Über die Angewohnheit des Schriftstellers und Filmemachers Pier Paolo Pasolini, die Objekte seiner Begierde, die Jungmännerwelt der italienischen Vorstädte, sozialromantisch zu verklären und christlich zu überhöhen, kann man streiten. In seinem Regiedebüt „Accattone“ (1961) umgab er das Milieu der Zuhälter, Prostituierten, Diebesbanden und Schläger mit der Aura von Bachs Matthäuspassion. Die Laienschauspieler, die Pasolini für seine frühen Filme rekrutierte, stellten sich auf der Leinwand selber dar. Auch am Ende seines zweiten Films „Mamma Roma“ (1962) mit der unvergesslichen Anna Magnani (Foto) in der Titelrolle einer Prostituierten, die vergeblich aus dem Gewerbe auszusteigen versucht, stirbt der Kleinkriminelle Ettore, ihr Sohn, ans Bett gefesselt wie Christus ans Kreuz, zu den Klängen von Bachs Schlusschor „Wir setzen uns mit Tränen nieder“.
Das ist akademisch, schräg und schief, aber außer für die katholische Kirche nicht sonderlich skandalös. Warum sollte der Tod eines Kleinkriminellen gemeinschaftlich betrauert werden müssen? Wieso sollten diese Kleinkriminellen als Opfer der Gesellschaft angesehen werden müssen, an denen sie sich vergangen und versündigt hätte? Wie? Womit? Wodurch? Weshalb sollte wie in „Accattone“ die Sünde des Jungmänner-Volks, Frauen auszubeuten, zu demütigen und zu erniedrigen, indem sie diese auf den Strich schickt, von ihren Einkünften lebt und sie körperlich wie seelisch misshandelt, weniger Gewicht haben als das Schicksal, das vermeintlich diese jungen Männer erleiden?
Pasolinis Film „Das Evangelium nach Matthäus“ (1964) zeigt recht eindrucksvoll, dass er das Neue Testament konsequent atheistisch als universalistische Sozialkritik deutete. Er verstand es marxistisch als ewigen Klassenkampf der Armen gegen die Reichen oder, wie man heute sagen würde, der Unterprivilegierten gegen das Establishment. Das ergibt allerdings nur sehr eingeschränkt einen gewissen Sinn. Die Jesus-Bewegung, der auch viele Reiche angehörten, hatte gesellschaftliche Randgruppen wie Sünderinnen (Prostituierte), Arme, Witwen, Waisen, Kranke, Lahme, Blinde und Fremde etc. – die in der hebräischen Bibel selbstverständlich mitbedacht, mitversorgt oder zur Umkehr aufgerufen wurden, weshalb es ihrer noch einmal gesonderten Hervorhebung überhaupt nicht bedurfte –, systematisch ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Darin lag ihre kulturhistorische Besonderheit im zeitgenössischen Nahen Osten. Man darf nicht müde werden zu betonen, dass diese Bewegung ihrerseits ganz selbstverständlich vom unmittelbar bevorstehenden Weltuntergang ausging. Und das war in ihren Augen mit Sicherheit keine kommunistische Weltrevolution wie bei Pasolini. Man muss allerdings berücksichtigen, dass Pasolini Kunsthistoriker war, der die christliche Ikonographie für den Bildaufbau seiner Filme kräftig auswaidete. Überdies war der italienische Alltag seit der Renaissance davon in Wort, Bild und in Stein gehauen so durchdrungen, dass sie zwangsläufig die Wahrnehmung der Menschen prägen musste.
