Vor unserem Hotel hält ein Lieferwagen mit frischen Zwiebeln, und der Fahrer ruft stolz herauf, er habe sie selbst gepflanzt. „Es gibt nichts besseres gegen Geldnot und Verstopfung!” Der Parkplatzwächter, wie immer scharf wie ein Esel ohne Last, nickt zustimmend, verlässt aber sein Stühlchen nicht, von dem aus er den Frauen auf die nackten Beine sehen kann. Ringsum riecht es nach Zwiebeln, Waschpulver – in Süditalien ist immer Waschtag –, nach Fisch, Frittieröl und Kernseife. Menschen, mit und ohne Taschen, laufen kreuz und quer. Von den Balkonen fliegen Körbe an langen Leinen herab zu schreienden Verkäufern oder baumeln wie Gehenkte unter den Gittern. Geschirr klappert, Gelächter, lärmende Gespräche von Fenster zu Fenster, knirschende Räder, ratternde Rollläden, Musik aus vorbeifahrenden Autos, knatternde Mopeds: Alltag in Ercolano.
Wenige Schritte nur, und plötzlich ist es totenstill. Wir sind auf dem Ausgrabungsgelände, fast unter der Stadt. Um uns herum liegt, was von Herculaneum, der Stadt der Schönen und Reichen, übrigblieb, als der Vesuv im Jahre 79 mit ihr fertig war: menschenleere Gassen, farblose Häuser ohne Dächer, verkohltes Balkenwerk, umgeben von zwanzig Meter hohen Wänden aus vulkanischer Asche, aus grauem Tuff, der alles Leben erstickte. Auf diesen Tuffhängen wächst, obwohl sie im Sonnenlicht liegen, noch immer kein einziger Grashalm. Der Fluch der Ignoranz, der Leichtfertigkeit liegt darüber – es gab doch warnende Vorzeichen. Wir sollten solch eine zerstörte Stadt in verdorrter Landschaft vor uns sehen, wenn die Etappenkrieger auf dem Bildschirm erscheinen.
Das berührt uns: Am Ende der Gasse gehen junge Leute mit einem Kinderwagen. Es sind Touristen wie wir, der Mann hebt den Wagen über den Bordstein, und damit kehrt Leben zurück in ein Bild aus Schweigen und Eintönigkeit. Hierher kommen nicht viele Besucher. Jedenfalls im Vergleich mit dem Gewühl in Pompeji, obwohl es auch in Herculaneum die Überreste von römischen Tavernen, Bädern, Tempeln, Fresken und Skulpturen gibt. Dazu Villen, in denen schon die Fußbodenmosaiken ein mittleres Vermögen kosteten, Prachtbauten wie die Casa dei Cervi mit Marmorbildwerken im einstigen Garten und Terrassen, von denen der Blick bis nach Capri reichte. Oder die erlesen ausgestattete Villa dei Papiri, eine einzigartige Bibliothek mit zweitausend Schriftrollen. Heute kann man sie mit der Hilfe künstlicher Intelligenz lesen, ohne die verkohlten Rollen zu zerstören.
Der Ascheregen verdarb das Wasser in den Pools
Herculaneum ist, wie auch Pompeji, nicht von glühender Lava aufgefressen worden. Sondern vom Tuff, dem ursprünglich lockeren Material aus vulkanischer Asche, vermischt mit Lapilli genannten Steinchen, das sich mit der Zeit verfestigte. Sieht, besonders wenn Wasser hinzukommt, nicht schön aus und erstickt alles. Aus einem Teil Herculaneums haben Ausgräber diesen Tuff mühsam entfernt, teils mit Grubengerät. Der Rest der Stadt ist jedoch noch immer zweifach begraben: unter der riesigen Tuffhalde sowie unter der später darauf entstandenen Stadt Resina, die heute Ercolano heißt. Man hat einen kurzen Stollen unter Ercolano getrieben und dabei eine fast mannsgroße fünfköpfige Schlange aus Bronze gefunden. Mehr war nicht möglich. Darüber lag mitsamt den Häusern Ercolanos die zwanzig Meter hohe Tuffschicht, die Herculaneum 79 erstickte und völlig begrub. Herculaneums Bewohner getötet hat jedoch etwas anderes: Eine Glutwolke, ein Gemisch aus Gas und vulkanischem Auswurfmaterial, das wie eine 500 Grad heiße Lawine den Vesuvhang hinabraste, als die Eruptionswolke über dem Vesuv unter ihrem eigenen Gewicht zusammenstürzte.
