Gastautor / 11.03.2016 / 12:51 / 0 / Seite ausdrucken

Arabische Nazis und rechte Juden?

Von Peter Grimm.

Wenn es in politisch unübersichtlichen Zeiten etwas gab, woran man sich hierzulande in den letzten Jahrzehnten immer sicher orientieren konnte, dann war es der Kampf gegen Rechts. Wenigstens bei Hakenkreuz und Hitlergruß wusste man sich mit nahezu der ganzen deutschen Gesellschaft einig, dass man es auf jeden Fall mit dem richtigen Gegner zu tun hatte. Doch sogar dieser Gewissheit droht nun immer öfter Gefahr. Die Desorientierungen nehmen zu.

Wenn auf Berliner Straßen junge Männer den Hitlergruß zeigen und dazu »Drecksjuden, verpisst euch aus unserem Kiez!« brüllen, dann müssten ja eigentlich all die wohlmeinenden Bunte-Vielfalts-Deutschen, angeführt von der Vorhut der Antifa, zu den ersten gehören, die solch einem Treiben Einhalt gebieten. Aber die jungen Männer, die die Art ihrer Integrationsbereitschaft mit dem Deutschen Gruß demonstrierten, waren Araber. Und wenn sie „Drecksjuden“ aus ihrem Kiez jagen wollen, dann ist das wahrscheinlich nur ihr Ausdruck legitimer Israelkritik und Protest gegen die israelische Besatzung, auch wenn der von ihnen reklamierte Kiez nicht in Gaza oder im Westjordanland liegt, sondern dort, wo die Berliner Stadtteile Kreuzberg und Neukölln ineinander übergehen.

Der Anlass war vergleichsweise harmlos. Im Rahmen der »Israeli Apartheid Week«, einer Veranstaltung von Initiativen, die sich dem Boykott Israels verschrieben haben, bis es endlich einen richtigen palästinensischen Staat gibt, wurde ein passender Dokumentarfilm gezeigt. Pro-Israel Demonstranten protestierten gegen Film und Veranstaltung. Pro-Palästina-Demonstranten demonstrierten lautstark gegen die Israelfreunde. Die Polizei hatte alles im Griff, eine junge Frau die den Pro-Israel-Demonstranten zubrüllte, „Ihr sollt alle vergast werden!“, wurde von Polizisten abgeführt. Mit dem Hitlergruß wurden die unter Polizeischutz abziehenden Demonstranten dann verabschiedet.

Offenbar eine mittlerweile alltägliche Szene, denn niemand regte sich darüber bemerkbar auf. Würden deutschstämmige Bewohner ihren Kiez in dieser Weise für sich reklamieren, gäbe das zu Recht landesweite Empörung. Aber den kulturell nun einmal etwas stärker israelkritischen Zuwanderern aus Arabien muss man das wohl nachsehen. Araber mit Hitlergruß und Vergasungsphantasien sind offenbar durch ihre Herkunft davor geschützt, „rechts“ zu sein und wer nicht „rechts“ ist, ist auch minder gefährlich. Vielleicht war aber die sonst stets wachsame Antifa auch einfach zu beschäftigt.

Beispielsweise damit, in Stuttgart vor dem Wohnhaus eines Mitglieds der Jüdischen Gemeinde eine Art Holzzaun mit Stacheldraht und blutroten Handabdrücken zu errichten, sowie in der Nachbarschaft fingierte, diffamierende Fahndungsplakate zu verteilen. Der Grund dafür: Alexander Beresowksi ist nicht nur Jude, sondern auch Kandidat der AfD zur anstehenden Landtagswahl. Damit ist er natürlich ein „rechter Hetzer“ gegen den mit allen Mitteln vorgegangen werden muss. Da nimmt man die Doppeldeutigkeit mit dem Zaun auch schon mal in Kauf.

Auch die Wortwahl aus dem fingierten Fahndungsplakat weckt interessante Assoziationen. Zitat: „Egal ob auf Veranstaltungen, auf der Straße, am Arbeitsplatz oder Zuhause: wir werden es nicht dulden, dass geistige Brandstifter wie Alexander Beresowski ihr rechtes Weltbild in die Öffentlichkeit tragen und sich sicher fühlen können. Zeigen auch Sie klar, dass rechte Hetze hier und auch sonst nirgendwo Platz hat und die ‚AfD‘ keine Alternative ist! Gegen Rechte Hetze! Für ein solidarisches Miteinander! Ihre AntifaschistInnen aus der Nachbarschaft“.

Es ist ja selbstverständlich legitim, sich entschlossen gegen die AfD und ihre Positionen zu stellen, aber die politische Auseinandersetzung durch persönliche Übergriffe und Gewaltdrohung zu ersetzen, sollte in jedem Fall als nicht hinnehmbar gelten, egal ob der Mann nun Jude, gutbürgerlich, Rechtspopulist oder gar Rassist ist.

Aber heutzutage behandelt der Antifaschist zwar immer noch den erkannten Feind als Feind, ist aber in der Feindkennung flexibel. Männer, die mit Hitlergruß „Drecksjuden“ aus ihrem Kietz vertreiben wollen sind kein Fall für die Antifa, wenn es sich um Araber handelt, während man auch selbst Juden vertreiben darf, wenn sie in einer rechten Partei sind. Alles klar? Warum müssen sich manche Juden auch für Israel oder falsche Parteien engagieren?

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Peter Grimms blog sichtplatz.de hier.

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