Johannes Eisleben / 23.08.2019 / 06:25 / Foto: Magicwarrior1 / 57 / Seite ausdrucken

Alles, was Sie jetzt über Geld wissen sollten

Geld ist ein universelles Tauschmittel, mit dessen Hilfe Werte den Eigentümer wechseln können. Dies ist die einzige Funktion von Geld. Daraus ergeben sich noch seine Unterfunktionen als Recheneinheit zum Angeben von Preisen und als Wertaufbewahrungsmittel (Tausch in der Zukunft). Geld entstand als Primitivgeld (Muscheln, Reis) schon tausende Jahre v. Chr. Daraus entwickelte sich ab dem 3. Jahrtausend v. Chr. mit der Urbanisation Metallgeld. Der Wert von Metallgeld ist zwar, wie bei allen Geldarten, nur eine soziale Konvention, aber eine sehr starke – wahrscheinlich eine der stärksten nicht unmittelbar biologisch verwurzelten Konventionen (zu diesen gehört etwa das Inzestverbot).

Ab dem 15. Jahrhundert trat in Europa das Papiergeld auf. Lange Zeit war Papiergeld an Realgüter wie Gold gekoppelt und konnte von seinem Eigentümer auf Wunsch jederzeit in solche zurückgetauscht werden. Erst im 20. Jahrhundert wurde die Bindung von Papiergeld an Realwerte aufgegeben, weil die Bindung mit dem heutigen Teilreservesystem inkompatibel ist, wie wir später sehen werden. Wegen seiner zentralen ökonomischen Funktion ist die Produktion von Geld extrem wichtig. Bis in das 19. Jahrhundert hinein wurde Geld nicht notwendigerweise vom Staat produziert, sondern auch von privaten Geldproduzenten in Verkehr gebracht. Die durchgehende staatliche Monopolisierung der Geldproduktion erfolgte erst im 19. Jahrhundert. Ein staatliches Geldmonopol ist jedoch keineswegs notwendig. Seit einigen Jahren sehen wir beispielsweise die Entstehung eines neuen Typs privat produzierten Geldes, die sogenannten Kryptowährungen.

Unser Geld wird von der staatlichen Zentralbank zusammen mit den Geschäftsbanken, die zum Teil ebenfalls staatlich sind, in einem Public-Private-Partnership (Volkswirt Thomas Maier) produziert. Laut der klassischen Lehrbuchdarstellung geschieht dies, indem Banken aus den Bareinlagen (sogenanntes Außengeld), die sie erhalten, Darlehen generieren. Dies tun sie durch Gelderzeugung aus dem Nichts. Dabei wird das neu geschaffene Geld (sogenanntes Innengeld) den Girokonten der Debitoren gutgeschrieben, man sagt giriert.

Dabei müssen beispielsweise die Banken im Euroraum nur die derzeitige relative EZB-Mindestreserve von 1 Prozent der ursprünglichen Einlage halten und können durch die Girierung von Krediten bis zum hundertfachen der ursprünglich eingelegten Bargeldmenge produzieren. Auf diese Weise entstehen neu geschaffene Einlagen auf der Passivseite ihrer Bilanzen – auf der Aktivseite (vereinfacht: Geldverwendung in der Bilanz) stehen dann die Darlehen an die Debitoren. Für Banken ist diese Geldschöpfung aus dem Nichts attraktiv, weil sie beim derzeitigen Reservesatz eben bis zu einhundertmal mehr Geldvolumen verleihen und verzinsen können als die ursprüngliche Bareinlage. Doch wie funktioniert diese Geldschöpfung in der Realität?

Seit Nixon 1971 haben wir ein reines Fiktivgeld 

In der Praxis gehen Banken nicht von Bareinlagen aus, sondern sie girieren ihren Debitoren auf deren Wunsch Kredite und holen sich in Abhängigkeit von der Menge der Kredite das dafür benötigte Außengeld bei der Zentralbank ab. Dadurch erhöhen sie die Geldmenge (Details findet man beispielsweise bei Thomas Maier Kapitel 2 und 3). Sie erhöhen ihre Reserve bei der EZB entsprechend um den relativen Mindesreservesatz. Beispielsweise muss eine Bank, die einen Kredit von 10.000 EUR vergibt, ihre Zentralbank-Reserven auf der Aktivseite um 100 EUR erhöhen, dies geschieht durch einen Zentralbankkredit auf der Passivseite. Dadurch weitet sich die Bilanz der Zentralbank, wo der Kredit auf der Aktivseite erscheint, um diesen Betrag aus. Wollen die Bareinleger der Banken nun mehr Geld abheben, als die Banken vorhalten, können sich die Banken bei der Zentralbank das benötigte Bargeld leihen. Auch dadurch erhöht sich die Bilanz der Zentralbank, die Bilanz der Bank bleibt gleich hoch, allerdings tauscht sie auf der Passivseite Einlagen gegen Zentralbankkredit.

Da die Banken sich bei der Zentralbank in beliebiger Höhe Außengeld – auch in Form von Bargeld – holen können, kann es in diesem System nie zu einer Bankschließung kommen – außer, wenn die Geldtransporter mit der Anlieferung nicht nachkommen. Das war beispielsweise beim Bankrun auf die Northern Rock Bank 2007 der Fall, die Bank musste die Schalter schließen, weil ihr das Bargeld ausging.

