Gestern brachte BILD eine Geschichte über ein Treffen der Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth mit dem "iranischen Parlamentssprecher und notorischen Antisemiten Ali Laridschani" bei einer Sitzung der „Interparlamentarischen Union“ in Belgrad. Die Interparlamentarische Union ist eine jener zahllosen Organisationen, die niemand vermissen würde, wenn es sie nicht gäbe. 1889 mit dem Ziel "der Sicherung des Friedens, der Förderung des Demokratieverständnisses in allen Teilen der Welt und der Wahrung der Menschenrechte" gegründet, hat sie bis jetzt extrem erfolgreich gearbeitet und 130 Jahre alle Kriege und Völkermorde geschehen lassen. Möglichherweise hat sie damit Schlimmeres verhindern können, z.B. einen Krieg zwischen Andorra und Lichtenstein um die Schürfrechte am Rio Grande.
Auf dem Bild zu der Geschichte sieht man eine fröhliche Claudia Roth, die ihre Arme dem notorischen Antisemiten und Holocaustleugner Ali Laridschani entgegenstreckt und dabei so lacht, wie jeder normale Mensch lachen würde, wenn er einen alten Freund trifft, den er lange nicht gesehen hat. Ali Laridschani dagegen steht wie erstarrt da, als würde er schon überlegen, mit welcher Strafe er bei seiner Heimkehr rechnen muss, wenn er diese Geste einer Frau ohne Hemmungen erwidern würde. Es kann aber auch sein, dass sein zentrales Nervensystem einen kurzen Aussetzer hatte, nachdem ihm klar wurde, dass die Person ihm gegenüber kein Riesenpapagei ist, sondern seine alte Freundin Claudia Roth.
Man möchte zu gerne wissen, wie die Sache weiterging und worüber die beiden Parlamentspräsidenten miteinander geplaudert haben. Über Modefragen oder vielleicht über eine humanitäre Lösung der Israelfrage im Rahmen des Resettlement-Programms der EU? Wir werden es nicht erfahren, es sei denn, Claudia Roth wird eines Tages ihre Memoiren schreiben und darin auch berichten, wie sie 50.000 Israelis das Leben gerettet hat.
Jakob Augstein ist nicht dabei
Heute nun legt BILD mit einer weiteren Geschichte nach: Wie Antisemitismus in Deutschland salonfähig wird. Das ist insofern nicht ganz richtig, als der Antisemitismus längst salonfähig geworden ist. Aber es ist richtig, daran zu erinnern, wer, wie Claudia Roth sagen würde, die "Stichwortgeber" dieser Entwicklung sind: Sie selbst und ein paar weitere Figuren aus dem Offizierscasino der MS Deutschland: Inge Höger, Aiman Mazyek, Gauland & Höcke, Michael Müller, Patrick Bahners, das Berliner Zentrum für Antisemitismusforschung, Staatsminister Nils Annen, das Wuppertaler Amtsgericht und, last but not least, Präsident F.-W. Steinmeier, der im Februar dem iranischen Mullah-Regime „herzliche Glückwünsche“ zum Nationalfeiertag, „auch im Namen meiner Landsleute“, übersandte. Natürlich ist die Liste nicht vollständig, einige Namen fehlen, darunter auch der von Jakob Augstein.
Während sich Claudia Roth in Schweigen hüllte, gab Wolfgang Schäuble, der Präsident des Bundestages, eine Ehrenerklärung für sie ab. Hier der Wortlaut, wie er von der Pressestelle des Bundestags verbreitet wurde:
Es ist üblich, am Rande internationaler Konferenzen auch Anfragen ausländischer Delegationen zum bilateralen Gespräch anzunehmen und dabei mit gebotenem Nachdruck unsere Wertmaßstäbe zu vertreten. Dies hat die Delegation unter Leitung von Claudia Roth bei der Versammlung der Interparlamentarischen Union (IPU) im Gespräch mit dem iranischen Parlamentspräsidenten Ali Laridschani getan, indem sie iranische Vernichtungsdrohungen gegenüber Israel aufs Schärfste verurteilte und so deutlich machte, dass sich Deutschland der Verteidigung des Existenzrechts Israels verpflichtet sieht. Ich habe überhaupt keinen Zweifel daran, dass Claudia Roth jeder Form von Antisemitismus entschieden entgegentritt. Wir sind im Übrigen gut beraten, angesichts der Zuspitzung des Nahost-Konflikts auf allen Ebenen jede sich bietende Gelegenheit zu nutzen, unseren Einfluss in dieser unmittelbaren Nachbarregion geltend zu machen und diese nicht der Interessenspolitik Russlands, der Türkei oder Chinas alleine zu überlassen.
