Thomas Maul, Gastautor / 03.09.2019 / 06:00 / Foto: David Shankbone / 28 / Seite ausdrucken

 „Akte Weinstein“ (1): Die Verdrängung der Prostitution 

Bereits mit seinem Beginn drohte der im Herbst 2017 von selbsternannten Opferschützern inszenierte Skandal um den erfolgreichen Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein, kaum entfesselt, grandios in die Hose zu gehen, sich nämlich solcherart gegen Weinsteins „Opfer“ zu kehren, dass man diese als bürgerliche Subjekte ernst nimmt, die mit den Konsequenzen ihrer Entscheidungen zu leben hätten, ohne die Öffentlichkeit und Weinstein mit ihrer nachträglichen Reue zu belästigen. 

Es war schließlich ungünstig, dass ausgerechnet die Bezichtigungen, die Weinstein mit dem Ruch eines Sexualverbrechers umgeben sollten, in den Schilderungen der Betroffenen selbst eher als Akte freiwilliger Prostitution denn als solche sexueller Gewalt erschienen. 

Auslöser des „Weinstein-Skandals“ war eine „investigative“ Recherche Ronan Farrows (The New Yorker, 10.10.2017), der, einigen Gerüchten nachforschend, Frauen aufgetrieben hatte, die bereit waren, unter Namensnennung konkrete Erlebnisberichte zu Weinstein abzuliefern. Dank seiner prominenten Eltern – Woody Allen und Mia Farrow – hat Ronan nicht nur eine Bilderbuchkarriere hinter sich, er ist auch Teil einer medial hinreichend ausgewalzten Familientragödie. Nicht nur, dass der Vater die Mutter verließ, um die Adoptivtochter, also Ronans Stiefschwester, zu heiraten, wenig später behauptete eine andere Schwester, von Allen sexuell missbraucht worden zu sein, Vorwürfe, die sie später, inzwischen in den Zwanzigern, noch einmal wiederholte. 

Während ein Bruder Ronans mit Allen die Auffassung vertritt, dass die Mutter die Tochter für einen Rachefeldzug gegen den Vater missbraucht, hält Ronan zu Schwester und Mutter. Im Zusammenhang von in dieser Hinsicht unergiebigen Gerichtsprozessen gegen den Vater sowie vergleichbaren Prozessen gegen andere Prominente veröffentlichte Ronan „im Mai 2016 einen Gastbeitrag im Hollywood Reporter“:

Er beklagte, wie die PR-Maschine seines Vaters die Vorwürfe übertönt hatte. Er prangerte das Schweigen der Journalisten an, schrieb, wenn die Justiz die Verletzlichen nicht schütze, seien die Medien umso wichtiger: „Es ist Zeit, harte Fragen zu stellen.“ Der Text las sich wie ein Manifest. Farrow hielt Wort. Einige Monate später begann er die Akte Weinstein zu recherchieren. (Vgl. NZZ, 20.10.2017)

Es war schließlich auch Weinstein, der die Filme des zeitweilig geächteten Vaters trotz allem weiterhin förderte. (Vgl. NZZ, 20.10.2017) 

Dieser Opferschutz-Kontext und Farrows – im Nachhinein (mit dem Pulitzer-Preis) bestätigtes – Vertrauen auf den verbreiteten Neopuritanismus ließen ihn wohl bedenkenlos „seine Opfer“ verraten. Zumindest eine aufgeklärte Öffentlichkeit hätte ihm vorwerfen müssen, seine zweifellos leidenden Interviewpartnerinnen empathielos ins offene Messer laufen zu lassen. Echtes Mitgefühl hätte ihn wohl davon abgehalten, dem Publikum als Beschuldigungen sexuellen Missbrauchs zu präsentieren, was Prostitutionsbeichten sind.