Warum kann beliebig viel Außengeld bereitgestellt werden? Seit Nixon 1971 die Bindung des Zentralbankgeldes an die Goldmenge aufgehoben hat, haben wir ein reines Fiktivgeld. Daher kann die Zentralbank jede Kreditschöpfung und Bargeldauszahlung der Banken erfüllen. Somit ist das Ausmaß der Kreditschöpfung durch Banken theoretisch unbegrenzt. In der Praxis wird es durch drei Faktoren begrenzt: Erstens legt die Zentralbank durch den Zinssatz fest, wie sehr die Banken und ihre Kreditnehmer an der Schöpfung von Geld interessiert sind. Durch niedrige Zinsen stimuliert sie die Kreditvergabe, durch hohe Zinsen reduziert sie sie. Wie wir weiter unten sehen, legt die Zentralbank die Zinsen im Vergleich zum natürlichen Zins fast immer zu niedrig fest. Zweitens durch die Eigenkapitalquote von (derzeit) 8 Prozent, die die Banken halten müssen. Drittens fordert die Zentralbank von den Banken eine Mindestqualität der vergebenen Kredite (Rückzahlungsfähigkeit der Schuldner), die allerdings kaum einen wirksamen Schutz gegen übertriebene Kreditvergabe darstellt, da die Qualität in der Praxis schlecht ermittel- und durchsetzbar ist.

Wenn die Steuerung der Geldmenge durch die Zentralbank nicht mehr funktioniert, beispielsweise wenn die Kreditvergabe trotz eines niedrigen Zinsniveaus nicht im erwünschten Maße abläuft oder bei hohen Zinsen immer noch zu viele Kredite vergeben werden, kann die Zentralbank die Kreditvergabe selbst erhöhen oder auch Geld vernichten. Dies tun die großen Zentralbanken seit 2008 alle, die Bank of Japan (BoJ) und die FED auch schon vorher mit Hilfe des sogenannten “Quantitative Easing”, indem sie Staats- und Unternehmensanleihen mit aus dem Nichts geschaffenen Zentralbankgeld kaufen – entweder direkt oder über das Bankensystem. Durch Verkauf solcher Anleihen kann sie das Geld auch wieder einziehen und vernichten.

Insgesamt ist die Geldproduktion im Teilreservesystem mit ungedecktem Geld (Passivgeld) unbegrenzt. Davon profitieren der Staat und die Akteure der Finanzwirtschaft auf Kosten der Akteure der Realwirtschaft. Wie funktioniert das?

Schleichender Übergang zum Finanzsozialismus

Staaten monopolisieren die Geldproduktion und die Verzinsung, weil Geld ein gesellschaftliches Steuerungsinstrument ist. Mit Hilfe der Geldproduktion und des Zinssatzes kann der Staat sich bequem verschulden. Entweder tut er dies über die Geschäftsbanken durch Verkauf von Staatsanleihen, die diese weiter an ihre Kunden verkaufen. Wenn sich keine Kunden mehr für Staatsanleihen finden, weil die Bonität des Staates zu schlecht ist, kann der Staat die Zentralbank nutzen, um dieser direkt Anleihen zu verkaufen (monetäre Staatsfinanzierung). Außerdem kann der Staat für seine Schuld niedrige Zinsen erzwingen, wie dies seit 2008 die wichtigsten Zentralbanken EZB, BoJ und FED durchführen.

Durch diese Art der Passivgeldproduktion steigt die Geldmenge ständig. Diesen Vorgang bezeichnet man als Inflation. Sie hat sich global zum Dauerzustand entwickelt. Inflation ist für die Konsumenten immer schädlich, selbst wenn die Gütermenge genauso schnell wächst wie die Geldmenge und die Preise also stabil bleiben (Details siehe bei den Ökonomen Polleit und von Prollius). Denn wenn die Geldmenge konstant wäre, würden die Preise bei einer Ausweitung der Gütermenge sinken. Durch die Steigerung der Geldmenge wird den Käufern der Güter der Genuss der sinkenden Preise jedoch verwehrt, während die Verkäufer mindestens zu unveränderten Preisen verkaufen können, bei stärkerer Inflation sogar zu steigenden. Die Geldmengenausweitung wirkt sich also auf unterschiedliche Marktteilnehmer verschieden aus (Cantillon-Effekt), Konsumenten leiden darunter stärker als Händler. Daher widerspricht Inflation dem Gleichheits- und Eigentumsprinzip, sie verteilt ständig Geld von den Letztempfängern der Geldproduktion auf diejenigen um, die es vor ihnen bekommen.

Steigt die Geldproduktion schneller als die Gütermenge, wird die Kaufkraft des Geldes entwertet, für die gleiche nominale Geldmenge bekommt man weniger Güter. Die Rate, mit der dies geschieht, wird als Inflationsrate bezeichnet. Ist diese höher als der nominale Zinssatz für ein normales Sparbuch, spricht man von negativen Realzinsen. In dieser Situation, in der wir uns schon seit längerem befinden, erhebt der Saat eine heimliche Steuer und enteignet die Bürger, weil der Bürger mit der Negativverzinsung implizit die Entwertung (Verkleinerung bei nominal gleichbleibender Schuld) der realen Staatsschuld bezahlt.

