Der deutsche Demonstrations- und Gleichschritt-Trottel, sein weibliches Gegenstück sowie seine non-binären Exotenexemplare, vor allem deren hypermoralisch beseelte und vermeintlich aufgeklärt gebildete Exponenten, fühlen sich wohl in der Herde der selbsternannten Retter „unserer Demokratie“. Regelmäßig in der Masse: mal zu Tausenden, mal zu Zehntausenden, mal zu Hunderttausenden. Die Ratio ist dabei ausgeschaltet, es reicht „intellektuell“, ehe die Füße polit-medial choreographiert in Gleichschritt Richtung „Nie wieder!“ versetzt werden, allenfalls für das Zusammenkritzeln irgendwelcher seifiger 08/15-Parolen auf Plakaten.
Worum geht es den selbsternannten, grün-rot-woken Demokratieschützern und Diskurswächtern? Nicht um „die“ Demokratie, sondern um „unsere“ Demokratie. Also nicht um die Demokratie des Grundgesetzes mit ihren Bürgerrechten vor allem inkl. Meinungsfreiheit, sondern um „unser“, also um das „Demokratie“-Verständnis der Demokratieschützer und Diskurswächter. Beachte das Possessivpronomen, also das besitzanzeigende, ja besitzergreifende Fürwort „unser“! Wobei mit „unser“ kein allumfassendes, inklusives „wir“ gemeint ist, sondern ein exklusives „wir“: das „wir“ der Demokratieschützer und Diskurswächter, das mittlerweile die Hälfte der Wähler und alle Nicht-Mainstream-Publikationen (laut CDU-Ministerpräsident Daniel Günther, alias „Genosse Günther“, alles „Feinde der Demokratie“) ausschließt. Mit anderen Worten: Es geht nicht um „unsere“, sondern um „ihre“, deren Demokratie: das Demokratieverständnis der staatlichen, „öffentlich-rechtlichen“, semi- und kryptostaatlichen (fälschlicherweise „Nicht-Regierungs-Organisationen“ genannt) Demokratieschützer und Diskurswächter. Und zwar so richtig schön in der Diktion des Stalin-Vasallen und DDR-Begründers Walter Ulbricht. Er hatte Ende des Zweiten Weltkrieges unmittelbar nach seiner Rückkehr aus Moskau für den Aufbau der späteren DDR die Parole ausgegeben: „Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben.“
Die Strippenzieher der Demokratierettung dürften exakt diesen Plan im Kopf haben. Die subalternen Herdenmitläufer durchschauen es nicht – beseelt von ihrem gratismutigen Rettungswahn. Getragen wird dieses entsprechend geframte „Verständnis“ von einem schier religiösen Impetus. Durchaus im Sinne der Definition von Sigmund Freud, für den Religion eine universelle Zwangsneurose ist, und im Sinne von Karl Marx, für den Religion das Opium des Volkes ist. Folge: „Tief wurzelt der Knecht im Deutschen.“ Das schrieb Kurt Tucholsky unter dem Pseudonym Ignaz Wrobel in der „Weltbühne“ vom 14. April 1925. Zu einem solchen Knecht macht sich der deutsche Michel regelmäßig zu Hunderttausenden.
Was wir solchermaßen in Deutschland seit zwei Jahrzehnten an Aufstand der „Anständigen“, an „Kampf gegen rechts“ und gegen toxische Männlichkeit erleben, bestätigen die Erkenntnisse der Massenpsychologie der Jahre 1895 bis 1930. Will sagen: Die „Anständigen“ regredieren ins vor-aufklärerische Mittelalter der masochistischen, sich selbst lustvoll geißelnden Flagellanten des 13./14. Jahrhunderts. Es ist daraus, zumal in Zeiten der Säkularisierung, ein ersatzreligiöses, massenpsychotisches Bußritual geworden.