Der Sache nach als Prostitution beschrieben

Zu den wenigen, die dies im deutschsprachigen Raum früh – am 9. November 2017 – und in aller gebotenen Deutlichkeit ausgesprochen hatten, gehörte die Schauspielerin Nina Proll, bekannt unter anderem aus der Fernsehserie Vorstadtweiber

Ist oder war Herr Weinstein der einzige Produzent in Hollywood? Da gibt es Hunderte, wenn nicht Tausende. Da ein Abhängigkeitsverhältnis als Argument zu bringen, ist verlogen. Und wenn diese Frauen behaupten, sie wären von ihm anfangs zu Oralsex gezwungen worden, aber hätten danach regelmäßig und oft über Jahre einvernehmlichen Sex gehabt, damit ihnen keine Karrierenachteile entstehen, dann kann ich nur sagen: Dafür gibt es einen Namen, das nennt man nämlich Prostitution. Das ist ein Deal zwischen beiden Beteiligten. Dagegen ist auch nichts zu sagen, nur darf man sich nachher nicht darüber beschweren, dass man traumatisiert ist.

Dabei beanspruchte Proll im Unterschied zur überwiegenden Mehrheit der sich zum „Fall Weinstein“ öffentlich Äußernden nicht, ihrerseits besser zu wissen, was wirklich geschehen war – ob und wie vieler Straftaten Weinstein sich tatsächlich schuldig gemacht hat, hätten einzig und allein Gerichte zu klären –, sondern zeigte lediglich auf, dass und wie als justitiabler sexueller Übergriff behauptet und kolportiert wurde, was in den Verlautbarungen der Weinstein-Bezichtiger selbst der Sache nach als Prostitution beschrieben wird.

Gleichzeitig verteidigte Proll elementare Errungenschaften der Frauenemanzipation als etwas inzwischen Selbstverständliches, das für sich genommen so wenig Gewese verdient wie die eigene Partizipation an solcher Freiheit: dass es zum bürgerlichen Gebrauch des sexuellen Selbstbestimmungsrechts der Frau legitim dazugehört, in der allgemeinen Konkurrenz um Arbeitsplätze – ein Schlachtfeld, in das sich Frauen gerade infolge ihrer Emanzipation nun einmal geworfen sehen – und im Wettbewerb mit den gleich oder gar besser qualifizierten Mitbewerberinnen, mit denen man längst kein schwesterliches Opferkollektiv mehr bildet, gegenüber prospektiven Arbeitgebern eben auch die „Waffen einer Frau“ einzusetzen. 

Entsprechend ließ sich Proll auch von der pseudofeministischen Gehässigkeit, nach dem Modell des schwedischen Prostitutionsverbots allein den Freier – also den bösen Mann – und nicht auch die Prostituierte für ihren „Deal“ haftbar zu machen, nicht den Blick dafür vernebeln, was in derlei Opferschutzprogrammen das Hauptangriffsziel ist: nämlich die sexuelle Selbstbestimmung von Frauen, deren nonkonformen Ausdruck der neue Puritanismus nur dann nicht an ihnen verfolgt, wenn er ihn irgendwie als Resultat von Männergewalt konstruieren und die Frauen damit ins binäre Identitätsschema „Opfer oder Schlampe“ zurückzwingen kann.

Projektiv-wahnhafte Verkehrung von Sachverhalten

Darum ist auch die geläufige Unterstellung, dass der (kriminelle) Vergewaltiger bloß in die Tat umsetzen würde, wovon jeder (normale) Mann insgeheim träume, eine projektiv-wahnhafte Verkehrung von Sachverhalten. Realen Vergewaltigungen liegt eine gänzlich andere Psychodynamik zugrunde als Vergewaltigungsphantasien, in denen im Gegenteil die aggressiven Aspekte von Sexualität umgelenkt, bearbeitet und sublimiert werden. Überdies sind Vorstellungen von Vergewaltigung weit stärker charakteristisch für weibliche als für männliche Masturbationsphantasien, und zwar historisch weit über die gesellschaftliche Dominanz des Patriarchats hinaus. (Vergleiche die Werke von Isabelle Azoulay, Helene Deutsch und Susan Brownmiller zum Thema.)

