Cora Stephan / 18.08.2016 / 06:25 / Foto: Lusilier / 13 / Seite ausdrucken

Der produktive Zweifel ist immer richtig - auch beim Klima

Der vergangene Sommer war großartig: warm und trocken, den Winzern zur Freude. Ein Lob dem Jahrgang 2015! Wie 2016 schlußendlich wird, wissen wir noch nicht. Es kommt, wie immer beim Wein, auf die letzten Wochen an. Für Menschen, die ihren Sommerurlaub in Deutschland genommen haben, steht allerdings jetzt schon fest, dass die Saison, etwa an der Ostsee, zu wünschen übrig ließ. Regen. Kälte. Heizung an, und das Anfang August. Was ist los?

Nichts ist los. Bis jetzt haben wir einen ganz normalen Sommer in Deutschland. Kein Klimawandel, nirgends, jedenfalls, wenn damit eine Erwärmung des Klimas gemeint ist, der auf einen „Treibhauseffekt“ durch den menschlich bedingten Ausstoß von Kohlendioxid zurückzuführen sei.

Nun hat Klima mit dem Wetter nichts zu tun, das haben wir ja alle längst gelernt. Woran aber eine Klimaerwärmung feststellen, wenn sie sich nicht auch irgendwo, und sei es nur im Wetter, niederschlägt? Seit beinahe 20 Jahren ist kein Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur nachgewiesen, das räumt sogar Mojib Latif ein, ansonsten ein Anhänger der Treibhausthese. Doch damit lässt sich niemand sein Forschungsinstitut kaputtmachen, schon gar nicht unser „Klimapapst“ Schellnhuber. Auch die „Klimakanzlerin“ weiß, was sie an der päpstlich verkündeten Klimakatastrophe hat. Der Appell ans schlechte Gewissen der Menschen ist und bleibt ein hilfreiches Herrschaftsinstrument, ganz nach dem Motto: wenn du nicht tust, was wir dir sagen, geht die Welt unter. Das wirkt nicht nur bei Kindern.

Forscher die nicht ins Weltbild passen

Egal, was „Klimaskeptiker“ so erzählen, wenn der Tag lang ist: Mit etwas Phantasie bringt jeder anständige Apokalyptiker die Realität mit der Theorie in Einklang. Und die Theorie besagt nunmal, dass es die Menschen sind, die mit verstärktem CO2-Ausstoß eine Klimakatastrophe herbeiführen. Klimakanzlerin Angela Merkel ist da unbeirrbar – auf wenn sie in letzter Zeit andere Sorgen hat.

Gewiss, jeder naturwissenschaftlich gebildete Mensch weiß, dass es ohne CO2 kein Leben gäbe auf Erden. Doch man soll dem eigenen Sachverstand und auch dem unserer politischen Experten nicht so ohne weiteres trauen. Es hat mal jemand (sicher aus Versehen) Lebensmittel ohne Gene befürwortet – oder, wie Landwirtschaftsministerin Aigner, behauptet, dass Kühe, die Heu fressen, laktosefreie Milch erzeugen. Verzeihen wir es ihnen:  solche Schnitzer offenbaren im Grunde nur Offenheit für neue wissenschaftliche Erkenntnisse, oder?

Der Einfluss der Sonne kränkt den menschlichen Größenwahn

Ins Weltbild passen indes selten jene Menschen, die ihren Forschungsehrgeiz den falschen Zielen widmen. Das sind zum Beispiel solche, die Klimaveränderungen wie eine globale Erwärmung (oder Abkühlung) nicht den Menschen zuschreiben, sondern etwa der Sonne. Ganz ehrlich: das kränkt den menschlichen Größenwahn. Und deshalb bleibt es ohne großes öffentliches Echo, wenn Forscher (nicht zum ersten Mal) darauf hinweisen, dass Klimaveränderungen mit veränderter Sonnenaktivität nicht nur korrelieren, sondern womöglich sogar ursächlich zusammenhängen.

Valentina Zharkowa von der Northumbria Universität interpretiert ihre Untersuchungen des Magnetfeldes der Sonne und der Sonnenzyklen nun dahingehend, dass ab 2020 bis Mitte des Jahrhunderts mit einer kleinen Eiszeit zu rechnen sein könnte, ähnlich dem sogenannten Maunder-Minimum des 17. Jahrhunderts.

Diese kleine Eiszeit, die der englische Astronom E. E. Maunder auf stark verringerte Sonnenfleckenaktivität zurückführte, war außerordentlich ungemütlich, wenn wir den Quellen glauben. Missernten führten zu Hungersnöten, Seuchen durchzogen Europa und auch der dreißigjährige Krieg könnte hier seinen Nährboden gefunden haben. Nicht die Wärme-, die Kälteperioden haben menschliches Elend verursacht. Die Aussichten auf eine Abkühlung stimmen also nicht wirklich froh.

Was richtig ist? Immer und auf jeden Fall: der produktive Zweifel.

