
Sehr geehrter Herr Vaatz, anknüpfend an den Mitforist U. Unger ergänze ich, daß Ihre Beschreibung des gegenwärtigen Zustands dieses Landes durchaus zutreffend sein mag, Ihre Analyse jedoch - vorsätzlich ? - am Kern vorbeizielt. “Der Deutsche” - das bin auch ich - ist keineswegs in der von Ihnen dargestellten Form die Ursache des Problems; vielmehr sind Sie selbst und die Vasallen der durch Sie getragenenen Regierung das Problem. Sie setzen sich hier dem Verdacht aus, eine Nebelkerze zu zünden, um von Ihrer eigenen Verantwortung abzulenken. Kein noch so fein gedrechselter Besinnungsaufsatz wird davon ablenken, daß Sie selbst seit nunmehr 16 Jahren diese desaströse Politik mittragen. Ihr Text dringt gewiß nicht von ungefähr gerade heute an die Öffentlichkeit, nachdem er sicherlich schon einige Zeit in Ihrer Schublade verharrt hat. Wäre ich böswillig, würde ich behaupten, die Ratten verlassen das sinkende Schiff. Lediglich der Respekt vor Ihrer Biografie verbietet mir, Sie als Wendehals zu bezeichnen.
Die Kinder der Spätgeborenen haben es nie begriffen, was wirkliche Armut und Unfreiheit ist. Ihnen hat ein Kapitalismus die materiellen Güter gegeben, die sie in steigendem Maße immer gefordert haben. Gewerbefreiheit befreite sie von Armut, die die Grundlage innerer Kämpfe war und ist. Jede Regierung kann sich unter solchen Umständen leisten, den Bürgern Freiheiten zu gewähren, die es umsonst nicht gibt. Den Kapitalismus haben die gewählten Regierungen der BRD fortleben lassen. Die Demokratie mit allen Freiheiten haben die Amerikaner gebracht—und dem Land regelrecht aufgezwungen. Besseres kann man von den Siegern nicht erwarten. Die hatten auf ihren Wegen gesehen, was Verblendung in Unfreiheit anrichtet. Haben die Narzisten wirklich nicht bemerkt, was ihnen im Osten statt dessen geschehen wäre? Es ist vollkommen irre, zu meinen, man müsse den Sattmacher und den Freimacher im Geiste und auf Demos bekämpfen. Herr Vaatz hat Recht: Wer sich selbst immer als Hauptsache sieht, verliert den Sinn für das Wesentliche, die Freiheit. Weil gerade die Serie “Hambacher Forst” läuft: Im Osten wären die Bäume nach dem “Räumungsbefehl” beseitigt worden, um die “Feinde der Republik” aus den Baumhäusern zu holen. Die meisten Teilnehmer wären “eingefahren”, so sie die “gesetzlichen Maßnahmen” überstanden hätten. Für die Jungen hieße die Zukunft “Jugendwerkhof”, für die Älteren “Hohenschönhausen”. Ein kaltes Plätzchen bei der StaSi, mit ein paar Jährchen hintendran. Von Richtern, die das Urteil fertig hatten, bevor sie den/die Deliquenten selbst sahen. Weil das über Jahrzehnte so war, haben die Ossis unter Risiken die Freiheit gewählt! Chemnitz zeigt das Ende einer Merkel-Regierung, die auch die gewonnene Freiheit bedroht.
Wozu eigentlich Brinkhaus, wenn es einen Vaatz gibt…?!
Sehr geehrter Herr Vaatz, als Ossi, der Ende der 80-ger nübermachen durfte, jahrelange schwerste Schikanen hinter sich lassend, stimme ich Ihnen in Allem zu. Nur: Sie sind viele Jahre in der CDU in führenden Positionen und den ganzen Schlamassel hat zuerst Ihre Partei, mit der großen Vorsitzen- den, zu verantworten. Hätten Sie diesen Beitrag vor vielleicht fünf Jahren geschrieben, wären Sie für mich Gesslers Hut gewesen. Aber so entsteht ein gewisser Eindruck und der schmeckt schal.
Zitat U. Unger: „Der selbstmörderische Narzissmus, den Sie beschreiben ist im wesentlichen auf eine Person mit den Initialen A. M. beschränkt, die realitätsfern, planlos und die Interessen der Bürger verachtend, schon genug materiellen und immateriellen Schaden, sowie Todesopfer zusammenregiert hat” Mit Verlaub, das glaube ich nicht! Das wäre zu einfach – viel zu einfach! Nicht A. M. hat das System erschaffen, sondern das System sie. Sie hat es, wie es Opportunisten eigen ist, nur in überragender Weise verstanden, das vorgefundene System für sich zu nutzen! Und daher kann ich nur warnen, sich zu früh auf A. M. Abgang zu freuen. Das System, das sich tief in die Gesellschaft eingegraben hat (Politik, Medien, Justiz, Bildung, Bürgertum - alles ist unterwandert), wird auch nach dem Abgang noch immer da sein; die linken Medien werden jedem Nachfolger im Kanzleramt, der Merkels Politik korrigieren will, das Leben zur Hölle machen… Es ist ein Anfang – mehr aber auch nicht!
Für mich hat sich diese gut geschriebene Analyse doch etwas einseitig auf die Nazizeit als Ursache festgelegt. Schauen Sie mal nach Schweden oder in die Schweiz. Dort gab es weder Holocaust noch Kolonialverbrechen, aber trotzdem haben die den gleichen Selbsthass in ihren Ländern. Oder ist es eher der Hass und Neid gegenüber seinen Mitbürgern?
Lieber Herr Vaatz, das ist sehr schön, ws Sie da schreiben, einschließlich des Fehlers in Ihrer Deutung des sächsischen Zitats, bzw. in der Übersetzung. Weiter vorn hats schon jemand gerichtet, sodass ich mehr nicht schreiben brauch’. Sie sind ausserdem ein super Erzähler. Und von diesem Bauernkriegslied über die roten Hähne scheinen Sie auch zu wissen: “Lass’ nicht die roten Hähne flattern/ Ehe der Habicht schreit!” Noch eine wirkliche Verbeugung meinerseits vor Ihren Fähigkeiten: Sie handeln gemäß dem Max Weber Wort, Politik sei das Bohren dicker Bretter, - das übrigens der genossene (kein Vertipper!) Kommunist Herbert Wehner hoch hielt, als er Demokrat geworden war. “Grund für all das ist selbstmörderischer Narzissmus.” Naja - solche Dinge können nicht monokusal sein (= sie haben notwendigerweise mehrere Gründe), aber auch diesen Fehler sehe ich Ihnen gerne nach, denn Ihr Artikel am Tag eins nach Kauders Niederlage ist absolut toll!
“Andererseits behandeln wir ganze Herden von Elefanten als vernachlässigbare Risiken,...” ein schöner Vergleich für die Zustände in DE. Diffuse Ängste aufbauschen und wirkliche Risiken gedanklich klein halten, ist momentan das Hauptgeschäft von Politik und staatstreuen Medien. Damit lassen sich auch zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen . Ablenkung und weitere Spaltung der Bevölkerung. Denn nur wer einig ist, ist stark!
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