Jede Realverzinsung, die niedriger ist als der natürliche Zins, ist problematisch, weil sie es dem Staat erlaubt, sich auf Kosten zukünftiger Bürgerverpflichtungen stärker zu verschulden als beim natürlichen Zinsniveau. Damit kauft sich der Staat heute durch Ausgaben politische Legitimität auf Kosten der zukünftigen Entwicklung. Da die Staatsverschuldung in der Regel schneller wächst als die Produktivität, muss der Bürger später für den Überkonsum zahlen. Dies gilt nicht nur für Massendemokratien, sondern auch für totalitäre Staatsformen wie China, die ebenfalls Herrschaft legitimieren müssen. Auf diese Weise wächst mit der Staatsverschuldung auch die Aktivität des Staates, die Anzahl seiner Mitarbeiter und das Ausmaß der Eingriffe des Staates in gesellschaftliche Prozesse. Viele von ihnen sind in der industriellen Massengesellschaft unabdingbar, doch kann sich der Staat durch die Verschuldung einen viel größeren Aktionsradius verschaffen, als es notwendig und sinnvoll ist. Es bildet sich ein schleichender Übergang zum Finanzsozialismus, wie wir noch sehen werden.

Den letzten trifft die volle Entwertung

Unabhängig von der Inflation führt die Geldschöpfung zu einem Gewinn für den Emittenten, der Seigniorage. Diese entsteht dadurch, dass Bürger zinslos Bargeld halten, anstatt Zinsen, die ihnen für Ersparnisse zustehen, zu verlangen. Sie entsteht auch dadurch, dass der Emittent von Geld dafür den vollen Gegenwert erhält, während der Endempfänger nur noch den inflationierten Gegenwert bekommt. Die fiskalische Seigniorage ist die Differenz aus beiden Werten. Von der Seigniorage profitiert nicht nur die Zentralbank, sondern in langsam abnehmenden Maße auch die Geschäftsbanken und die weitere Kette der Empfänger des neu produzierten Geldes bis zum letzten Empfänger, dem Lohnangestellten, den die volle Entwertung durch die Inflation trifft.

Nun könnte man argumentieren, dass der Nutzen des Staates aus dem Geldmonopol allen zugutekommt, da wir Bürger kollektiv den Staat konstituieren. Doch das stimmt nicht, weil der Staat durch die zusätzlichen Mittel private Marktteilnehmer verdrängt (crowding out) und ihnen dadurch Entfaltungsmöglichkeiten nimmt sowie auf komplexe Weise Teilmengen der Bürger bevorzugt. Außerdem privilegiert die Inflation bestimmte Akteure, die deren Umverteilungswirkung von unten nach oben nutzen können. Denn die Passivgeldproduktion erlaubt privaten Akteuren, Gewinne aus riskanten Kreditvergabegeschäften zu privatisieren. Gleichzeitig werden aber Verluste aus der Kreditfehlvergabe durch den Staat vergesellschaftet: Staaten retten Banken vor der Pleite, damit das Zahlungssystem, das die Banken unterhalten, nicht zum Erliegen kommt. Dabei werden Steuermittel verwendet, um Banken zu verstaatlichen, oder die Zentralbanken manipulieren Zinssätze und kaufen Anleihen oder Kreditderivate, um Banken vor dem Bankrott zu schützen. In jedem Fall erhalten die Eigentümer und Top-Manager der Banken Gewinne und Boni, müssen aber nicht oder nur sehr begrenzt für die Verluste haften, was die Bürger der Staaten übernehmen.

Es ist kein Zufall, dass sich seit der Aufhebung des Goldstandards 1971 die Eigentumsverteilung massiv zweigeteilt hat. Denn die reichsten Bürger haben seitdem das Finanzsystem genutzt, um ihren Reichtum schneller zu steigern als die Wirtschaft wächst. Insbesondere profitieren sie von der Realgüterinflation der Vermögenswerte wie Häuser oder Aktien, an denen Kleinbürger und Arme kaum oder nicht partizipieren können. Insgesamt werden mindestens die unteren 85 Prozent durch die Passivgeldproduktion real enteignet. So hat sich das globale Privateigentum immer mehr konzentriert. Ein Ausdruck dessen ist der Anstieg der Anzahl der Milliardäre von 470 (im Jahr 2000) auf 2.153 (Im Jahr 2018) mit einer Verzehnfachung ihres Gesamtvermögens auf 8.700 Milliarden US-Dollar in diesem Zeitraum. Diese krasse Verteilung des globalen Privateigentums ist die notwendige Voraussetzung für die fortschreitende Entdemokratisierung, die wir heute beobachten.

