René Zeyer, Gastautor / 10.12.2019 / 16:00 / Foto: Pixabay / 15 / Seite ausdrucken

Altersvorsorge: Matratze, Casino oder was?

Einmal ist die Schweiz nicht die Insel der Glückseligen. Die Notenbank hat vor fast fünf Jahren einen Leitzins von 0,75 Prozent ausgerufen. Minus 0,75 Prozent, wohlgemerkt. Weltrekord. Der Grund dafür ist allerdings, besonders wenn man in der Schwindsucht-Euro-Zone lebt, beneidenswert: Das hat die Schweizerische Nationalbank 2015 eingeführt, nachdem sie die Verteidigung der Untergrenze zum Euro aufgab. Um zu verhindern, dass der Franken anschließend durch die Decke ging, will sie seither Frankenkäufer mit diesem Negativzins abschrecken.

Verschreckt sind aber immer mehr auch in der Schweiz die Sparer und die Rentenanwärter. Denn es wird ihnen langsam bewusst, dass ihre eigene Notenbank ihnen seit 2015 bereits ein paar Milliarden abgeknipst hat.

Die EZB verlangt (noch) keine Strafzinsen, aber ein Zinsniveau von Null macht den Anleger auch nicht gerade froh. Nun führt bereits die eine oder andere deutsche Bank Negativzinsen ein. Und zwar, was sich Schweizer Banken nicht trauen, ab dem ersten Euro. Zuvor hatten sich deutsche Geldhäuser bemüht, nur vermögendere Kunden zu schröpfen, so ab 100.000 Euro Einlage zum Beispiel.

Natürlich gibt es auch eine gute Nachricht. Ach ja? Aber sicher: Das ist ja nichts Neues. Mit Kontoführungsgebühren, Kommissionen und ähnlichem Schnickschnack haben Banken schon länger den minimalen oder Nullzins auf Einlagen ins Negative gedrückt. Nur hört sich Negativ- oder Strafzins irgendwie bösartiger an. Es kommt halt immer darauf an, wie man dem Bankkunden in die Tasche greift.

Keine Ahnung wie der Euro da jemals wieder rauskommen will

Diese negative Zinsspirale geht natürlich von der Europäischen Zentralbank (EZB) aus. Die ist zwar theoretisch unabhängig, weiß aber, dass ohne den Aufkauf von Staatsschuldpapieren in der eigenen Währung und ohne Nullzinsen Eurostaaten reihenweise die Bücher deponieren könnten. Denn außer Deutschland gäbe es kaum einen Staat, der seine Schulden mit einem früher üblichen Zinssatz von 5 Prozent – plus Amortisation – stemmen könnte.

Bevor einer fragt: Ich habe keine Ahnung, wie die EZB, wie der Euro aus dieser Nummer jemals wieder rauskommen will. Ich glaube weder an den Weltuntergang noch an den angeblich bevorstehenden großen Crash. Das ist Angstmacherei von Scharlatanen, die sich daran, wie bei Untergangspropheten üblich, selber gesundstoßen wollen. Aber ohne eine neuerliche Währungsreform, mindestens einen massiven Schuldenschnitt, auch in Form einer massiven Inflation, wird es nicht abgehen. Bei einem solchen Rasieren lässt natürlich immer der Gläubiger Haare. Also zum Beispiel der Steuerzahler und der Sparer.

Als ob das des Elends nicht genug wäre, hat der Nullzins auch in Deutschland dramatische Auswirkungen auf das sowieso schon wackelige Rentensystem. Als ob die Demographie nicht schon genug Anlass zu Besorgnis böte. Denn es ist eigentlich völlig klar, dass angesichts steigender Lebenserwartung bei gleichzeitiger Vermehrung der Rentner und Verminderung der Beitragszahler der Zeitpunkt der Katastrophe mit mathematischer Sicherheit ausgerechnet werden kann. Intelligente 30-Jährige wissen heutzutage, dass sie sich besser selber um ihre Altersversorgung kümmern sollten.

Denn beide Ansparmethoden laufen aus der Spur. Das Umlageverfahren – also aktuelle Beitragszahler stemmen die Renten von aktuellen Jubilaren – verändert sich immer mehr zu ungunsten der Beitragszahler, bis dann einer – wie in Frankreich bei der Eisenbahn – für drei Rentner zuständig ist. Also unmöglich, außer, der Staat stopft die Löcher.

