Alltäglicher Irrsinn

Von Susanne Baumstark.

In Berlins Sicherheitsbehörden sei die Situation mitunter „in höchstem Maße prekär bis dramatisch“, sagt jetzt Berlins Generalstaatsanwalt Ralf Rother. Er warnt vor dramatischen Engpässen bei der Terrorbekämpfung und fordert mehr Personal, bessere Technik und vertrauenswürdige Dolmetscher. In Hamburg setzt man bei der (präventiven) Terrorbekämpfung auf Islamwissenschaftler und Kulturwissenschaftler: Aktuell sucht die Stadt solche Fachleute für ihre Polizeibehörden. Derweil nimmt der alltägliche Irrsinn hierzulande weiter Fahrt auf: In Lübeck verursacht ein „nicht ganz unbekleideter“ Betrunkener mit einem Gabelstapler einen Schaden in einstelligem Millionenbereich. „Die Staatsanwaltschaft beorderte einen Dolmetscher, um die Beweggründe des 28-Jährigen zu erfahren.“ (?!?) 

Der normale Autofahrer wird übrigens über kurz oder lang mit den Folgen der Tatsache konfrontiert werden, wer alles in Deutschland mittlerweile motorisiert am Straßenverkehr teilnimmt. Im Irak etwa „müsse man keine schriftliche Prüfung machen, nur fahren können“, sagte ein Angeklagter im Prozess um den Handel mit gefälschten lettischen Führerscheinen. Beliebt sind auch gefälschte griechische Führerscheine. Dass es die kriminellen Autofahrer nicht unbedingt beeindruckt, wenn Beamte ihnen das weitere Fahren ohne gültige Fahrerlaubnis untersagen, zeigt dieser aktuelle Fall in Oldenburg oder jener des syrischen „notorischen Schwarzfahrers“ aus Krauschwitz. Bereits während einer einfachen Google-News-Suche unter den Stichwörtern „Führerschein“ und „gefälscht“ kann es einem ob der Fülle der aktuellen Fälle schwindlig werden. Aus Österreich erfährt man ebenfalls, dass das Geschäft einschlägiger Fälscher-Werkstätten, die ihr Angebot im Internet auch ins Türkische übersetzen, boomt.

Neben den inzwischen üblich gewordenen Massenschlägereien inklusive Angriffen auf Polizeibeamte wurde unter anderem eine 22-Jährige Opfer eines Rolltreppen-Treters und ein 49-Jähriger Opfer eines Überfalls. Die Heuchelei bezüglich der inneren Sicherheitsstrategie wird im Fall des Priesters in Werl offenkundig, der an der Lidl-Kasse unter Schüttelei seines Einkaufswagens als „Ungläubiger“ und „Schwein“ beschimpft wurde. Auf einen Handy-Anruf des Priesters hin sieht sich die Polizei nicht zuständig – stünde im umgekehrten Fall nicht sofort der Staatsschutz auf der Matte? 

Da die herrschende Politik die Niederungen des Alltags konsequent ignoriert, wird der Zerfall eines Staates mitten in Europa einfach und zuverlässig fortschreiten.  

 

Foto: Tim Maxeiner

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Winfried Sautter / 01.11.2017

Interessant ist, dass die (dem “südländischen Aussehen nach gemutmaßten) Inhaber ausländischer Führerscheine bevorzugt Autos der deutschen Premium-Hersteller fahren. Nach der Finanzierung mag man lieber nicht fragen. Aber sie bieten zumindest Status und im Strassenverkehr ein Mehr an passiver Sicherheit.

Frank Hilgers / 01.11.2017

Seit wann ist die Polizei nicht mehr für Beleidigungen zuständig? Eine Feststellung der Personalien vor Ort ist doch wohl obligatorisch. Das Schlimme ist allerdings, dass niemand hilft.