Herculaneum war knapp acht Kilometer vom Vesuv entfernt. Tagsüber hatte, wie so oft während der Tage zuvor, die Erde gebebt, und ein feiner Regen aus Asche und Bimssteinflocken ging nieder. Die Schönen und die Reichen sahen ärgerlich, wie der Ascheregen das Wasser in den Pools verdarb. Sie rafften ihre Wertsachen zusammen, ließen Pferde anspannen und gaben den Dienstboten die Schlüssel und entschiedene Anweisungen – man befürchtete schließlich Plünderungen. Manche zogen es vor, sich mit einem der im Hafen liegenden Prunkboote nach Misenum übersetzen zu lassen, zum gegenüber liegenden Stützpunkt der römischen Flotte, wo es angenehme Gesellschaft und ein hervorragend geführtes Offizierskasino gab. Von dort hatten sie in ausreichender Entfernung einen freien Blick auf die Aschesäule des Vesuvs. Das Bild zog auch den Admiral Gaius Plinius, zudem ein bedeutender Naturforscher, und seinen Neffen an, von dem das alles überliefert wurde. Denn Gaius Plinius selbst bezahlte bald seinen Versuch, Menschen in Stabiae und Pompeji mit einer Kriegsgaleere Hilfe zu bringen, mit dem Leben.
Herculaneum hingegen starb bald nach Mitternacht. „Hier war die Stadt, welche durch / Herkules' Namen berühmt. / All' dies ging auf in Flammen und liegt / unter Asche begraben: / selbst die Götter gereut's, dass sie dies / Unheil vollbracht“, klagte ein Jahrzehnt später der Dichter Martial. Es muss eine wunderbare Stadt gewesen sein – heiter und voller Licht. Freilich nicht für alle.
Skelette von dreimal hundert Menschen
Vico di Mare – die Gasse, der wir folgen, verengt sich, als ob die Mauern den Zugang zu den Geheimnissen der Stadt aufhalten wollten. Dann sind wir am versunkenen Strand von Herculaneum. Heute ist das Meer 400 Meter entfernt, auf dem Weg dorthin müssten wir Straßen überqueren und über Bahngleise klettern. Der Meeresspiegel liegt nun vier Meter über dem Strand von 79, sodass hier hin und wieder ein Pumpwerk arbeiten muss. Da haben unvorstellbare Kräfte gewirkt: Gegenüber liegt eine turmhohe Tuffhalde, der anzusehen ist, wie tief die Ausgrabungsstätte verschüttet war, und vor uns hat man die Arkaden der Bootshäuser ausgegraben, die einst Boote vor der Witterung schützten. Wir stehen also unmittelbar am einstigen Meeresufer. Und in den Bootshäusern, nunmehr zumeist mit Kunstharz behandelt oder nach Abgüssen angefertigt, liegen die Skelette von dreimal hundert Menschen, die hier 79 Zuflucht suchten. Die Glutwelle hat sie umhergeworfen und schuf ein Gespinst aus verkrampften Gliedmaßen, verdrehten Wirbelsäulen und zarten Schädeln mit aufgerissenen Kiefern. Zwei Jahrtausende lang blieben dann viele der mit Asche gefüllten Augenhöhlen hoffend auf das verschwundene Meer gerichtet.
Bis dahin hatten Archäologen geglaubt, die Einwohner seien rechtzeitig geflohen, weil man in den Wohnhäusern nur Überreste von knapp drei Dutzend Opfern fand. Erst mit der Ausgrabung der Bootshäuser wurde offenbar, dass ein Teil von ihnen in der Hoffnung auf rettende Boote am Ufer ausgeharrt hatte. Diese Menschen haben nicht gelitten. Der Tod kam wie ein Streicheln, als ihre Weichteile in der Glut verdampften und ihre Schädel barsten. Auch kann ihre Flucht an den Strand nicht den dramatischen Bildern geglichen haben, die mit Wörtern und Farben vom Untergang Pompejis gemalt worden sind: Obwohl unter den Opfern mehrere Behinderte und Kinder waren, muss ihr über eine steile Treppe führender Abstieg besonnen verlaufen sein, denn sie sind alle mit heilen Knochen in den Bootshäusern angekommen. Selbst am damaligen Strand hielten sich nur sehr wenige Menschen auf, darunter ein Mann, den die Archäologen den Legionär oder den Marineoffizier nannten und mit der Kennzeichnung E 26 bedachten: ein kräftig gebauter Militärangehöriger mit einem reich verzierten römischen Kurzschwert und einem Dolch am silbernen Gürtel, in den Taschen zwei Goldstücke und zweihundert Silbermünzen, also etwa 300 Denare, der Jahressold, von dem ein Legionär leben musste. Es darf vermutet werden, dass dem Mann, der vielleicht für Ordnung sorgte, während rettende Boote nach Misenum besetzt wurden, das Geld zugesteckt wurde – es kann natürlich auch der aufgesparte Sold gewesen sein, den er während der Flucht mit sich führte.