Dies wiederum spricht keineswegs dafür, dass Frauen etwa tatsächlich vergewaltigt werden wollen, sondern ist Ausdruck dessen, dass sie sich perverse Wünsche beziehungsweise Lust häufig schlechthin nicht als subjektiven Selbstanteil eingestehen dürfen oder möchten, so dass die willensbrechende Vergewaltigung in der Phantasie „unschuldiges“ Selbstbild hier und Erreichung des versagten Triebziels da miteinander versöhnt.

Was Proll allerdings nicht geahnt haben dürfte, ist, wie wirkmächtig der im Aussterben befindlich geglaubte Puritanismus inzwischen gesamtgesellschaftlich – und das weltweit – wieder geworden ist, und wie groß das Bedürfnis unter Nicht-Puritanern, das eigene Gehirn komplett auszuschalten. Zwar war mit den ersten Weinstein-Enthüllungen bloß ausgesprochen, was ohnehin jeder immer zu wissen glaubte: dass Hollywood nicht nur von Liberalen, Juden und Kommunisten, sondern von Promiskuität und prostitutionsähnlichen Verhältnissen beherrscht wird. 

Doch hat sich davon offenbar eine ganze Horde von Schauspielerinnen, die mit Weinstein zusammenarbeiteten, genötigt gewähnt, öffentlich zu bekunden, dass erstens zwischen ihnen und Weinstein nichts gelaufen sei und zweitens alles, was sie mit Edelhurerei auch nur in Verbindung bringen könnte, allein auf die Kappe des übergriffigen Produzenten gehe. 

Damit erst war die für alles weitere in den Medien tonangebende Sorte „Weinstein-Opfer“ geboren, die in gut getimten Rhythmen eines nach dem anderen ins Licht der Öffentlichkeit traten oder gezerrt wurden, um sich von einer Schuld reinzuwaschen, die ihnen kein Aufgeklärter je ernsthaft unterstellt hat, und dafür Weinstein zum Sündenbock zu machen. 

Rose McGowans Leiden

Eine Ausnahme stellte Rose McGowan dar: als nämlich einziges, angeblich unzweideutiges Vergewaltigungsopfer mit medialer Dauerpräsenz. In der Ästhetik der Weinstein-Affäre – links ein größeres Porträt des „Täters“, rechts kleine Portraits seiner schier unzähligen „Opfer“ (siehe z.B. hier) – führte ihr kahlgeschorener Kopf stets die Liste der Erniedrigten an. 

Die FAZ bezeichnete sie bald als „Die Jeanne d’Arc der #MeToo-Bewegung“ (11.2.2018). Im spöttelnden Ton drückte sich die Enttäuschung über ein „Opfer“ aus, das monatelang als unantastbar galt. Im Unterschied zu den juristisch defizitären Aussagen etwa Argentos (auf welche die bereits zitierte Äußerung von Proll vor allem anspielt) hat McGowan, die schon lange vor dem Weinstein-Skandal mit Ronan Farrow in Kontakt stand, die Stimmung immer wieder angeheizt, ohne dabei konkret zu werden. 

Ein kryptischer Tweet an den Amazon-Chef – „@jeffbezos I told the head of your studio that HW raped me. Over & over I said it. He said it hadn’t been proven. I said I was the proof.“ – und die wiederholte Behauptung, dass diverse Weinstein-Mitarbeiter davon wussten und sie weder bei männlichen „Kollegen“ beziehungsweise (Ex-)Freunden (Rodriguez, Tarantino, Affleck) noch der eigenen Managerin, Jill Messick, Anteilnahme und Zuspruch fand – mehr war von McGowan lange Zeit nicht zu erfahren. 

Sie vertröstete das Publikum auf ihre Autobiografie, die ohne die angekündigte Enthüllung der Vergewaltigungsvorgänge, als Lebensbericht einer C-Prominenten, kein großes öffentliches Interesse hervorgerufen hätte.

