Nach etwa siebenjähriger Verzögerung aufgrund von Anwohnerbeschwerden und Klagen wurde vorgestern endlich das neue Begegnungs- und Kulturzentrum der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig im ehemals jüdischen Leipziger Waldstraßenviertel eingeweiht.
Nun kann endlich eine neue Etappe in der so lange vermißten deutsch-jüdischen Symbiose beginnen, die wir seit dem Untergang der Weimarer Republik so schmerzlich vermißten.
An dieser Stelle ein kleiner Ausschnitt aus den zahlreichen Ansprachen, die an jenem für die ehemalige Heldenstadt an der Pleiße äußerst bedeutsamen Tage gehalten wurden:
“Mit dem Kulturzentrum können wir einen Teil der großen Schuld am Leid abtragen, das auch Leipzig seinen jüdischen Mitbürgern (!) zugefügt hat.” (OBM Burkhard Jung, SPD)
“Es handelt sich um einen “Neubeginn in der Versöhnung, der signalisiert, daß in dieser Gesellschaft kein Platz für Gewalt und Rassismus ist.” (Justizminister Geert Mackenroth, CDU)
“Ich möchte, daß an diesen Ort, an dem Menschen so grausame und dramatische Schicksale erleiden mußten, die Freude zurückkommt.” (Küf Kaufmann, Vorsitzender, Israelitische Religionsgemeinde zu Leipzig)
“Es ist eine Schande, daß in der vergangenen Nacht NPD-Wahlplakate gegenüber an der Laterne hingen.” (OBM Burkhard Jung, SPD)
“Das neue Begegnungszentrum wirkt lindernd auf die Wunden von einst.” (Charlotte Knobloch, Vorsitzende, Zentralrat der Juden in Deutschlabnd)
Zwar werden die Juden, die einst aus dem früheren Altersheim der Juden Sachsens v.a. in das KZ Theresienstadt deportiert und später in Auschwitz ermordet wurden, durch derart salbungsvolle Reden wie die oben genannten nicht wieder lebendig, aber wenn man schon damals keinen Widerstand gegen die Ausgrenzung und Vernichtung der Leipziger Juden geleistet hat, so muß man wenigstens heute, fast siebzig Jahre später, den Anfängen wehren und die versäumte Zivilcourage nachholen, z.B. indem man, wie OBM Burkhard Jung, NPD-Plakate, die bereits seit mehreren Tagen im Hinblick auf die bevorstehende Kommunalwahl in Leipzig in der Hinrichsenstraße hingen und die sich gegen eine sog. “rot-rote Koalition” im Rathaus aussprechen, als Anschlag auf die neu belebte “deutsch-jüdische Symbiose” umdeutet.
Warum das neue jüdische Begegnungs- und Kulturzentrum, laut Charlotte Knobloch, “lindernd auf die Wunden von einst” wirken soll, erschließt sich dem unvoreingenommenen Leser der “Leipziger Volkszeitung” vom 16.05.2009 zwar nicht so ganz. Dafür macht die in der Online-Ausgabe hinzugefügte Fotogalerie “Lust auf mehr”, z.B. auf einen Besuch am heutigen Nachmittag am sog. “Tag der offenen Tür”.
Und wenn dann erst der Vorsitzende der IRG Leipzig, Küf Kaufmann, sein im voraus angekündigtes Wodkaseminar sowie einen Kochkurs in der neu eröffneten glatt koscheren Küche anbietet, dann werden sicher auch die toten Leipziger Juden von einst wieder lebendig und pilgern vielleicht sogar statt zum Tempelberg zum neuen Jüdischen Begegnungs- und Kulturzentrum der IRG Leipzig in die Leipziger Hinrichsenstraße.
Damit wäre die Wiederjudmachung auf Säggsch am Ende komplett!
In diesem Sinne:
“Schalom!” und “Le Hitraot!”