Jedenfalls blieb er bei den Dreihundert, von denen inzwischen nach Genuntersuchungen berichtet wird, die Frauen seien Einheimische gewesen, während die Männner aus mehreren Landstrichen Europas und des Nahen Ostens stammten: offenbar Sklaven, von denen freilich nicht einmal ein halbes Dutzend Fesselringe trugen. Es fällt schwer, sich vorzustellen, unter diesen Toten habe sich ein Bewohner der prachtvollen Villa dei Papiri mit ihren kostbaren Marmor- und Bronzeskulpturen befunden – sie füllen einen ganzen Raum des Nationalmuseums in Neapel. Oder sogar ein Leser aus der Bibliothek von zweimal tausend Papyrusrollen. Wahrscheinlich harrten zumeist Angehörige des Hauspersonals und Sklaven in den Bootshäusern aus und hofften auf die Ankunft weiterer Boote, nachdem die Schönen und Reichen längst davongesegelt waren. Aber E 26 verließ sie nicht: ein grober, etwa vierzigjähriger Kerl, dem bereits, vielleicht als Andenken an irgendeine Schlacht oder an eine Kneipenrauferei auf Zypern, mehrere Vorderzähne fehlten. Vorstellbar, dass er Ausschau hielt, immer wieder eine Fackel schwenkte, dass er die Menschen beruhigte, die sich um ihn scharten. Rätselhaft ist nur, weshalb das neun Meter lange Boot nicht besetzt wurde, das am Ufer lag und nunmehr in einem Pavillon ausgestellt wird. Lag es mit einem Leck im Wasser?
Von diesen Menschen trennt uns allein die Zeit
Vieles aus den letzten Stunden dieser Menschen bleibt unerklärlich. Warum blieb ein Säugling in seiner Wiege zurück, bis sein Schreien im Feuersturm verstummte? Weshalb verriegelte irgendwer die Tür einer Kammer im Kollegium der Augustalen, obwohl sich noch jemand darin befand? Warum trug die junge Frau, die nicht seine Mutter war, den verkrüppelten Jungen im Haus des Gemmenschneiders, für den sie so liebevoll sorgte, nicht zum Strand? Er war erst zwölf Jahre alt – nun starben sie beide in dem Haus voller kostbarer Schmuckstücke.
Ganz wie jene Neapolitaner, die dem Kult der Verlorenen Seelen anhängen, hat die Anthropologin Sara Bisel einigen der fast hundertfünfzig von ihr in Herculaneum untersuchten Skelette Namen gegeben und eine Lebensgeschichte für sie ersonnen: für das Sklavenmädchen Petronia, das mit einem fremden Kind in den Armen starb, für die vom Leben enttäuschte Portia, die versuchte, ihre Depressionen mit Wein zu beschwichtigen, für die wohlhabende, wohl verwachsene und deshalb allein gebliebene „Dame mit den Ringen“, die offenbar die Gesellschaft von E 26 suchte. „Sie lag auf der Seite, und es schien, als ob sie im Schlaf gestorben sei“, schrieb Sara Bisel. „Als ich die Erde von ihrer linken Hand entfernte, glitzerte etwas im Sonnenlicht. Es war ein goldener Ring. Schließlich, als wir die ganze Hand freilegten, fanden wir einen zweiten Ring, und in einem Erdklumpen auf ihrer Hüfte kamen zwei Armringe aus purem Gold zum Vorschein, deren Verschlüsse meisterhaft gearbeitete Schlangenköpfe darstellten, sowie ein Paar Ohrringe, die einst Perlen umschlossen haben mögen, und einige Münzen – die leinene Geldbörse, in der diese Wertsachen einmal weggetragen wurden, war schon vor langer Zeit verrottet. Wir nannten die Tote die ,Dame mit den Ringen‘.“
Ich weiß nicht, ob es um die Osterzeit herum geschah, als mit der Ausgrabung der Bootshäuser begonnen wurde – jedenfalls gleicht die Arbeit der Archäologen bisweilen einer schönen Form der Auferstehung. Von diesen Menschen trennt uns allein die Zeit, und nun warten in Herculaneum dreimal hundert Skelette darauf, dass eine phantasievolle Wissenschaftlerin, ein Edward Bulwer-Lytton oder ein Robert Harris ihre Geschichte erzählt.