Dann hätten wir noch das Ansparverfahren. Also der zukünftige Rentner legt, steuerlich bevorzugt und vom Arbeitgeber unterstützt, einen Euro auf den anderen, damit er dann nach seiner Pensionierung das Kapital fröhlich verzehren kann. Konnte. Denn in all diesen Sparplänen, auch bei Lebensversicherungen, gekoppelt mit einer Rente, ist eine gewisse Mindestverzinsung eingepreist.

Was tun, fragt sich der kleine Mann

Man geht also davon aus, dass nicht nur der Spargroschen das Vermögen ansammelt, sondern dass auch der Zinsgewinn eine wohltätige Rolle spielt. Und da es sich um langfristige Anlagen handelt, kommt noch der Faktor Zinseszins hinzu. Dessen Auswirkungen werden vom Laien gerne unterschätzt.

Ein einfaches Beispiel zur Illustration. Wie lange dauert es, bis sich 5.000 Euro bei einem Zinssatz von 5 Prozent verdoppelt haben? 20 Jahre? Falsch. Mit Zinseszinsen dauert es lediglich 14,2 Jahre. Und das „nur“, weil jedes Jahr auf den Anfangsbetrag plus die bisher aufgelaufenen Zinsen 5 Prozent draufgesattelt werden. In 20 Jahren ist man schon bei 13.260 Euro. Bei einer wohlwollend gerechneten Lebensarbeitszeit von 40 Jahren sind aus den ursprünglich 5.000 immerhin 35.200 Euro geworden.

Nun nehmen wir mal ein aktuelles Beispiel mit risikofreier Verzinsung. Wie lange dauert es, bis sich 5.000 Euro verdoppelt haben, wenn der Zinssatz Null beträgt? Blöde Frage? Okay, seien wir großzügig und rechnen damit, dass ein Profit von 1 Prozent erwirtschaftet wird. Das ist möglich, aber nicht ganz risikofrei. Wie lange dauert es dann bis zur Verdoppelung? Nun, muntere 69,66 Jahre. Also wenn Sie heute mit Sparen anfangen, haben Sie das ursprüngliche Kapital Ende 2088 verdoppelt. Vorausgesetzt, Sie sind so um die Zwanzig, und vorausgesetzt, Deutschland schafft es tatsächlich nochmal 70 Jahre, keinen Krieg vom Zaun zu brechen.

Was tun, fragt sich der kleine Mann, wohl auch die kleine Frau. Leider sind die guten Ratschläge sehr überschaubar. Ich würde mal sagen: Ab Lebensalter 50 gilt, Augen zu und durch. Von Wundern und Ausnahmen abgesehen, ist es zu spät, noch große Sprünge in der Selbstversorgung mit Vermögen zu machen. Wer mag, kann es ja mit regelmäßig Lottospielen probieren.

Unter 50: Da kommt zuerst die Einsicht, dass es fahrlässig ist, sich auf das ewige Versprechen aller Regierungen „die Rente ist sicher“ zu verlassen. Das gilt vielleicht für den Schöpfer dieses Satzes, denn Norbert Blüm verzehrt eine nette Pension als ehemaliger Abgeordneter und Minister. Aber für fast alle anderen gilt: selber schauen. Wie das, und wohin?

Ab 10 Prozent sollte man eher ins Casino gehen

Die erste Stellschraube ist die eigene Risikobereitschaft. Heutzutage gilt: Eine Rendite ab 5 Prozent bedeutet das mögliche Risiko eines Totalverlusts. Ab 10 Prozent sollte man eher ins Casino gehen, da stehen die Chancen besser, dass man wenigstens mit dem eingesetzten Kapital wieder rauskommt.

Eine Mischrechnung wäre dann noch empfehlenswert. Hä? Nun, man rechnet aus, was sich so jährlich an Gebühren und Abgaben für die Kontoführung zusammenläppert. Und dann macht man sich schlau, was das Anmieten eines Bankschließfaches kostet. Ist das billiger, ist die Verwandlung in Bargeld eine Überlegung wert. Hier gibt es allerdings das kleine Risiko: wenn die Bank ausgeraubt wird, ist es nicht so einfach, die Höhe des Inhalts nachzuweisen. Man kann sich also auch das Versteck unter der Matratze überlegen.

