Apokalypse-Ranking: Die besten deutschen Städte zum Überleben

Von Okko tom Brok.

Hiobsbotschaften müssen hierzulande stark verklausuliert ausgesprochen werden. Eine besonders makaber-groteske Chiffrierung wählt jetzt das Immobilienportal Rentola, das sämtliche deutsche Städte und Landkreise pünktlich zur Halloween-Saison in ein schauriges Sicherheits-Ranking gebracht hat.

Es ist wieder Halloween. Längst hat diese nordamerikanische „Mords-Gaudi” auch bei uns Fuß gefasst. Auch im gewerblichen Bereich kann man es sich schon lange nicht mehr leisten, diesen Festtag der Untoten unerwähnt verstreichen zu lassen. So hat jüngst das Immobilienportal Rentola eine Studie veröffentlicht, die es in sich hat. Verkleidet als gruseliger Halloween-Klamauk hat die Studie bei genauerer Betrachtung einen durchaus handfesten Kern. In insgesamt fünf nur bedingt spaßigen Rubriken werden die deutschen Städte und Landkreise daraufhin untersucht, ob in ihnen ein Überleben unter den Bedingungen einer „Zombie-Apokalypse” möglich wäre. Schalke-Fans festhalten: In Gelsenkirchen könnte es sehr eng werden. In einigen eher ländlichen Regionen im Norden und Süden der Republik besteht hingegen noch Hoffnung.

Ich mache es mir also am Kamin bequem und genieße den Gruselschauer der Rentola-Studie, während draußen der Regen an die kalten Oktoberfenster prasselt. Auf denn, was besagt denn nun die Analyse der insgesamt 402 untersuchten Kommunen und Kreise?

1. Verletzlichkeit

Um eine Zombie-Apokalypse zu überstehen, scheint es den Schlaumeiern von Rentola zufolge relevant zu sein, wie resilient Ihre Heimatregion ist. Das leuchtet auch mir unmittelbar ein. Meine Yoga-Trainerin hat es mir ebenfalls letztens erst wieder eingeschärft, dass ich endlich resilienter werden müsse. Die für die Resilienz bereitgestellten Indikatoren lassen dann allerdings nicht nur dem Gothic-Novel-Fan das Blut in den Adern gefrieren: Neben allgemeinen Daten der Gesundheitsversorgung (Krankenhausdichte, wahrgenommener allgemeiner Gesundheitszustand der Bevölkerung, Todesfallrate) geht doch tatsächlich auch die Nettomigrationsrate in die negative Bewertung mit ein. Die jahrzehntelang gepriesene „Bereicherung durch Fremdes” und die „dringend benötigten Fachkräfte” sollen sich nun im Falle einer Zombie-Apokalypse als tendenziell hinderlich für ein Überleben erweisen? Solche Behauptungen erscheinen mir gerade eher nicht hilfreich. Das hilft doch wieder nur den… ach, Sie wissen schon!

2. Vorräte

Die zweite Rubrik bringt etwas „comic relief”. Klar, Vorräte müssen sein, das darf man jetzt sogar wieder laut sagen, ohne als rechtsradikaler Prepper zu gelten, und „wer, wenn nicht wir” hätte da doch bestimmt bestens vorgesorgt. Die hier als Kriterium benannte Wasserversorgung dürfte nach dem regenreich-kühlen „Hitzesommer” 2023 ja schon einmal kein Problem sein. Und der ebenfalls bewertungsrelevante Viehbestand sollte doch… Moment: Viehbestand? Planen EU und Bundesregierung nicht gerade die Reduktion der Viehwirtschaft, um in einem der kleinsten Länder der Welt das globale Klima zu retten? Aber wofür sollte das liebe Viehzeug denn während einer Zombie-Apokalypse überhaupt nützlich sein? Stürzen sich die untoten Blutsauger dann zuerst wie Mücken im schwedischen Sommer auf die Tiere, wodurch uns Menschen eine Verschnaufpause bliebe? Absurd. Lieber schnell weiter zur nächsten Kategorie.

3. Verstecke

Nun, das ist doch schon wieder so eine steuerbordlastige Denkkategorie von Aluhut-Trägern und Verschwörungstheoretikern. Wovor sollte man sich denn hierzulande jemals verstecken müssen? Wenn es ein Problem gäbe, würde man sich doch einfach an den/die zuständige/ Anti-Diskriminierungsbeaufragte/n (m/w/d) wenden, der/die die Angelegenheit solidarisch regeln würde. 

