Anton-Heinrich-Martha-Emil-Theodor. Jedes Mal, wenn ich meinen Vornamen am Telefon buchstabiere, überkommt mich dieses Gefühl: Ich fühle mich in diesem Moment deutscher als Deutsch. Ein urdeutsches Ritual, konserviert in bürokratischen Lauten. Selbst „Martha“ rutscht da heute irgendwie über die historische Quote mit rein. Als ich vor kurzem eher zufällig recherchierte, woher dieser Kanon eigentlich stammt, traf mich die Erkenntnis wie ein Schlag – obwohl ich mich eigentlich nicht einmal wunderte. Schon vorher dachte ich mir oft, ohne den Ursprung zu kennen: Das klingt alles so seltsam altdeutsch, fast wie aus der Zeit gefallen.
Früher war diese Buchstabierliste standardmäßig in den Telefonbüchern abgedruckt. Ein staatlich verordnetes Raster, damit sich im analogen Rauschen der Leitungen niemand verhörte. Jeder sollte gleich buchstabieren. Doch dieses vermeintlich harmlose Behördenwerkzeug verbirgt ein dunkles Kapitel sprachlicher Säuberung.
Die Arisierung des Alphabets
Im Jahr 1934 tilgten die Nationalsozialisten mit bürokratischer Präzision alle jüdischen Namen aus dem kollektiven Sprachgebrauch. Aus Nathan wurde plötzlich Nordpol. Aus David wurde Dora. Und aus Samuel wurde Siegfried (nicht Siegmund, auch wenn dieser Name heute durch gewisse AfD-Politiker wie Ulrich Siegmund wieder omnipräsent durch das Internet geistert). Das Alphabet endete damals traditionell mit Zacharias – doch auch der flog kurzerhand mit dem Zeppelin davon. Von A bis Z hieß es fortan: Anton bis Zeppelin. Vorbei die Zeiten, als die Liste noch mit Albert begann – selbst dieser Name war den neuen Machthabern wohl zu nah an Albert Speer, der später als Hitlers Chefarchitekt Karriere machte, oder schlicht nicht „arisch“ genug.
Den Nazis war es bitterernst. Noch bevor der physische Terror seine vollen, monströsen Ausmaße annahm, musste die Sprache gesäubert werden. Die jüdischen Namen sollten verschwinden, unsichtbar gemacht werden im alltäglichen Behörden- und Postverkehr. Und das gegen Widerstände: Die Oberpostdirektion Schwerin warnte Berlin bereits 1933, dass diese Tilgung des jüdisch-christlichen Erbes selbst bei vielen Christen auf Unverständnis stoßen würde. Es nützte nichts. Die sprachliche Vertreibung ging der physischen voraus.
Es ist erstaunlich, in welche Abgründe man blickt, nur weil man den eigenen Namen buchstabieren wollte. Selbst das scheinbar so neutrale, geografisch riesige Wort „Nordpol“ ist ideologisch aufgeladen. In der Ariosophie, jener rechtsextremen, esoterischen Geheimlehre, galt das ewige Eis des Nordens als die Wiege der „weißen Rasse“. Hitler selbst schwadronierte in seinen frühen Reden in den Münchner Bierkellern davon, dass das Ariertum durch die Härte der Eiswüsten geformt worden sei. Die Sprache folgte der Ideologie bis in die Arktis.
Und heute? Heute stehen wir am anderen Ende des Pendels. In Zeiten einer mit aller Gewalt und politischem Druck erzwungenen Vielfalt stellt sich die Frage: Wie wird die Mutter aller Namen wohl demnächst buchstabiert? Folgt auf das Diktat der Rasse bald das Diktat der Diversität? Wird aus „M wie Martha“ bald „F wie Fatma“?
Das neue Alphabet: Zwischen Quote und kulinarischer Realität
Man muss kein Prophet sein, um zu ahnen, dass der seit Jahren statistisch meistvergebene männliche Neugeborenen-Name in vielen deutschen Großstädten bald Einzug in die offizielle Sprachnorm halten wird: Wenn „Mohammed“ für das M reinrutscht, gebietet es die woke Ausgewogenheit ja eigentlich, im selben Atemzug auch „Jesus“ für das J mit aufzunehmen. Für „Moses“ hingegen dürfte auf dem modernen Basar der Befindlichkeiten kein Platz mehr sein – schlichtweg nicht populär genug im Vergleich zur demografischen Konkurrenz.
Für mich persönlich führt dieser progressive Umbau zu einer kuriosen Pointe: Wenn der Buchstabe A künftig durch „Ahmet“ ersetzt wird, nenne ich beim Buchstabieren meines eigenen Namens erst einmal den eines anderen. Und bei „D“ kapitulieren wir dann am besten gleich ganz vor der neuen Lebensrealität und ersetzen das alte Alphabet durch die Speisekarte. „D wie Döner mit alles und scharf“ – das weckt am Telefon wenigstens Appetit und beschreibt den Zustand des Landes ohnehin viel treffender. Guten Appetit beim Buchstabieren!