Der Reihe nach ausgewählte Beispiele
Am 2. Oktober 2000 hatte es einen Brandanschlag auf die Düsseldorfer Synagoge gegeben. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) kündigte sofort einen „Aufstand der Anständigen“ an. Nachfolgend gab es quer durch die Republik Lichterketten, Aktionspläne gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit usw. Man war sich absolut sicher, dass die Brandstifter deutsche Rechtsextremisten waren. Aber der Wunsch entpuppte sich als Vater des Gedankens. Anfang Dezember 2000 stellte sich heraus: Die Täter waren zwei Männer (19 und 22) palästinensischer/arabischer Herkunft. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, öffnete die Bundesregierung ab 2001 für Antifa die Staatskasse. Hunderte von Millionen sind seither dorthin geflossen, seit Jahren heißen die Programme „Demokratie leben!“
Am 4. September 2015 ließ Kanzlerin Merkel die Grenzen für hunderttausende von Flüchtlingen öffnen. Begeisterung und Hilfsbereitschaft in weiten Teilen der Bevölkerung waren ebenfalls grenzenlos. Deutschlands oberste Kirchenfürsten mischten sich – flankiert von zigtausend Teddys werfenden Gutmenschen – am 5. September 2015 unter die Refugees-Welcome-Gemeinde, etwa am Münchner Hauptbahnhof. München wieder Hauptstadt der Bewegten? Die Ernüchterungen erfolgten: überquellende Flüchtlingslager, überforderte Ämter, zu 90 Prozent junge Männer, Zunahme an Gewalt usw. Bis 2026 hat sich daran wenig geändert. Im Gegenteil.
Am 3. September 2018 gab es in Chemnitz ein Konzert mit 65 000 (!) Teilnehmern „gegen Rechts“. „Wir sind mehr“, war der Slogan. Auslöser waren angebliche, aber frei erfundene „Hetzjagden“ gegen Ausländer in Chemnitz vom 26. August 2018. Weil der damalige Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen diese Hetzjagden nicht bestätigen konnte, wurde er von Bundesinnenminister Seehofer auf Geheiß von Kanzlerin Merkel gefeuert. Am 3. September trat dort die Berliner Hip-Hop-Formation K.I.Z mit dem Lied „Ein Affe und ein Pferd“ auf. Sie war bekannt geworden mit Versen wie folgenden: „Ich ramm die Messerklinge in die Journalistenfresse …“ „Trete deiner Frau in den Bauch, fresse die Fehlgeburt …“ „Eva Hermann sieht mich, denkt sich: Was’n Deutscher / Und ich gebe ihr von hinten wie ein Staffelläufer / Ich fick sie grün und blau …“ Nicht nur am Rande: Steinmeier hatte das Konzert im Vorfeld über Twitter beworben; Coca-Cola gab kostenlos Getränke aus, Flixbus bot Freifahrten an.
Am 20. September 2019 fand der dritte globale Klimastreik statt. Organisiert von Fridays for Future, demonstrierten weltweit angeblich bis zu acht Millionen Menschen in über 150 Ländern für Klimaschutz. Allein in Deutschland sollen eineinhalb Millionen Menschen auf die Straße gegangen sein.
Bei einem brutalen Polizeieinsatz war der 46-jährige George Floyd am 25. Mai 2020 in Minneapolis ums Leben gekommen. Weltweit gab es einen Aufschrei, in den USA Plünderungen und Tote. „Black Lives Matter“ wurde zu einem Bußritual der „weißen“ Rasse: Polizisten knieten sich mit Demonstranten auf offener Straße für die Dauer des auf Video gebannten Sterbens von Floyd nieder. „Critical Whiteness“ war angesagt. Zwischen Ende Mai und Juli 2020 gingen – Corona hin oder her – rund 200.000 Menschen in über 80 deutschen Städten auf die Straße. Fußballmannschaften knieten vor Spielen nieder. Die FAZ vom 7. Juni 2020 belobigte die Anti-Rassismus-Demonstrationen als „Wohltat“. Und allüberall wittert man „strukturellen Rassismus“: in Behörden, bei der Bundeswehr, bei der Polizei …
Das nach wie vor – auch 2026 – staatlich alimentierte Fakten(er)finder-Portal CORRECTIV verbreitete am 10. Januar 2024 seinen (erfundenen) Bericht mit dem Titel „Geheimplan gegen Deutschland“. Dass der CORRECTIV-„Bericht“ weitestgehend erfunden war, haben mittlerweile mehrere Gerichte bestätigt. Was wiederum den mitbeteiligten Medien, auch den öffentlich-rechtlichen, nahezu keine Zeile, keine Sendeminute wert war. Hintergrund: Am 25. November 2023 hatte es in Potsdam in der ehemaligen Adlon-Villa ein privates Treffen angeblich „rechter/rechtsextremer Kreise“ gegeben. Dort habe man angeblich über „Remigrations“-Pläne gesprochen. Bald war öffentlich die Rede von einer „Wannseekonferenz 2.0“. Und dann gab es kein Halten mehr: Demonstrationen und Großkundgebungen noch und nöcher. Staatlich und medial „öffentlich-rechtlich“ befeuert. Irgendjemand hat sich auf der in solchen Dingen besonders bemühten Plattform Wikipedia die Mühe gemacht, für die Zeit von Januar bis Mai 2024 samt angeblichen Teilnehmerzahlen (in der Summe Millionen) alle mehr als fünfhundert Demonstrationen aufzulisten.