Das Unheil wird zuerst als Boom sichtbar

Wie wir gesehen haben, kann sich der Staat mit Hilfe des Passivgeldes bequem verschulden und Legitimität auf Kosten der Zukunft kaufen. Daher hält er über seine Zentralbanken die Zinsen niedrig. Dies lässt sich derzeit in allen relevanten Währungsräumen lehrbuchartig beobachten. So geht die Produktion von Passivgeld immer mit einem Zinsniveau einher, das niedriger ist als der natürliche Zins. Dieser entsteht, weil Menschen die Präferenz haben, Güter jetzt oder sehr bald zu erwerben, und für den Verzicht auf diesen Konsum beim Sparen eine Entschädigung in Form von Zinsen erhalten wollen. Die vom Staat festgelegten, zu niedrigen Zinsen führen dazu, dass Unternehmen Projekte angehen, die im natürlichen Zinsumfeld nicht rentabel wären, weil die Kreditkosten zu hoch wären. Dabei vergeben die Banken aufgrund der Anreize im Geldschöpfungssystem Kredite, die später nicht zurückgezahlt werden können und abgeschrieben werden müssen.

Auf diese Weise entsteht eine massive Überschuldung, die immer weiter wächst, weil Unternehmen und Staaten die Kreditschöpfungsmöglichkeiten zu stark nutzen. Und in der Tat ist die Gesamtverschuldung seit 1971 immer weiter gewachsen. Nun sehen wir auch, warum das Teilreservesystem Passivgeld braucht. Es erzeugt so schnell Schuldenberge, dass eine Deckung der Passivseite der Zentralbank mit Gold gar nicht möglich ist. Denn die Goldmenge wächst jährlich nur um maximal zwei bis drei Prozent, während die Verschuldung schneller zunimmt. Daher hat der Ausbau der Teilreserve seit dem Ende des 19. Jahrhunderts eine schrittweise Entkopplung des Papiergeldes vom Realwert bis zu seiner totalen Loslösung Anfang der 1970er Jahre erzwungen.

Dabei wird das Anwachsen der Geldmenge über Kreditvermehrung zunächst als Boom sichtbar: Durch das neue Geld wächst die Wirtschaft, es entstehen Arbeitsplätze, die Löhne steigen, Menschen konsumieren mehr. Die gesamte Produktionsstruktur wird so vom niedrigen Zins abhängig gemacht, knappe Ressourcen werden in unrentable Prozesse gelenkt. Tritt der Staat als Käufer auf, ist die Allokation oft am wenigsten rentabel. Und früher oder später erweisen sich überhaupt immer mehr Investitionen als unrentabel, weil sie wegen der zu niedrigen Zinsen falsch kalkuliert waren. Wenn dies geschieht, können die betroffenen Unternehmen ihre Kredite nicht mehr bedienen, sie werden “faul”. Die Banken müssen diese Kredite dann abschreiben oder die darauf beruhenden Derivate abstoßen (was zu deren Preisverfall führt).

Mit der Abschreibung verbrauchen sie Eigenkapital und drohen unter die staatlich vorgeschriebene Quote zu rutschen. Nun müssen sie ihre Bilanzen verkürzen, also weniger Kredite mehr vergeben oder erneuern. Dadurch steigt der Druck auf nicht rentable Unternehmen, die nun vermehrt pleite gehen. Angestellte solcher Firmen verlieren ihre Arbeit und können ihre Hypotheken oder andere Privatkredite nicht mehr bedienen. Die Banken ziehen nun das Anlagevermögen der insolventen Firmen, mit dem die Kredite besichert waren, ein, und verkaufen diese – wie etwa Immobilien, Produktionsanlagen oder Transportmittel. Sie verkaufen auch die Häuser der privatinsolventen Hypotheken-Debitoren.

Dadurch kommt es zu einem Preisverfall all dieser Güter, man spricht von einer deflationären Spirale. Diese setzt alle Schuldner, und davon gibt es viele, weiter unter Druck, weil durch die Deflation die Last der Kreditbedienung steigt: Während alle Güter nominal günstiger werden, bleibt die Kreditsumme gleich; ein Debitor kann für die Veräußerung von Eigentum, durch die er beispielsweise seine Raten bedienen will, weniger erlösen; unter Umständen sinkt auch sein Umsatz (bei Unternehmen) oder sein Gehalt (als Angestellter), während die Raten gleich hoch bleiben. Daher kommt es zu noch mehr Insolvenzen und weiterem Anstieg der Arbeitslosigkeit, beide befeuern die Spirale weiter.

Da der Staat selbst Schuldner ist, kann er seine Kredite nun schlechter bedienen oder erneuern. Gleichzeitig schwindet wegen der einsetzenden Rezession sein Steuer- und Sozialkassensubstrat, er kann nicht mehr so großzügig Legitimität kaufen, im Gegenteil ist er immer weniger in der Lage, seinen grundlegenden Verpflichtungen nachzukommen.

Der Alkoholiker wird mit Schnaps behandelt

Wie reagiert der Staat auf eine solche Finanzkrise, die für ihn immer eine Ertragskrise ist? Durch Erhöhung der Geldmenge, Senkung der Zinsen bis in den Negativbereich und direkten Kauf von Anleihen (quantitative easing), also mit monetärer Staatsfinanzierung – bis hin zum “helicopter money”, der direkten Ausgabe frisch erzeugten Geldes an die Bürger. Es entsteht ein Finanzsozialismus, bei dem der Staat immer stärker in das Finanzsystem eingreifen muss – über Aktionen der Zentralbank und Regulation. Und so ist es auch. Über- und Fehlregulierung sowie monetäre Staatsfinanzierung sehen wir seit 2008 bereits chronisch, weil bei der letzten Finanzkrise keine Fundamentalkorrektur vollzogen wurde, sondern, bildlich gesprochen, der Alkoholiker mit Schnaps (noch mehr Passivgeld, Bankverstaatlichungen und Verlustvergesellschaftungen auf Kosten der Steuerzahler und regulatorischer Symptomtherapie) behandelt wurde. Das System ist nun vollkommen von Negativzinsen, Geldmengenausweitung und Schuldenvergrößerung abhängig. Scheinbar kann der Staat das beliebig lange machen, denn er kann so viel Passivgeld erzeugen, wie er will.