Klaus Wenzel / 01.11.2017

Der “alltägliche Irrsinn” gilt bislang vor allem für - möglicherweise rasant wachsende - Teilbereiche unserer Republik. Jene, die hier arbeiten und Steuern zahlen, eine Ausbildung machen oder Rentner sind, entkommen dem starken Arm unseres Staatswesens nicht. Da wird reguliert, verwaltet und auch ungeniert zur Ordnung gerufen. Die “blinden Flecken” andererseits kennen wir alle. Wer heutzutage, egal ob Groß- oder Kleinstadt, durch die Straßen läuft, wundert sich doch kaum noch über die marode Infrastruktur, die teilweise Verwahrlosung des öffentlichen Raumes und das babylonische Sprachgemisch, das einem entgegen schallt. Wir sind ein buntes, vielfältiges und vor allem offenes Land geworden, das keinen abweist. Warum sollte es bei der Teilnahme am Straßenverkehr anders sein? Irgendein Dokument kann doch sicher leicht beschafft werden und der deutsche Beamte ist zufrieden. Was aber, wenn der Eindruck sich verfestigt bei jenen, die schon länger hier sind, dass Gesetze offenbar nur noch für bestimmte Gruppen der Bevölkerung gelten? Wer einmal erlebt hat, was alles für einen schnöden Antrag auf Bafög vom Auszubildenden und seinen Eltern verlangt wird, wundert sich möglichweise, wie einfach man scheinbar finanzielle und weitere Sachleistungen bekommt, wenn man mit unklarer Herkunft, verschwiegener Identität und unbestimmten Absichten die Grenzen dieses Landes betritt. Ein Sesam-öffne-dich-Wort reicht hierfür. Kein Neid, aber zweierlei Maßstäbe funktionieren selten gut. Dem Vertrauen in den Rechtsstaat ist dies auch nicht zuträglich.

Karla Kuhn / 01.11.2017

Diese Ignoranz wird uns noch sehr zu schaffen machen und viele Kosten verursachen. Leider werden die, wie immer, vom Steuerzahler bezahlt werden. Die Wahnsinnsscala scheint nach oben offen zu sein.

Wilfried Paffendorf / 01.11.2017

Werte Frau Baumstark. Das kann ja gar nicht stimmen. Laut Merkel & Cie. ging es den Deutschen noch nie so gut wie heute, die Sicherheitslage war noch nie so gut wie heute usw. usf. Aus dem Blickwinkel und gemäß dem Lebensumfeld derer, die solche frohen Botschaften über die innere Verfassung unseres Landes verkünden, mag das durchaus stimmen. Außerdem - wo gehobelt wird, da fallen Späne an. Die Erbauer, die politisch-ideologischen Schreiner und Zimmermänner eines neuen Deutschlands der Vielfalt und Buntheit hobeln kräftig, legen sich mächtig ins Zeug, und da ist eben der Abfallberg entsprechend groß. Ob am Ende dann das Traumhaus steht oder doch nur eine unbewohnbare Ruine, ist den “Machern” ziemlich Wurscht.

Andreas Ludwig / 01.11.2017

Dieses Land ist unrettbar

Rudolf George / 31.10.2017

Man spricht manchmal von der Balkanisierung Deutschlands. Vielleicht ist das noch beschönigend, und man sollte eher von der Bagdadisierung sprechen.

Christian Kühn / 31.10.2017

In Krauschwitz? Was sucht ein Syrer am oder-neissischen Ende des Landes? Mittels gefälschten Führerscheins ein paar weitere gefälschte Flüchtlinge an der polnischen Grenze abholen, hm? Mann, nicht mal im hintersten Winkel Sachsens hat man mehr Ruhe…

M. Haumann / 31.10.2017

Danke für die Erwähnung des Priesters aus Werl, der sich mangels anderer Hilfe nach dem Angriff im Supermarkt offenbar nicht anders zu helfen wusste, als den Fall (“Ohne Kommentar!”) im lokalen Gemeindebrief zu schildern. Das Beschämendste ist hier nicht einmal, dass ein fanatischer Idiot mehr einen christlichen Würdenträger attackiert. Sondern dass weder Polizei noch umstehende Käufer sich vor ihn gestellt haben. Und dieses Land versucht allen Ernstes, sich als moralischen Weltmeister zu verkaufen, nur weil es sich von jedem Deppen die Hosen runterziehen lässt?

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