In dieser Woche ist es also passiert: Die AfD liegt in einer Umfrage bundesweit vor der SPD. Nicht in irgendeiner Umfrage, sondern in einer Umfrage von INSA, welche ich aus Erfahrung extra ernst nehme. Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, kämen die Sozialdemokraten demnach auf 15,5 Prozent. Die AfD liegt jetzt bei 16 Prozent.
Meine Sympathie für Sozialdemokraten in ihrer heutigen Form ist eher überschaubar. Unsere Sorge um die Demokratie in Deutschland – und damit Europa insgesamt, muss dennoch heute wieder größer werden. Man ist hin- und hergerissen: Einerseits würde der politische Abgang der Partei von Heiko „NetzDG“ Maas oder Walter „Eikonal“ Steinmeier nicht nur Trauertränen fließen lassen – andererseits wäre der politische Untergang der Partei von Brandt und Schmidt dann doch eine Plattenverschiebung in der politischen Tektonik Deutschlands – und „Deutschland“ ist ja ein Begriff, der geschichtlich mehr umfasst als die Bundesrepublik. Lassen Sie mich deshalb, in einem so einfachen Bild, dass selbst eine Nahles oder ein Stegner es verstehen könnten, erklären, warum die AfD erfolgreicher ist als die SPD.
Dem wählenden Arbeiter bieten sich zwei politische Freunde an: Beide pöbeln sie gelegentlich. Der eine kritisiert den Islam. Der andere kritisiert Israel. Der eine wird vom Fernsehen gehasst. Der andere lügt, dass sich die exportierten Panzerrohre biegen. Der eine hat klargemacht, dass ihm Deutschland wichtig ist. Der andere träumt von den Vereinigten Staaten von Europa und scheint Deutschland zu verachten.
Der Arbeiter mag nicht, wenn gelogen wird
Der Arbeiter fühlt sich ebenfalls vom Fernsehen gehasst (er guckt es dennoch). Der Arbeiter mag nicht, wenn gelogen wird. Der Arbeiter hat sein Leben lang für Deutschland gearbeitet, genauso wie seine Eltern und Großeltern. Europa ist für den Arbeiter eine Urlaubsregion und eben Nachbar, nicht ein Grund, das eigene Land aufzugeben. Und, vor allem: Der Arbeiter sieht, wie Teile von Deutschland, dem Land seiner Kindheit, zu No-Go-Zonen werden. Er spürt, wie die Angst wieder in sein Leben einkehrt, wie Gewalt zum Teil seines Alltags wird. Der eine Freund verspricht, das einzudämmen. Der andere Freund sagt: Mehr davon! Wegen der Moral! Welchen dieser beiden Freunde wird der Arbeiter auswählen?
Die Menschen haben Trump nicht gewählt wegen seiner eher „mexikaner-kritischen“ Sprüche. Die wenigsten AfD-Wähler entscheiden sich für die AfD wegen Höcke oder wegen Poggenburg. Die Menschen wählen Trump oder AfD, weil diese glaubhaft versichern, sich an den Amtseid halten zu wollen, zum Wohl des eigenen Volkes zu handeln.
Die Auswahl ist für den Arbeiter: Ein schlauer Schlägertyp, der gelegentlich etwas eklig klingt, aber glaubhaft verspricht, die Menschen zu schützen – oder ein etwas dümmlicher, egoistischer Lügner, mit dem er sich buchstäblich ans Messer geliefert fühlt. AfD-Wähler sagen: Lieber politisch unkorrekt leben als politisch korrekt sterben.
Minutenlanges Geklatsche für die Parteivorsitzende
Das Berliner Fernsehen kann noch zwanzig weitere „Comedians“ gegen Opposition und Abweichler agitieren lassen. Sie können noch dreißig weitere Journalistenpreise für besondere Verdienste um die Haltung vergeben – es wird immer schwieriger werden, den Bürgern ihren Überlebenswillen auszureden.