Doch wenn die nächste Finanzkrise kommt, trifft sie auf bereits hoch verschuldete Staaten – die Staatsschuld liegt in den OECD-Ländern im Mittel um die 100 Prozent des BSP, rechnet man die impliziten Schulden durch Pensionsansprüche bei schrumpfender Bevölkerung hinzu, kommt man auf über 300 Prozent; in der Euro-Zone ist das Bild noch komplizierter, weil die Staaten mit Handelsbilanzüberschuss für die Schulden der Staaten mit Handelsbilanzdefiziten haften und dadurch auch noch fremde Schulden schultern müssen.

Deutschland wird dann, anders als in der Krise von 2008, keine Staatsanleihen auf normalem Wege mehr emittieren können, weil es – so wie Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien bei der letzten Krise – nicht mehr kreditwürdig sein wird. Also wird die monetäre Staatsfinanzierung massiv ausgeweitet werden.

Warum kann der Staat nicht beliebig Passivgeld produzieren, um die eigenen Staatsanleihen zu kaufen? Durch diese Gelddruckerei kommt zu einem krassen inflationären Preisanstieg, wenn die durch die gestiegene Geldmenge erzeugte Nachfrage das Angebot so massiv übersteigt und Pufferungsmechanismen wie beispielsweise die Verfügbarkeit billiger Arbeitskräfte in Asien nicht mehr reichen. Diese Inflation beobachten wir schon heute bei Realgüterpreisen (Häuser, Land, Akiten, Gold). Sie ist, wie wir gesehen haben, einer der wesentlichen Mechanismen des automatischen Transfers von Vermögen zu den Reichen.

Früher oder später trifft der Preisanstieg aber auch Konsumgüter. Spätestens dann verlieren die Bürger und Unternehmen das Vertrauen in das Finanzsystem. Sie verkaufen Staatsanleihen und Lebensversicherungen, und sie versuchen Realgüter zu kaufen. Dadurch beschleunigen sie das Ende des Finanzsystems. Wenn die Hyperinflation eintritt, sind die Unter- und Mittelschichten (in Deutschland mind. 85 Prozent der Bevölkerung) existenziell bedroht, weil ihnen die Kaufkraft für das Nötigste ausgeht. Die Bürger verweigern die Nutzung des staatlichen Geldes und steigen auf Tauschhandel um. Das Finanzsystem zerfällt, dadurch werden alle finanziellen Transaktionen massiv erschwert, es kommt zu einer Kontraktion der wirtschaftlichen Leistung mit Unterversorgung der Bevölkerung. Es kommt dann zu politischen Unruhen. Dies ist die Krise, die uns bevorstehten könnte. Sie wird global sein, weil das Finanzsystem global hochgradig vernetzt ist – irgendwo in der OECD oder China wird die Krise beginnen, und dann wird sie sich über den Globus ausbreiten.

Da die Partnerschaft von Staat und Finanzindustrie zur Passivgeldproduktion sehr etabliert ist und sowohl den staatlichen Schuldnern als auch einer kleinen Gruppe von Privilegierten (weniger als 1 Prozent der Bevölkerung gehörten 80 bis 90 Prozent aller privaten Realgüter) massiv nützt, wird das Passivgeldsystem nicht durch eine Reform verschwinden. Sondern es wird erst dann abgelöst, wenn seine Effekte zu einer bitteren globalen Krise geführt haben werden.

Die Alternativen

Was kommt danach? Was sind die Alternative zum Passivgeld? Es sind Warengeld, Vollgeld oder Aktivgeld, die wir nun kurz anschauen.

Warengeld ist Geld, das vollständig durch einen realen Gegenwert, wie etwa Gold, gedeckt ist. Dabei hält die Zentralbank für das emittierte Außengeld auf der Passivseite eine dementsprechende Goldmenge in einem festen Verhältnis. In der Praxis kann so ein System nur eingeführt werden, wenn das Teilreservesystem, welches Passivgeld braucht, abgeschafft wird. Die Banken würden dann nur noch so viel Kredit vergeben können, wie sie tatsächlich an (goldgedeckten) Spareinlagen haben und würden zu reinen Geldaufbewahrungshäusern mit einer bescheidenen Kreditvergabefunktion, wobei die Funktion als Investmentbank genauso fortgeführt werden könnte wie heute, da dabei keine Geldschöpfung aus dem Nichts erfolgt.