Ein glücklich in sich selbst verliebter Narzisst und Egozentriker
Im Film „Das Evangelium nach Matthäus“ seine Mutter Susanna die Rolle der Gottesmutter Maria spielen zu lassen, mag Ausdruck der Sohnesliebe und Dankbarkeit Pasolinis dafür gewesen sein, dass sie während aller Skandale, des Ausschlusses aus der kommunistischen Partei wegen seiner Homosexualität, des Verlusts der Lehrerstelle als Einkommensquelle, der sozialen Ausgrenzung, der beruflichen und materiellen Unsicherheit immer zu ihm gehalten hatte und an seiner Seite geblieben war. Aber diese Besetzung enthält unweigerlich auch die Botschaft einer maßlosen Selbstüberhöhung und Selbstvergottung. Das deckt sich mit den Aussagen von Pasolinis engen Freunden Elsa Morante und Alberto Moravia, die ihm bescheinigten, ein glücklich in sich selbst verliebter Narzisst und Egozentriker zu sein. Immerhin hatte er als junger Lehrer im Alter von 26, 27 Jahren die Verachtung, Ausgrenzung und materielle Not am eigenen Leib erfahren, die er später auf die Vorstadtjugendlichen und ganz besonders auf die jungen Männer unter ihnen projizierte. Möglicherweise, um auf diesem Weg eine Nähe herzustellen, die realiter schlicht nicht bestand. Weder sozial, denn Pasolinis adliger Vater war Offizier und seine Mutter Grundschullehrerin, noch erotisch, denn die meisten dieser jungen Männer begehrten Frauen. Ihre Herkunft war so wenig wie die Pasolinis das klassische Industrieproletariat. Viele dieser jungen Männer – man denke an Ettore aus „Mamma Roma“ – waren erst kürzlich aus dem Dorf in die Stadt gezogen und das kam Pasolinis Bedürfnis entgegen, in ihnen etwas Urwüchsiges, Ursprüngliches, marxistisch gesprochen: Nicht-Entfremdetes aus dem vorindustriellen Zeitalter zu sehen. Und das wiederum entsprach dem marxistischen Denken, Städte als eine Art Sündenpfuhl schlimmster Dekadenz zu betrachten.
Als diese Verklärungstechniken Pasolinis nicht mehr funktionierten, weil mit den Vorstädten auch das sexuell begehrte Jungmänner-Volk der einst an die Stadtränder gewanderten Landbevölkerung verschwand, wandte er sich anderen Filmstoffen zu, vor allem literarischen Klassikern wie „König Ödipus“, Boccaccios „Decamerone“ oder „Medea“ in denen er seine Sehnsucht und Suche nach dem vermeintlich urwüchsigen und unverfälschten Leben fortsetzen konnte. Das war dann eben in der „Vorzeit“ und im „Ausland“, wie Friedrich Nietzsche das ausgedrückt hätte. Und es beweist, dass Pasolinis antimoderner Gedanken- und Gefühlshaushalt tief im 19. Jahrhundert steckengeblieben war. Wie die Filme „Große Vögel, kleine Vögel“ (1966) und „Teorema“ (1968) zeigen, beherrschte die marxistische Entfremdungsdoktrin weiterhin die Vorstellungswelt ihres Schöpfers. In der Nacht vom 1. auf den 2. November 1975 prügelten mehrere Vertreter des von ihm einst so angebeteten Jungmänner-Volks den Filmemacher in Ostia am Stadtrand von Rom tot. Pasolini, der bestialisch zugerichtet worden war, starb, weil sein Herz zerplatzt ist. Es ist obszön zu glauben, dass er diesen grausamen Tod selbst herbeigeführt hätte.
Der damals siebzehnjährige Stricher Giuseppe „Pino“ Pelosi, der den Mord rasch gestanden hatte und dafür verurteilt worden war, konnte diesen blutigen Gewaltexzess unmöglich alleine bewerkstelligt haben. Als er dreißig Jahre später die Beteiligung weiterer, inzwischen verstorbener Täter einräumte, hat das kaum jemanden überrascht. Wahrscheinlich kam Oriana Fallacis Darstellung der Todesumstände, die auf dem Bericht eines Zeugen basierte, der nicht genannt werden wollte, und die kurz nach der Tat erschien, dem, was sich in jener Novembernacht in Ostia tatsächlich abgespielt hatte, am nächsten. Darüber, ob die Täter von der sizilianischen oder kalabresischen Mafia beauftragt worden waren oder ihr angehörten – was wahrscheinlich ist –, ob diese Auftraggeber aus dem politischen Lager der extremen Rechten kamen, ob es eine am Ende aus dem Ruder gelaufene Übergabe- oder Strafaktion in Zusammenhang mit Material aus Pasolinis letztem Film „Sàlo oder die 120 Tage von Sodom“ ohne Tötungsabsicht gewesen ist, kann man heute nur noch spekulieren. Ziemlich sicher ist indes, dass niemand inner- oder außerhalb Italiens Pasolini – Passiolini wäre ein geeigneterer Name für den Regisseur gewesen – hätte zur Rechenschaft dafür ziehen wollen, dass er am Beginn der sechziger Jahre Kleinkriminelle in Filmen mit Bachs Matthäuspassion adelte und heilig sprach. Denn im 20. Jahrhundert kennt einen solchen Bestrafungsfuror nur noch der fundamentalistische Islam, wie der Fall des Schriftstellers Salman Rushdie bis heute belegt.
