Gastautor / 29.09.2017 / 17:03 / 11 / Seite ausdrucken

An allem sind die Moslems schuld!

Von Marc Neugröschel.

Inwiefern Angst vor dem Islam und dem Islamismus für das starke Abschneiden der AfD bei der Bundestagswahl verantwortlich war, ist eine relevante und diskussionswürdige Frage. Völlig absurd ist es jedoch, ausgerechnet jene liberalen Muslime, welche Islamismus, islamistischen Terror und radikalen Islam kritisieren, für den Erfolg der neuen Rechten in Deutschland verantwortlich zu machen.

Genau das tut jedoch Aiman A. Mazyek, der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime in Deutschland. In einem Tweet vom 25. September zitiert Mazyek einen von ihm willkürlich herausgegriffenen und nach Zitierregeln unzulässig gekürzten Satz aus einer Antwort auf die Frage „Warum haben Sie AfD gewählt?,“ welche die Zeitung „Die Zeit“ ihren Lesern im Rahmen eines Diskussionsforums auf ihrer Internetseite stellt. Dieses „Zitat“ liest sich in Mazyeks Tweet folgendermaßen:

„...Zudem las ich H. Abdel-Samad, A.H. Ourghi, B. Tibi, A. Hirsi Ali, S. Ates, A.Mansour...“ und wird zynisch mit den Worten „ach so“ kommentiert, als würde ausgerechnet diese von ihm willkürlich ausgewählte und modifizierte Textstelle verraten, warum Menschen die AfD wählten. 

Oder ist es der Koran?

Dass die zitierte "Zeit"-Leserin auch schreibt, sie habe „den Koran und die Hadithen gründlich studiert“, übergeht Mazyek. Würde Mazyek seiner eigenen Logik folgen, müsste er daraus schließen, dass der Koran schuld am Erfolg der AfD sei.

Eine solche Schlussfolgerung würde man zu Recht als islamophob kritisieren. Umso alarmierender ist aber die Botschaft, die Mazyek tatsächlich verbreitet: Die zitierte "Zeit"-Leserin wählte AfD, weil muslimische Nestbeschmutzer wie Ahmad Mansour, Hamed Abdel Samad oder Bassam Tibi mit ihrer Islamkritik Ängste schürten. Ausgerechnet jene liberalen Muslime, die radikalen Islam und Islamismus kritisieren, die exemplarisch dafür stehen, dass nicht alle Muslime den Terror gutheißen, und die beweisen, dass eine Identifikation mit dem Islam und ein Bekenntnis zu westlichen Werten sich nicht zwangsläufig ausschließen, sollen nun also verantwortlich dafür sein, dass Menschen in Deutschland Angst vor dem Islam haben!

Das ist umso zynischer, da Ayman Mazyek dem Zentralrat der Muslime vorsteht: Einem Dachverband 19 islamischer Organisationen, von denen einige Verbindungen zur ägyptischen Muslimbruderschaft, also jener Organisation aufweisen, in deren Schoß der Islamismus in der ersten Hälfte des 20 Jahrhunderts entstanden ist. 

Mazyek folgt einem Muster

Wenn Muslime dafür verantwortlich gemacht werden können, dass die AfD im Aufwind ist, dann sind es solche wie Mazyek, die den Islamismus in Deutschland protegieren. Hinter Mazyeks Tweet steckt ein klassisches psychologisches Muster, dessen sich Menschen immer wieder bedienen, um ihnen unangenehme Kritik zu marginalisieren. Nicht ein Problem selbst oder dessen Urheber werden verantwortlich gemacht, sondern diejenigen, die auf das Problem hinweisen.

Dementsprechend ist nach Mazyeks Logik nicht der Islamismus oder der der radikale Islam ein Problem, sondern es sind diejenigen Menschen, die auf dieses Problem aufmerksam machen. Dass ist so, als würde man Austritte aus der christlichen Kirche nicht mit dem Missbrauchsskandal, sondern damit erklären, dass sie Medien darüber berichten. Oder man würde die Juden dafür verantwortlich machen, dass die Deutschen an einem Schuldkomplex leiden. 

In Wirklichkeit wird umgekehrt ein Schuh draus: Die Tatsache, dass couragierte, liberale Muslime wie Ahmad Mansour, Bassam Tibi und Hamed Abdel-Samad die Problematik des radikalen Islams oder des Islamismus in den Fokus der öffentlichen Debatte rücken und dazu beitragen, dass dieses Problem von den etablierten politischen Kräften nicht völlig ignoriert werden kann, hat ganz sicher dazu beigetragen, dass die AfD die Problematik kultureller Konflikte mit Migranten aus islamischen Ländern nicht noch weiter für sich monopolisieren konnte und nicht noch mehr Wähler bekommen hat!

