Morgen tritt US-Präsident Donald Trump beim Weltwirtschaftsforum in Davos auf und sorgt im Vorfeld schon für Stimmung. Einige Tage lang hatte die Politik- und Medienwelt fast ausschließlich über Grönland gesprochen. Da trat selbst der Ukraine-Krieg in der allgemeinen Aufmerksamkeit in den Hintergrund. Doch dann beschäftigte Trump die Weltpolitik zunächst mit seiner Ausweitung des Gaza-Friedensrates zu einem allgemeinen Friedensrat unter seinem Vorsitz, zu dem er 60 Staats- und Regierungschefs eingeladen hat. Sowohl den deutschen Kanzler Friedrich Merz, den französischen Präsidenten Emmanuel Macron als auch den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Ob ein Kriegsherr in einen Friedensrat gehört, ist eine Frage, die sich sofort aufdrängt. Aber vielleicht setzt Trump darauf, bei seinem Ausflug nach Europa, den Krieg auch beenden zu können. Vielleicht wird ein großer Deal, der die Ukraine und Grönland umfassen, besprochen.
Bekanntlich lehnte Macron die Mitgliedschaft in Trumps Friedensrat ab und gab sich auch im Vorgriff auf einen Zollkrieg mit den USA um Grönland kämpferischer und unversöhnlicher als viele andere Kollegen in der EU. Er drohte mit der „Handels-Bazooka“, berichteten die Medien. Auf der anderen Seite schickte Macron dann eine Textnachricht an Trump: „Mein Freund, wir sind auf einer Linie mit Blick auf Syrien. Wir können Großes vollbringen im Iran. Ich verstehe nicht, was Du in Grönland tust", hieß es am Beginn und mündete in einer Einladung nach Paris: „Ich kann ein G7-Treffen nach Davos in Paris am Donnerstag aufsetzen. Ich kann die Ukrainer, die Dänen, die Syrer und die Russen am Rande dazu einladen. Lass uns ein Dinner haben, bevor du zurückfliegst.“
Ein G7-Gipfel mit den Russen in Paris? Wie kommt Macron auf diese Idee? Er geht wohl davon aus, dass der US-Präsident – während alle Welt von Grönland spricht – bei Begegnungen mit den EU-Europäern, mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj und einem ebenfalls nach Davos reisenden Putin-Vertrauten ohnehin vorhat, die Beteiligten zum Nachgeben für einen baldigen Ukraine-Waffenstillstand zu seinen mit den Russen abgestimmten Bedingungen zu drängen. Warum ihm dann nicht auch zum eigenen Nutzen die große Bühne anbieten? Und wenn die USA ohnehin vorhaben, die Russen wieder aufs internationale Parkett zu bitten, warum sollte man dann nicht den Musterschüler geben, ohne dass es so peinlich aussieht wie ähnliche Versuche beim deutschen Kanzler.
Doppelte Mannschaftsstärke
Und wie reagiert Trump? Er veröffentlicht diese Textnachricht. Die Heldenpose des Zollkriegers für Grönland ist damit schon ramponiert. Doch der US-Präsident führt den französischen Kollegen, der ihm öffentlich einen Korb beim Friedensrat gegeben hat, mit Äußerungen auf der Startbahn kurz vor dem Abflug noch richtig vor: „Nun, er ist bald eh nicht mehr im Amt, aber wir können ihm Zölle von 200 Prozent auf seine Weine und seinen Champagner auferlegen.“
Bei Trump ist selbstverständlich nicht auszuschließen, dass er dennoch die Einladung zum Dinner nach Paris annimmt, um den innenpolitisch schwer angeschlagenen Macron danach gut gelaunt als großen Präsidenten zu preisen.
