Seit einigen Tagen läuft die Causa Maaßen in Endlosschleife durch die öffentlich-rechtlichen Medien. Hans-Georg Maaßen soll beweisen, dass er keine Beweise für eine Hetzjagd hat. Nun ist guter Rat teuer. Ich kann mich nicht erinnern, jemals irgendwo gehört zu haben, dass man einen Menschen auffordert, zu beweisen, dass er etwas nicht beweisen kann. Dass es den deutschen Medien und einigen politischen Parteien möglich ist, einen derartigen aussagenlogischen Unsinn tagelang zum Grundton ihrer Berichterstattung zu machen, zeigt, in welchem Stadium der geistigen Umnachtung wir angelangt sind.
Da keinem Menschen der Welt Unmögliches mit Erfolg abverlangt werden kann und eine einvernehmliche Interpretation des Begriffs Hetzjagd vermutlich nicht gefunden wird, ist nun zu erwarten, dass der Inhalt dieses Wortes praktisch vorgeführt wird. Indem gegen Herrn Maaßen so lange gehetzt wird, bis man ihn aus dem Amt jagt.
Aber das nur am Rande. Bemerkenswerter ist, dass die Medien selber von der Maaßenschen Bewertung der Chemnitzer Ereignisse offenbar gar nicht so weit entfernt liegen. Wenigstens dachten sie wohl – analog zu Maaßens Meinung zum Zeckenvideo –, dass diese Umzüge zu milde zu beurteilen sind für die Absicht, Chemnitz und Sachsen als den letzten Dreck des Universums hinzustellen.
Wie anders sollte es nämlich zu erklären sein, dass die „Tagesthemen“ es wohl als erforderlich ansahen, die Bilder vom Samstag geringfügig zu manipulieren: So schnitten sie offenbar einfach die Bengalo-Szenen aus der Demo vom vorangegangenen Montag mit hinein, und schon wirkte das Ganze etwas griffiger und martialischer.
Die Autorität der Sender ist dahin
Dann muss ihnen aber gedämmert haben, dass es in diesem Fall Tausende sind, die bezeugen könnten, dass diese Bilder nicht stimmen. So erschien die Kommentatorin Miosga am Schirm mit den denkwürdigen Worten:
„Bei der Berichterstattung über die Kundgebungen in Chemnitz in den Tagesthemen gestern haben wir irrtümlich auch Bilder von der Demonstration vom vergangenen Montag verwendet, ohne dies kenntlich zu machen. Wir bitten das zu entschuldigen und blicken jetzt nach – SCHWEDEN …“
Tja: Wo gearbeitet wird, passieren halt Irrtümer! Nur wird nun aber wohl der Streit darüber beginnen, was unter dem Begriff „irrtümlich“ zu verstehen sei. Wenn es wahr ist, dass von dem MDR-Personal, das die authentischen Szenen bereitstellte, ausdrücklich verlangt wurde, auch die Szenen vom Montag noch herauszusuchen und hinzuzufügen, könnte sich schnell der angebliche Irrtum gar nicht als Irrtum, sondern als vorsätzliche und schlecht überlegte Manipulation herausstellen; dann wäre das Wort „Irrtum“ gleich die nächste Lüge.
Jedenfalls klingt die Entschuldigung des Senders so ähnlich wie die Rechtfertigung eines Soldaten, dem ein Verstoß gegen die Kleiderordnung vorgeworfen wird und der antwortet: „Melde gehorsamst, Herr Hauptmann, der Knopf ist aus Versehen zugesprungen!“
Nun bin ich neugierig, ob die Gremien der ARD-Sender sich die Mühe machen werden, das alles ernsthaft zu untersuchen. Und ob sie bei sich selbst die Konsequenzen ziehen, die sie im Fall Maaßen fordern. Ich tippe mal: Wer das glaubt, ist im – na? Genau: Irrtum. Aber selbst wenn diese Sender a) die Einsicht, b) den Willen und c) die Kraft aufbrächten, sich einzelner ihrer tendenziösen Scharfmacher zu entledigen, so nützte ihnen das nichts mehr. Man wird ihnen in Zukunft – wie einst dem DDR-Fernsehen – auch dann nichts mehr glauben, wenn sie im Recht sind. Ihre Autorität ist dahin. Wer meint, da sei etwas zu retten, der ist im? Na? … Genau!
Beitragsbild: Arnold Vaatz CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons
Exakt auf den Punkt gebracht, Herr Vaatz.
Das war alles eine Wahlkampfhilfe für die Regierungsparteien, die mit ihrer falschen Politik diese Missstände verursacht haben. Die Staatsmedien haben im politischen Auftrag gegen demonstrierende Bürger gehetzt, um vom Totalversagen ihrer politischen Herren abzulenken. Im Staat ist was faul.
Die ideologisch angereicherten Betroffenheitsdamen und -herren im ÖR sind für jeden vernunftbegabten Menschen eine Zumutung allererster Güte. Allerdings müssten wir auch alle Redakteure im Hintergrund näher beleuchten, die diesen Irrsinn vor-produzieren. Ich sehne den Tag herbei, an dem wir erlöst sind von Kleber, Halali, Mioska, Slomka etc. und wieder einfache Nachrichten vermittelt werden, die ich selber verarbeiten und weiterdenken kann. Regierende Meinungsjournalisten braucht kein Mensch.
Hervorragend, es gibt offenbar doch einen deutschen Politiker, der den österreichischen Regierungskollegen das Wasser reichen kann. Gerne mehr davon!
Bleibt einem nur noch der brave Soldat Schweijk: Melde gehorsamst, Herr Oberlaijtnant, dass bled. Ich bin ein beherdlicher Idiot ... .
Das Nachweisen vom Nichts, Beweislastumkehr, willkürliche Unterstellungen und verletzen des Datenschutzes, bei gleichzeitigen, wir dürfen uns nicht informieren, sind, zumindest in Bayern, alltäglich. Der nächste Schock kommt, wenn sie sich einen Anwalt nehmen, weil sie glauben im Recht zu sein. Unsere Verwaltung/politische Führung weiß, dass falsch Parken verboten ist, sie selbst aber kein Tickerl zu befürchten haben.
"Indem gegen Herrn Maaßen so lange gehetzt wird, bis man ihn aus dem Amt jagt." Was meinte Stefan Paetow auf TE neulich sinngemäßt hierzu?: Warum nur Maaßen entlassen? Am Besten gleich den ganzen BND abschaffen. Nachdem die Leute, vor denen er uns beschützen sollte, im Parlament und auf der Regierungsbank sitzen.