Wenn ich Poggenburg oder Höcke höre, dreht sich dem Geschichtsbewussten in mir der Magen um. Wenn ich Merkel oder die SPD höre, wird dem Gegenwartsbewussten in mir heiß und kalt.
Jedes Volk und jedes Land brauchen, etwas, ja, Vaterlandsliebe, jedes – sonst werden sie aufhören zu existieren. („Blüh im Glanze dieses Glückes!“) Man hört aus Berlin, wie sie von „Völkersterben“ oder „Volkstod“ schwärmen. „Deutschland verrecke“, brüllen sie. Wir erleben aus Teilen der rot-grünen Kultur- und Politik-Szene geradezu offenen Hass auf Deutschland. Es ist eher ein Fall für andere Spezialisten als mich.
Was in medialer und politischer Vertretung weitgehend fehlt, ist ein „normales“ Verhältnis zum Vaterland. Immer mehr Wähler ziehen ein „zu viel an Vaterlandsliebe“ der offenen Verachtung gegen das eigene Land (und den Lügen sowieso) vor. Das Angebot am „glaubwürdig Normalen“ ist gerade etwas dünn. Ein Jens Spahn etwa wurde ausgebootet. Merkel plant anders.
Bittet man einen CDU-ler um eine typische Handbewegung, bricht er in minutenlanges Geklatsche für die Parteivorsitzende aus, und das wird auch so bleiben, selbst wenn die Merkel-vom-Dienst demnächst „Kramp-Karrenbauer“ heißen sollte. Bittet man übrigens einen SPD-ler um eine typische Handbewegung, zeigt er bei Gelegenheit, wie Gabriel oder Steinbrück, den Stinkefinger in Richtung des Arbeiters – um sich dann zu wundern, dass dieser ihn nicht wählen will.
Der „einfache Deutsche“ – die Anführungszeichen sind bewusst gesetzt, denn was wäre das Gegenstück? Ein „komplizierter“ Deutscher? Der „einfache Deutsche“ also muss sich in dieser sumpfigen Lage entscheiden: Will ich ein paar gefährliche Schippen zu viel Vaterlandsliebe, oder ein gerüttelt Maß zu wenig? Die Antwort könnte das Establishment verunsichern.
Dushan Wegner (geb. 1974 in Tschechien, Mag. Philosophie 2008 in Köln) pendelt als Publizist zwischen Berlin, Bayern und den Kanaren. In seinem Buch „Relevante Strukturen“ erklärt Wegner, wie er ethische Vorhersagen trifft und warum Glück immer Ordnung braucht.
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Wie sagte schon Walter Rathenau: "Unfähige Menschen erkennst du daran, dass sie ihre Nachfolger zu unterdrücken suchen." Das passt wunderbar zu Merkel.
Danke Herr Wegner, ich will es mal so sagen, was wäre Deutschland und damit wir alle ohne den "einfachen Deutschen"? Ich bin Jahrgang 1949 und habe nach der mittleren Reife eine Schreinerlehre gemacht. Mein Lehrmeister der "Innungsobermeister" in 3. Generation hat immer gesagt der Mensch qualifiziert sich nicht durch das was er macht sondern "wie" er es macht. Damit hat er eine Brücke gebaut und hat verhindert, dass die höher Qualifizierten auf die anderen herabgesehen. Ich habe dann die Fachschulreife nachgeholt und auf dem 2. Bildungsweg studiert und nie vergessen was für ein prima Typ mein Lehrmeister war und habe seine Gesinnung immer vor mir hergetragen. Wäre wohl auch ganz gut für unsere bornierte politische Klasse.
