Gastautor / 20.03.2018 / 13:00 / Foto: EFF-Graphics / 12 / Seite ausdrucken

Apple und Tesla statt Daimler und Benz?

Von Harald Kaiser.

Dreht der Mann seinen Fans und den überzeugten Investoren eine lange Nase? Spinnt er nur rum? Oder meint er es ernst? Elon Musk, in Personalunion gleichermaßen genialer Selbstdarsteller, meisterhafter Verkäufer und Chef mehrerer Firmen in den USA, hat offenbar ein neues Steckenpferd. Der gebürtiger Südafrikaner, mit seinem Elektroauto-Unternehmen Tesla das Schreckgespenst der alten Automobilindustrie, verkauft jetzt auch Flammenwerfer – nur so zum Spaß. Angeblich, weil er mal eine Wette mit sich selbst verloren hat.

Die ging so: Wenn es ihm gelingt, von den als Werbemittel gedachten Baseballkappen seiner Boring Company (übersetzt: Langweiler-Firma) 50.000 Stück zu verkaufen, dann wird er einen Flammenwerfer entwickeln lassen und verkaufen. Warum ausgerechnet einen Flammenwerfer, in etwa so groß wie eine Maschinenpistole, ist unbekannt. Kürzlich hat Musk das neue Gerät auf einer Pressevorführung angepriesen und sich dabei königlich amüsiert. Wörtlich sagte er: „Guaranteed to liven up any party!“ Auf Deutsch heißt das etwa: „Damit werden Sie jede Party aufmischen.“ Kostenpunkt: 500 Dollar. Ausgeliefert wir das Ding ab Frühjahr, bestellt werden kann es im Internet  jetzt bereits. Angeblich hat Musk bereits 20.000 Bestellungen. Einen Feuerlöscher gibts dazu.

Nun ist die große Frage: Setzt der Kerl nur noch auf Effekte für die Medien, um so von den gigantischen wirtschaftlichen Problemen seiner Firmen abzulenken? Eine klare Antwort, wieviel Show stets mitschwingt, gibt es nicht. Man kann nur vermuten. Jedenfalls gibt es kein Unternehmen, das ihm gehört, dessen Wirtschaftlichkeit von Experten nicht angezweifelt wird. Doch der Reihe nach.

Tastatur der perfekten Öffentlichkeitsarbeit

Zu Musks Reich gehören:

Tesla Motors (Gründungsjahr 2004). Mit den Elektroautos, die die sehr ambitionierte Firma herstellt, hat er die alteingesessene Benzinbranche durchaus richtig erschrecken können. Es ist sogar mehr als ein bloßer Anfangserfolg. Denn die Autogiganten haben auf Musks Elektroangriff ihrerseits mit ähnlichen Autos oder auch nur Ankündigungen reagiert. Musk jedenfalls ist der festen Überzeugung, dass das Automobil mit Verbrennungsmotor ein Auslaufmodell ist.

Dumm nur, dass keines seiner derzeit drei Modelle (Model S, Model 3 und Model X) Geld verdient. Die Firma hat Milliarden Schulden und braucht ständig frisches Geld. Kürzlich wurde wieder einmal ein neuer Rekordverlust (4. Quartal 2017) allein bei seiner Autofabrik Tesla in Höhe von 675 Millionen Dollar verkündet. Und obendrein gibt es große Probleme mit der Fertigungsqualität, so dass die Autos vielfach teuer und zeitaufwendig nachgebessert werden müssen. Demnächst will Musk sogar einen Elektro-Lastwagen wie auch einen E-Pickup (mit offener Pritsche) auf den Markt bringen.

SpaceX (2002). Mit der Firma will er zeigen, dass man wiederverwendbare Raketen bauen kann. Keine Wegwerfdinger wie sie die US-Raumfahrtbehörde NASA seit Jahrzehnten verwendet (vom Space Shuttle mal abgesehen). Bewiesen hat er, dass solch eine Rakete, nachdem sie gestartet wurde, tatsächlich wieder rückwärts landen kann, um später erneut in den Himmel gejagt zu werden. Musks im Wortsinn hochfliegende Pläne sehen auch vor, ein Raumschiff zu bauen, mit dem ein Team eines Tages zum Mars donnern soll. Wahrscheinlich auf Nimmerwiedersehen.

Der 46-Jährige hat es immerhin geschafft, bei SpaceX die NASA einzubinden und mit ihr einen Vertrag über eine Zusammenarbeit abzuschließen, der etwa 1,4 Milliarden Dollar wert sein soll. Doch inwieweit das staatliche Geld bereits geflossen ist, weiß nur Musk allein. Und wie kein Zweiter versteht er es, virtuos auf der Tastatur der perfekten Öffentlichkeitsarbeit zu spielen, um die Medien gleichermaßen zu interessieren wie auch einzulullen.

