Wie am Schnürchen ging es am Wochenende beim Grünenparteitag. Punktgenau nach dem Plan der ausrichtenden Agentur. Vor allem die Farbgebung war beeindruckend, das satte Grün. Erwartungsgemäß passte auch das Outfit von Claudia Roth perfekt ins Bild.
Jamaika, dachte man unwillkürlich, aber die Sache wurde umgehend dementiert. Die Grünen verzichteten ausdrücklich auf die Karibik, und zwar mit einer Dezidiertheit, als ginge es um die ehemaligen Ostgebiete.
Damit hatte die Klarstellung allerdings nichts zu tun. Sondern mit etwas ganz banalem, mit der Koalitionspolitik. Die Grünen sind nun mal, trotz oder wegen ihres Weltrettungswillens, keine Volkspartei, aber auch nicht Nische. Sie sind, in den Augen der Anderen, Mehrheitsbeschaffer und Zünglein an der Waage. Sie müssen sich also verkaufen, wenn sie nach den Ämtern streben. Und so wird alles, was sie zu bieten haben, zur Verhandlungssache, zum Kaufpreisergebnis.
Im Grunde sind die grünen Geschäftspartner zu allem bereit, auch zum Deal mit den Unrechtsstaatlern der „Linken“. Einzig und allein das Gespräch mit Guido Westerwelle lehnen sie ab. Auch das überrascht uns nicht, hält die FDP doch eine Position im politischen Spektrum, die auch die Grünen gerne einnehmen würden, die liberale. So denunzieren sie den Konkurrenten als Handlanger der Heuschrecke.
Übrigens: Findet sich denn im Tierschützerland nicht endlich jemand der das unschuldige Tier vor den unangebrachten Vergleichen bewahren möchte?
Zur Sache zurück: In der Politik ist nichts endgültig. Und das beweisen uns auch die Grünen. Denn in der Ampelkoalition würden sie die Neoliberalen durchaus akzeptieren. Dort hätten schließlich die Freunde von der Arbeiteraltpartei das Sagen. Die Erfinder der heuschreckenfeindlichen Vergleiche. Aber nicht nur sie.
Die furchtlosen Führer der Grünen gehen auch schon mal mit dem Idealpartner ins Gericht. Mit seiner Äußerung, die Kavallerie in Fort Yuma müsse nicht immer ausreiten, manchmal reiche es, wenn die Indianer wissen, dass sie da ist, habe Finanzminister Steinbrück die Indianer beleidigt. So tönte der, wie immer, frischgeföhnte Trittin. Und das haben die nicht verdient, denn sie achten die natürlichen Ressourcen. Womit Trittin wohl seinen Föhn betreibt? Mit Erdgas?
Aber lassen wir die Kleinigkeiten Kleinigkeiten sein, und kommen wir zu den großen Fragen, denen sich die Grünen an diesem Wochenende auch stellten. Große Fragen führen in der Politik zu großen Versprechungen. Die Grünen machen darin keine Ausnahme. Sie wollen uns in diesem Segment zu einer Million Jobs verhelfen. Und sie verraten sogar, wie sie es machen wollen, obwohl das gar nicht nötig gewesen wäre. Per Vermögensabgabe nämlich, zur Investition in Energie, Bildung und Soziales. Blabla. Also Dauersubvention. Und nebenbei Reichen- Bashing, eigentlich eine Spezialität der SPD-Führung. Green New Deal nennt sich das von keinem bestellte Paket, trefflich amerikanisch. Seit Obama geht das ja wieder.
Das Paket enthält im Übrigen sogar Konkretes für die kleinen Leute mit dem dünnen Portemonnaie. Abschaffung der Praxisgebühr. Und für den gefährdeten Mittelstand: Wegfall der Anrechnung des Partnereinkommens bei Hartz IV. Im Klartext: Die Zweitwohnung finanziert der Staat.
Haben sie nicht an alles gedacht, die netten Wochenend-Abgesandten der Grünen? Und gute Laune hatten sie auch. Sie sahen wie Urlauber aus, die soeben aus Mallorca zurückgekehrt sind, wo sie die Abwrackprämie genossen haben. Bleibt noch die Frage: Woher kam eigentlich der Strom für den Grünen- Parteitag? Das aber wollen wir jetzt wirklich nicht wissen.