Immer wieder sei sie von den mächtigsten und bösesten Männern‘ der Welt bedroht worden. [] In ihrer Autobiografie Brave, die im April im deutschsprachigen Raum erscheinen soll, beschreibt die Schauspielerin offen, wie sie von dem Monster‘ – wie sie Weinstein nennt – in einer Hotel-Suite 1997 sexuell genötigt wurde. (diepresse.com, 31.1.2018) 

Erst seit Ende Januar 2018 wurde immer klarer, was McGowan – „Eine Vergewaltigung ist wie der Tod“ (ebd.) – unter „Vergewaltigung“ eigentlich versteht. Auf Promotion-Tour zum am 31. Januar erschienenen Buch gibt sie in einer TV-Show mit Moderator Ronan Farrow in New York kund, bereits als 15-Jährige vergewaltigt worden zu sein – und zwar von einem Oscar-Preisträger, dessen Namen sie aber nicht nennen wolle. Die heute 44-jährige schildert das entsprechende Ereignis von vor 30 Jahren so: 

„Er nahm mich mit nach Hause, zeigte mir einen Soft-Porno. Dann hatte er Sex mit mir.“ Sie habe die Vergewaltigung jedoch jahrelang nicht als solche realisiert. Das ganze Ausmaß sei ihr erst später bewusst geworden. McGowan: „Ich fand ihn immer sehr attraktiv. Nicht unbedingt an dem Tag. Aber generell fühlte ich mich zu ihm hingezogen. Deshalb habe ich es auch immer als sexuelle Erfahrung abgetan.“ (bild.de, 3.2.2018) 

Im Kampf gegen die mächtigsten und bösesten Männer der Welt

In Brave selbst wiederholte McGowan die Attacken gegen ihre ehemalige Managerin, die am 7.2.2018 dann Suizid beging, was McGowan via Instagram wie folgt kommentierte: „Der böse Mann hat uns beiden das angetan. Mögest du Frieden auf der Astralebene und Ruhe bei den Sternen finden.“ (vip.de, 12.2.2018) 

Jill Messik, ohnehin als „Täterschützerin“ am öffentlichen Pranger des allgemeinen Opfersupports, geriet dadurch noch verstärkt unter Druck, dass Weinstein – seinerseits unter Beschuss von McGowan und Medien – eine E-mail von Messik veröffentlichte, in der diese schrieb, McGowan habe ihr damals anvertraut, die sexuellen Handlungen mit Weinstein willentlich begangen, sie aber kurz darauf bereut zu haben. (welt.de, 11.2.2018) 

Diese Entwicklung ist nicht zuletzt deshalb besonders tragisch, weil McGowans eigene Schilderung der angeblichen Vergewaltigung durch Weinstein in Brave dafür spricht, dass es sich genauso zugetragen hat, wie von Messik beschrieben: 

Das Buch erzählt von der Vergewaltigung durch Weinstein beim Sundance Festival. Und von McGowans Naivität, die sie selbst an sich feststellt, wenn sie von damals, vom Ort des Geschehens, erzählt. Sogar den Orgasmus aus Harry und Sally habe sie schließlich nachgespielt, damit die Sache schneller vorbei sei. [] McGowan erlebte mit Weinstein genau das, was ihr als Sektenkind normal erschien. Nachdem sie sich nicht mehr richtig verhielt, sich also nicht mehr mit ihm traf, nicht mehr zurückrief, nicht seine Geliebte sein wollte, kamen die Konsequenzen. Weinstein erzählte in Hollywood, man solle sie nicht casten, sie sei bad news. Er zahlte ihr 100.000 Dollar, damit sie die Klappe hielt: to buy peace, wie der schöne Fachbegriff heißt. (faz.net, 11.2.2018) 

Die Bettgeschichte mit Weinstein war also erstens allenfalls schlechter Sex, wobei McGowan zweitens während des Vollzugs für Weinstein sogar noch die Illusion erzeugte, es würde ihr gefallen, und drittens später eine Stange Geld dafür entgegennahm, über diese Erfahrung nicht öffentlich zu sprechen. Vieles spricht ferner für die Mutmaßung der FAZ, dass McGowans Kindheit und Sozialisation in einer „Sex-Sekte“ für die psychische Disposition des Verhaltensmusters verantwortlich sind, Männern immer wieder sexuell zu Willen zu sein, und dies anschließend zu bereuen. 

