Was ist ein Rätsel? Etwa, wie binnen zweier Jahrzehnte aus einem wirtschaftlich prosperierenden und gesellschaftlich intakten europäischen Kernland ein fragiler Krisenstaat werden konnte: Hoch verschuldet, mit einer maroden Infrastruktur, deren Zusammenbruch man in Echtzeit mitverfolgen kann; dessen herrschende Schicht im Namen der „Vielfalt“ die massenhafte Zuwanderung bildungsferner und teilweise nicht integrierbarer Migranten in überlastete Sozialsysteme fördert, während hochqualifizierte Einheimische in Scharen auswandern; wo die innere Sicherheit immer prekärer wird und Kritiker dieser Zustände als „Rassisten“ oder „Nazis“ diffamiert werden, was die Gesellschaft immer tiefer spaltet.
Wie um alles in der Welt war das möglich? Und wer ist dafür verantwortlich? Dieser Frage nach zu gehen, ist keineswegs nur für Historiker interessant, sondern vielmehr notwendig, um den Abwärtssog zu stoppen, in den unser Land in sämtlichen Bereichen geraten ist. Denn „sagen, was ist“ und „verstehen, wie es dazu kommen konnte“, sind unabdingbare Voraussetzungen für eine immer noch mögliche Umkehr.
Die Schlüsselfigur für eine Lösung dieses Rätsels ist Angela Merkel, die – vor der schwachen Ampel- und der noch schwächeren Merz-Regierung – Deutschland 16 quälend lange Jahre als Bundeskanzlerin regierte und in dieser Zeit mit ihrer als „alternativlos“ deklarierten Politik sämtliche Weichen konsequent falsch gestellt hat: Von der Abschaltung der Atomkraftwerke bei gleichzeitiger Abhängigmachung von russischem Gas, über die Aussetzung der Wehrpflicht, der Implementierung eines allumfassenden „Kampfes gegen Rechts“ (während zugleich die Gefahren durch Islamisten und Linksextremisten systematisch heruntergespielt wurden), welcher im Laufe der Jahre in einen Kampf gegen abweichende Meinungen ausartete. Die Krönung ihres Wirkens war dann 2015 die fatale Entscheidung, aus Angst vor „unschönen Bildern“ die deutschen Grenzen für jene zumeist muslimische Massenzuwanderung zu öffnen, die bis heute anhält.
Das Faszinierende an dem „Chamäleon“ Angela Merkel ist, dass nichts, aber auch gar nichts, so war, wie es schien. Ostdeutsche? Ja, aber in Hamburg geboren als Tochter eines Mannes, der 1954 als Pfarrer mit seiner Familie in die DDR übersiedelte. Damit ist sie unter 17 Millionen ehemaligen Bürgern dieses Staates ein Kuriosum. Pfarrerstochter und Christin? Üblicherweise hatten bekennende Christen in der DDR allerlei persönliche und berufliche Nachteile in Kauf zu nehmen. Doch Merkel durfte, als Tochter des „roten Kasner“, der das Konzept der staatstreuen „Kirche im Sozialismus“ vertrat, studieren, ja, sogar in den Westen reisen. Ein absoluter Ausnahmefall!
Welche innere Motivation trieb und treibt sie um?
So entpuppten sich viele Zuschreibungen durch Politik und Medien als falsch. Bürgerrechtlerin? Keineswegs. Physikerin und Wissenschaftlerin? Vielleicht auf dem Papier, doch die Grundhaltung eines Wissenschaftlers, gekennzeichnet durch Neugier und die Bereitschaft, die eigenen Thesen zu hinterfragen und im Lichte neuer Erkenntnisse zu modifizieren, war dieser Frau offenbar völlig fremd. Folgerichtig umgab sie sich mit Ja-Sagern, die ihr stets nur die eigene Richtung bestätigten.
„Kohls Mädchen“, immer still und zurückhaltend, scheinbar unbedarft, quasi die Harmlosigkeit in Person und ideal geeignet als Quoten-Ossi in der ersten gesamtdeutschen Regierung nach der Wende? An den desaströsen Ergebnissen ihrer Politik als Bundeskanzlerin sollte sich zeigen, dass sie alles andere als harmlos war: Die eigene Partei programmatisch und personell entkernt, unter dem Deckmantel einer CDU-geführten Regierung linksgrüne Kernforderungen realisiert, die eine Regierung aus SPD und Grünen niemals hätte durchsetzen können, das eigene Land durch ihre Entscheidungen zielstrebig in den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Niedergang geführt und nicht zuletzt die AfD großgemacht.
Das erste Rätsel ist somit die Person Angela Merkel selbst: Welche innere Motivation trieb und treibt sie um? War und ist da mehr als der unbedingte Wille zum Machterhalt um jeden Preis? Das zweite Rätsel betrifft ihr Umfeld. Welche Netzwerke stützten und förderten ihren Aufstieg aus den Niederungen der Wendezeit bis an die Spitze der Weltpolitik?
Diesen beiden Fragekomplexen widmet sich die neue Serie „Alles über Angela“ des preisgekrönten Regisseurs und Filmemachers Robert Cibis auf der Plattform von „Ovalmedia“. Der vor wenigen Tagen herausgebrachte erste Teil behandelt Merkels Herkunft sowie ihre beiden wichtigsten Unterstützer in der Wendezeit: den Mitbegründer des „Demokratischen Aufbruchs“ und Stasi-IM Wolfgang Schnur sowie den letzten Ministerpräsidenten der DDR, Lothar de Maiziere, der ebenfalls unter dem Verdacht stand, Stasi-IM gewesen zu sein. Die Karriere Angela Merkels, heißt es in dem Film, sei insbesondere ohne die Unterstützung der in beiden Teilen Deutschlands prominent vertretenen Familie de Maiziere gar nicht möglich gewesen.
