Wolfram Weimer / 11.10.2018 / 11:00 / Foto: Pixabay / 39 / Seite ausdrucken

Armin Laschet – die milde Bohne als Kanzler?

Es gärt in der Union. Die CDU diskutiert die Nachfolge von Angela Merkel inzwischen so unverblümt wie ein abstiegsgefährdeter Bundesligist seine Traineroptionen. Bis vor kurzem noch wurde das Thema flüsternd behandelt wie die Fußpilzdiagnose der Großmutter. Jetzt aber ist klar, dass Merkel nicht nur eine Kanzlerin auf Abruf ist. Sie kann auch in der Union nicht mehr viel bestimmen. Dass Norbert Lammert gegen den Willen Merkels die Spitze der Adenauer-Stiftung erobern konnte, war ein Fingerzeig. Dass Jens Spahn sie zweimal (in der Doppelpassfrage und bei der Kampfkandidatur zum Präsidium) auf Parteitagen düpiert und besiegt hat, war eine Erschütterung. Die Wahl von Ralph Brinkhaus zum Unionsfraktionschef wirkt nun wie der finale Wirkungstreffer ins CDU-Machtgefüge Merkels.

Die enthemmten Debatten um potenzielle Nachfolgekandidaten sind ein untrügliches Indiz, wie Merkels Macht regelrecht versickert. Drei Personen entfalten dagegen neue, formative Kräfte. Um sie herum sammeln sich neue Machtzentren der CDU.

Das (vor allem weibliche) Lager der Merkelianer setzt auf die integre CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer, gerne auch AKK gerufen. Die (vor allem jüngere) Truppe der Neo-Konservativen will hingegen den willensstarken Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Doch es gibt eine große Anzahl von Unionisten, die von beiden nicht überzeugt ist. Sie entdecken derzeit Armin Laschet. Der NRW-Ministerpräsident ist so liberal und konziliant wie AKK, zugleich aber auch tatkräftig und wortwitzig wie Spahn.

Laschet hat zwei machtpolitische Vorteile auf seiner Seite: Zum einen ist er Ministerpräsident des größten Bundeslandes und Vorsitzender des wichtigsten CDU-Landesverbandes. Auf einem Wahlparteitag ist gegen ihn kaum etwas zu erreichen. Zum anderen ist er fernab der schwer angeschlagenen Bundesregierung und Berliner Szenerie. Er würde den ersehnten Neubeginn der CDU (im Gegensatz zu AKK) klar verkörpern und doch (im Gegensatz zu Spahn) über ausreichend Erfahrung verfügen, dass man ihm größte Aufgaben auch zutraut.

Wie ein rheinischer Klassenlehrer

Darum wirkt es pikant, wenn Laschet nun offensiv der Berliner Politik die Leviten liest: “Es muss jetzt Schluss sein mit dem Theater in Berlin”, rief er am Wochenende unter dem Beifall der Delegierten beim Deutschlandtag der Jungen Union in Kiel. “Auch in Berlin muss man jetzt mal anfangen mit der Arbeit”, rief er wie ein rheinischer Klassenlehrer den ungezogenen, faulen Lümmeln von der Spree zu.

Dass dies eigentlich einer rhetorischen Ohrfeige für Angela Merkel gleichkommt, wird kaum mehr wahrgenommen, so sehr ist ihre Autorität schon beschädigt. Aber Laschet gelingt damit zugleich ein Narrativ für die erneuerte CDU: “Weniger großkoalitionäres Berlin, mehr bürgerliches Deutschland.” Da AKK und Spahn im Berliner Betrieb fest eingebunden sind, kann nur er die Regierungs-Kritik in dieser Form intonieren.

Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner assistiert ihm dabei und gibt schon mal zu Protokoll: “Ein nordrhein-westfälischer Ministerpräsident kann immer Kanzler.” Lindner lobt die von Laschet geführte schwarz-gelbe Koalition in Nordrhein-Westfalen als “erfolgreich” und bezeichnet die Zusammenarbeit von CDU und FDP als “mustergültig”. Laschet sei ein fairer Verhandlungspartner. Der Koalitionsvertrag lasse “beiden Partnern Projekte zur Profilgewinnung, ohne sie zu zwingen, irgendwo anders das eigene Wort zu brechen”. Über Bundesgesundheitsminister Jens Spahn lästert Lindner dagegen, der führe sein Ministerium “wie ein schwarz lackierter Sozialdemokrat”.