Verrat von Opfern

Ein individuelles Leid jedenfalls, das weder mit einem „Patriarchat“ noch Weinstein oder Messik zu tun hat, die aber ins Visier des Kreuzzuges einer 44-Jährigen gegen die eigene Biografie bzw. „die mächtigsten und bösesten Männer der Welt“ geraten sind. 

Im Juni 2018 berichteten die deutschen Medien noch, dass gegen Rose McGowan Anklage wegen Kokain-Besitzes erhoben wurde und verbreiteten ihre Verschwörungstheorie, nach der ihr die Drogen im Auftrag Weisteins untergeschoben worden seien (z.B. Spiegel-Online, 12.06.). Von McGowans späterer Verurteilung (Geldstrafe in Höhe von 2.500 US-Dollar und 12-monatige Bewährungsstrafe) erfuhr man aus deutschen Medien nichts mehr. Folgerichtig auch nichts von ihrem Kommentar:

Manchmal musst du den Kampf verlieren, um den Krieg zu gewinnen und ich bin auf lange Sicht dabei. Und genau das ist es, was vor sich geht. Sobald man sich im Rechtssystem verheddert, ist es sehr schwer, aus ihm herauszukommen. (The Washington Post, 14.01.2019)

Auch im Fall McGowan wird allseitig als empathische Unterstützung von Opfern ausgegeben, was ihr Verrat ist, indem die wahnhafte Bearbeitung von Symptomen und die kampagnenförmige Umgehung des Rechts (die Vorverurteilung des mutmaßlichen Täters) als Heilung der Seele angepriesen werden.

Lesen Sie morgen: „Akte Weinstein“ (2): Bademantelphobie.

Den zweiten Teil dieser Serie lesen Sie hier.

Den dritten Teil dieser Serie lesen Sie hier.

Den vierten Teil dieser Serie lesen Sie hier.

Dies ist ein leicht überarbeiteter und aktualisierter Text von Thomas Maul, der zuerst in Bahamas Nr. 78 erschienen ist. 

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Hans Meier / 03.09.2019

K. Schmidt (03.09.2019): Die Mär vom edlen Wilden ... noch so eine Projektion. Wahrscheinlich haben Sie sehr viel über die glücklichen, matriarchalisch lebenden Völker gelesen. Aber hieraus derart weitreichende Schlüsse zu ziehen, ist doch wenig überzeugend. Vielleicht zum Nächstliegenden: Man nimmt natürlich keine Fünfzehnjährigen mit nach Hause. Aber ich halte es abgesehen davon für richtig, die wohlfeile Wehklage über die Molesten der Prostitutionsausübung als das zu kennzeichnen, was sie ist: Rosinenpickerei. Niemand ist “durch die Umstände gezwungen”, sich der Prostitution hinzugeben. Das ist Mumpitz. Reden Sie einfach mal mit Prostituierten. Die Schicksale und Lebensläufe sind sehr unterschiedlich. Bitte nicht aus Bücherwissen auf die allgemeine Verfassung der Menschenseele schließen.

