Aber nicht die weiße US-Bevölkerung, sondern v.a. Hispanics, schwarze etc. Auch die EU-ropäische Bevölkerung schrumpft rasant und die Bevölkerungsstatistik hierzu spricht eine eindeutige Sprache. Demographisch haben die weißen den Geburtenkrieg schon längst verloren. Was glauben Sie, wer in 20-30 Jahren hier in West-EUropa den Ton angibt? Das wird ein islamisch dominierter, ehemals weißer und christlicher Raum. 40 Mio. autochthon Deutsche vs. 30 Mio. orientalisch-muslimisch-afrikanischer Bevölkerung. Wie stark ist dann die Identifikation mit NATO, transatlantischer Kooperation, dem “europäischen Geist” a´la EU in Brüssel? Der Artikel selbst stellt eine Meinung dar die ich nicht kommentiere!

Michael Ludwig / 27.08.2019

Beim Autor drieft der Russlandhass aber aus sämtlichen Poren. Kritik an Technologien die das Leben zerstören alles richtig, aber war nicht der Westen, allem voran die USA immer an erster Stelle beim Einsatz dieser todbringenden Waffen. Großflächiger Einsatz von Spreng- und Phosphorbomben über Deutschland durch die Alliierten. Atombombenabwürfe über Japan, Einsatz vom Entlaubungsmitteln über Südostasien durch die USA. Dann ist der bis heute andauernde Einsatz von DU-Munition im Irak, Jugoslawien und Syrien durch die NATO. Sehr geehrter Herr Humpich, erst mal schön tief durchatmen.

Sabine Ehrke / 27.08.2019

Alles halb so schlimm, Deutschland ist doch gerade dabei, die Welt zu retten und wird dabei wohl die schnellste Zerfallsrate in diesem Universum erreichen.

Andre Meier / 27.08.2019

Selbstverständlich ist die Kernenergie die einzig realistische Option für eine CO2-freie Energieproduktion. Das sollte jedem, der sich länger als 5 Minuten mit dem Thema beschäftigt hat, klar sein. Dass hier fraglos irrwitzige nukleare Waffensysteme mit der zivilen Energieerzeugung in einen Topf geworfen werden spricht nicht für den Autor. Zudem möchte ich bezweifeln, dass Marschflugkörper und ICBMs leicht abgefangen werden können. Abfangen kann man alles. Aber leicht ist das selten. Denn sonst gäbe es diese Waffensysteme nicht, da sie unwirksam wären. Der Artikel ist insgesamt enttäuschend. Viel Meinung, wenig Fakten.

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