Gut, damit wäre der Zins- und Gebührenschneiderei ein Riegel geschoben. Aber wenn der Euro zu allem Elend auch noch zu galoppieren beginnt? Inflation ist immer die klassische Methode von Staaten, ihre Schulden loszuwerden. Nun, da greift der Kleinanleger vielleicht noch zu einem Goldbarren. Legt den aber physisch in sein Versteck, ja nicht in Form eines Zertifikats. Denn wenn der Aussteller pleite geht, hat der Besitzer kein Gold in der Hand, sondern nur einen Fetzen Papier.

Ach, und nicht nur in der Weihnachtszeit: Solange das Lämplein glüht, das gilt heute so sehr wie kaum einmal. Denn wenn die Aufbewahrung von Geld Geld kostet, also 1.000 Euro auf der Bank in einem Jahr, ganz abgesehen von der Inflation, weniger wert sind als heute, dann kann man noch etwas gegen diesen Verlust tun. Die 1.000 Euro auf den Kopf hauen. Einfach verrösten, verblöden, sich eine Sause leisten, den Unsinn finanzieren, den man schon immer mal anstellen wollte.

Sicher, der daraus gewonnene Genuss ist flüchtig. Geld aber auch. Und Erinnerungen kann einem niemand nehmen. Nicht mal die EZB.

Foto: Pixabay

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Helmut Kassner / 10.12.2019

Ja die Zinsrechnung, wann verdoppelt sich eine Geldanlage bei einem Zinssatz von X% ? Eine beliebte Aufgabe in Schulbüchern. Diese Aufgabe sollte schnellsten ersetzt werden durch; wann ist eine Geldanlage verschwunden bei einem Minuszins von Z% ?  Ob sich das die Schulbuchverlage trauen ??

Claudius Pappe / 10.12.2019

2009: Kapitalertragssteuer und Streichung der steuerfreien Aktiengewinne nach einem Jahr——2019 Aktienerwerbssteuer—-2019 CO2 Steuer—-2019 Änderung der Grundsteuer

Wolfgang Richter / 10.12.2019

@ Hans Kowalski—Der Michel haftet nicht nur für die Südländer. Er haftet auch für die Franzosen und übernimmt freundlicherweise die Milliarden der Britischen Nettozahler nach Brexit an Brüssel. Geld wächst hier offenbar auf den Bäumen, muß im Herbst nur zusammen gerecht werden.

Wolfgang Richter / 10.12.2019

Und die von Linksgrün und Scholz (immer noch / wieder mal) angedachte Börsen-Transaktionssteuer wird dem Haltungsbürger als Werkzeug zur Abschöpfung von Reichen- und Spekulantenvermögen verkauft. Daß diese Leute damit nicht erreicht werden, sondern die breite Masse der Otto-Normalos, die etwas für ihre Altersvorsorge oder Lebensversicherung Gewinn bringend anlegen wollen, wird gelogen. Dabei sollte jeder wissen, daß nur das Abschöpfen bei der Masse etwas für die “große” Kasse einbringt. Der Geldadel ist a) nur eine kleine Gruppe, b) i.d.R. beizeiten weg, z. B. nach London oder Singapur. Und das wissen die Lügenbolde, egal ob sie Scholz, Kühnert oder was aus der Linkspartei heißen. Wie sagte Annalena -wenn auch in anderem Zusammenhang- “Es ist alles durchgerechnet.” Transaktionssteuer ist nach Klimagedöns ein weiterer Schritt, beim Mittelstand abzuzocken. Bleibt die Frage, wie lange der sich dfas noch gefallen läßt, bzw. doch mal anfängt, sich einen Vorrat Gelber Westen anzulegen.

Karsten Dörre / 10.12.2019

Was dünkt es mich, mein Geld bei einer Bank zu belassen? Warum gebe ich es nicht meinem Kopfkissen in Obhut? Dort erwirtschaftet es genausoviel wie bei einer Bank. Unterm Kopfkissen ist es ebenso abgesichert (Hausratversicherung) wie bei einer Bank (Einlagensicherung). Für den monatlichen Geldverkehr bleibt etwas auf dem Bankkonto.