Volker Kleinophorst / 03.09.2019

@ S. Schönfelder. Versuchen wir es mal anders. Fällt Ihnen nicht auf, dass ausgerechnet die Männer mit Macht und Einfluss, denen Frauen die Türen einlaufen, die schlimmsten Vergewaltiger sein sollen? Sogar Ronaldo. Müssen Sie nicht auch oder sogar gerade als Frau lachen, wenn eine Frau dreißig Jahre nach einem angeblichen Übergriff über den sie bisher nicht sprechen konnte, vor Kamera und Gericht plötzlich in Tränen ausbricht. Weinstein ist auch mir keinesfalls sympathisch, hat er was strafrechtlich relevantes getan, soll er dafür gerade stehen, aber “offensichtlich”, “war bekannt” ganz davon ab, das es Nachbeten von Yellow Press ist, wirft doch eine Frage auf. Wenn “offensichtlich”, “bekannt”... Was sucht Frau denn dann allein in seinem Hotelzimmer? Ist doch alles “offensichtlich” “bekannt”. Ich kann das Geweine nicht mehr hören. Gerade das #metoo-Geweine, wo sich doch bisher das meiste in Luft aufgelöst hat, ja eh nur aus Behauptung bestand. Wann diese “Gesänge” erstaunlicherweise niemals erklingen, habe ich ja schon im vorherigen Post erläutert. Eines wiederhole ich aber gerne. Frau muss sich entscheiden. Selbstverantwortlich oder eben nicht. In der Vip-Lounge im kurzem Hemdchen tanzen und dreissig Jahre später vor Kameras in Tränen ausbrechen, finde ich so durchsichtig, wie das erwähnte Hemdchen. (Da ja jetzt eigentlich relativiert und eingeordnet werden muss: Relativierender Abspann, heute mal zum selber ausmalen.) PS.: Nein, ich habe nicht das zweite Gesicht. Aber meine Oma hatte es und meine Schwester hat es auch. Zu “Weinstein” haben die aber keine Antenne.

K. Schmidt / 03.09.2019

@ Roland Müller zur Theorie des “ältesten Gewerbes der Welt”; “Die Prostitution kann man nicht verdrängen, weil sie noch nie weg war.” Diesen Quatsch kann ich nicht mehr hören! Eine Behauptung wird nicht wahrer,  wenn man sie immer wiederholt! Und Unrecht wird nicht zu Recht, weil es schon so lange besteht! Die Prostitution ist nur das” älteste Gewerbe der Welt” im Patriarchat! Die Prostitution ist systemimmanent, sie gehört zum Patriarchat, wie der das Schwarzwasser in die Kanalisation, wie alle Formen der Gewalt gegen Frauen. In existierenden Matriarchaten (Matrilinearität- Vererbung des Besitzes über die Tochterlinie, Besuchsehen, Matrilokalität, Göttinnenverehrung, Subsistenzwirtschaft…) wie bei den Minankabau in Indonesien, den Khasi in Nepal, den Mosuo in China, gibt es keine Prostitution, keine Gewalt gegen Frauen, keinen sexuellen Missbrauch von Kindern, keine Pornos, keinen Sexismus, keine Überbevölkerung, keine einsamen Alten, Kranken, Waisen, keine Stiefkinder…Diese Völker leben friedlich und vertrauen nur dem gesprochenen nicht dem geschriebenem Wort. In China sind die Mosuo zur Touristenattraktion geworden, die Regierung zwingt sie sich dem Tourismus zu öffnen. Chinesische Männer finden die Vorstellung von wirklich freien Frauen geil. Darum ließ die Regierung Bordelle um die Mosuo Gegend bauen. Die Prostituierten dort tragen die Mosuo Tracht, aber es sind keine Mosuo Frauen, es sind verkleidete Han-Chinesinnen.