Allerdings bedürfte ein solches System weiterhin einer Zentralbank, die das goldgedeckte Warengeld emittiert und absichert. Kritiker befürchten, dass der inhärent deflationäre Charakter eines solchen Systems (wenn die Goldmenge langsamer wächst als die Realwirtschaft) das Wirtschaftswachstum hemmen könnte. Doch diese Sorge ist wohl eher unbegründet – in Wirklichkeit dürfte der Vorbehalt damit zusammenhängen, dass das heutige Schuldensystem Deflation fürchtet wie der Teufel das Weihwasser. Warengeld würde die Boom-Bust-Zyklen und die Umverteilungseffekte von unten nach oben des Passivgeldsystems abschaffen. Es ist die klassische Forderung der Ludwig-von-Mises-Schule (der Neo-Austrians).

Als Alternative zum Warengeld hat F. A. von Hayek privates Vollgeld vorgeschlagen, um eine Zentralbank zu vermeiden, der er zutiefst misstraut. In diesem System gäbe es ebenfalls keine Teilreserve, sondern Banken würden eigene Währungen emittieren und diese gegenüber einem Rohstoffkorb in der Menge konstant halten. Dabei würden sich im Wettbewerb die stabilsten Währungen durchsetzen. Geldemittierende Banken würden die Geldnachfrage bedienen, während reine Kreditinstitute ohne Emission immer Volleinlagen ohne partielle Reserve hätten. Der Markt würde laut Hayek automatisch die härteste Währung in der benötigten Menge hervorbringen. Sein Vorschlag ist allerdings umstritten, unter anderem, weil nicht klar ist, ob ein Markt für Privatwährungen wirklich (und ohne starke regulatorische Überwachung) zum gewünschten Ergebnis stabiler Währungen führen würde.

Neuerdings haben Joseph Huber und andere mit ihrer „Monetative” staatliches Vollgeld vorgeschlagen, bei dem nur der Staat Geld produziert und in Umlauf bringt. Hier ist das wesentliche Problem, dass das Finanzsystem vollständig verstaatlicht, also sozialistisch würde – mit allen damit verbundenen Problemen bei der zentralen Planung durch Akteure, die nicht genug Wissen über die Bedürfnisse der Marktteilnehmer haben können und der Versuchung des Staates, seine total monopolistische Rolle bei der Geldschöpfung zu missbrauchen.

Alle diese Alternativen zum Passivgeld wären nur einführbar, wenn das heutige Finanzsystem spontan und chaotisch zusammenbräche. Thomas Maier schlägt daher die schrittweise, reformistische Einführung einer Aktivgeldordnung mit Vollreserve vor. Doch ist aufgrund der Interessenlage der staatlichen Schuldner und der globalen Ultrareichen, die beide vom Passivgeldsystem profitieren, ein solcher evolutionärer Übergang sehr unwahrscheinlich: Eher kommt es zu einem chaotischen Zusammenbruch des Finanzsystems mit einer anschließenden fundamentalen Neuordnung. Ob diese einen sozialistischen (“Monetative”) oder marktwirtschaftlichen (staatliches gesichertes Warengeld oder privates Vollgeld) Charakter erhalten wird, wird sich zeigen. Behalten wir eine demokratische Ordnung, wird die neue Geldordnung marktwirtschaftlich sein müssen, da der Sozialismus als oligarchisches System nie den Interessen der Mehrheit dienen kann.

Eines ist jedoch gewiss: Passivgeld hat als Institution zur Geldproduktion und -verteilung ausgedient. Wie lange es noch durchhält, ist schwer zu sagen. Die Schuldenberge sind einfach zu groß geworden.

Foto: Magicwarrior1 CC-BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

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Leserpost

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Werner Liebisch / 23.08.2019

Sie mögen vollkommen richtig liegen. Aber auch ich frage mich oft, ob der Überfluss in westlichen Gefilden notwendig ist. Wie letztens zu lesen auf der Achse, wieviele Lebensmittel, anderweitige Produkte, und damit auch Resourcen unnötig vernichtet werden. Ein bisschen asozial sind schon viele von uns, mich eingeschlossen. Wenn ich bei uns gucke, was im Kühlschrank manchmal vergammelt. Liegt es auch an der krankhaften Gier nach Geld und Macht. Und man sieht hierzulande was passiert, wenn jemand krankhaft nach Macht giert und nicht loslassen kann. Wieviele reiche, eigentlich schöne Frauen, sich unnötig (meiner Meinung nach) die Visage unnötig operieren lassen… Marktwirtschaft, sozial, das beste Mittel für demokratische Verhältnisse. Soziale Marktwirtschaft,.was ist das? Das schreibe ich jetzt nach 2 Flaschen Wein. Bin ich jetzt ein Kommunist??  