Doch Professor Zharkowa hofft, das es in unserem Fall mit 30-35 Jahren Kälte getan sein könnte, auch wisse man nicht, ob der Abkühlung nicht andere Faktoren entgegenwirken könnten, vielleicht sogar jenes „Treibhausgas“, von dem ihre Kollegen meinen, das es für eine Erwärmung zuständig sei.

Die Aussicht auf eine kleine Eiszeit ist nicht gerade erfreulich, doch sie läge, wenn sie denn kommt, in der Zukunft. In der Gegenwart ist mir weit ungemütlicher angesichts der Reaktion, die Professor Zharkowa auf die Veröffentlichung ihrer Forschungsergebnisse hin erlebte. Klimatologen versuchten offenbar, die Veröffentlichung ihrer Thesen zu unterbinden, selbst dem Austausch der kontroversen Ideen verweigerten sie sich.

Ein solches Verhalten verwandelt Wissenschaftler in Glaubenskrieger, die jede andere Meinung für Blasphemie halten müssen, da Glaubenssätze bekanntlich nicht falsifiziert werden können.

Was richtig ist? Immer und auf jeden Fall: der produktive Zweifel. Der freie Austausch von Ideen und Hypothesen. Die Entflechtung von Politik, Moral und Wissenschaft. Vor allem aber: die unbedingte Freiheit der Forschung.

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Leserpost

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Hjalmar Kreutzer / 19.08.2016

Sehr geehrter Herr Schmidt, Sie beschreiben die Temperaturen als deutlich zu hoch? Darf ich fragen: Zu hoch für das menschliche Wohlbefinden? Für die Tier- und Pflanzenwelt? Für die Kartoffel- und Roggenernte? Im Vergleich wozu zu hoch? Wie kann man außerdem aus einem Rechenwert, der globalen Durchschnittstemperatur, die dann vom Nordpol über den Äquator bis zum Südpol gelten soll, Schlussfolgerungen für menschliches Verhalten oder “Klimaschutz”-Maßnahmen herleiten wollen, wie “unsere” Politiker? EIKE hat berechnet, dass bei Inkaufnahme aller Maßnahmen zur sog. Dekarbonisierung der Gesellschaft mit Begleiterscheinungen, wie Einschränkung der persönlichen Freiheit, Deindustrialisierung, sinkender Wohlstand, Verteuerung der Lebenshaltungskosten, Zerstörung der Landschaft maximal eine Absenkung oder nicht weitere Erhöhung dieses Durchschnittsrechenwertes um gerade einmal 0.5°C resultieren würde, vorausgesetzt, die gewünschten Maßnahmen würden weltweit verwirklicht, wovon nicht auszugehen ist. Was ich absolut nicht verstehe, ist die Motivation der Politik: Umbau der Gesellschaft zum Steinzeitkommunismus? Herrschen und Recht haben um jeden Preis? Jeder Räuber, der mir an die Brieftasche will, zeigt da eine klarere Motivation

Helmut Driesel / 19.08.2016

Sensationell! Der berühmte westfälische Friede 1648 als Folge eines temporären Hodenhochstandes der Mächtigen infolge ungewohnt niedriger Temperaturen bei kleiner Eiszeit, darauf ist bisher keiner gekommen. Dahinter steht, Klima, Sonnenflecken, klar, der Liebe Gott. Aber nun die Zukunft, was tun? Männer wählen? Welche?

B.Kröger / 19.08.2016

“Was richtig ist? Immer und auf jeden Fall: der produktive Zweifel. Der freie Austausch von Ideen und Hypothesen. Die Entflechtung von Politik, Moral und Wissenschaft. Vor allem aber: die unbedingte Freiheit der Forschung.” Richtig Frau Stephan!!  -  Die Diskussion zeigt auch, wie menschenzentriert das Weltbild noch ist.

Michael Scheffler / 19.08.2016

Herr Schmidt, Herr Ullrich, woran messen Sie “zu hohe Temperaturen”? Zu Luthers Zeiten gab es die Kirschblüte im Februar, die Seiser Alm war eisfrei und Dürer holte sich die Malaria in Amsterdam. Wie hoch mag damals wohl die durchschnittliche Welttemperatur gewesen sein? Und damit, dass Sie der Achse absprechen, über das Thema zu schreiben, legen Sie das gleiche Verhalten an den Tag wie die, die anderweitige Forschungen verhindern wollen.

