Nachdem Alexander Dobrindt, Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, gesagt hatte, es wäre „nicht akzeptabel, dass eine Anti-Abschiebeindustrie dafür sorgt, dass die Bemühungen des Rechtsstaates unterlaufen werden", hier ab 5:55, widersprach ihm Karl Lauterbach, einer der vielen stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der SPD im Bundestag. Wir hätten, sagte er, angeregt durch die dünne Luft auf der Zugspitze, „keine Asylindustrie", vielmehr wäre es so, dass „die Abgelehnten den Rechtsweg wahrnehmen", im übrigen wäre „eine solche Debatte zum jetzigen Zeitpunkt alles andere als hilfreich". Ab 6:23.
Nun wissen wir aus Erfahrung, dass eine Debatte immer dann unvermeidlich ist, wenn sie von denjenigen, die sie verhindern wollen, als „wenig hilfreich" bezeichnet wird. Da tickt der charismatische Rheinländer und Sozialdemokrat Lauterbach nicht anders als die Kanzlerin. Leider kann in einer halbwegs intakten Demokratie die Regierung nicht darüber entscheiden, ob, wann und worüber debattiert wird, auch wenn sie das ab und zu versucht.
So ließ es sich auch die Kanzlerin nicht nehmen, der Dobrindtschen These von der Asyl-Industrie zu widersprechen. „Ich glaube", sagte sie, „dass wir ein Rechtsstaat sind, in diesem Rechtsstaat wird von rechtsstaatlichen Mitteln Gebrauch gemacht, aber wir müssen darauf achten, dass Recht und Gesetz auch umgesetzt werden". Ab 7:00.
Die sich daraus ergebende Frage, wieso in einem Rechtsstaat darauf geachtet werden muss, dass Recht und Gesetz auch umgesetzt werden, blieb von der Kanzlerin unbeantwortet.
Wer übernimmt die Kosten für den anwaltlichen Beistand?
Dafür legte Claus Kleber nach. „Was ist denn dran", fragte er, an Dobrindts Vorwurf, „dass eine Anti-Abschiebungs-Industrie ein Geschäftsmodell daraus gemacht habe, die Durchsetzung deutschen Rechts nach Kräften zu behindern und zu verzögern?"
Die Antwort gab Ulrich Schellenberg, Präsident des Deutschen Anwaltvereins. Ab 9:50. Da mag es durchaus im Einzelfall „die Möglichkeit eines Missbrauchs geben", aber im Grundsatz sei es so, „dass wir für die Rechte der Betroffenen eintreten". Kleber gab sich alle Mühe, den Sprecher der Anwälte in die Enge zu treiben, vergeblich. Wir hätten „kein Problem mit der Justiz", sagte Schellenberg, wir hätten „ein Vollzugsdefizit". So reichte er das Problem elegant weiter, an die Ausländerbehörden und die Polizei. Im Übrigen wäre der Vorwurf, die Anwälte seien Teil der Anti-Abschiebe-Industrie, „ein Angriff auf den Rechtsstaat".
Kleber versäumte es leider, die entscheidende Frage zu stellen – wer die Kosten für den anwaltlichen Beistand übernehmen würde. Es ist nämlich die Staatskasse, unabhängig vom Ausgang des Verfahrens, also auch dann, wenn die Gerichte gegen die Antragsteller entscheiden, was in der Mehrzahl der Fälle passiert. Für die beteiligten Anwälte sind die Prozesse wie eine Lizenz zum Gelddrucken.
Einen Tag später erschien in der WELT ein Artikel von Marcel Leubecher, in dem auch der Vorsitzende Richter am Berliner Verwaltungsgericht, Christian Gau, eine Aussage machte: „Dobrindts Wortwahl trifft es nicht ganz. Aber es gibt schon in dem Sinne eine Industrie rund um die Asylbewerber, wie es eine Art Industrie im Bereich Hartz IV gibt“, eine große Zahl von Anwälten oder auch Sozialpädagogen lebe "von den Migranten". Es gebe unter den Anwälten aber auch „Idealisten".
So geht eine wenig hilfreiche Debatte munter weiter. Gestern wurde darüber gestritten, ob es denn überhaupt eine „illegale Masseneinwanderung" geben würde, heute, ob es eine Industrie rund um die Asylbewerber geben könnte, und morgen, ob es nicht klüger wäre, die Flüchtlinge unbesehen aufzunehmen und die Anwälte abzuschieben.
Es käme billiger und würde den Justizbetrieb entlasten.