Ralf Ehrhardt / 10.12.2019

Liebe Leute,  die politische Forderung nach ALTERSVORSORGE ist unter Merkel zur verlogenen Abzocke-Ideologie verkommen.  Alles was der “Kleine Mann”, der Mittelstand etc.,  einmal zur Altersvorsorge gespart und zurückgelegt hat (Riester-Rente, Lebensversicherungen, Sparkonten, Hauseigentum, u.s.w.) hat genau dieser Staat gegen die Wand gefahren und jetzt hat er die Niedrigzinspolitik der EZB auch noch als indirekte Einnahmequelle bei seinen Zinsschulden erkannt.  Das ganze Gequatsche von Altervorsorge ist hochgradig erstunken und erlogen und dient nur als alte und auch neue Einnahmequelle zur Abzocke durch den Staat.  Das neueste Beispiel: der dem Volk angeratene Kauf von Aktien etc.;  ...und danach sofort heute (10.12.2019) der Bericht von einer geplanten sog. Transaktionssteuer auf Aktiengeschäfte;  so sieht sie also aus, ...die staatliche Fürsorgepflicht gegenüber seinen Bürgern !

Thomas Schmid / 10.12.2019

„Ich glaube weder an den Weltuntergang noch an den angeblich bevorstehenden großen Crash…........... Aber ohne eine neuerliche Währungsreform, mindestens einen massiven Schuldenschnitt, auch in Form einer massiven Inflation, wird es nicht abgehen. Bei einem solchen Rasieren lässt natürlich immer der Gläubiger Haare. Also zum Beispiel der Steuerzahler und der Sparer.“ Na toll und wo ist jetzt der gravierende Unterschied zum „großen Crash“, wenn „massive Inflation“, eine „Währungsreform“, ein „massiver Schuldenschnitt“ und „die Gläubiger beim Rasieren Haare lassen“ werden?

Helene Bronner-Fiorentino / 10.12.2019

@H.Roth Herzlichen Dank fuer Ihren wundervollen Beitrag!

H.Roth / 10.12.2019

Ein weiterer Vorschlag wäre, jetzt schon ein Stück Land (in einem politisch einigermaßen sicheren Gebiet) zu erwerben, um wenigstens ein bescheidenes Selsbstversoregerleben, führen zu können, wenn man alt ist. So ganz sicher ist man da vor Enteignung und unerwünschter Nachbarschaft allerdings auch nicht. Der beste Tipp ist wohl immer noch: investiert in die Familie, in gute Beziehungen, in Freundschaften. Alles läßt sich besser ertragen, wenn man nicht alleine ist! Auch die Armut. Hallo, ihr jungen Leute, gründet Familien, mit drei oder mehr Kindern! Investiert in deren Ausbildung! Und lebt den Kindern vor, wie man respektvoll mit der Elterngeneration umgeht, dann werden sie dieses Beispiel nachahmen, wenn ihr einmal alt und hilfebedürftig seid! Es sind zudem Werte, die mit Geld nicht aufzuwiegen sind. Ich habe noch eine Großmutter, die ist sehr alt, und bekommt nur eine winzig kleine Rente! Aber sie wird von allen Kindern, Enkeln und Urenkeln geliebt und lebt nicht alleine, sondern mitten in der Familie. Sie war immer großzügig, auch wenn sie wenig hatte. Bis heute spart sie jährlich kleine Summen von ihrer Rente, um sie den Enkeln zu schenken. Ein kleiner Betrag, verglichen mit einem Monatslohn, aber für mich dennoch “heiliges Geld”, das ich nie und nimmer einfach so, für persönliches Vergnügen ausgeben würde. Eine rührende Geste, dieses “Scherflein der Witwe”. Glaubt mir, dieser alten Frau wird es nicht an Hilfe mangeln!

Hans Kowalski / 10.12.2019

Nun ja der Crash wird kommen,durch Negativzinsen wird er nach hintern verlagert. Wir wissen ja alle das die Südländer niemals ihre Schuldenb zurückzahlen können. Nun hat HANS WERNER SINN schon vor Jahren gesagt was in Brüssel beschlossen wurde.Deutschland MUSS FÜR ALLE SÜDLÄNDER HAFTEN und zwar so das die Anleger OHNE SCHADEN davon kommen. Das sind 12 BILLIONEN EURO. +2 Bil. Offizielle Schulden + 6-8 Billionen an Zukunftsverpflichtungen des Staates. Nun erklären sie mir mal wie Deutschland 20 Billionen Euro Schulden meistern soll? Sie haben das nicht gewusst?Dann fragen sie sich mal warum die Presse es nicht berichtet…

Weitere anzeigen Leserbrief schreiben:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen

Es wurden keine verwandten Themen gefunden.

Meine Favoriten.

Wenn Ihnen ein Artikel gefällt, können Sie ihn als Favoriten speichern.
Ihre persönliche Auswahl finden Sie Hier
Favoriten

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com