Anders ist der Start einer SpaceX-Trägerrakete am 6. Februar nicht zu benennen, die mit einem Tesla-Elektrocabrio als symbolischer Fracht ins All gefeuert wurde. Eine sanfte Rückkehr ist nicht geplant. Vielmehr wird die Raketenkapsel mit dem Auto im Kofferraum auf ewig durch den Weltraum jagen. Musk konnte sich darauf verlassen, dass die Medien auf allen Kanälen Beifall zu der spinnerten Aktion klatschten. Ob jedoch SpaceX genauso wie das Schwesterunternehmen Tesla nur rote Zahlen schreibt, hat angesichts dieser Hollywood-reifen Vorführung niemand hinterfragt. Der Gag und die Sensation waren wichtiger.

The Boring Company (2016) und Hyperloop (2013). Beide gehen in den Untergrund, kooperieren eng und wollen nicht nur die Vereinigten Staaten, sondern am besten gleich die ganze Welt untertunneln, um in den Röhren Züge/U-Bahnen fahren zu lassen. Natürlich elektrisch angetrieben und mehrere hundert Stundenkilometer schnell. Erste Tunnels gibt es bereits, wenngleich sehr kurze. Tests hat es darin wohl auch gegeben. Die Ergebnisse sind unbekannt. Und wie bei den beiden ersten Firmen aus Musks Weltreich: Auch Boring dürfte noch eine Geldverbrennungsanlage sein. Da passt zumindest symbolisch der neue Flammenwerfer ins Programm.

The Gigafactory (2014). Die Fabrik ist ein Teil von Tesla. Dort werden Akkus für die Elektroautos hergestellt. Es gibt zwei Probleme: Die Produktion ist aufwändiger als geplant und deshalb kommen zu wenig Akkus von den Herstellungsbändern. Das führt dazu, dass es nicht genügend Akkus für die Ausrüstung der Autos gibt, die dann nicht termingerecht ausgeliefert werden können. Immerhin will Musk dieses Jahr 500.000 Elektroautos bauen, für die alle die elektrischen Kraftspender gebraucht werden. Derzeit sieht es nicht so aus, als ob die Stückzahl erreicht werden könnte.

SolarCity (2006). Das mit seinen Cousins Peter Rive und Lyndon Rive gegründete Unternehmen konzipiert, finanziert, vertreibt und installiert Solarstromanlagen. Ob das Geschäft mit der kostenlosen Sonne auch die Kasse erwärmt, ist nicht bekannt.

Musk macht stets eine Riesenwelle

Unter’m Strich macht Magier Musk also stets eine Riesenwelle. Bisher hat es immer geklappt, dass seine Fans in Mengen zu seinen Veranstaltungen strömen und vielfach weitgehend kritiklos an seinen Lippen hängen. Wie bei einem Popstar, der glorifiziert wird. Inzwischen jedoch weiß Musk, dass er aufpassen muss, dass aus den Gläubigen nicht Gläubiger werden. Denn viele von ihnen haben Geld in ihn investiert, das sich irgendwann rentieren muss.

Genau das ist der Punkt, weswegen inzwischen der eine oder andere mehr oder weniger einflussreiche Finanzanalyst an der New Yorker Wallstreet Musks Treiben kritisch sieht. Weitgehend verflogen ist in den Geldkreisen die Euphorie, dass der Multi-Unternehmer gar nicht scheitern könne. So wundert es nicht, dass die kritische wirtschaftliche Lage zumindest von Tesla ein altes Gerücht wiederbelebt hat: Musk müsse mindestens Tesla alsbald verkaufen.

Der Multi-Unternehmer selbst ist längst aus dem Gröbsten raus, er besitzt Milliarden an Dollar. Das Wirtschaftsmagazin Forbes, das jährlich eine Hitliste der reichsten Amerikaner veröffentlicht, stufte ihn im August 2017 mit 20,7 Milliarden Dollar Vermögen auf Platz 12 der 100 Reichsten des Landes ein. Deswegen kann er es sich auch leisten, wie kürzlich bei Tesla als Big Boss um zehn Jahre zu verlängern – ohne üppiges Gehalt. Genauer gesagt: Nur wenn der Laden endlich Geld verdient, bekommt auch der Gründer etwas ab.

Die Mutmaßung der Börsenexperten, dass Musk mit Tesla einen Teil seines Imperiums verkaufen werde oder müsse, passt jedenfalls zu seinem bisherigen Geschäftsgebaren: Firmen zu gründen und irgendwann gewinnbringend zu verkaufen. So hat er es unter anderem mit dem Online-Bezahldienstleister PayPal gemacht, der 2002 an eBay für 1,5 Milliarden Dollar verscherbelt wurde. Musk war zu dem Zeitpunkt mit 11,7 Prozent größter Anteilseigner und kassierte nach damaligem Kurs etwa 150 Millionen Dollar. Das ist aber nur das prominenteste Beispiel. Schon 1999 verkaufte er das mit seinem Bruder gegründete Internetunternehmen Zip2 für 309 Millionen Dollar an den Computerhersteller Compaq. Der Preis galt damals in der Start-up-Szene als Sensation.