An Laschets Milde verzweifelt

Laschets Stärken sind seine Sanftheit und Konzilianz. Damit ist er nicht nur als Versöhner und Umarmer prädestiniert, die zerstrittenen Lager der Union wieder zu einen. Vor allem unterschätzen seine Gegner ihn durch seine heitere Verbindlichkeit. An Laschets Milde sind schon Norbert Röttgen und Hannelore Kraft, bissige Grüne und keifende AfDler verzweifelt.

Laschets Naturell ist katholisch, rheinisch, europäisch, adenauerig. Just dieses Habituelle macht ihn in der CDU mit ihrer Sehnsucht nach den guten, alten Zeiten interessant. Mit ihm wähnt sich der Unionist wieder beim gemütlichen Rosenschneiden in rheinischen Gärten mitsamt der Ahnung, dass auch die Bocciakugeln nicht weit sind. Wo AKK und Spahn Varianten von Anstrengung verkörpern, steht Laschet für die Selbstverständlichkeit des Seins. Das liebt die CDU mehr als jede Polarisierung. Und da in der Partei die Angst umgeht, wie die SPD als Volkspartei unterzugehen, kommt manchen diese altbundesrepublikanische Armin-Verkörperung von sozialer NRW-Volkspartei gerade vor wie die Rettung.

Vielleicht sogar schneller, als man denkt. Denn der CDU-Parteitag im Dezember ist mitnichten ein Routinetreffen. Sollten die Wahlen in Bayern und Hessen für die Union schlecht oder gar desaströs ausgehen, wankt Merkels Wiederwahl im Dezember. Der Brinkhaus-Virus kursiert bereits, erste, noch unbekannte Gegenkandidaten melden sich.

Nach den Landtagswahlen könnte die offene Personal-Diskussion zur Feldschlacht werden. Von Spahn-Leuten ist bereits zu hören: “Wenn Merkel dann nicht abtritt, wird die CDU bei der Europawahl 2019 von der AfD überholt”. Unter AKK-Fans wird geraunt: “Wenn Merkel jetzt den Parteivorsitz nicht an AKK übergibt, dann ist AKK verheizt.” Und was hört man aus dem Laschet-Lager: “Sorgt Euch nicht, das wird schon!”

Dieser Beitrag erschien zuerst auf The European

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Leserpost

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Udo Kemmerling / 11.10.2018

Die Schneider-Weimer-Koalition auf der Achse bürstet erneut wider den Strich. Getrennt marschieren, gemeinsam kämpfen - für ein bleiernes Weiterso, nur mit anderen Darstellern. Nun ist Herr Weimer der deutlich dezentere der beiden unermüdlichen Verkünder neuer Pläne, die ganz alt aussehen. Laschet, einer der willfährigsten Diener Merkels, soll jetzt “mehr bürgerliches Deutschland” gefordert haben. Wie macht eine selbstgrünifizierte Partei auf der Zielgeraden zur schwarz-grünen Koalition denn “mehr bürgerlich”??? Das soll wohl ein Witz sein. Ich kenne zwar keine “keifenden” AfDler, aber wenn einer von denen gekeift haben sollte, lag das wahrscheinlich daran, dass er Herrn Laschet wecken wollte. Aus seinen watteweichen Träumen schwarz-grüner Elfenbeinturmpolitik.

J. Petry / 11.10.2018

Ist das der Versuch, den Laschet als Torpedo in die Regierungsspitze loszulassen? Mir ist die CDU eigentlich völlig wurschd, aber da müssten doch andere Persönlichkeiten bereitstehen als der Büttenredner Laschet. Was ist mit Lammert zum Beispiel?

R.E.Rath / 11.10.2018

Was soll die Union machen ? Eine Fru nach Merkel geht nicht, da alle von ihr infiziert. Einen Mann, und ich meine einen Mann, gibt‘s in der Union nicht. Wer soll es dann machen ? Irgend etwas dazwischen ! Dann hat sie CDU endgültig fertig wie die FDP nach Westerwelle. Die CDU kann machen was sie will, sie ist fertig - jetzt oder etwas später.

Uta-Marie Assmann / 11.10.2018

Laschet ? Merkel’s Wasserträger ? Was ist denn in den Autor gefahren ?

Armin Reichert / 11.10.2018

In der CDU muss jetzt endlich mal wieder ein richtiger Kerl ran: Laschet, Altmaier, von der Leyen, Hauptsache nicht wieder eine Frau!

