Gastautor / 13.05.2011 / 00:14 / 0 / Seite ausdrucken

An meine Landsleute drüben in Deutschland!

John Deere

Am 11. September 2001 war ich auf dem Weg zu meinem Arbeitsplatz im 103. Stock des 1 World Trade Center, dem Nordturm, und erlebte live und viel zu nah, wie der erste Flieger in das Gebaeude einschlug. Da ich damals in New Jersey wohnte, direkt auf der anderen Seite des Hudson, nahm ich jeden Morgen die Faehre, um den Fluss zu ueberqueren. Ich befand mich in der Mitte des Hudson River, als ich gerade noch das viel zu laute Turbinengeheul wahrnahm, um auf den darauffolgenden dumpfen Schlag erschreckt aufzublicken und das riesige Loch in der Rueckwand des Gebaeudes zu sehen, das eine Wolke aus gelbem Rauch, Truemmern und Papier hinterlassen hatte. Die Faehre drehte nicht um, sondern fuhr tatsaechlich an die Anlegestelle am World Financial Center weiter, von wo ich aus unmittelbarer Naehe mit ansehen musste, wie der zweite Flieger in den Suedturm einschlug.

Ich verlor an diesem Tag 734 Kollegen, darunter viele Freunde. Mein Arbeitgeber, Cantor Fitzgerald, war das am haertesten betroffene Unternehmen dieses Tages. Niemand, der sich in unseren Bueroraeumen aufhielt, ueberlebte. Leider lagen die von Cantor Fitzgerald belegten Stockwerke (101. - 105.) ueber dem Einschlagsort des Flugzeugs (ca. 95. - 97. Etage), daher erlebten die meisten die Ausweglosigkeit und das sichere Ende bei vollem Bewusstsein, bis zum Einsturz des Gebaeudes. Ich kenne Horrorgeschichten und persoenliche Tragoedien, die kaum zu ertragen sind. Es ist einem Zufall zu verdanken, dass ich Ihnen heute noch schreiben kann. An jedem anderen Tag waere ich um die Zeit an meinem Schreibtisch gesessen. Wegen eines privaten Telefonats mit einem Bekannten in Deutschland war ich am 11.09.2001 etwas spaeter dran als sonst.

Es liess nicht lange auf sich warten, bis die ersten Stimmen sich erdreisteten, von juedischen Verschwoerungen zu berichten. So wurden zum Beispiel angeblich alle Juden in New York davor gewarnt, an diesem Tag in die Arbeit zu gehen. Allein die unertraegliche Anzahl an juedischen Opfern, die meine Kollegen waren und die an diesem Tag gestorben sind, steht im krassen Gegensatz dazu. Abgesehen davon, wie hirnrissig allein diese Idee ist. Gibt es einen Email-Verteiler fuer alle New Yorker Juden? Es wurde nicht besser, die “Truther” ergoetzen sich an immer neuen Fakten, die durch die dauernden Wiederholungen nicht richtiger werden; im Gegenteil, jeder addiert noch ein bisschen was hinzu. Die geplante Pipeline durch Afghanistan etwa, wegen der die USA den Anschlag inszeniert haetten.

Mit haarstraeubenden falschen Behauptungen und Luegen wird jede noch so wirre Theorie untermauert. Das World Trade Center wurde angeblich etagenweise gesperrt in den Monaten davor, um die Sprengladungen anzubringen. Ach ja? Das haette ich wohl mitbekommen muessen. Es ist muessig, sich mit dem Bloedsinn auseinanderzusetzen. Es ist traurig, dass sich so viele von diesem Quatsch anstecken lassen, uebrigens auf beiden Seiten des Atlantik.

Interessant allemal, wie grosse Teile der deutschen Linken damals noch gegen die Taliban und fuer die Rechte der Frauen in Afghanistan standen, aber dann doch lieber die Taliban in Afghanistan an der Macht sahen, solange die nur fest genug gegen Amerika waren. Die Taliban stehen ihnen naeher als die Amerikaner. Waere Mullah Omar dort noch an der Macht, ich wuerde gerne Flugtickets dorthin fuer dessen moralische Unterstuetzer und Gegner des amerikanischen Imperialismus spendieren. One-Way.

Nun die Nachricht mit Bin Laden. Ein guter Tag fuer den Westen. Grund zum Feiern allemal. Und dann die Deutschen. Ich lese die Presse im Internet und komme aus dem Kopfschuetteln nicht mehr heraus.

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