Winfried Kellmann / 23.08.2019

1) Kompliment, Herr Eisleben: In der Einfachheit liegt die Wahrheit - und die Einladung zum Widerspruch. “Geld ist ein universelles Tauschmittel (..)Dies ist die einzige Funktion von Geld.” Das glaube ich nicht. Geld ist allererstens Wertaufbewahrungsmittel: Wenn das Geld primär Tauschmittel wäre, würden Lohn- und Gehaltsempfänger es gleich ausgeben; wofür sollten sie es denn länger halten? Weil der Käse verdirbt, während das Geld seinen Wert behält? Die Tauschfunktion hat die Wertaufbewahrungsfunktion zur Voraussetzung. Denn dafür muß man der Stabilität des Geldes vertrauen. Wenn nicht, droht Hyperinflation: Raus aus dem Geld, rein in Sachwerte. Und überhaupt: “..der natürliche Zins. Dieser entsteht, weil Menschen die Präferenz haben, Güter jetzt oder sehr bald (sic!) zu erwerben, und für den Verzicht auf diesen Konsum (..) eine Entschädigung in Form von Zinsen erhalten.” Warren Buffett verzichtet also und erwirtschaftet dafür Renditen? Würde er lieber einen Rasenmäher erwerben? Nein, Zinsen sind Prämien für Liquiditätsverzicht (Keynes). Reichtum ist nicht Konsum (dann ist er weg), sondern die Möglichkeit, Leute für sich springen zu lassen. Das erhöht die Position in der sozialen Hierarchie beträchtlich. Diese Möglichkeit zu verteidigen (Gunnar Heinsohn) bzw. zu vermehren, ist Ziel des Vermögensaufbaus. Habe ich eine Investition getätigt, bin ich illiquid, bis ich sie “realisiere”, in Geld.  Und Geld ist nicht einfach eine “Recheneinheit zum Angeben von Preisen”, sondern es beschreibt die Position des Geldhalters in der sozialen Hierarchie: Je mehr ich davon relativ habe, desto mehr Leute kann ich springen lassen, desto reicher und angesehener und mächtiger bin ich. Man tauscht also nicht, um Güter zu erhalten, sondern um sein Vermögen zu vermehren, welches in Geld gezählt wird. Daß man dazu u.U. Güter wählt, deren Wert in Geld steigt (Gold) oder Aktien, die im Wert steigen, ändert nichts daran, daß alles in Bezug auf’s Geld geschieht.

Winfried Kellmann / 23.08.2019

2) Bei Betrachtung der gegenwärtigen, schon Jahre andauernden Finanzkrise, werde ich das Gefühl nicht los, daß einem immer irgend etwas entgleitet. Nach Lehrbuch hätte doch längst eine Flucht aus dem Geld stattfinden müssen. Stattdessen werden sogar Negativzinsen akzeptiert. Die Frage stellt sich doch, warum es bisher gelungen ist, das System zu stabilisieren. “Wie lange es noch durchhält, ist schwer zu sagen. Die Schuldenberge sind einfach zu groß geworden.” Wie groß dürfen sie denn noch werden?

Winfried Kellmann / 23.08.2019

3) Das Problem, ganz abstrakt, lautet wohl so: Geld ist immer eine Art Schuldschein. Es ist die Möglichkeit, jederzeit andere Leute für mich springen zu lassen. Das ist Reichtum und das ist die primäre Funktion des Geldes: Wertaufbewahrung. Solange die Geldhalter perspektivisch ihre Position in der sozialen Hierarchie halten können, das Geld nicht plötzlich crasht, spielen sie mit, verzichten zeitweise auf Liquidität und investieren, egal, wie hoch die Schulden der anderen sind, denn deren Schulden sind ihr Reichtum. Solange die Wertschaffenden diese Schuld akzeptieren, geht alles gut. Wird ihre Schuld zu groß, verlieren sie alle Hoffnung und die Geldhalter finden keine Anlagemöglichkeit mehr. Dann kracht es.  Der Staat versucht, beide Seiten zufriedenzustellen. Er braucht die Geldhalter, damit investiert, gearbeitet und Wohlstand geschaffen wird. Da die Bürger sich nicht so gerne überschulden, überlassen sie das dem Staate, der für die Geldhalter ein idealer Schuldner ist, da er das Gewaltmonopol über die wahren Schuldner hat. Und er kann seine Schulden mit neuen Schulden begleichen und damit notfalls sogar systemrelevante Geldhalter retten. Dagegen haben die Geldhalter solange nichts, wie ihr Reichtum, der in virtueller Verfügung über Arbeitskraft besteht,  nicht geschmälert wird. Helikopter-Geld wäre sicher eine Bedrohung für die Vermögenden, denn ihr Vermögen würde relativ schmelzen und einmal eingeführt, gäbe es kein Halten mehr. Doch sicher ist das auch nicht. Vielleicht funktioniert es ja und die Geldhalter stürzen sich in’s Investitionsabenteuer, um dieses Geld abzugreifen. Man darf nicht vergessen, daß es keine Konkurrrenz der stabilen Währungen mehr gibt. Sie konkurrieren darum, möglichst wenig wert zu sein. Für den Geldhalter gibt es also keine Zuflucht mehr. Das ist, nach meiner bescheidenen Ansicht, noch erklärungsbedürftig. Die Finanzwirtschaft, die Geldhalter, leben letztlich von der Realwirtschaft. Doch wie lange geht der Krug noch zum Brunnen?