Egal ob nun die entscheidenden Gespräche in Davos oder in Paris oder an beiden Orten stattfinden. Keiner weiß genau, was am Ende vielleicht herauskommen wird. Ein Ukraine-Waffenstillstand? Ein großer Ukraine-Grönland-Deal nach dem Muster, wenn die EU-Europäer und die Ukraine beim Friedensplan nachgeben, sowie sie sich vielleicht an den Kosten der Stationierung größerer US-Militärkontingente auf Grönland beteiligen, dann darf die dänische Krone die Insel behalten?
Bei jedem Ergebnis dürfte aber die außenpolitische Machtlosigkeit der EU unübersehbar bleiben, allem Verbalbombardement mit der Floskel von der zu stärkenden „Souveränität Europas“ zum Trotz. Insofern gibt es kein derzeit denkbares Ergebnis, das in Brüssel und Berlin Grund zu reiner Freude böte. Da herrscht wohl eher ein wenig Angst vor Trumps Agieren in Davos. Wahrscheinlich empfinden sie es eher als Einmarsch in Davos. „Trump kommt mit mehr als 300 Leuten nach Davos“, titelte Bild noch am frühen Dienstagmorgen. Das ist immerhin die doppelte Mannschaftsstärke dessen, was die USA an Soldaten aktuell in Grönland stationiert hat.
Beitragsbild: Davos Congress Centre - World Economic Forum Annual Meeting 2011, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

Fakt ist, wegen der Eisscholle wird sich die NATO nicht selbst auflösen. Die Musik spielt bald wieder viel südlicher.
@Hans Stark, „Vielleicht wäre jetzt die Zeit gekommen die Goldreserven heim zu holen.“ —
Gute Idee, aber… Dann würde Trump als nächstes Deutschland aus Sicherheitsgründen „intensiv beschützen“.
Erst, wenn auch Putin einen eigenen Friedensrat unter seiner lebenslangen Führung hat, und jeweils auch Xi, Kim, Ajatollah usw., wird der Ewige Weltfriede einsetzen!
Ind Unreine gedacht: Ich bin dafür, dass Elon Musk Grönland kauft. Da braucht man für die Kühlung der Rechenzentren und Raketentreibstoffe fast keine zusätzliche Energie…
Bei Einigen hier hat man schon den Eindruck, sie verwechseln Donald Rumsfeld mit Donald Duck. Oder Ronald McDonalds.
Zwischen Vergötterung und Verteufelung von Trump scheint es keine Mitte zu geben, aber in der Tat ist er wahrscheinlich nur ein alter schwacher Mann, dessen Politik, wie davor die Politik Bidens, von denen bestimmt wird, die im Augenblick den größeren Einfluss auf ihn haben. Seine Gesundheitspolitik z.B. ist deshalab hervorragend, weil er auf diesem Gebiet von hervorragenden Personen wie Prof. Bhattacharya beeinflüsst wird. Seine Europa-Politik wird im Wesentlichen von Vance diktiert, seine Russland-Politik vom Blödmann Witkoff, seine Lateinamerika-Politik wahrscheinlich von Rubio. Wir sehen gewaltige Sprünge in seiner Politik, bewundern ihre Unvorhersagbarkeit und verlieren uns in den Deutungen, wie diese Zigzags bedeuten können; ja, die bedeuten nichts anderes, dass der POTUS gestern auf einen Berater gehört hat, und heute auf den anderen. Noch nie in der Geschichte der Ver.St. hatte ein Präsident eine Mannschaft aus den Menschen 25-35 Jahre jünger als er selbst. Das bedeutet, diese Menschen sehen den Präsidenten lediglich als eine Trägerrakete, deren einzige Aufgabe darin besteht, sie – die Jüngeren – auf die Umlaufbahn zu bringen, wonach sie als unnötige Last weggeworfen und in der Atmosphäre verbrennen wird.
@Franz Klar : Es gibt nun ein Problem: Entweder Scott Ritter ist ein Idiot, oder wir beide. Sind Sie sich der Tragweite dieser Erkenntnis bewusst?