Wer die Psychologie der Massen mit Geschichtsbewusstsein verknüpft, kennt die Funktion von Höcke oder Poggenburg im Sinne von Blitzableitern. Höcke sagte nichts anderes als Vahlefeld: niemand soll das 3. Reich vergessen, aber dessen übergewichtige Präsenz verhindert einen normalen Umgang mit der deutschen Vergangenheit. Bei Achgut-Autoren erwarte ich eine Nennung von Argumenten, pauschale Diffamierungen lese ich in der betrüblichen Presse genug. Von einem türkischstämmigen Schwaben hören zu müssen, dass Menschen Rassisten seien, die sich wehren, wenn die türkische Gemeinde allen Deutschen das Recht auf Heimat abspricht oder ihnen sagt, dass es keine deutsche Kultur mehr gäbe, ist sehr starker Tobak. Was Poggenburg am Aschermittwoch darüber zum Besten gegeben hat, war noch sehr zart besaitet, wenn ich es mit dem abgleiche, wie ich darüber denke. Meiner Partei erlaube ich, mich mit Herz und Verstand anzusprchen, nein, ich verlange es geradezu. Der wirkliche Hintergrund, der uns allen immer bewusster wird, erscheint im April als neues Buch, von Hamed Abdel-Samad: Integration, Protokoll eines Scheiterns.
Wer alt genug ist, ein Gedächtnis hat und sich erinnert, wie das Land sich demographisch entwickelt hat, der weiß!!!, wohin die Reise geht. Wer ein Gedächtnis hat und sich erinnert, wie die politische Diskussion sich in den letzten 30 Jahren entwickelt bzw. eben nicht entwickelt hat, der muss nicht lange nach einem Grund für den Wandel in der Bevölkerungsstruktur suchen. Am Beispiel des Begriffes der multikulturellen Gesellschaft, könnte man sich tagelang abarbeiten. Mit bereichernder Vielfalt wird geworben, bekommen haben wir de facto die Abschaffung des Nationalstaates und die Orientalisierung der Gesellschaft. Angeblich ja angeblich. Wer ein Gedächtnis hat und sich erinnert mit welchen Mitteln die politische Diskussion zum Thema Nation (was bedeutet das noch mal?) und Zuwanderung geführt und immer wieder abgwürgt wurde, der begreift, dass die SPD, ebenso wie Grüne und Linke für jemanden, der schon länger hier lebt, eine vergiftete Pralinenschachtel ist. Wenn überhaupt, dann ging es um Art. 16 GG. Manchmal Kirchenasyl. Niemals wurden die zahllosen Kniffe thematisiert, die es praktisch jedem ermöglichten nach D zu kommen und zu bleiben. Dank einer wuchernden Asyl- und Zuwanderungsindustrie, die es versteht untaugliche Gesetzgebung in zahllose Aufenthaltsrechte zu verwandeln, kam eben nicht nur Journalist Motombo, den Mobuto kastrieren wollte. Es kam und kommt jeder der will und in der Regel kann er bleiben, wenn er hartnäckig ist. Wir haben schließlich einen Integrationsauftrag. Ein bisschen Geld verdienen und etwas nach Hause schicken, nach ein paar Jahren Deutscher werden, evtl.sich die Hörner etwas abstoßen (Win-win Situation, weil neue Männer braucht das Land) und danach eine züchtige Frau (Cousine?) geliefert bekommen. Dabei immer die Kontakte und die Liegenschaften in der Heimat pflegen. Haben sie sich mal Gedanken gemacht, warum die Fluggastzahlen an deutschen Flughäfen, Jahr für Jahr Rekorde schreiben. Das wird so weiter gehen. Wenn ich Geld hätte, würde ich in deutsche Flughäfen, türkische und arabisch- maghrebinische Airlines investieren. Warum sollte ich denen durch ein Kreuz bei der Wahl, dem einzigen Moment der unmittelbaren Machtausübung, Zustimmung zukommen lassen, die für den Zustand des Landes, in dem ich immer gut und früher auch gerne gelebt habe, verantwortlich sind. Die wollen im Prinzip ja alles so weiter laufen lassen. Da