„Du hast mich virtuell vergewaltigt“ tönte der darbende “Spiegel“ in der Titelstory vom 20. März 2026. „Virtuell“: Nicht gemeint waren hunderte, ja tausende von realen (Massen-)Vergewaltigungen – oft verübt von Zugewanderten. Gemeint war der Fall der nachrangigen Schauspielerin Collien Fernandes (45). Es ging um die angebliche Verbreitung von pornografischen Inhalten („deepfakes“) unter Beteiligung ihres Ex-Ehemanns Christian Ulmen, in denen Fernandes‘ Gesicht in manipulierte Videos eingefügt worden war. Ab dem 22. März brach eine orchestrierte Kampagne aus: In mehreren deutschen Städten gab es Solidaritätsdemonstrationen mit mehr als zehntausend Teilnehmern – unter anderem in Berlin, Hamburg, Hannover, Kassel; Lübeck, Köln, Frankfurt, München und Oldenburg. Parallel dazu wurden politische Forderungen nach einer Verschärfung der Gesetze formuliert. Bundesjustizministerin Stephanie Hubig (SPD) kollaborierte im vorauseilenden Gehorsam: Sie hatte bereits einen entsprechenden Gesetzentwurf in der Schublade.
Und dann brach die Demo aus, diesmal via Shitstorm als digitale Massenpsychose. Die „Influencerin“ Leonie Löwenherz forderte auf Instagram: „Ich will nicht, dass Christian Ulmen jetzt gecancelt wird. Ich will, dass er und alle anderen Täter an ihren großen Zehen auf den Marktplätzen dieser Nation aufgehangen und öffentlich kastriert werden.“ Klar: Alle Männer sind Schweine. Außer Migranten? Uschi Glas (82; 1968: „Zur Sache Schätzchen“) war schockiert über das, was Collien Fernandes widerfahren sein soll. Sie wollte ihre Kollegin beim gemeinsamen „Traumschiff“-Dreh „als Erstes in den Arm nehmen“. Die Liste der Sympathisantinnen las sich wie eine Liste von „Ich-bin-aber-auch wichtig“-Gamma/Epsilon-Promis. Der Boulevard war begeistert: „Die Mega-Promi-Dichte der Liste ist hoch“. Genannt wurden „Promis“, die keiner kennt: Nina Chuba, Katja Krasavice, Maren Kroymann, Annika Lau, Mareile Höppner, Kristina Lunz, Düzen Tekkal usw. Das „Handelsblatt“ (!) stellt am 31. März 2026 gar eine Verbindung der Fernandes-Nummer mit der gescheiterten SPD-Richterkandidatin Brosius-Gersdorf her. Da konnte der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk (ÖRR) bis hinein in die Quasselrunden noch so viel Schützenhilfe leisten: Beweise fehlten, die Staatsanwaltschaften wussten nicht, ob sie nun ermitteln sollten, könnten, müssten. Spanien stellte die Ermittlungen ein. Die konzertierte „Spiegel“-Fernandes-Rosenkrieg-HateAid-Hubig-Story kollabierte – wie ein fluffiges Soufflé.
Der Untertan als Massenmensch – Was die Psychologie der Masse schon lange weiß
Auf den grün-rot-woke-empörten „Demokratieschützer“ und Diskurswächter treffen alle Analysen zu, die große Köpfe schon vor hundert Jahren und Jahrzehnten mit ihren Analysen des Massenmenschen geliefert haben.
Friedrich Nietzsche (1844–1900) befasste sich in mehreren seiner Werke mit dem Herdenmenschen und dessen Sklavenmoral. Der Herdenmensch erfahre durch sein Mitschwimmen Sicherheits- und Gleichheitsgefühle. So entstehe seine „Herdenmoral“.
