
Wieviel muss ein Liter Super da kosten, dass Hr. Draghi zufrieden ist? 100 Euro?
Auf die Gefahr hin, mich unbeliebt zu machen: Eine gewisse Logik in solchen Ideen ist unübersehbar. Die Banken machen nicht mehr genug Geld mit Anlagen, sondern eher mit Krediten. Wenn man sein Geld zu Hause aufbewahren würde, bräuchte man einen Riesentresor, sehr teuer. Warum also sollen die Banken, wenn sie Geld bewahren, das wenig Einkommen bringt, nicht Gebürhren dafür nehmen? Die Idee dahinter ist allerdings eine andere, nämlich das Geld eher im Umlauf zu halten und Rücklagen nicht zu ermutigen, doch hier beißt sich Draghi am Deutschen die Zähne aus. Notfalls tut er’s unter die Matratze wie einstmals Oma, nimmt’s in den Auslandsurlaub mit und haut’s da auf den Kopf. Die deutsche Wirtschaft hätte auch nicht mehr davon.
“Wenn das so ist, und ich auf mein Geld Strafzinsen zahlen muss, dann müsste ich eigentlich Geld dafür bekommen, wenn ich bei der Bank Schulden mache. Das wäre doch ein sauberes Gegengeschäft. Das scheint man aber in Bankkreisen anders zu sehen.” Darüber konnte man reden, wenn all die Bankangestellten negatives Einkommen verlangen würden, wenn in den Filialen Geld aus den Instandhaltungskosten quölle, wenn Software nix mehr kostete, wenn die Kreditpreller mehr zahlen würden, als sie genommen haben, etc. Aber ich versteh schon, Bankbashing ist sowas von hip.
P.S. Ich muß mich korrigieren… das Verhalten von Menschen, die alles Geld, daß sie in die Hände bekommen, sofort für Konsum raushauen, ist natürlich auch langfristig nicht “höchst unklug”. Nein, in guten Zeiten genießen sie den vollen Wert ihres Geldes, und in Krisenzeiten genießen sie die Solidarität der Anderen… auch auf die lange Frist gesehen ist das Verhalten also optimal. Das eigentlich Kriminelle der Nullzinspolitik ist, daß man diejenigen Menschen bestraft, die sich darum bemühen, auch langfristig auf eigenen Beinen stehen zu können, nicht nur heute, sondern auch in Krisenzeiten, und daß man darüber hinaus den Menschen aberzieht, dieses überhaupt aktiv anzustreben.
@Michael Lorenz, den Kritikern des Nullzinses ist vorzuwerfen, daß sie seine gravierenste Auswirkung kaum einmal thematisieren. Durch den Nullzins wird ein ganzes Volk dazu erzogen, von der Hand in den Mund zu leben. Oberlehrer Mr. Dax sagts ja deutlich: Wer nicht alles Geld weghaut, das er gerade hat, ist unklug. Wenigstens wird hier noch etwas empfohlen, was halbwegs als Investition durchgehen kann, und nicht ein reiner Konsum… trotzdem ist die Frage, in welcher Form das renovierte Bad dem Besitzer nützt, wenn es zum nächsten konjunkturellen Abschwung kommt, und er dringend Geld braucht. Erspartes kann man abheben gehen, eine Renovierung eines Bades ist hingegen nicht wieder zu Geld zu machen, es sei denn, man verkauft gleich die ganze Wohnung oder das Haus, in dem es sich befindet… und selbst dann ist der Wertverlust der Investition hoch, etwa weil viele Käufer sowieso ein anderes Bad wollen, es also sowieso selber nochmals renovieren werden. Die Auswirkung der Ausweichstrategie, von der Hand in den Mund zu leben, d.h. alles irgendwie verdiente Geld postwendend auszugeben, weil dies auch die finanziell vernünftigste Vorgehensweise ist, wird sein, daß immer größere Bevölkerungskreise in künftigen Krisenzeiten auf Unterstützung durch die Gemeinschaft angewiesen sein werden. Da in den Krisenzeiten die Staatseinnahmen und die Einnahmen der sozialen Sicherungssysteme ebenfalls zurückgehen, deren Ausgaben aber gleichzeitig stark steigen, da immer mehr der