Ein Brief aus Nordamerika zu Wolfgang Röhls Beitrag “Hurra, eine neue Krankheit!” vom 13.02.2008:
Lieber Herr Röhl,
auf Ihren Artikel hatte ich gewartet. Ich hatte mich schon gewundert, dass man in Deutschland noch sooo zurück ist. Hier in Nordamerika ist die Hysterie schon wesentlich weiter. An allen Türen der Schule meiner Kinder steht „Scent-free school“. Und die Lehrer drehen durch wenn jemand nach stärkerer Seife oder Deo riecht. Was mich natürlich veranlasst, als Vater, bei einem beabsichtigten Besuch im Schulgebäude mehr Deo und After Shave zu verwenden als üblich…
Das gleiche Schild an allen Arzt-Praxen, in allen öffentlichem Gebäuden und sogar Shopping Malls und Läden. Allerdings muss ich sagen, dass hochwertige Parfums auch selten sind, meistens ist es ein „Billigmief“ mit dem sich die Leute einsprühen.
Noch schlimmer ist es mit Gerüchen von z.B. Erdnussbutter, Nüssen oder Mandeln. Jedes Jahr gibt es seitenlange Rundschreiben in welcher Klasse Frühstücksbrote mit Erdnussbutter oder mehlhaltige Produkte etc. verboten sind. Nüsse und Mandelanteile in Süßigkeiten und Pausensnacks sind in den Schulen grundsätzlich verboten.
Ihre Vision von staatlichen Verboten ist deshalb nicht so abwegig. Wobei es in Europa natürlich dann auf europäischer Ebene läuft, richtig viele Bürokraten beschäftigt und der Duftanteil/Riechstoffgehalt pro Kubikmeter Raumluft in DIN-Normen gegossen wird. Alles zum Wohle der Menschen natürlich.
Da ich persönlich davon ausgehe, dass eine Rezession auch Deutschland erreicht und die Grundstücks- und Hauspreise dramatisch sinken werden, sollten Sie sich rechtzeitig eine Latifundie auf Helgoland zulegen. Bitte schauen Sie für mich gleich mit. Allerdings, die Kinder mögen Erdnussbutter und ich mag „Jaipur Homme“ von Boucheron. Sollte ich dann Ihr Nachbar sein, müssten Sie das ertragen.
Ganz herzlich, Ihr Hans Wulsten