Gustave Le Bon (1842–1931) beschrieb in seinem 1895 erschienenen Werk „Psychologie des Foules“ (deutsche 1912 als „Psychologie der Massen“) die „Kollektivseele“, in der der Einzelne sein Denken aufgebe. Das Bewusstsein, Teil einer größeren Bewegung zu sein, enthemme ihn. Die Wirkung sei mit Hypnose vergleichbar. Die dadurch entstehende Begeisterung nehme schließlich Kennzeichen einer religiösen Haltung an und verbinde sich am Ende mit Unterwerfung und Fanatismus. Der Einzelne gibt sein Denken auf, er geht eben in einer „Kollektivseele“ auf.
Für Sigmund Freud (1856–1939) ist der Mensch in der Masse leichtgläubig, suggestibel und manipulierbar. Das Ergebnis ist etwas Zwanghaftes: Alle fühlen das Gleiche, niemand soll und will abweichen. Die Masse stellt eine allmächtige Autorität dar, der man sich unterwirft und an der man partizipieren will; sie vermittelt zugleich ein Machtgefühl. Es geht Freud vor allem um die quasi-libidinöse Bindung der Massenmitglieder an einen Führer oder eine Idee. Siehe Freuds „Massenpsychologie und Ich-Analyse“ von 1921.
José Ortega y Gasset (1883–1955) vergleicht in seinem Werk „Der Aufstand der Massen“ (1930, original: „La Rebellión des las Masas“) den Menschen der Masse mit einem verwöhnten Kind, das keine Grenzen und Pflichten kenne und Annehmlichkeiten als selbstverständlich betrachte. Es resultieren daraus Trägheit, Konformismus und Anfälligkeit für Parolen. Ortega y Gasset schreibt in diesem Zusammenhang von einem „regressiver Puerilismus“. Folge: Man „hasst auf den Tod, was nicht sie (die Masse) ist“.
Elias Canetti untersuchte in seinem Werk „Masse und Macht“ (1960) die Dynamik von Menschenmengen und deren Beziehung zur Macht aus eher literarisch-soziologischen Perspektive. Masse ist für ihn der Wunsch nach Gleichheit. Für Hannah Arendt steht 1951 fest: Totalitarismus braucht die Masse.
Erinnerungen werden wach
In der DDR wurden Aufmärsche zum 1. Mai oder anderen Jahrestagen staatlich gelenkt. Der 1. Mai wurde von den Nationalsozialisten als „Tag der nationalen Arbeit“ instrumentalisiert, um den „Volksgemeinschafts“-Mythos durch massenhafte Aufmärsche zu inszenieren.
In Orwells Dystopie „1984“ werden Hasswochen (Hate Weeks) vor allem im September zugunsten des totalitären Staates Ozeanien inszeniert und von Militärparaden und Feuerwerken (siehe „panem et circenses“!) flankiert. Damit soll der aufgestaute Frust der Bevölkerung gezielt auf Feinde (Eurasien oder Ostasien) umgeleitet und die Liebe zum „Großen Bruder“ gefestigt werden. Parallelen zur Lage Deutschlands im Jahr 2026? Noch häufiger gibt es die täglichen Zwei-Minuten-Hasses (Two Minutes Hate). Das gilt als tägliche Pflichtveranstaltung, bei der Gegner wie Emmanuel Goldstein auf den Teleschirmen angebrüllt werden.
Historisch und fiktional unterscheiden sich die Demonstrationen heute davon psychodynamisch wenig. Heute adelt man sich mit Rock gegen Rechts, Rappen gegen Rechts, Fußballspielen gegen Rechts, Karneval gegen Rechts, mit „Kein Sex mit Nazis“, mit „Keine Bedienung für Nazis“. Es sind keine Demonstrationen gegen „die da oben“, sondern für eine polit-mediale Obrigkeit und für einen woken Antifa/Antirassismus/Anti-Patriarchat-Totalitarismus. Minimale oder erfundene, erlogene Auslöser reichen. Irgendein staatlich gepampertes Faken(er)finder-Portal oder irgendein darbendes Relotius-Magazin braucht nur in die Welt hinauszuraunen, dass … Dann tritt ein, was Arno Plack in seinem Buch „Wie oft wird Hitler noch besiegt?“ bereits 1982 dem gesamten politischen und medialen, zum Teil auch dem „wissenschaftlichen“ System attestiert: „Wer heute als ‚aufrechter Demokrat‘ gelten will, kommt kaum darum herum, einen gehörigen Tribut an antifaschistischer Beteuerung zu leisten.“ Über 200 Initiativen gibt es mittlerweile im Kampf „gegen Rechts“. „Antifa“ ist Staatsräson – bis hinein in die Spitze der CDU.
