Vera Lengsfeld / 09.11.2022 / 15:10 / Foto: High Contrast / 29 / Seite ausdrucken

AKWs: Die Grünen wollen nicht auf die Wissenschaft hören

Heute Morgen fand die öffentliche Anhörung zur Stuttgarter Erklärung der 20 Professoren statt, die sich mit wissenschaftlichen Argumenten für den Weiterbetrieb der drei verbliebenen AKWs und die Wiederinbetriebnahme der drei im letzten Jahr abgeschalteten AKWs einsetzen.

Ihre Petition erreichte mehr als 58.000 Unterschriften, sodass der Petitionsausschuss gezwungen war, sich in öffentlicher Anhörung mit dem Thema zu befassen. Es war eine Lehrstunde dafür, wie faktenresistent die Ampelregierung handelt und dass die Parlamentarier bis auf Ausnahmen vergessen haben, was ihre Aufgabe ist – der Regierung kritisch auf die Finger zu schauen.

Nach dem Eröffnungsstatement von Professor André Thess, Initiator der „Stuttgarter Erklärung“, ergriff der Parlamentarische Staatssekretär im Umweltministerium Christian Kühn das Wort und bot neben den üblichen Phrasen aus den 70er Jahren und den Hinweis auf Fukushima, das ja kein „normales“, sondern ein vom Jahrtausend-Tsunami verursachtes Reaktorunglück war, das bis heute nicht mehr als ein Todesopfer gefordert hat, die Behauptung, dass es immer noch kein Endlager für den Atommüll gäbe. Damit offenbarte er seine Unwissenheit. 

Denn erstens gibt es die schon und zweitens könnte er im Abschlussbericht der „Arbeitsgruppe Endlager“, die von seinem Parteifreund, Ex-Umweltminister Jürgen Trittin, eingerichtet worden und im Gegensatz zu späteren „Expertengruppen“ noch mit wirklichen Fachleuten besetzt war, nachlesen, dass es in Deutschland noch kein Endlager gibt, weil es politisch nicht gewollt ist, nicht weil es keine geeigneten Salzstöcke gäbe. Nun wird nach Kühns Worten wieder nach einem Endlager gesucht, aber es fehlt nach wie vor am politischen Willen, eines zu finden, denn damit würde ein Grundstein für die Anti-AKW-Politik wegfallen.

Der Parlamentarische Staatsekretär aus dem Wirtschaftsministerium Stefan Wenzel hatte mindestens schon einmal in einen IPPC-Bericht geschaut und konnte daraus vortragen. Insgesamt war aber von der Regierung kaum mehr als Phrasen zu hören. Parlamentarische Staatssekretäre sind auch nicht auf diesem Posten, weil sie Fachleute wären, sondern weil man für Parlamentarier Posten braucht. Die Regierung hat also keinen Fachmann in diese Anhörung geschickt.

Rot-Grün reagiert zunehmend hysterisch

In der Anhörung galten strenge Regeln. Genau begrenzte Redezeiten für die Fragesteller und die Antwortenden. Eingehalten wurden die aber nur von Prof. Thess und Anna Veronika Wendland, die er sich an die Seite geholt hatte. Die SPD richtete wenigstens noch eine Frage an Prof. Thess, die anderen aber an die Regierung. Das ist ein beliebtes Mittel, die Petenten nicht zu Wort kommen zu lassen. Die Grünen trieben es auf die Spitze, sie fragten nur die Staatssekretäre, und zwar so, dass die bequem ihre ideologischen Positionen über die „Risikotechnologie“, den „nationalen Konsens über den Atomausstieg nach Fukushima“ und die Richtigkeit des Atomausstiegs abspulen konnten. Die kritische Frage der Opposition nach der Unterdrückung der Meinung von Befürwortern des Weiterbetriebs in den Ministerien und von der Spitze vorgegebene Formulierungen wurde nicht beantwortet. Stattdessen verstieg sich Kühn zu der Behauptung, im Umweltministerium seien abweichende Meinungen willkommen. Wenn das so ist, spürt man jedenfalls nichts davon.