Beitragsbild: MikroLogika - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Auf jeden Fall: F wie … äh … Fatwa
Wem Charlie, Juliett, Mike, Oscar, Romeo und Viktor sowie das böse Yankee nichts tun, ist das NATO-Alphabet eine Alternative. Manche radebrechenden Mitbürger bei mir am Telefon bedienen sich einer eigenen, deutschen, kreativen Städte-Buchtabiertafel, meist aus ihrer näheren Umgebung. Die offizielle Städte-Buchstabiertafel erhebt Orte in den Bekanntheits-Olymp, wie Ingelheim, Quickborn, Salzwedel und Völklingen, sowie „Umlaut Unna“.
Wo haben sie das mit den Eisrassen denn gelesen? Bitte Autoren nennen.
Ich verstehe, irgendwie muß wie bei der KI immer das einerseits – andererseits, sowohl – als auch, es gibt diese und jene Meinung im Text auftauchen, um Ausgewogenheit und Objektivität zu simulieren.
Die KI ist auf „divers“ trainiert. Das gibt sie zu. Sie behauptet, sie berücksichtige den gesellschaftlichen Wandel und vertrete die neue gesellschaftlich Norm. Allerdings kann man mit der KI über die Herkunft der „neuen Norm“ diskutieren. Sie bringt dann erstklassig magere Beispiele von diversen Vorkommen und einer genderisierten Ethnie, und man darf konstatieren, daß davon noch nie ein Mensch gehört hat. Bigeschlecht ist weniger als ein Promille-Produkt der Natur, man nannte das früher „Zwitter“. Sind die Diversen Zwitter? Ich glaube, die wollen uns verkackeiern? – Damit wird die westliche Welt unterworfen.
Der sog. Wandel ist eine politische Konstruktion, um die Gesellschaft zu dominieren. Das heißt, zu entmündigen!
Ausserdem nervt Hitler. Lesen sie mal „Unwillige Volksgenossen“ von Peter Longerich. Dann kommen sie von Hitler los. Mit ihm werden uns Schuldgefühle eingeimpft, die bei Licht betrachtet blödsinnig sind. Die Nazis waren eine autoritäre Sekte, die mit Hilfe der Industriekapitäne und Finanzmagnaten die Macht an sich gerissen haben.
Erzählen sie uns doch mal was über deren Pläne, z.B. über die kontinentaleuropäische Großraumwirtschaft mit Einheitswährung auf Basis der Reichsmark?
Sie sollten nicht Götz Aly lesen.
Mir war unklar, wo man diesen diversen „Stamm“ ausgegraben hat oder ob der in der Rubrik Obskure Dichtung nicht besser aufgehoben wäre.
Wenn man genug Wissen hat und sich politisch auskennt, kann man die KI überzeugen, daß quer und divers getretener Quark ist.
Willy Isidor Richard – Willy Emil Richard David Emil Nathan – Adolf Ludwig Ludwig Emil – Viktor Otto Moritz – Siegfried Ypsilon Siegfried Theodor Emil Moritz – Gustav Emil Friedrich Isidor Cäsar Karl Theodor – Ursula Nathan David – David Adolf Siegfried – Isidor Siegfried Theodor – Viktor Otto Ludwig Ludwig Emil – Adolf Berta Siegfried Isidor Cäsar Heinrich Theodor.
Die fiesen Nazis haben auch unsere Schriften abgeschafft und mit Nazi-Schrift ersetzt. Bis 1941 war die Druckschrift eine vielfältige Fakturschrift und die Schreibschrift die Kurrentschrift. Beide Schriftarten können heute nur von einer Handvoll gelesen werden.
Die Linkspartei wollte schon das Fraktur-„A“ der Apotheken unter Kuratel stellen und als Nazi-Schrift diskreditieren. Ist ihr natürlich nicht gelungen, weil die Nazis die Fraktur nämlich beim allgemeinen Kulturabbruch mit abgeschafft haben.
Die lateinische Schrift, Schreib- und Druckschrift, daß was sie hier lesen, ist fürchterliche Nazischrift. Die lateinische Schriftart muß verboten werden, bevor mir übel wird.
Korrektur, nicht „Nordpol“, sondern „November“. – Schrecklich, heutzutage kann man es niemaden mehr recht (alt. link oder queer) machen, jede/r/s fühlt sich durch etwas provoziert,
Seit meiner CB-Funker Zeit in den späten 70er Jahren benutze ich das NATO-Alphabet. Da hier in Mike Alpha Nordpol Nordpol Hotel Echo India Mike die Dichte an AfDlern und Genossen der LINKE sehr hoch ist, habe ich mir dieses Alphabet inzwischen aber weitestgehend abgewöhnt, alles was nach NATO klingt kommt bei den blauen und blutroten Putinfreunden nicht gut an.