Wolfgang Lechner / 18.08.2016

Sehr geehrte Frau Stephan, vielleicht erleben wir in den Naturwissenschaften gerade den Galileizyklus. Glauben ist seliger den wissen… oder so ähnlich. Danke für Ihre Zeilen. Herzlichen Gruß Wolfgang Lechner

Hartmann Ulrich / 18.08.2016

Natürlich gehört es zur Wissenschaft, daß man Theorien anzweifeln darf, wenn man Gründe dafür hat. Nur ist es in diesem Fall so, daß fast alle Wissenschaftler, bei allen Zweifeln, zu einem eindeutigen Ergebnis kommen. Die Theorie vom menschengemachten Klimawandel wird durch die These von einer möglichen, durch Sonnenflecken verursachten, Abkühlung in der nahen Zukunft nicht im mindesten widerlegt. Sie in diesem Zusammenhang anzuführen, wirkt eher wie ein letzter Strohhalm der “Klimaskeptiker”. Zweifel sind allerdings auch an Behauptungen des Artikels angebracht. Die Links, welche den Stillstand der allgemeinen Erwärmung belegen sollen, sind drei und acht Jahre alt. Inzwischen hat die Erwärmung wieder Fahrt aufgenommen. Und der Sommer 2016? Laut Statistik war der Juli in ganz Deutschland, verglichen mit dem dreißigjährigen Mittel, 1 bis 2 Grad zu warm. Daß so ein Wetter vielen Menschen kalt vorkommt, zeigt, wie sehr wir uns an den Klimawandel bereits gewöhnt haben.

Vaclav Endrst / 18.08.2016

Meine Meinung nach sorg derzeitiger Flugverkehr zusätzlich für eine Abkühlung der Erde. Der Grund bilden Stratosphärische Wolken, die eindeutig durch die Verbrennung von Kerosin (Flugzeugtreibstoff, in Prinzip Petroleum, also Kohlenwasserstoff) bei der ein 50%-tiger Anteil an Wasser in dem Abgas ist. Es wird gern argumentiert, dass die sg. Kondensstreifen schnell verschwinden, was zwar richtig ist, aber das bedeutet lange nicht, dass das Wasser, in diesen Fall ein stark unterkühlte Wasserdampf, nicht in eine Form sg. Schleierwolken (mikroeiskristallen) an andere Stelle der Stratosphäre, meistens über die Flugbahnen, weil das Wasserdampf leichte als die Luft ist, in eine Erscheinung tritt. Diese Eiskristallen lenken ein Teil der Sonnenstrahlen ins All und damit kann diese Teil nicht zum ihre Funktion, nämlich die Erwärmung der Erde, beitragen.  So viel nur als Kurzinfo.

Rainer Schmidt / 18.08.2016

Die Mittelwerte der Temperaturen der letzten 10 Jahre in Deutschland sind im Langfristvergleich (Klimanormalperiode) deutlich zu hoch. Nicht Wetter und Klima zu verwechseln heißt eben auch, dass die Durchschnittstemperatur im Schatten gemessen wird.  Dafür ist es dieses Jahr erneut viel zu warm (außer vielleicht im Norden). Ist es dauerhaft bedeckt, windig und regnerisch, fühlt es sich nur kälter an. Sommer wie 2003 oder 2015 sind auch nicht “großartig”, sondern fallen offiziell unter die Kategorie Naturkatastrophe. Solche Hitzeperioden mit mehreren Wochen dauerhaft über 30°C, in den Spitzen 40°C und Tropennächten als Dauerzustand sind für unsere Breiten nicht normal. Während ich die anderen Artikel auf der Achse sehr schätze, empfinde ich die Klimaleugnung sehr bedenklich. Das der, auf globaler Ebene betrachtet, Minibeitrag deutscher Windräder schlicht verpufft und in Verbindung mit dem Atomausstieg erst recht keinerlei Nutzen bringt, versteht sich dabei natürlich von selbst. Juli 2015:  +2,5 Grad Juli 2014:  +2,4 Grad Juli 2013:  +2,6 Grad Juli 2012:  +0,5 Grad Juli 2011:  -0,8 Grad Juli 2010:  +3,4 Grad Juli 2009:  +1,1 Grad Juli 2008:  +1,1 Grad Juli 2007:  +0,3 Grad Juli 2006:  +5,1 Grad Juli 2005:  +1,1 Grad Als Vergleich einmal die Jahre 1965-1970: Juli 1965:  -1,9 Grad Juli 1966:  -1,3 Grad Juli 1967:  +1,7 Grad Juli 1968:  -0,7 Grad Juli 1969:  +1,5 Grad Juli 1970:  -0,8 Grad

Bernhard Freiling / 18.08.2016

Wissenschaft lebt von These und Antithese. So lange, bis die eine oder die andere BEWIESEN ist. In Sachen Klimaforschung ist gar nichts bewiesen.  Da gibt es nur mehr oder weniger mit Unterstellungen und/oder mit Interpretationen erarbeitete Ergebnisse; die, soweit in die Zukunft projeziert, Keiner von uns mehr erleben dürfte. Da die Antithese von vornherein als abwegig und als nicht diskussionsfähig, als unwissenschaftlich, kurz: als unerwünscht betrachtet wird, frage ich mich: Was hat Klimaforschung mit Wissenschaft zu tun? Für mich habe ich natürlich eine Antwort gefunden: “Nichts - es ist nur ein weiteres Glaubensbekenntnis!”

Fridolin Kiesewetter / 18.08.2016

Der letzte Absatz ist zweifellos wahr und richtig und allgemeingültig. Und gilt somit auch für die Forschung an allen (!) zeitgeschichtlichen Themen aus der jüngeren deutschen Vergangenheit, oder nicht?

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