Interessant war für mich die Beobachtung, wie die Grünen- und SPD-Abgeordneten auf die Ausführungen von Thess und Wendland reagierten: zunehmend hysterisch. Ich saß direkt über ihnen und hörte ihr empörtes Getuschel. Sie sind es offenbar nicht mehr gewohnt, andere Meinungen zu hören. Ein SPD-Abgeordneter war so genervt, dass er Thess vorwarf, immerzu mit wissenschaftlichen Fakten zu argumentieren. Wo kämen wir da auch hin, wenn Entscheidungen nach Fakten gefällt werden müssten!

Zum Schluss gelang Anna Veronika Wendland noch eine gute Antwort auf die Regierungsphrasen von der Risiko-technologie: „Wenn Isar 2 in Tschernobyl gestanden hätte, würden wir den Namen heute nicht kennen, wenn Isar 2 in Fukushima gestanden hätte, wäre es nicht zum Reaktorunfall gekommen.“

Deutschland hat die sichersten Atomkraftwerke der Welt. Die sollen nicht wegen ihrer tatsächlichen Risiken abgeschaltet werden, sondern weil mitten in der schwersten Energiekrise der Bundesrepublik die Grünen keinen Fußbreit von ihrer Ideologie aufgeben wollen. 

 

Liebe Leserinnen und Leser,
gerne können Sie Achgut.com auch in den Sozialen Medien folgen.
Hier die Links zu unseren Kanälen:

https://www.facebook.com/achgut
https://twitter.com/Achgut_com
https://t.me/achgutofficial
https://gettr.com/user/achgutofficial

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Paypal via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Wolfgang Schüler / 09.11.2022

Die Einen kapieren es nicht, dass ihre ” Energiewende” ein Schuß in den Ofen ist. Die Anderen kapieren es nicht, daß bei dem Verein mit Vernunft und Anstand einfach nichts zu erreichen ist.

Fritz kolb / 09.11.2022

Der grüne Mist muss verschwinden, möglichst schnell und rückstandslos. Deren Klimakirche ist wirklich unerträglich, weil ausschließlich fantasiebasiert. Ach hätten wir doch eine machtvolle Opposition, die das befördert und nicht diesen laschen Laschet-Nachfolger Merz.

Silas Loy / 09.11.2022

@ Marc Jemeier - Dem schliesse ich mich genau so an.

Xaver Huber / 09.11.2022

Spätestens mit der politisch-medial inszenierten Corona-Pandemie wurde offenbar, daß der Versuch, machtpolitisch-propagandistischen Narrativen mit Rationalität zu begegnen, sinnlos ist. Beweist sich dies schon im Einzelfall, gilt es umso mehr bei allgemeiner politischer Indoktrinierung. Die vom ehrenwerten, aber auch naiven Glauben an die Wahrheit, den Triumpf des Geistes, des Kant’schen “Sapere aude!” durchdrungenen Petitionisten hätten sich ihre Zeit und Mühe schenken können. Das Narrenschiff ‘schland wird solange in den sozialistischen Stromschnellen tanzen, bis es auf die Klippe eines mehrtägigen oder -wöchigen großflächigen Stromausfalls aufschlägt. Keine Sekunde früher.

Chris Lock / 09.11.2022

Es war doch von vornherein klar, dass der Petitionsausschuss lediglich dazu dient, Bürgernähe zu simulieren. Ernsthafte Anhörungen und die offene Beschäftigung mit den Themen der Petitionen finden nicht statt. .... es sei denn, die Petition stammt aus regierungsnahen Kreisen. Die Partei’n in Ihrem Lauf, hält weder Ochs noch Esel auf.

Marcel Seiler / 09.11.2022

“Die Grünen hören nicht auf die Wissenschaft”: Warum sollten sie. Sie haben ganz andere Ziele als die Wissenschaftler dieser Petition. Die wollen, dass Energie produziert wird, wie zur Erhaltung des Wohlstands und zur Ernährung der Weltbevölkerung nötig. Den Grünen wollen, dass vom Wohlstand übrig bleibt, was Sonnen- und Windenergie erlauben. Es interessiert sie nicht einmal, ob Sonnenkollektoren und Windräder überhaupt noch hergestellt werden können, wenn es keine normalen Kraftwerke mehr gibt. – Politik hat mir Wahrheit nichts mehr zu tun; es gewinnt, wer am Drücker sitzt und wer den anderen austricksen kann. Das sind im Moment die Grünen.