Am Schreibtisch oder vor Kameras und Mikrofonen lässt sich bequem und gratismutig mitkämpfen. „Hitler wird immer noch besiegt von jenen anpassungsfähigen Charakteren, auf die gerade das Hitlerreich sich gestützt hat: Leute, die wissen, wo ‚oben‘ ist.“ Die Diagnose Placks von „rückwärtsgewandtem Mut“ und einem „Hauch von versäumtem Heldentum“ gilt mehr denn 1982, als Placks Buch erschien. Mehr noch: Je länger Hitler tot ist, umso zahlreicher werden die Retroexorzisten.
Was aber ist die Wirkung der inflationären Berufung auf Auschwitz, auf Hitler und die Allerweltsphrase „Faschismus“? Klar, wer ständig die Vorwürfe, etwas bzw. jemand sei Nazi oder Fascho, im Munde führt, trivialisiert den Faschismus und den Nationalsozialismus sowie deren Verbrechen. Heinrich August Winkler sieht es 2020 ebenso: „… der inflationäre Gebrauch des Begriffs ‚Faschismus‘ führt letztlich zu einer Verharmlosung des Faschismus.“
Die ideologische Verortung der grün-rot-woken „Demokratieschützer“
Wo sind die brav staatstreuen, subalternen Diskurswächter und Demokratieretter zu verorten? Dafür gibt es einen – nicht einmal überraschenden – Befund der Universität Konstanz. Sie hatte sich erlaubt, mittels der Methode der „teilnehmenden Beobachtung“ und der Befragung von „Demonstrierenden“ anlässlich der Demos gegen „Wannsee 2.0“ zu eruieren: Die Anfang 2024 auf die Straße „für Demokratie“ gingen, waren zu 61 Prozent Wähler der Grünen, zu 18 Prozent Wähler der SPD, zu 8 Prozent Wähler der CDU/CSU und zu 2 Prozent Wähler der FDP. Was natürlich nicht heißen soll, dass die in der Summe 79 Prozent Grün-Roten die größten subalternen Trottel sind. Oder doch? Diese Zahl ist andererseits in etwa identisch mit dem Anteil derjenigen, die mit ARD, ZDF zufrieden sind und ansonsten keinerlei Einschränkungen der Meinungsfreiheit erkennen wollen: Es sind auch hier vor allem die Grün-Roten, denn ARD, ZDF und DLF sind ja schier ihre Sprachrohre und Lautsprecher. Und was sie an politischer Gesinnung vertreten, ist ja der offizielle Mainstream. Wie soll man sich da eingeschränkt fühlen? Außer eben, in dem man die offiziell errungene kulturelle Hegemonie meint, gegen „rechts“ verteidigen zu müssen
Und so unterwerfen sie sich einer obrigkeitsstaatlichen Moralmacht. Wozu mündig werden, wenn all das, was „angesagt“ ist, von „Mutti“ oder von Vater Staat bzw. den von ihm finanzierten volkspädagogischen NGOs und vom ÖRR vorgegeben wird und man von diesen an der Hand genommen wird.
Ja, vor allem die grün-roten Deutschen wählen untertänigst gerne ihre eigene Entmündigung, sie wählen den Nanny-Staat und ihre Nanny-NGOs. Sie poltern wie trotzige Kinder gegen imaginierte „rechte“ Autoritäten, aber unterwerfen sich ständig politischen, medialen oder ökologischen Pseudoautoritäten. Am Ende sind sie doch nur unmündige, lasche, zumeist gutsituierte Selbstlinge, denen es materiell an nichts fehlt, denen es indes an Biss und Hunger fehlt, weil sie nie mündig wurden und weil es immer jemanden gibt, der vorgibt, was man zu denken hat, wogegen bzw. wofür man zu demonstrieren hat. Es ist eben – so Kant 1784 – so bequem, unmündig zu sein.
Auch im angeblich besten Deutschland, das es jemals gab (Steinmeier am 3. Oktober 2020), hat die polit-mediale, auch die kirchliche Pseudoelite im Stil der Nazis, der DDR, der Sowjetunion, Nordkoreas, Chinas, auch im Stil von Orwells „Big Brother“ regelmäßig staatstreue Demonstrationen und repressive Toleranz à la Herbert Marcuse (1965) inszeniert. Heute laufen die grün-rot-woken Blockwarte angeblich freiwillig mit. So gesehen, könnte es sein, dass Frank-Walter, der Ex-Stamokap-Mann, genannt „der Spalter“, mit dem besten Deutschland die heraufziehende DDR 2.0 imaginiert haben könnte. Deshalb kommt ihm und seinen polit-medialen Haltungsgenossen heute kein alarmistisches „Nie wieder!“ über die Lippen. Sind wir doch nahe am Traumziel einer maroden, deindustrialisierten, klimaneutralen, stromlinienförmig woken Republik à la verflossene DDR – erfüllt von „unserer“ Demokratie mit ihren antifaschistischen Brand-, pardon: Schutzwällen.