Marc Neugröschel schreibt für die Jerusalem Post und die Times of Israel. Er promoviert derzeit an der Hebräischen Universität in Jerusalem zum Thema Antisemitismus und Antiamerikanismus.

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Alexander Rostert / 30.09.2017

Hatte uns dieser Mann nicht versprochen, dafür zu sorgen, dass die Anhänger seiner Weltanschauung Deutschland verlassen, sollte die AfD in den Bundestag einziehen?

Wulfrad Schmid / 30.09.2017

Wie wahr! Nicht der Islamkritiker ist das Problem, sondern der Islam selbst und all jene, die ihn als zu Deutschland gehörig verkauft haben und den Terror als bedauerlichen Einzelfall abtun und nicht als islamimmanent sehen wollen.

Doris Schmidt / 30.09.2017

Herr Mayzeck hat sinngemäß gesagt, daß er allen Landseuten, also den Türken, die Rückkehr in die Türkei empfehlen würde, wenn die AfD in den Bundestag einzieht. Ich hoffe nun, daß er sich an sein gegebenes Versprechen hält.

Hermann Köller / 29.09.2017

„… die Juden dafür verantwortlich machen, dass die Deutschen an einem Schuldkomplex leiden“? Aber das machen doch so viele, das ist doch fast schon raison d‘etat.

Herbert Müller / 29.09.2017

Die AfD ist die einzige Partei in Deutschland, die auf das dem Islam innewohnende Gewaltpotenzial aufmerksam macht und auf die Gefahren hinweist, die sich dadurch für unsere Freiheit ergeben. Wäre der Islam nicht gewalttätig, gäbe es ihn heute nicht mehr. Die Umma lässt sich nur zusammenhalten, in dem man Abtrünnige mit unerbittlicher Gewalt verfolgt und dies alles mit Berufung auf den Koran. Warum gibt es Todesfatwas gegen Kritiker? Kritiker sollen ein für allemal zum Schweigen gebracht werden. Kritik an Religionen gehört aber zum Grundrecht der Meinungsfreiheit, zumal wenn es sich um eine Religion mit einem universellem Herrschaftsanspruch handelt. Scharia und Grundgesetz sind nicht miteinander vereinbar.

Gundi Vabra / 29.09.2017

Herr Mazyek fällt mir als ein Meister der sprachlichen Zweideutigkeit auf. Je nachdem wie Betonungen gesetzt werden, ergibt der Satz eine völlig andere Bedeutung. Ich halte dies für beunruhigend, denn das ist wie einen Pudding an die Wand nageln zu wollen. Er könnte missverstanden werden, dies verharmlosen, doch versteht die eigentliche Klientel bestimmt den wahren Kern Mir fehlt die Germanistische Ausbildung um das besser zu beschreiben. Schade, dass ich mir davon kein Beispiel gebookmarkt habe. Da hoffe ich auf kritische Fachleute die einmal Herrn Mazyek genau hinterfragen.

Helmut-Ernst Kaßner / 29.09.2017

Wie es auch sein, einen liberalen, toleranten Islam wird es nicht geben, er wird sich auch nicht reformieren lassen. Ich kann mich noch gut erinnern, als in den 70 ern und 80 ern Jahren des letzten Jahrhunderts insbesondere die Länder der freien Welt in Europa auf den sogenannten Eurokommunismus (Italien, Frankreich) gesetzt haben bzw. diesen propagiert haben. Der Kommunismus war nicht reformierbar, ihm konnte auch kein menschliches Antlitz verliehen werden (Sozialismus mit menschlichem Gesicht). Er musste scheitern und er ist gescheitert. Das lag schlicht und ergreifend in der kommunistischen Ideologie als Instrument zur Ausübung von Macht Weniger über Viele begründet. Es wäre an der Zeit unter diesem Gesichtspunkt die Entstehung des Islam zu erforschen und darzustellen ob nicht auch dort ideologische, religiöse Instrumente zur Ausübung von Macht Weniger über Viele zu finden sind.