auch in guten Zeiten Von-der-Hand-in-den-Mund-Lebenden alimentiert werden müssen, muß das Geld woanders hergeholt werden. Höhere Besteuerung von Zinseinkünften wird nicht helfen in Zeiten des Nullzinses. Gegen Schuldenmachen wird die gesetzlich festgelegte Schuldenbremse angeführt werden. Bleibt nur noch die Enteignung von Vermögen durch eine Vermögenssteuer. Und hier sind jene, die die in Zeiten des Nullzinses ach so attraktive Strategie nicht befolgten, von der Hand in den Mund zu leben, ein weiteres Mal gekniffen… nicht nur versagten sich diese Menschen den Konsum, nicht nur bekommen sie dafür keine Zinsen, nicht nur mindert sich der Wert des Gesparten durch Inflation, sondern am Ende stielt der Staat ihnen ON TOP auch noch weitere Teile des Zurückgelegten, zum Nutzen der Mehrheit der Von-der-Hand-in-den-Mund-Lebenden. Letztere sind eben dann NICHT mehr nur irgendwelche immer schon Abgehängten, bei denen Solidarität im Regelfall tatsächlich geboten wäre, sondern es sind Angehörige der Mittelschicht, die durchaus substantiell hätten Werte zurücklegen können, es aber nicht taten, weil es “finanziell unklug” gewesen wäre… weswegen die Forderung nach Solidarität von anderen zum Nutzen dieser Leute, die in Krisenzeiten ja kommen wird wie das Amen in der Kirche, eigentlich, bei Licht betrachtet, reichlich unverschämt ist. Erst den Turbokonsumenten abgeben, und hinterher jammern, weil die Taschen leer sind, wenn man volle bräuchte… toll! Der Nullzins, den die europäische Zentralbank durch ihre Geldschwemme hervorruft, ist alleine schon unter diesem Gesichtspunkt der Umerziehung weiter Kreise der Bevölkerung hin zu kurzfristig vielleicht klugem, aber langfristig höchst unklugem Verhalten KRIMINELL. Punkt. Die Pointe der Geschichte ist, daß man dann - in künftigen Krisenzeiten - das Absacken großer Teile auch des Mittelstandes in die Abhängigkeit von Sozialsystemen generell dem altbekannten Popanz “Neoliberalismus” anhängen wird, wie das ja schon jetzt zu beobachten ist - die eigentlich Schuldigen aber völlig ungeschoren davonkommen werden. Oder ist Draghi tatsächlich ein so glühender Anhänger des Neoliberalismus und das ist mir irgendwie entgangen? :D
Hinter dem Bestreben, keine Deflation zuzulassen, steht ja der Wunsch nach immerwährendem Wachstum… denn es ist natürlich nicht die Deflation, die man fürchtet, sondern die Depression, die Hand in Hand mit ihr geht. Depression ist aber nur ein anderes Wort für Schrumpfung der Wirtschaft, also das Gegenteil des Wachstums der Wirtschaft. Ausgerechnet die politischen Figuren, die bereit sind, zu anderen Zeiten die Unwünschbarkeit oder Unmöglichkeit ewigen wirtschaftlichen Wachstums in jedes verfügbare Mikrofon zu tröten, sind diejenigen, die auch jetzt wieder am lautstärksten Maßnahmen einfordern, die weiter andauerndes wirtschaftliches Wachstum bewirken sollen (angeblich), nach dem Motto: Das ewige Wachstum darf einfach nicht aufhören. In der Psychologie würde man sowas “Schizophrenie” nennen. Es ist aber in Wahrheit nur der Unterschied zwischen dem, was der Gutmensch behauptet, was er meint und wünscht, und dem, was er tatsächlich meint und wünscht… der hier so kristallklar zutage tritt wie selten sonst.
Ich bin kein Experte in Finanzdingen, aber die Angst vor Stagnation kenne ich so gut wie irgendein Journalist, der täglich Schlagzeilen liefern muss.
Man muß nicht alles glauben, was man hört. [Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.), römischer Redner und Staatsmann]
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