@Ilona Grimm … Denn ersten Tempel baute Huram-Abi ein Phönizier, Philister, was auch immer, weil Salomo mit viel Glück gerade mal so sein Zelt aufbauen konnte. Den II. Tempel, den Herodes in Auftrag gab, bauten wohl Römische Architekten. Warum sollten die Römer nicht ihren eigenen Tempel einreißen dürfen? Sie haben ja auch alle Kriege gegen die Hebräer gewonnen. Also waren die Heidnischen Götter wesentlich mächtiger, als Ihr Schafhirten-Gott.
@Ilona Grimm @Klara Altmann … „Das Pulverfaß der Pflegreischen Felder passt exakt in die Prophezeiungen zum Gottesgericht gemäß Bibel-Buch “Offenbarung„.“ … Genau mein Humor, Frau Grimm. Der letzte Supervolcano brach etwa vor 26,5 k Jahren aus, die Oruanui-Eruption im Raum Neuseeland. Vor 74 k Jahren war es die Toba-Eruption auf Sumatra. Die Lava-Creek-Eruptionen im Yellowstone liegen 640k Jahre zurück. Nach so einem Supervolcano-Ausbruch ist meist erstmal mehrere Jahre Winter & das meiste Lebendige verreckt so ohne genügend Sonne. Ihr Wüstenräuber-Gott zählte da noch über viele Jahrtausende Sandflöhe. Außerdem wollte der Jordan-Plantscher seinerzeit schon kurz nach der Österlichen Auferstehung zurückkehren. Aber vermutlich bekam er ein paar tausend Jahre Hausarrest im Himmlischen Jerusalem, weil er es verkackt hatte.
@Klara Altmann: Das Pulverfass der Pflegreischen Felder passt exakt in die Prophezeiungen zum Gottesgericht gemäß Bibel-Buch „Offenbarung“.
→Kapitel 8, zweite Posaune, Vers 8 und 9←
(8) Und der zweite Engel blies seine Posaune; und es stürzte etwas wie ein großer Berg mit Feuer brennend ins Meer, und der dritte Teil des Meeres wurde zu Blut,
(9) und der dritte Teil der lebendigen Geschöpfe im Meer starb, und der dritte Teil der Schiffe wurde vernichtet.
Die ganze Gegend zu evakuieren ist schlicht unmöglich, deshalb haben die italienischen Regierungen (die seit 79 n.Chr. um die Gefahr zumindest ansatzweise wussten) erst gar nicht angefangen, sich zu kümmern. Die Menschen waren den Regierenden schon immer egal.
Dieses Ereignis ist allerdings nur eins von 20 mit stetig zunehmender Intensität.
Da hunderte Prophezeiungen des AT und des NT nachprüfbar eingetroffen sind, werden auch die abschließenden Ereignisse vor dem tausendjährigen Friedensreich wahr werden. In dem Gerichtsgeschehen werden Milliarden (!!) Menschen umkommen. Vielleicht bleiben nur genau so viele (wenige) übrig, wie die „Eliten“ dieser Welt es sich wünschen. Ob aber ausgerechnet die überleben werden, bezweifle ich ganz arg.
Die Menschheit ist jedenfalls seit rund 2000 Jahren gewarnt – und tut trotzdem nichts, um mit Gott und Jesus Christus ins Reine zu kommen. Ganz im Gegenteil: Die Menschheit der westlichen Welt entfernt sich jeden Tag weiter vom Schöpfergott, opfert ausgiebig und über alles Vermögen hinaus dem Klimagötzen, dem LSGBTIQ*-Götzen, dem Energiewende-Götzen und anderen selbsterschaffenen Götzen, die weder denken noch sehen noch sprechen noch hören können. Und spottet in ihrer Unwissenheit über die diejenigen, die die Bibel ernst nehmen, weil sie ernstzunehmen ist.