Beitragsbild: Creative Commons CC0 Pixabay

Auf LTO (Legal Tribune Online) erschien am 07. Mai ein Artikel von Tanja Podolski zu Alexander Dobrindts "Anti-Abschiebe-Industrie". Hier ging man auch auf die Kosten ein. Ich zitiere einen Ausschnitt: "Also fragen wir uns: Kennen Sie einen Anwalt, der mit Asyl- und/oder Aufenthaltsrecht reich geworden ist? Nun, das Gebührenrecht ist eine fiese Materie – aber gut: Der Gegenstandswert eines Falles richtet sich nach § 30 Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG). Danach liegt in Asylverfahren der Gegenstandswert in der Hauptsache bei 5.000 Euro, im einstweiligen Rechtsschutz bei 2.500 Euro. Das sind, noch einmal zur Erinnerung, nicht die Einnahmen der Anwälte, sondern nur der Gegenstandswert für das Mandat. Die Gebühren ergeben sich aus den Anlagen zum RVG und sind abhängig von der konkreten Sache. Das sind für die Hauptsache 303 Euro, im einstweiligen Rechtsschutz verdient der Advokat 201 Euro pro Gebühr, zu multiplizieren mit 1,3 jeweils für diese Verfahren. Hinzu kommt ggf. eine Termingebühr bei einer mündlichen Verhandlung oder eine Berufungszulassungsgebühr. Manche Flüchtlinge haben das Geld, viele von ihnen zahlen in Raten. Andere bekommen Prozesskostenhilfe, dann bekommt der Anwalt das Geld vom Land – allerdings ist die Gebühr dann noch einmal reduziert im Vergleich zum oben genannten Regelfall. In manchen Fällen übernehmen Vereine, Verbände oder Kirchengemeinden die Kosten für die Verfahren."
Das Asylrecht ist zweifellos anachronistisch und wird der Realität nicht mehr "gerecht". Das geht analog mit dem Sozialsystem, dem Strafgesetz usw. Weil die Mühlen des Gesetzes aber bekannterweise langsam mahlen, bleibt die Frage, wann das ganze System implodiert? Es ist eine Frage des Außendrucks. Es ist doch eine einfache empirische Kausalkette. Wer meint mit Abschiebungen das System zu stabilisieren, der geht wirklichkeitsfremd einher, denn diese Zahl ist doch eher bescheiden. Ist das nun Defätismus, den ich betreibe? Ein synthetisches Urteil a priori? Vielleicht irre ich mich und muss dieses Urteil nicht eines Tages auch analytisch a posteriori fällen? Mein Narzissmus könnte damit leben. Mein Vertrauen in die Rechtsstaatlichkeit in diesem unserem Land und in die der selbsternannten politischen Elite allerdings, hat ihren unteren Totpunkt erreicht. Das tut weh, denn das war nicht immer so.
Habe selbst ein Jahr in einer Unterkunft gearbeitet. Viele Mitarbeiter sind SPD - Mitglieder. Es ist eine Industrie, bei Ablehnung der Asylanträge wird umfangreiche Hilfe geleistet. Nach Konflikt mit einem MUFL aus Afghanistan wurde mir erklärt dass es besser wäre die Sache bei zu legen, denn wenn der Afghane aus der Hilfe fliegt gehen uns 4500 Euro durch. Ob das Verhalten des jungen Mannes unmöglich war hat niemand interessiert. Ich könnte ein Buch über solche Vorfälle schreiben. Dann würde ich aber wohl nirgends mehr eingestellt. Ohne die Asylindustrie gäbe es mal locker zwei Prozent mehr Arbeitslose. Besonders die kirchlichen Träger heucheln was das Zeug hält.
Das die Kanzlerin nur "glaubt" wir wären ein Rechtsstaat irritiert mich nur wenn ich nicht an ihre einsame Entscheidung vom September ´15 denke. Ich war bis eben zu dieser Entscheidung der Meinung, wir wären ein Rechtsstaat ! Das sie dann aber auch noch meint, darauf achten zu müssen das "Recht und Gesetz umgesetzt werden" bestätigt mich nur in der Notwendigkeit der "Erklärung 2018", die sie dann ja freudig begrüssen müsste !
"...aber wir müssen darauf achten, dass Recht und Gesetz auch umgesetzt werden.“ So die Kanzlerin, die diejenige ist, von der Seehofer sagte, dass sie gegen Recht und Gesetz regiere. Seehofer hatte Recht, auch wenn er das jetzt nicht mehr wahrhaben will. Es gibt in Deutschland nicht nur eine Abschiebeindustrie. Es gibt eine ganze "Flüchtlings"-und Asylindustrie, eine "Flüchtlings"-Rettungsindustrie und es gibt eine Klimaindustrie. Diese ganzen "Industrien" werden vom meist ausgepressten Steuerzahler der Welt finanziert. Und so manch einer verdient sich eine goldene Nase daran. Wenn Merkel wirklich so gesetzestreu sein will, wie sie tut, muss sie selbst mal ihr Regieren an Recht und Gesetz vorbei einstellen. Dann werden auch viele andere Probleme behoben.
Ich frage mich, ob später jemals einer von den ganzen Herrschaften zu Rechenschaft gezogen wird!!! Wenn hier alles gegen die Wand fährt und die Kosten nicht mehr zu tragen sind.
Was ist so schlimm an dem Begriff Industrie? Der Begriff ist es meiner Meinung nach nicht! Die Ideologie dahinter soll geleugnet werden! Sozialer Unfrieden gefährdet die Macht Merkels und aller Netzwerke die aus ihrer Gnade und ihrem vermurksten Kurs profitieren. Da ist es zweitrangig ob der Kurs richtig ist. Egal ob Wirklichkeit und Normalität nur noch simuliert wird. Profitieren so lange die Kaiserin stark ist. Natürlich gibt es eine Asylindustrie. Es gibt sogar eine Humanismusindustrie und das Asyl ist ein Teil davon. Für jeden der sich der Realität stellt ist das auch klar.