Rainer Franzolet / 29.09.2017

Diese ganze Diskussion ist überflüssig wie ein Kropf. Wer den Koran gelesen hat die Zustände in islamischen Ländern persönlich erlebt hat und möchte, dass sich dieser unmenschliche Unsinn auch in Deutschland ausbreitet kann keine redlichen Gründe dafür haben. Schuld sind nicht die Moslems sondern die Deutschen, die sich die ganzen Unverschämtheiten bieten lassen.  Ich habe gerade durch Zufall ein Gespräch mit einem jungen Familienvater geführt, der Migranten betreut. Es sind angeblich unter 18 Jährige Syrer und Afghanen. Er meint, die machen was sie wollen und keiner stoppt sie. Auf seine Initiative hin, das es so nicht weiter gehen kann sagte man ihm. Halten sie den Ball flach. Sobald die über 18 sind, sind wir die hier los. Nachdem ich vor Ort die Segnungen islamisierter Länder selber erlebt habe halte ich alle, die den Islam verharmlosen für irre. Afghanistan, Pakistan, Iran, Kuwait, Anatolien und viele andere Regionen mit vielen Muslimen haben mir gezeigt, was das Leben unter dieser Ideologie bedeutet. Dieser Mazyek ist schlicht ein bezahltes U-Boot. Dem glaube ich kein einziges Wort, völlig egal, was der behauptet.

Frank Stricker / 29.09.2017

Man sollte nun wirklich nicht über jedes Stöckchen springen dass der seltsame Herr Mazyek gelegt hat. Vielmehr sollte man ihn fragen, warum bis letztem Jahr auf der Homepage seiner Organisation, Zentralrat der Muslime,  der Hinweis enthalten war, dass muslimische Frauen bitteschön keine “Ungläubigen” heiraten sollen. Aber andererseits es kein Problem wäre, wenn ein muslimischer Mann eine “Ungläubige” heiratet. Ganz einfach, der Ideologie des Islams folgend , dass immer der Mann entscheidet und die Frau sich entsprechend unterzuordnen hat.

Wilfried Cremer / 29.09.2017

Man kann den Schuh nochmal umstülpen. Die liberalen und Exmuslime haben auf das Problem der wörtlichen Koranauslegung aufmerksam gemacht. Die etablierten Parteien haben kaum darauf reagiert, die AfD aber schon.

Weitere anzeigen Leserbrief schreiben:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Gastautor / 21.11.2019 / 06:15 / 138

Warum ich für ein Tempolimit bin

Von Ulrich Siemer. Holland fährt nun tagsüber auf den Autobahnen mit Tempo 100. Die Mehrzahl der deutschen Autofahrer gibt inzwischen an, ein Tempolimit auf Autobahnen…/ mehr

Gastautor / 21.11.2019 / 06:00 / 41

Habeck als Traum und Trauma

Von Klaus Meyer-Sax. Kürzlich erschien in der Neuen Zürcher Zeitung der Beitrag „Europas Traum und Trauma“. Der Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Robert Habeck plädiert…/ mehr

Gastautor / 19.11.2019 / 15:45 / 8

Raus aus der Blase, rein in den Wettstreit der Ideen!

Von Sabine Beppler-Spahl. Wer zum Battle of Ideas nach London fährt, verlässt die Komfortzone der herkömmlichen Gewissheiten und begibt sich an einen Ort, in dem…/ mehr

Gastautor / 19.11.2019 / 06:25 / 43

Vorsicht: Meinung kann ansteckend sein

Von Benjamin Liessmann.  Wieder einmal wird in Deutschland über das Thema „Meinungsfreiheit“ diskutiert. Anlass ist, dass kürzlich mehrere Politiker daran gehindert wurden, einen öffentlichen Vortrag zu…/ mehr

Gastautor / 17.11.2019 / 06:19 / 32

Neulich vor der katholischen Kirche

Von Snorre Martens Björkson. Nun ist es wieder so weit: Der Herbst kippt in den Winter, insbesondere im meist schneelos-grauen Norddeutschland zieht ein kalter Wind…/ mehr

Gastautor / 17.11.2019 / 06:09 / 78

Die kleine Welt der grünen Kosmopoliten 

Von Roger Schelske. Moden kommen und gehen, das ist auch in den Sozialwissenschaften so. Der Wettbewerb bringt es mit sich, dass immer wieder neue Konzepte…/ mehr

Gastautor / 15.11.2019 / 15:30 / 12

Klimaschutz: Katastrophenabwehr oder Totalitarismus?

Von Amos Zweig. Die Diskussion über den Klimawandel wird alles andere als sachlich geführt. Die Gemüter sind sehr erhitzt, denn schließlich geht es ja um…/ mehr

Gastautor / 12.11.2019 / 16:00 / 40

„Fortschrittsverweigerer und Angsthasen“?

Von Manfred Knake. Stefan Bergmann ist Chefredakteur der Emder Zeitung. Er äußert sich in einem Kommentar, der von einigen Lokalzeitungen an der Küste übernommen wurde,…/ mehr

Meine Favoriten.

Wenn Ihnen ein Artikel gefällt, können Sie ihn als Favoriten speichern.
Ihre persönliche Auswahl finden Sie Hier
Favoriten

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com