Apokalyptische Untergangsvisionen und Todeskult
Warum sollte man sich, außer man ist Cineast, überhaupt noch so intensiv mit Pasolinis Filmen beschäftigen? Einmal weil sie ausdrucksstark, aussagekräftig und zweifelsohne beachtliche Filmkunst sind. Zum anderen – und das ist augenblicklich von Bedeutung –, weil sich mit ihnen genau jener linke Irrweg nachverfolgen lässt, den der Marxismus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nahm, als es den Menschen der suburbanen Milieus des Westens langsam besser zu gehen begann und sie aufhörten, ein revolutionäres Subjekt für linke Traumtänzer zu sein. Die für Pasolini so typische Verschränkung von Christentum und Kommunismus ist keine persönliche Marotte, sondern eine italienische Spezialität. Sie hängt mit dem gemeinsamen Partisanenkampf von Katholiken und Kommunisten gegen Mussolini und die deutsche Besatzung von 1943 bis 1945 zusammen. Italien verfügte über eine starke kommunistische Partei mit breiter Massenbasis, die ihren Frieden mit der katholischen Kirche, mit Demokratie, Parlamentarismus und liberaler Gesellschaft gemacht hatte. Die Don Camillo und Peppone-Filme verarbeiten das auf humoristische Weise. Der „historische Kompromiss“ zwischen Christdemokraten und Kommunisten prägte fast die gesamte Nachkriegszeit. Es ist kein Zufall, dass beide gemeinsam Anfang der neunziger Jahre verschwanden. Man kann bei Pasolini lernen, wie eng Christentum und Kommunismus miteinander verknüpft sind.
Zweitens begann Pasolini – wie viele Linke – den Proletariern und Subproletariern die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen, ihre erfüllbaren Wünsche nach Autos, guten Wohnungen, schicken Klamotten, kurzum genau den Konsum zu verübeln, den sie selber hedonistisch genossen und sich ausgiebig genehmigten. Dieses Übelnehmen deutete sich schon in „Mamma Roma“ an. In „Große Vögel, kleine Vögel“ sind Vater und Sohn für jede Weltverbesserungsmission gänzlich unempfänglich. Drittens erfüllte sich die Sehnsucht Pasolinis und vieler Linker nach scheinbar unverformten Unterprivilegierten nur noch im archaischen Mythos und in der Dritten Welt. Der ganze Westen wurde plötzlich zum Establishment.
„König Ödipus“ (1967) wurde in Marokko gedreht. In „Medea“ (1969) bricht das archaische Fremde in Gestalt der von Maria Callas gespielten Königstochter aus Kolchis ins zivilisierte Korinth ein und zerstört es. Mit „Sàlo oder die 120 Tage von Sodom“ (1975) landet Pasolini schließlich bei einer bizarren Allegorie auf den italienischen Faschismus, den er – anders als Bernardo Bertolucci in seinem Epos „1900“ (1976) – allerdings nicht als historisches Phänomen erschließt. Faschismus kann dann alles sein und ist damit nichts Spezifisches mehr: wuchernde Machtobsessionen – das war der Kommunismus auch, und die islamistische Theokratie im Iran ist es bis heute. Totale Verfügungsgewalt über menschliche Körper bis hin zu ihrer Zerstörung – dito, absolute Gehorsamspflicht – dito, ein rigides Regelsystem samt totaler Überwachung und grausamer Bestrafungsrituale – dito, Heils- und Befreiungsversprechen – dito. Apokalyptische Untergangsvisionen und Todeskult teilen zumindest Faschismus und Islamismus, während der Kommunismus diese immer in der vermeintlichen Dekadenz und Leere der westlichen Konsumwelt situiert. Für die westliche Linke beginnt jeder Faschismus in der westlichen Demokratie und endet jede westliche Demokratie im Faschismus. Mit Ausnahme Deutschlands war das zwar noch nirgends jemals der Fall, aber die politische Linke benötigt diese Erzählung heute aus existentiellen Gründen und aus Gründen des Machterhalts. Mit dem politischen Islam als Wunschpartner betreibt nun auch sie ihren Todeskult.