Aber was ist denn mit den Verstecken überhaupt gemeint? Genannt werden die Waldfläche, aber auch die Anzahl der Wohnimmobilien und deren durchschnittliche Größe. Ich erinnere mich daran, wie ich mich früher als Kind im großen Haus meiner Großmutter oft versteckte. Sie hatte praktisch keine Chance, mich zu finden. Erst als sie mich mit dem gerollten, typisch ostfriesischen Neeijahrskook (Neujahrskuchen) köderte, gab ich mein Versteck preis. Heute würde man ihr wohl nahelegen, eine kleinere Immobilie zu beziehen, um Platz zu schaffen für das pulsierende Leben, das aus aller Welt zu uns drängt. Mir will immer noch nicht ganz aus dem Kopf gehen, dass die Migration doch nicht nur vorteilhaft sein soll. Schnell weiter zum nächsten Kriterium.

4. Mobilität 

So, da haben wir’s: Da steckt doch sicher die Automobilindustrie hinter dieser Studie, oder warum sollte die Anzahl der vorhandenen (zugelassenen) und betriebsbereiten Fahrzeuge im Ernst das Überleben sichern? Ist ernsthaft eine Situation denkbar, in der man Nahrung oder Brennstoffe über größere Distanzen selbst beschaffen und transportieren müsste? Also bei uns ist der Supermarkt fußläufig erreichbar, und der hat einfach alles, sogar Holzkohle und Brennholz für romantische Winterabende. Wir brauchen daher überhaupt keine anderen Fahrzeuge außer dem immer voll aufgeladenen Pedelec und dem Lastenfahrrad fürs Gassigehen. Check. Da kann schon mal nichts anbrennen. Die Studie beginnt mir langsam Freude zu machen, und ich atme erleichtert auf. Was gibt’s denn noch zu beachten?

5. Sicherheit

Irgendwie muss ich es geahnt haben, dass das „dicke Ende” zum Schluss kommt: die Kriminalitätsrate, gepaart mit der Anzahl und Dichte von Einrichtungen der Sicherheitsorgane (Polizei, Militär). Dabei war ich damals so stolz, als wir mit der Schließung unserer letzten Bundeswehrkaserne im Landkreis dem Motto „Frieden schaffen ohne Waffen” gewaltlos zum Sieg verholfen hatten. Und die Polizeistation im Dorf ist nachts auch nicht mehr besetzt, denn wir haben in unserer Region ganz pragmatisch nach dem schönen Slogan „Defund the police” gehandelt, um endlich noch mehr öffentliche Gelder für Genderbeauftragte und Flüchtlingsarbeit bereitstellen zu können. Ich befürchte langsam, diese Zombie-Studie muss von schäbigen Rechtspopulisten in Auftrag gegeben worden sein, die wieder nur „Hass und Hetze” verbreiten wollen.

Ich lehne mich entspannt zurück und lege mein Tablet auf den Kamintisch. Was soll überhaupt eine „Zombie-Apokalypse” sein? Zum Glück gibt es gar keine Zombies, Monster, die aus reiner Mordlust töten, also gibt es auch keine Zombie-Apokalypse. Aufwachen, alles nur ein böser Traum!

 

Der Autor ist Lehrkraft an einem niedersächsischen Gymnasium und schreibt hier unter Pseudonym.

Foto: Illustration Rudolf Wildermann

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Leserpost

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S.Schleizer / 22.10.2023

Lieber lasse ich mich beißen, bevor ich nach Bernkastel-Wittlich ziehe! Für das Ranking hätte man auch gar nichts untersuchen müssen. Bei der Apokalypse jedweder Art (Bürgerkrieg, Plünderungen, Blackout, Corona(!)...) ist man genau da am sichersten, wo die reichesten wohnen. Die wissen sich nämlich selbst gegen jede Art von Bedrohung zu verteidigen.

A.Schröder / 22.10.2023

Wenn man an einem Fahrzeug die Bremsen ausbaut, mit der Begründung, wir wollen leichter werden, um noch schneller fahren zu können, dann ist die nahende Wand ..., oder schmeißen Sie ihren Schirm weg, damit es nicht mehr regnet.

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