Ja, irgendwie hängt alles mit allem zusammen, bevor es auseinanderfällt, und was Claudia Roth getan hat, war Teil einer Politik, jede sich bietende Gelegenheit zu nutzen, unseren Einfluss in dieser unmittelbaren Nachbarregion geltend zu machen und diese nicht der Interessenspolitik Russlands, der Türkei oder Chinas alleine zu überlassen.
Falls Ihnen diese Sätze bekannt vorkommen, so liegen sie richtig. Schauen Sie bitte hier.
Wie geht es mit Claudia Roth weiter? Keine Ahnung. Ich vermute, sie wird den bevorstehenden 9. November nutzen und sich ganz entschieden den Nazis in den Weg stellen, die 1938 die Reichskristallnacht veranstaltet haben. Denn das waren echte Antisemiten, nicht solche Larifaris, Maulhelden und Sprücheklopfer wie der Sprecher des iranisches Parlaments.

@Stamer ......... ich habe mich weder mit H. Gauland noch Herrn Höcke intensiver befasst, allerdings stießen mich die Äußerungen von H. Gauland in Bezug auf das 3. Reich und seine Dimension auch ab, dazu muss man nicht jüdisch sein. Dahingehend wo der Antisemitismus beginnt und endigt sollten die davon Betroffenen für sich selbst sprechen und H. Broder ist ein Betroffener. Ansonsten sehe ich handfesten Antisemitismus in allen Parteien die AFD unterscheidet sich von diesen diesbezüglich nicht, was allerdings nicht entschuldigt sondern entsetzt.
Für mich immer wieder ein Phänomen. Eine Paradoxie? Oder eine Sonderform dieser? Wenn Menschen (in gewisser Weise) geradezu "aufblühen", obwohl das auslösende Ereignis, die zugrundeliegende Erscheinung bei genau diesen eher eine gegenteilige Reaktion erwarten läßt. Jetzt bin ich natürlich total unsicher, ob ich "richtig" verstanden werde - erläutern möchte ich das aber auch nicht.
So langsam fangen wohl alle an zu spinnen. Wenn Gauland Antisemit ist, ist Merz Erzkommunist und Trittihn Führer der Heilsarmee. Obwohl letzteres ja schon passen würde....
Lieber Herr Broder, ich freue mich sehr, mal nicht voll bei Ihnen zu sein: Hoecke und Gauland sind mW (Taten und Worte) keine Anti-Juden. Eher das Gegenteil. Hoeckes Schandmal-Logik trage ich voll, denn die Schand des Judenmordes und des Judenhasses durch Deutsche empfinde ich auch. Und die oberflaechliche Handhabung, die er ja angeprangert hat, regt auch Sie auf. Das haben Sie hier oft zu Protokoll gegeben.
Sorry, Herr Broder, ich widerspreche Ihnen selten und ungern, aber Gauland und Höcke sind _keine_ Antisemiten. Man muss nicht mit deren Positionen in allen Punkten übereinstimmen, aber Antisemitismus ist nicht dabei, auch kein Antizionismus bzw. Israelfeindlichkeit, wie bei Linken so oft. Meines Wissens ist der einzige Prominente mit teilweise antisemitischen Positionen in der AfD der Politiker Gedeon, der inzwischen aber nicht mehr dem Stuttgarter Landtag angehört. Die Unterstützung des Staates Israel gehört zur Parteiräson der AfD, im Gegensatz zu der von Außenminister Maas behaupteten Staatsräson, der er selbst nicht genügt.
Es bleibt nur noch Bewunderung über diese Trulla. Respekt was man alles erreichen kann - allein mit blöd-dämlichem Gelaber: «Abgeordnete», Mitglied des eines Bundestages, Weltreisende auf kosten der Allgemeinheit, «Aussenpolitikerin» etc.
BITTE! Verschonen Sie uns mit JEDWEDER Abbildung dieser Person! Ich habe mich soeben über meine Tastatur übergeben.