Dieser Beitrag erschien zuerst auf Sylke Kirschnicks Blog.
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Ich meine mich vage zu erinnern, daß Pasolini mit Porcile, zu deutsch Der Schweinestall, eine durchaus tiefgreifende (Selbst-)Kritik der von Kirschnik angesprochenen Tendenzen vorgelegt hat, das war 1969, also gewissermaßen auf dem Ground Zero der neusten Verirrungen. Wenn auch nur in Form einer, offenbar folgenlos gebliebenen, Farce.
Ein bemerkenswerter Artikel, wobei vieles von dem was am Beispiel von Pasolinis Filmen angesprochen wird weit über den spezifischen Kontext der italienischen Nachkriegsära hinaus von Belang ist. Die Fehlinterpretationen von Natur, Wirken und Lehre des Christus/Messias/Mashiach Jesus von Nazareth und die daraus folgenden Mißverständnisse, innere wie von außen herangetragene, haben eine lange Geschichte und die schwere, weiter sich vertiefende Krise in welcher sich das Christentum seit langem befindet sind präzise das Ergebnis dieser Fehlinterpretationen und Mißverständnisse. Diese Problematik setzt nicht erst mit der unglücklichen heidenchristlichen Vermengung mit platonischen und aristotelischen Substanztheologien und den daraus abgeleiteten gnostischen Häresien ein, von denen die Sozialismen des 19. und 20. Jahrhunderts, kommunistische, nationalistische wie sozialdemokratische, eine pseudo-säkulare Neuauflage sind. Es beginnt schon früher mit den Konflikten der zweifellos so rechtgläubigen wie frommen, durch die exorbitante Dimension des Heilsgeschehens intellektuell teils vermutlich schlicht überforderten kleinen judenchristlichen Urgemeinde mit dem selbst vielfach bedrängten Rabbinat jener Zeit. Ein Großteil der theologischen Irrtümer, welche später immer wieder in exzessive Phasen des Unsinns einer Art Lumpen- und Hippiechristentums, der Möncherei mitsamt der ultimativen Blasphemie der ´Nachfolge Christi´ und zahllose andere antizivile Tendenzen mündete und nun in einer scheinbar permanenten existenziellen Krise des Christentums kulminiert, hat in diesen Konflikten und Mißverständnissen seine Wurzeln. Selbst die kanonischen Schriften des Zweiten Bundes sind davon nicht immer frei. Es bräuchte eine umfassende, zuvorderst theologische Erneuerung, welche die christliche Lehre umfassend an die ideelle Substanz der Offenbarungen, Schriften und Lehren des Ersten Bundes rückbindet und von dort ihre nicht unerheblichen Differenzen, als Erweiterungen verstanden, hergibt.