Joachim Krämer / 23.08.2019

@ M.H. Rudhart: Versuchen Sie es mal mit Ludwig von Mises, dem besten Heilmittel gegen sozialistische Fieberträume: „Das nationalökonomische Problem, das der Sozialismus bietet, ist das Problem der Wirtschaftsrechnung. Rechnen und Berechnen im menschlichen Handeln sind an die Marktwirtschaft und den Geldgebrauch geknüpft. Ohne Sondereigentum an den Produktionsmitteln kann es weder Markt noch in Geld bestehende Marktpreise der wirtschaftlichen Güter und Dienstleistungen geben. Eine sozialistische Gemeinwirtschaft könnte im Handeln nicht rechnen. Planwirtschaft ist die Antithese zum freien Unternehmertum, zur Privatinitiative, zum Sondereigentum an den Produktionsmitteln, zur Marktwirtschaft und zum Preissystem. Planung und Kapitalismus sind gänzlich unverträglich. In einem System der Planung wird die Wirtschaft nach den Befehlen der Regierung geleitet, nicht nach den Plänen der Kapitalisten und Unternehmer, die danach streben, von der besten Erfüllung der Wünsche der Konsumenten zu profitieren.“

Alexander Rostert / 23.08.2019

Ja, genau so habe ich das bei Dr. Markus Krall gelesen.

Joachim Krämer / 23.08.2019

Geld ist ein Machtmittel in der Hand der Politik und die großen Profiteure in diesem Spiel, das uns zu Knechten macht,  werden es freiwillig niemals aus der Hand geben. „Gib mir die Kontrolle über das Geld einer Nation und es interessiert mich nicht, wer dessen Gesetze macht“ (M.A. Rothschild). Der Staat bedient sich der uralten Herrschaftsmethode „Brot und Spiele“, nur heute hat der auf Wahlgeschenken gegründete umverteilende Wohlfahrtsstaat die Rolle der Gladiatorenkämpfe eingenommen. Da der Steuer- und Abgabenraub schon lange nicht mehr zu dessen Finanzierung ausreicht, ist er auf zusätzliche Finanzmittel aus der Falschgeldproduktion angewiesen.  Es gibt kein Entrinnen aus dem Hamsterrad der permanenten Geldentwertung, da vernünftige Lösungen stets mit dem Machtanspruch der Herrschaftseliten kollidieren. Was nach einem zu erwartenden und prinzipiell reinigenden Finanzcrash kommt, bleibt abzuwarten. Es können bessere Ideen realisiert werden, aber die momentane Wählerbestechungsdemokratie wirkt im Ergebnis wie eine Droge , die immer größere Ansprüche von der politischen Kaste einfordert. Ein großer Teil unserer Gesellschaft ist zu einer Spaßgesellschaft mit infantiler Anspruchshaltung mutiert.  Diese haben nie gelernt, die Grundlagen und Voraussetzungen für Freiheit und Wohlstand zu benennen und sind somit eine leichte Beute für die kollektivistischen Rattenfänger. Sie werden die warme und betreute Stallfütterung im Volksheim stets der anspruchsvollen und unbequemen Freiheit vorziehen. Eine Lösung könnte in möglichen Sezessionsbestrebungen liegen, d.h. im Entstehen vieler neuer, kleiner und konkurrierender Einheiten nach dem Vorbild z.B. Liechtensteins. Hier würde sich recht bald die Spreu vom Weizen trennen und die Volksheim-Staaten von den Produktiv-Staaten abgehängt werden. Angesichts der aktuellen EUdSSR ist dies zwar eine ferne Utopie, aber der Glaube daran läßt wenigstens nicht vollends verzweifeln.

Dr. Borkner-Delcarlo / 23.08.2019

@Andreas Rühl “Der Zusammenbruch des Geldsystems und der Wirtschaft trifft sie genau so wie jeden anderen.”  Das stimmt so nicht, denn reiche Menschen investieren in Güter und deren Hersteller. So werden bestimmte Güter auch nach oder während eines Zusammenbruchs der Wirtschaft gebraucht werden. So haben Unternehmungen General Mills, Johnson&Johnson; oder auch Procter&Gamble; viele Krisen überlebt und sogar über all die Jahre Dividenden gezahlt. Dies zu begreifen, darin besteht der Unterschied zwischen Arm und Reich.

Andreas Rochow / 23.08.2019

Danke, verehrter Johannes Eisleben, für diese klare Lektion. Fragt sich nur, weshalb die Begriffe und Zusammenhänge nicht bereits in den Schulen der Bundesrepublik unterrichtet werden. Der Bürger ist erst ein “mündigen Bürger”, wenn er eine klare Vorstellung davon hat, welche Rolle das/sein Geld spielt und wie Staat, Banken und Zentralbank(en) damit umgehen. Das Bild vom Alkoholiker, der mit Schnaps behandelt wird, wenn die Krise da ist, und die quasi grenzenlose Möglichkeit des Staates, Verluste zu vergesellschaften und die Bürger mit Steuerexzessen zu quälen, sind einigermaßen beunruhigend, wenn man bedenkt, dass sich die EZB seit Jahren schon im Krisenmodus befindet. Gar nicht berücksichtigt wurde die Rolle des Euro in dieser Dynamik, die Fluchtmöglichkeiten in Fremdwährungen, Gold oder Sachwerte. Das ist bedauerlich, weil der kleine Bürger wieder einmal vorgeführt bekommt, dass nicht er es ist, der das große Rad dreht, aber selbstverständlich die Rechnung (kollektiv) bezahlen muss.

M.R.W. Peters / 23.08.2019

Wer darf “Notgeld”-Scheine drucken - und wann - denn? “Notgeld” wäre doch eine lokal begrenzte Möglichkeit, die katastrophalen Auswirkungen eines Finanzkollaps zumindest etwas zu minimieren.

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