Darf man eine solche Überschrift wählen, wenn es um ein brutales Verbrechen, um Massenmord und Terror geht und es nur unschuldige Opfer getroffen hat? Der islamistische Terroranschlag auf den Istanbuler Flughafen ist ein Angriff auf weltliches ziviles Leben, wie es ihn auch in Brüssel oder Paris gegeben hat. Insofern wird niemand den reflexartigen Appellen, nun im Kampf gegen den Terror zusammenzustehen, widersprechen wollen. Doch wenn ein solcher Appell vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan kommt, dann kann man ihn nicht unwidersprochen hinnehmen. Denn in dessen Regierungszeit und Verantwortung fällt die inoffizielle Kooperation mit islamistischen Verbänden in Syrien, also letztlich dem „Islamischen Staat“. Ob Geldtransfer, Waffenlieferungen, Ölexport und verschiedene weitere Geschäfte – vieles hat der IS jahrelang mit wohlwollender Duldung von Teilen des türkischen Staates über die Türkei abwickeln können.
Journalisten, wie der Cumhuriyet –Chefredakteur Can Dündar, die die Waffenlieferungen an den IS über die Türkei aufgedeckt hatten, werden deshalb derzeit von der türkischen Justiz verfolgt. Nicht etwa wegen Verleumdung, sondern wegen angeblicher Spionage. Solchen mutigen Menschen sollte neben den Opfern der Anschläge unser Beistand gelten. Beileidsbekundungen an Erdogan sind hingegen an den Falschen, an einen Mitschuldigen adressiert. Sich mit ihm jetzt in Trauer zu vereinen, wäre eine Spitzenleistung in Sachen Verhöhnung der Opfer.
Ausgerechnet am Abend des Anschlags sendete Arte die dazu passende sehenswerte Dokumentation „Türkei – Drehkreuz des Terrors“, die Sie auch hier sehen können.
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Es ist wie bei den US Amerikaner dessen Verbündeten gegen die Soviets in Afghanistan als dank am 9.11 der Frühere Basis und Finanzier angriffen. Imperialer Machtpolitik ist nun mal manchmal kontraproduktive.
Es wird in den aktuell erscheinenden Medienberichten vollständig unterschlagen, daß die Administration unter Erdogan den IS überhaupt erst zu seiner Größe und Schlagkraft (militärisch, finanziell und terroristisch) verholfen hat, zum einen, um mit dem Eliminieren des Assad-Regimes in Syrien die eigene Machtstellung in der Region zu stärken u. ggf. auf heute syrisches, ehemals großtürkisches Terrain auszuweiten, zum anderen den verhaßten Kurden auf syrischem Staatsgebiet den Gnadenstoß zu versetzen. Zum anderen hat er den Krieg gegen die PKK wieder aufgenommen, um der im Lande aufstrebenden Kurdenpartei HDP politisch das Wasser abzugraben und für seine AKP die absolute Mehrheit zurück zu erlangen. Dafür waren ihm eine Verwicklung in den Krieg im Nachbarland und ein Bürgerkrieg im Osten der Türkei mit Ausweitung in den Irak offenbar kein zu hoher Preis. Wenn er jetzt des hohe Lied der gemeinsamen international zu verknüpfenden Terrorismusbekämpfung singt, so ist das mindestens verlogen, vor allem zum großen Teil selbst verursacht. Und wer seine bisherige Politik betrachtet, muß wissen, daß Herr Erdogan entsprechende Allianzen genau so lange pflegt, wie sie ausschließlich seinen Zielen nutzen. Aber davon ist in der heutigen Medienberichterstattung nichts zu lesen, dafür die bundesdeutsche solidarische Beileidsadresse an die Türkei mit der inzwischen nach Terroranschlägen undifferenziert üblichen farblichen Verkleidung des Brandenburger Tores. Im übrigen hier auch systemisch unerwähnt die Erdogans Politik kritisch begleitenden Gruppen von Journalisten, Verfassungsbruch und Korruption verfolgende Militärs und Beamte aus Polizei, Staatsanwaltschaft, Gerichten, die sich heute allesamt in den türkischen Gefängnissen wieder finden.