Hans Bethe / 09.11.2022

Die Deutschen lernen es immer nur auf die harte Tour. Es wird diesmal schmerzhaft im Portemonnaie weh tun. Ich wohne in Mannheim und wir hatten die Tage einen längeren Stromausfall, welcher 2 Stadtteile und 17000 Menschen betraf. Als ich meine Frau bat auch die Zeit wegen der Kühlschranke zu beachten, wurde diese kreidebleich und ich wurde beauftragt einen Stromgenerator zu besorgen.

Marc Jemeier / 09.11.2022

Sehr geschätzte Frau Lengsfeld, auch Sie (wir) haben unsere Erfahrungen mit der gemeinsamen Erklärung im Petitionsausschuss gemacht. Dieses Demokratie simulierende Schauspiel kann man sich eigentlich schenken.  Anders war der Verlauf nicht zu erwarten. Der Dank gilt allen, die es trotzdem versucht haben.

Dietrich Herrmann / 09.11.2022

Deutschland, die grün-rot-gelbe Autokratie.

Weitere anzeigen Leserbrief schreiben:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Vera Lengsfeld / 19.01.2023 / 11:00 / 25

Nachdenken über Markus Wolf – der Gentleman, der keiner war

Am 19. Januar jährt sich der Geburtstag von Stasi-Spionagechef Markus Wolf zum 100. Mal. Hier ein Beitrag wider die Verklärung dieses Mannes. HVA-Chef Wolf war…/ mehr

Vera Lengsfeld / 11.01.2023 / 06:15 / 78

Minister-Rauswurf: Grünes Eierlegen

Politiker, die sich extremer Verfehlungen schuldig gemacht haben, bleiben im Amt, gerne auch bei den Grünen. Jetzt gibt's ein Novum: Ein grüner Minister wird in…/ mehr

Vera Lengsfeld / 08.01.2023 / 14:00 / 14

Repressions-Erinnerungen in der „Covidnovelle“

In seinem Buch „Covidnovelle“ erzählt Wulf Bennert Geschichten von Menschen, die von den übergriffigen staatlichen Corona-Maßnahmen betroffen waren. Ein spannendes und beklemmendes Stück Literatur. Zwar ist die Pandemie…/ mehr

Vera Lengsfeld / 13.12.2022 / 11:00 / 64

Die Rückkehr der Hexenverfolgung

Künftig soll ein Hinweis genügen, um einen missliebigen Beamten feuern zu lassen, wenn es ihm nicht gelingt, seine Unschuld zu beweisen. Damit ist der Denunziation,…/ mehr

Vera Lengsfeld / 09.12.2022 / 16:00 / 28

Triegel trifft Cranach – Der Bildersturm des Weltdenkmalrats

Am letzten Sonntag war die vorläufig letzte Gelegenheit, im Naumburger Dom die wunderbare Wiederauferstehung des in den Reformationswirren vor 500 Jahren zerstörten Cranach-Altars durch den…/ mehr

Vera Lengsfeld / 13.11.2022 / 15:00 / 29

Im Westen nichts Neues! Leider.

Wer sich die Verfilmung des Antikriegsromans anschaut, dem wird deutlich vor Augen geführt, dass eine Gesellschaft Kriegstreiberei nicht hinnehmen darf. Die Idee, den Antikriegsroman „Im…/ mehr

Vera Lengsfeld / 07.11.2022 / 16:00 / 21

Ist der Westen global gescheitert?

Dieser Frage ging das 22. von Peter Krause initiierte Ettersburger Gespräch dieser Saison mit der Ethnologin und Politikwissenschaftlerin Susanne Schröter im vollbesetzten Gewehrsaal von Schloss Ettersburg…/ mehr

Vera Lengsfeld / 06.11.2022 / 14:00 / 18

„Ist Berlin eine Stadt?“ Ein Blick von den Malediven

Es waren die ruhigsten und erholsamsten Tage meines Erwachsenenlebens. Ein Teil von mir sitzt immer noch auf der Schaukel vor meinem Haus und schaut auf…/ mehr

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com