Art. 16 rechtsmissbräuchlich das Einfallstor zur Masseneinwanderung für Mio Fremder ist, muss es als individuell einklagbares Grundrecht abgeschafft werden. Ich sähe auch gerne, wenn für Personen, die geltend machen, ihnen drohe die Todesstrafe, weil sie in Ihren Herkunftsländern gemordet hätten oder Moslemultras, deren Frömmigkeit so groß ist wie bei den Anhängern des IS, Al Quaida, Al Nusra, Hisbollah, Hamas, Moslembrüder ...etc., etc., etc, erst gar kein Verfahren durchgeführt würde. Eine Sofortabschiebung zurück, also in denselben Flieger, über dieselbe Landesgrenze etc. Ich bin eben populistisch anfällig und habe keine Lust,die Stirn noch ein paar Jahre in Falten zu legen, weil der Weltfrieden eben keine einfachen Antworten gestattet. Die geisteswissenschaftliche Elite in den linken Parteien ist einfach zu schlau und modern für mich und die zwei anderen sehr anpassungsfähigen Parteien, werden auch noch mehr erodieren, weil die Mitte derzeit schrumpft Neue Wählergruppen werden aber nachwachsen und das Land wird m. E. irreversibel als Staat des tradierten europäischen Kulturkreies aufhören zu existieren. Freue mich natürlich weiterhin, wenn SPD-Akademiker via Anne Will mich über “Menschlichkeit“ belehren und ehrliche Politik fürs (ganze) Volk machen. Aber mit dümmlichen Analogien zur Weimarer Republik kann man die Leute nicht mehr “antifaschistisch“ konditionieren, schon gar nicht, wenn Innenstädte, Parteitage oder auch nur Demonstrationen von der gut organisierten Linken, zerlegt werden. Ingo Hahnen
Zwar wünsche ich mir, dass Regierende und Parteimitglieder diesen gelungenen Artikel lesen, allein mir fehlt der Glaube, dass sie ihn verstehen oder beherzigen, so beratungsresistent wie diese sich geben.
In den hohen Wellen der moralischen Anmaßung, die vom politmedialen Komplex in Bewegung gehalten werden, empfinden viele Bürger auch eine persönliche Bedrohung, der zuliebe sie auf Meinungsfreiheit, (nationale) Selbstbestimmung und demokratische Freiheit verzichten. Jahrzehntelange Propaganda gegen alles was nicht links ist, zeigt Wirkung. Sie hat die breite Duldung einer defekten staatspolitischen Navigation geschaffen, die nur noch linksherum kann. Es wäre naiv, wegen des augenblicklichen Sympathieverlusts der SPD auf eine "Reparatur" zu hoffen. Ein fescher Linkspopulist als neuer Hoffnungsträger à la Martin Schulz könnte die Delle ganz ohne inhaltliche Eingriffe erfolgreich ausgleichen. - Eigentlich ist die real existierende SPD überflüssig geworden; das Proletariat gibt es ja auch nicht mehr.
Immer wieder erfrischend und erheiternd, wenn Geisteswissenschaftler - hier ein Philosoph - sich am Arbeiter abarbeiten. Denn selbstverständlich gibt es unter den Arbeitern nicht einen, der auf die Idee käme, Union oder FDP, Grüne oder Linke, oder irgendwas unter "Sonstige" zu wählen. Oder vielleicht auch gar nicht zu wählen. Nein, nein, der Arbeiter kennt nur Sozis, oder eben jetzt AfD. Dabei hat der Autor mit der Ursachenbenennung des genossenschaftlichen Absturzes meines Erachtens zwar durchaus Recht. Die Schlussfolgerung hingegen, dass nur die Arbeiterklasse der alten Arbeiterpartei den Rücken zukehrt, ist zu kurz gedacht: Den Genossen laufen die Wähler in allen gesellschaftlichen Schichten, Klassen, und Millieus davon. Genauso, wie sie dann den Wahlweg zur AfD finden. Schlussendlich beschleicht mich auch bei diesem Text mal wieder ein wenig das Gefühl, dass "der Arbeiter" mehr gesunden Mehrverstand hat, als so mancher (selbsternannte) Intellektuelle.