Frohe Ostern, Frau Dr. Kirschnick. Darf mir die Frage erlaubt sein, was die Pasolini-Nummer uns zum Heidnischen Osterhasen sagen soll? Ihr historische Interpretation ist arg dürftig. Natürlich schrieb Marx seinen Wertekontext bei Augustinus ab. Da aber die Jenseits-Nummer nicht mehr richtig zog, ersetzten die Marxisten Gott mit dem Generalsekretär & verlegten das Paradies (der Werktätigen) ins Diesseits. Die Behauptung, daß der Konflikt zwischen Don Camillo & Peppone in einer Art Waffenstillstand verblieben wäre, hätte Sie früher Ihre Promotion gekostet. Da inhaltlich keine wirklichen Unterschiede zwischen Katholizismus & Marxismus bestehen, ist der Konflikt immer persönlich, nur peripher politisch. Lesen Sie doch einfach die Doktorarbeit von Ganser. Die Kommunisten bekämpften das Bürgertum bis aufs Blut, in der Sowjetunion vernichteten sie es. Rußland leidet noch heute unter diesem kulturellen Aderlaß. Die Nationalsozialisten & Faschisten, hingegen, versuchten alle (als Volksgemeinschaft) einzugemeinden. Wer nicht mitmachte, bekam auf die Fresse oder wurde einen Kopf kürzer gemacht. Historisch war das eine zwangsläufige Reaktion, weil die Bürgerlichen gegen die Marxisten versagten. Hätte Pasolinis Vater mehr Zeit für Ihn gehabt, wäre aus Pasolini vielleicht so ein kleiner Ernst Röhm geworden, nicht wirklich abwegig & dann hätten Sie in diesem Artikel Pasolini mit all Ihrem Haß verfolgt & im Verhältnis zu Seiner Mutter & Seinem Vater alle bekannten Psycho-Leiden angedichtet, welche diese Zunft so hergibt. So, verteidigen Sie heute die Pädos bei den Linken & in der Kirche. Ob man Ihnen das jemals danken wird?
wer immer noch dem Irrtum nachhängt, daß der Katholizismus und der Marxismus irgendwie verwandt wären, dem rate ich die ersten 6 Seiten von Leo XIII Rerum Novarum zu lesen. Man kann entweder Marxist oder Katholik sein. Marxismus ist auf der Ursünde Neid aufgebaut. Frohe Ostern rundum!
In seinem von einem Roman des Marquis de Sade (1740-1814) inspirierten Film „Sàlo oder die 120 Tage von Sodom“ projiziert Pasolini pervertierte linke Phantasien auf die rechten Faschisten.
Die italienischen Faschisten wären viel zu prüde gewesen, um als Vorlage für den Film dienen zu können. Die Perversionen sind eher totalitär-libertär, links-intellektuell.
De Sades Philosophie der Menschen-Misshandlung weist zwar Parallelen zum Faschismus und zum nationalsozialistischen Sadismus auf, aber sie ist primär „libertär“, heute als links einzuordnen. Sie steht für einen pervertierten, totalitären Liberalismus.
De Sades böse Helden sind im damaligen Sprachgebrauch „Libertins“, die die damalige strenge, bigotte, prüde christliche Moral, Sexualmoral, Ordnung ablehnen. Sie kämpfen aber nicht für die französische Aufklärung im Sinne Voltaires. Sie verabscheuen das Gute und widmen sich mit Passion dem Bösen.
Sie interpretieren die Menschenrechte nicht allgemein sondern einseitig individuell: „Totale Freiheit für mich, totale Sklaverei für dich.“
Linke sind Meister darin die eigenen Sünden anderen anzulasten.
Der italienische Faschismus hatte einen ganz anderen Mindset als der Film.
In Thomas Manns „Mario und der Zauberer“ schildert Mann einen bigotten, beschränkten faschistischen Kleinbürger Italiens, der ein pathetisches pseudo-patriotisches Affentheater macht, weil Manns 6 jährige Tochter sich am Strand unanständig verhalten habe, indem sie ihre Badehose kurz getauscht und mit dem nacktem Fleisch ihres unschuldigen Hinterteils den „gastfreundlichen“ Faschismus verhöhnt habe.
(In Italien, im Land der in Stein gemeißelten und gemalten Nackedeien natürlich ein Skandal!)
Die fein ziselierten Perversionen von de Sade und Pasolini hätten diesem bigotten Großmaul einen Schlaganfall beschert.
Nicht, dass die Faschisten humaner gewesen wären, aber sie versteckten ihre Perversionen hinter der Maske der Spießertums.
Als vom aktuellen linkswoke-versifften Zeit-„geist“ gründlich entwöhnter 68er-Linke und als alter ‚MAMA ROMA’- / „PASSIOLINI“-Liebhaber hat mir Ihr Artikel wirklich bis in persönliche und in kollektive Details hinein die Augen geöffnet über eine ganze Kunst-/ und Lebensepoche und ihren bigotten Selbstmystifizierungen. Danke!
120 Tage: Ich fasse Pasolinis Gesamtwerk in seinem mit Scheiße gefüllten Bottich zusammen – und zwar deswegen, weil es mir genau so gefällt.