Jede Menge neuer und überraschender Informationen
War das „Chamäleon“ eine Agentin, die gezielt in die bundesdeutsche Politik eingeschleust wurde? Und wenn ja, von welchem Geheimdienst? Diese Fragen wirft der Film auf und behauptet, der besagte „Demokratische Aufbruch“ soll von Leuten des sowjetischen Geheimdienstes KGB durchsetzt gewesen sein. Weitere Fragen folgen: Wieso saß die so ehrgeizige und zielstrebige Merkel ganze acht Jahre an ihrer Doktorarbeit?
Packend erzählt und fesselnd wie ein Krimi trägt der Film bekannte und weniger bekannte Fakten zusammen und gibt diesen einen neuen Rahmen. Kaum jemand wusste bis dato, dass Angela Merkel Kontakte zu dem Regimekritiker Robert Havemann pflegte, diesen sogar 1980 in seinem von der Stasi abgeschirmten Haus in Grünheide besuchte. Doch während andere Besucher Havemanns hinterher verhört oder mit Sanktionen belegt wurden, geschah mit Angela Merkel – nichts. Ebenso erstaunlich sei, so heißt es, dass es keine Konsequenzen gab, als die DDR-Grenzorgane bei ihr nach Rückkehr von einem Polen-Besuch eine Zeitschrift der oppositionellen Gewerkschaft „Solidarnosc“ fanden.
Hochkarätige Gesprächspartner wie der ehemalige Verfassungsschutz-Chef Hans-Georg Maaßen, die Publizisten Peter Hahne und Vera Lengsfeld sowie der SPD-Dissident Thilo Sarrazin berichten über ihre persönlichen Begegnungen und Eindrücke. Die Merkel-Biografen Gerold Keefer und Gertrud Höhler liefern auch für diejenigen, die den Werdegang und das Wirken der Ex-Kanzlerin kritisch verfolgt haben, jede Menge neuer und überraschender Informationen. Eine zentrale Schlussfolgerung dieses ersten Teils: Es habe einflussreiche helfende Hände gegeben, die Angela Merkels Aufstieg zielstrebig beförderten.
Diesem ersten Teil von „Alles über Angela“ sollen weitere folgen und so Licht ins Dunkel um eine Frau bringen, die das Schicksal unseres Landes maßgeblich bestimmt hat und deren Gefolgsleute weiterhin an den politischen und medialen Schaltstellen der Macht sitzen. Das Kurzzeit-Abo, das man abschließen muss, um den Film (und viele weitere interessante Dokumentationen und Interview-Serien) sehen zu können, ist jeden einzelnen Cent wert.
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Ich glaube nicht dass das geplant war. Merkel war die personifizierte Naivität, groß geworden in Wohlstand, nur folgend ihrem moralischen Kompass. Das schafft sie in einer Gesellschaft, die genau so ist wie sie. Wohlstand sorgt für Sorglosigkeit. Platz für spontane Entscheidungen. Wirkliche Gefahren gibt es nicht mehr…
Das ist Frau Merkel gewesen.
Ist die Dokumentation von Guido Knopp oder ist es dafür noch zu früh?
Am besten ist die Beschreibung/der Vorwurf Lafontaines gegenüber Beckstein am 01. Juni. 2008 im Deutschen TV bei Anne Will … „Ich will Sie mal aufklären: Sie haben eine Jungkommunistin, eine überzeugte Jungkommunistin zur Kanzlerin gewählt. Ist Ihnen das überhaupt klar? […] Frau Merkel war FDJ-Funktionärin für Propaganda und Agitation.“
@Christiane Neidhardt: Wer mit Springer-Presse, irgendwas mit Israel und gegen die Unschuldsvermutung argumentiert, sollte mit VT-Vorwürfen vielleicht nicht allzu großzügig umgehen. – @Roger Contils: Sollte man die Kanzler-Biographien von Konrad Adenauer, Ludwig Erhard, Kurt-Georg Kiesinger und Willy Brandt also auch völlig losgelöst von ihren Werdegängen und ihren zuvorigen politischen Tätigkeiten betrachten und würdigen?
Es ist zu befürchten, dass die Geschichte keinen endgültigen Stab über Merkel brechen dürfte. Diese in ihrer Hintergründigkeit – um nicht Verschlagenheit zu sagen – absolut unterschätzte Lady hat zwar AKWs sprengen lassen aber auch dafür gesorgt, dass alles was sie angerichtet hat in einem Licht erscheint, das keinen offensichtlichen Sprengstoff ihr Wirken betreffend enthält.
Im Ordenshagel Tempus post regnum fehlt nur die Auszeichnung „Größter Chirurg aller Zeiten“ (gibt es nur in ♂, egal), „Hat aus dem Herzen Europas einen Arsch gemacht.“Viele, außer meiner Sicht zu viele sind mit dieser Leistung hoch zufrieden.
Frau Merkel wäre eine Null geblieben, wenn ihr nicht alle blind hinterher gelaufen wären. Deutschland, formal eine Demokratie, hat für über ein Jahrzehnt seine Urteilskraft dieser Frau untergeordnet, ja, geopfert.