Somit gilt: „Untertanentreue ist ein so schönes Gefühl! Und es ist ein so wahrhaft deutsches Gefühl!“ (Heinrich Heine, „Harzreise“ 1824/26). Gegen solche Genetik kommt kein Immanuel Kant an.
Josef Kraus ist ehemaliger Gymnasiallehrer (Fächer Deutsch und Sport) und Diplom-Psychologe. Josef Kraus hat 2021 das Buch „Der deutsche Untertan. Vom Denken entwöhnt“ veröffentlicht.
@Ilona Grimm: Ich hoffe, wir beide sehen uns nochmal in diesem Leben… in Licht und Liebe.
Stichwort Herdentrieb: Den muss man nutzen, wenn man politische Mehrheiten erlangen will. Das funktioniert besonders gut, wenn man das Hirn abschaltet und die Emotion an. Wie macht man das? In dem man „gegen“ etwas ist. Aber jetzt kommt der Haken: Gegen echte Misstände einzutreten und alle davon Betroffenen einzusammeln, ist ja nicht verkehrt. In vielen Punkten wäre ich sofort dabei. Missstände haben wir in Deutschland genug. Wenn man aber Missstände selbst zwanghaft herbeiredet oder sogar mittels der „Trick 17 Truppe“ selbst erzeugt, einzig um das Volk hinter sich zu scharen, dann ist das kein „Aufstand der Anständigen“ mehr, sondern Betrug. Man denke dabei auch an die DDR und die Mauer: Der „Antifaschistische Schutzwall“ hätte ohne massive linke Agitation und sozialistische Politik im Vorfeld im damaligen Deutschen bzw. Dritten Reich gar keine Berechtigung gehabt. Ich hatte das schon mal geschrieben: Hitlers Gebiss liegt nicht ohne Grund in Moskau. Und es ist da vermutlich auch nicht von irgendwem hintransportiert worden, sondern hat da vermutlich noch mehr als einmal Kuchen zerkaut. Es gibt genug Beweise und noch mehr Indizien, die genau darauf hindeuten, dass das von links fortwährend beklagte „rechts“ ein hausgemachtes Problem von links ist, denn wirklich rechts im ursprünglichen Sinne der Französischen Revolution, also Bürgertum, Adel und Klerus, ist das von links permanent beklagte „rechts“ ja gar nicht. Erst war man noch gegen den Adel im Elfenbeinturm, dann aber plötzlich gegen die Juden und dann gegen „rechts“. Heute ist man gegen alles zusammen. Irgendwas machen die auf der Linken Seite falsch. Die sollten zur Abwechslung mal FÜR etwas sein, dann würden sie nicht andauernd im „real existierenden Sozialismus“ landen, wo sie ja eigentlich gar nicht hinwollen, sondern in einer wirklich gerechten Welt. Und dabei werde ich es belassen, damit dieses Land nicht direkt auseinander fliegt, wie bald dieser blähende Wal… ;-)
Volltreffer.
@ A. Rühl, Leute wie sie braucht die „Kamarilla“, die sich „Unsere Demokratie“ nennt, um sich ihre Staatsbeute vor der Demokratie zu schützen.
Sehr guter Artikel. Wie eigentlich so ziemlich alles von Josef Kraus was ich kenne. Habe vor Jahren auch mal „50 Jahre Umerziehung“ gelesen und in guter Erinnerung. Ruhig mehr davon.
@ Dr. Matthias Wenn sie einen Bademantel zur Hand haben, ihre berufliche Laufbahn nicht mehr vor sich haben, über einen stabilen Kreis der Ihren verfügen und immer wichtiger: ein Konto außerhalb der EU.
Die Massen gibt’s auch im Stadion, die gibt’s wenn die Armee marschiert. Das ist angeboren. Bei manchen. Das Individuum das seinen eigenen Weg geht, es ist halt einsam. Und hat viele Feinde. Aber es frei!!!