Wir lernen daraus: Offenbar wartet Musk mit einem Verkauf stets solange, bis der Markt ganz narrisch nach einem bestimmten Produkt ist. Das war damals so mit den Internetfirmen, das kann heute angesichts des Hypes um Elektroautos wieder so sein. Der zumindest theoretisch passende Käufer könnte Apple sein, der Nachbarkonzern im Silicon Valley. Apple schwimmt nicht nur im Geld (Barvermögen etwa 250 Milliarden Dollar), Apple sucht auch ständig nach neuen Geschäftsfeldern. Da könnten Elektroautos genau das Richtige sein. Vor allem müsste man sie nicht mehr aufwändig entwickeln. Es gibt sie bereits. Wie auch die Fabriken dafür und jene für die Akkus. Und da Automobile ziemlich sicher in Zukunft ultimative mobile elektronische Geräte sein werden, würde Apple mit seiner ausgefuchsten und vor allem hochwertigen Technologie als künftiger Tesla-Eigner passen. Theoretisch.

Harald Kaiser ist Journalist und Autor, er leitete unter anderem das Motorressort des Stern.

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Leserpost (12)
Gero Schmidt / 20.03.2018

Das war ein mit Verlaub selten sämlicher Gastbeitrag. Musk hat mit Tesla Motors die gesamte Autobranche im Alleingang aufgemischt. Heute werden von allen großen Herstellern Milliarden in die Elektromobilität investiert, Dutzende Modelle sind bereits erhältlich oder geplant. Vor Tesla war daran nicht zu denken. Schon allein deshalb kann das Unternehmen als Erfolg gelten. Anlaufschwierigkeiten sind normal, bisher hat Musk es noch immer geschafft, diese Problem zu lösen. SpaceX: Hier zeigt sich die Ignoranz des Autors besonders deutlich. SpaceX arbeitet nachweislich etwa dreimal schneller und zehnmal günstiger als etablierte Konzerne wie Boeing oder Lockheed Martin und erhält Geld für Entwicklung von Hardware und absolvierte Missionen. Es handelt sich nicht um Subventionen, auch wenn das von Musk-Bashern immer wieder behauptet wird. Im Gegenteil hat die NASA und somit der US-Steuerzahler dank SpaceX Milliarden gespart. Die von SpaceX entwickelte Technologie ist revolutionär und der Grund, warum die USA nach Jahrzehnten wieder führend sind, was den Markt für kommerzielle Satellitenstarts angeht. Europas Ariane wird nur mit staatlichen Subventionen überleben können. Bitte in Zukunft keine Beiträge von Herrn Kaiser mehr. Das ist Fake News-Niveau.

Christian Fischer / 20.03.2018

Sie haben die PowerWall vergessen, die auch unter dem Label Tesla verkauft wird. Meines Wissens war er auch hier Vorreiter, dem dann auch die großen deutschen Autohersteller (Daimler Benz, Volkswagen) folgten und nun stationäre Batteriesysteme vertreiben!

Klaus Metzger / 20.03.2018

Firmen wie Tesla, die nach 13 verlustreichen Jahren den größten Quartalsverlust ihrer Geschichte einfahren, sind mir ein wenig suspekt. Aber dass ein dot.com Guy diese ganze „Hardware“ in völlig neuen Marktbereichen auf die Beine stellt, nötigt mir doch Respekt ab. Ob er als ein moderner Benz oder als gescheiterter Borgward in die Geschichte eingeht, weiß heute noch keiner. Aber in die Geschichte eingehen wird er auf jeden Fall.

Robert Sleigh / 20.03.2018

Es gab damals auch viele Menschen, die sich lustig über Männer wie Otto, Diesel und Benz gemacht haben oder über Brunel, ein Verruckter, der im neunzehnten Jahrhundert ein Schiff aus Eisen bauen wollte. Wir werden sehen.  Ich selbst hoffe, dass sich Herr Musk demnächst um den Haupstadtflughafen BER kümmert. Schlechter als die heutigen deutschen Ingenieure kann er es nicht machen.

Caroline Neufert / 20.03.2018

Was ist das Problem, Herr Kaiser ? Musk hat Ideen - großartige übrigens - und vermarktet sie. Ob sie gut sind, werden die Käufer, mündige Menschen, merken oder auch nicht. Denn auch das wäre egal, weil sie es freiwillig tun. Wenn Journalisten sich tatsächlich interessieren würden, würden sie nicht solch einen Text verfassen, sondern recherchieren.

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