Die historische Wissenschaft in unserer Ära, Herr Alt-Kapitän Lange, ist beschissen. Es sind ja keine unabhängigen Forscher, wie Schliemann, mehr unterwegs, sondern nur noch alles bezahlte Steuergeldschmarotzer, welche die Historie ideologisch interpretieren, obwohl wir heute keinen Deut besser sind. Warum so in die zeitliche Ferne schweifen (hatte Pompeji in 1995 besucht)? In den Bombennächten zu Düsseldorf flog mein Vater (5-6 Jahre alt) bei Einschlägen von der Bierbank gegen die Kellerdecke. Wenn die Angriffe vorbei waren & man aus den Kellern heraus konnte, wurden die ganzen verkohlten Leichen von Frauen & Kindern aus den Kellern mit Volltreffern gezogen. Mein Oma gebot meinem Vater nicht hinzusehen, aber mein Vater sah hin & war Zeit Seines Lebens traumatisiert. Nach der Evakuierung nach Unterfranken wurde es nicht besser. Regelmäßig jagten lächelnde US Amerikanische Jagdbomber-Piloten meinen Vater & die anderen 8 oder 9jährigen Dorfjungen mit Bordkanonen über die Felder. Mancher stand aus dem Graben, in den man sich geworfen hatte, nicht mehr auf. Auf von diesen Toten trennt uns nur die Zeit.
Im Jahr 79 nach Christus hielten die Römer den Vesuv für einen netten grünen Hügel und wunderten sich sehr, als er plötzlich rauchte und noch mehr, als er anfing, Feuer und Steine auf sie zu werfen. Und sie waren sich auch nicht im Ansatz bewusst, dass dort die ganze Gegend auf der gigantischen Magmakammer eines Supervulkans ruht, die die Phlegräischen Felder und den Vesuv unterirdisch verbindet. Heute weiß man das alles, aber davon unberührt wohnen rund eine Mio. Neapolitaner und die Bewohner der umliegenden Dörfer und kleinen Städte auf einem riesigen magmatischen Pulverfass. Natürlich wird der Supervulkan engmaschig überwacht wie auch der Vesuv, natürlich gibt es Evakuierungs- und Notfallpläne. Aber auf der einen Seite kann man Vulkanausbrüche kaum sicher vorhersagen, auf der anderen Seite atmet dort schon lange die Erde mit Hebungen, Senkungen und regelmäßigen Erdbeben. Es wäre wohl eigentlich am vernünftigsten, wenn man versuchen würde, die Bevölkerungszahl Neapels durch Förderung des Wegzugs drastisch zu senken, am besten auf ein Zehntel. Denn ich sehe nicht, wie realistisch es wäre, über eine Million Menschen innerhalb eines Tages oder weniger Stunden aus dieser Stadt zu schaffen, schon gar nicht, wenn die Fluchtwege möglicherweise schon durch Erdrisse oder Steinauswurf des Vulkans versperrt sind. Neapel und sein vulkanisches Pulverfass sehe ich deshalb als großes Versäumnis der italienischen Regierungen und ganz sicher ist der etwas willkürliche Abtransport des städtischen Mülls kein gutes Zeichen dafür, was dort in einem echten Katastrophenszenario passieren würde. Und es ist keine Frage, ob der große Supervulkan, die Phlegräischen Felder ausbrechen wird, sondern wann. Morgen, in einem Jahr, in 10 Jahren, in hundert, in zehntausend Jahren. Niemand weiß es. Aber es kann eben auch schon morgen sein.
Immer wenn ich an das Schicksal von Herculaneum und/oder Pompeji im Jahr 79 n.Chr. denke oder darüber lese, muss ich auch daran denken, dass die Römer im Jahr 70 n.Chr. den Jerusalemer Tempel geplündert und das Gebäude vollständig zertrümmert haben – nachdem sie alles Gold von den Wänden gekratzt hatten.
Mit dem Erlös aus dem Verkauf des Tempelschatzes und mit Hilfe der versklavten Israeliten wurde das Kolosseum in Rom gebaut. Der Titusbogen gibt Auskunft über die Art der Beute.
Die Festung Masada, wohin sich jüdische Menschen nach dem gescheiterten Aufstand gegen die Römer geflüchtet hatten, war im Jahr 73 durch die fertiggestellte Rampe reif zur Stürmung.
Die Israeliten jedoch hatten sich, um der Sklaverei in Rom zu entgehen, aus dem Leben verabschiedet, so dass die Eroberer nur Leichen vorfanden.
Lediglich zwei Frauen und fünf Kinder verweigerten sich dem Massensuizid.
Ob es eine Kausalität zwischen den Ereignissen gibt?
Oder ist es bloß eine Korrelation?
FROHE OSTERN ALLERSEITS!
Vielen Dank Herr Lange, für diesen schönen Artikel der ja auch ein bisschen Hoffnung macht. Frohe Ostern Ihnen und auch allen anderen hier.