Karla Kuhn / 11.10.2018

Schmidt-Kohl-Schröder, erster HERVORRAGEND die beiden anderen erträglich, dann Merkel- OHNE KOMMENTAR und NUN AKK, SPAHN ODER LASCHET? Ich fange wieder an zu beten!! WAS DEUTSCHLAND DRINGEN braucht sind NEUE, UNVERBRAUCHTE POLITIKER mit SACHVERSTAND! Und KEINE MERKELANHÄNGER ! NIEMALS. Herr Biehler bringt es kurz und knapp auf den Punkt !! ICH will überhaupt KEINE Frau mehr an der Spitze, Merkel und ihre Anhängerinnen reichen mir für ein und allemal !  Ich will einen Mann als Kanzler und zwar einen mit EIERN ! Am besten gar keinen aus der Vergangenheit, es gibt genug anderes intelligentes “PERSONAL” mir Sachverstand.  ” Von Spahn-Leuten ist bereits zu hören: “Wenn Merkel dann nicht abtritt, wird die CDU bei der Europawahl 2019 von der AfD überholt”.  Herr Weimer, die CDU wird egal mit WEM bei der Europawahl von der AfD überholt !! DIE POLITIK ,die jetzt von Juncker und Co. betrieben wird, wird- so sehe ich das- über kurz oder lang das Ende der EU einläuten. Wenn ich an das “Tribunal” denke, wo Frau Lengsfeld und Herrn Broder vorgeworfen wurde, sie seien zu “SELBSTBEWUßT” -GOTT SEI DANK- dann zeigt das doch nur, WIE ABGEHOBEN viele Politiker in Ihrer Filterblase leben. Die Zeiten, wo die Menschen kuschen mußten sind VORBEI. SPÄTESTENS seit 1949 !! SOLCHE Politiker müssen der Vergangenheit angehören. Daß Frau KK “verheizt ” werden könnte, hätte sie wissen müssen, bevor sie die -für mich-undankbare Stelle angenommen hat.  “Laschets Naturell ist katholisch, rheinisch, europäisch, adenauerig. Just dieses Habituelle macht ihn in der CDU mit ihrer Sehnsucht nach den guten, alten Zeiten interessant. UND DAS SOLL GUT für die ZUKUNFT eines Landes sein ?? RÜCKWÄRTS immer, Vorwärts NIMMER ?? Das ist zuviel des GUTEN ! Österreich hat einen neuen, authentischen, CHARISMATISCHEN Kanzler und was schwebt Ihnen vor ? WENN Gott das zuläßt, werde ich vom Agnostiker zum Atheisten . Glauben Sie wirklich, daß sich die Mehrheit so einen Politiker wünscht ??  ICH NICHT !

Peter Sticherling / 11.10.2018

Ausgerechnet der lasche Dauergrinser Laschet soll Kanzler werden? Da lacht ja das eierlegende Federvieh. Der Laschet dem als Lerhrbeauftragten die Klausuren seiner Studenten abhanden kamen. Der Laschet der dann die Noten (auch an Studenten, die garnicht teilgenommen hatten) nach Notizen vergab und diese dann auch noch selbst vernichtete. Der Laschet der bei „Hart aber Fair“ die französischen Kernkraftwerke „marode“ nannte obwohl er keinerlei Kenntnis über deren Zustand hat, der soll Kanzler und Nachfolger Merkels werden? Einfach nur lachhaft!

Dr. Karl Wolf / 11.10.2018

Ist da nicht nomen gleich omen: Laschet wie lasch?

Bechlenberg Archi W. / 11.10.2018

Milde…. das klingt nach koffeinfreiem Kaffee. Mittelscharfem Senf. Fettreduziertem Käse.  Magerquark. Alkoholfreiem Bier. Tofuwurst. Genau das, was das Land in diesen Zeiten braucht. Warum nicht gleich Papa Schlumpf?

Detlef Dechant / 11.10.2018

Laschet ist doch der, der in NRW am liebsten mit den Grünen regiert hätte und nur notgedrungen die FDP mit ins Boot nehmen musste. Die Wähler in NRW hatten seiner Wunschkoalition einen Fußtritt verpasst, hatten sie doch genug von den grünen Spinnereien in der Vorgängerkoalition und befürchteten - meiner Meinung zu recht, dass Laschet die Grünen so würde weitermachen lassen, wie es Kraft schon getan hat. Auf Bundesebene würde er also auch versuchen, die Wunschkoalition von Merkel zu verwirklichen. Da sei der Wähler vor!

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