Sabine Schönfelder / 03.09.2019

Herr@ Kleinophorst, zeigen Sie jetzt auch ein ‘zweites Gesicht’ oder wie kommen Sie darauf, ich schriebe in Wut? Weinstein ist rein optisch nicht die Kategorie Mann, die sex a n d fun verspricht. Ich denke nicht alle sexuellen Partnerinnen Weinsteins haben sich offensiv an seinen Bademantel rangerobbt. Es war sicherlich bekannt, daß seine Rollenbesetzungen über ‘Sexarbeiten’ verteilt wurden. Das war für die Damen unangenehm und geschah, meines Erachtens, auch nicht wirklich oft auf freiwilliger Basis. Wer sich dennoch bereitwillig zeigte, verdient kein Mitleid, deren Anklagen sind verlogen und peinlich. Dennoch, Weinberg nutzte auf schäbige, egoistische Art seine Machtposition aus. Er verfügt über ausreichend finanzielle Mittel, um sich ohne erpresserische Elemente alle Spielarten von Sex zu erkaufen, ganz privat. Herr @Taterka, Billy Wilder war ein scharfsinniger und humorvoller Mann und ‘some like it hot’ ( grandiose Musik!) ist mein absoluter Lieblingsfilm! Denke die Filmbranche ist ein Konzentrat des ‘richtigen Lebens’, dennoch gelten die gleichen Ansprüche. Herr @Krämer, Ihr subphrenales Unbehagen läßt auf einen Beruf in einem weißen ( oder blauen) Kittel schließen? Sie sind einfach eine gute Partie für ehrgeizige Frauen! Herr@ Kemmerling, bitte keine Details, jeder wie er will. Muß man das wirklich wissen??? Es ist erstaunlich, welchen Diskussionselan der alte Wüstling Weinstein auslöst!

Thomas Taterka / 03.09.2019

Wenn Weinstein 5 mal lebenslänglich hintereinander mit abgesägten Eiern in Sing Sing absitzt und alle, die gegen ihn die reine Wahrheit ausgesagt haben, kommen glücklich aus dem Greta - Film, sind wir endlich im Klaren darüber, was für’n Scheiß hier eigentlich läuft.

Thomas Taterka / 03.09.2019

@ Decke : Mit braven Hausaufgaben kommt man hier womöglich nur an den Rand der Finsternis. Alles ,was Sie korrekt referieren, könnte sich als wahr erweisen und trotzdem stinkt dieser Rummel zum Gotterbarmen, weil Weinstein nicht der einzige Baum ist, den’s erwischt, sondern nur der mächtigste. Hier soll abgeschreckt werden und Platz geschaffen für neue Verkommenheiten, die ” aufrücken “ wollen ins Filmpropagandabusiness des sauberen Kinos. Wie überall sonst im Kultur - ” Geschäft “.

Thomas Taterka / 03.09.2019

@Sabine Schönfelder : Klar ist Roth ein ” Linker ” . Er hat im ” Makel ” ein Thema geöffnet, das hier auf der Achse schon ausgiebig behandelt wurde : die politische Säuberung an Hochschulen. Und warum sollte der vor der Flagge eines Präsidenten salutieren, dessen Vergangenheit er kennt und viel, viel mehr. Er ist ein äußerst gebildeter, parteiunabhängiger Amerikaner - gewesen. Wie beinahe jeder wirklich grosse Schriftsteller. Er war sozusagen seine eigene Instanz oder Partei. Das ist die unabdingbare Voraussetzung für künstlerische Größe. Wer das nicht verstehen kann,  soll Parteiprogramme lesen statt Literatur. Spart Zeit.

Thomas Taterka / 03.09.2019

@Sabine Schönfelder : Als “Double Indemnity “in Deutschland unter dem Titel ” Frau ohne Gewissen ” herausgebracht wurde, fragte man Billy Wilder, was er davon halte. Seine Antwort :” Idiotischer Titel. Trifft auf 1,6 Milliarden Frauen zu.” Ändert aber nichts daran , daß er auf der Leinwand grossartige integre Frauencharaktere gezaubert hat wie Hitchcock, Curtiz, Hawks, Wyler, Zinnemann, Huston, Walsh, Ford ,Kazan, Carol Reed oder Charlie Chaplin. Das Filmbusiness ist eine Manege der Biester. Ohne Fairplay , bei jeglicher Beteiligung.

Udo Kemmerling / 03.09.2019

“Da gäbe es tatsächlich Einiges (...) anzumerken, was die psychische Verfassung (...) vieler leicht identitätsgestörter und orientierungsloser Damen heutzutage betrifft.” (Rainer Niersberger) Mit einfacheren, deutlicheren Worten: Selbst das hartgesottenste HWG will in der Außenwahrnehmung ein “anständiges Mädchen” sein, und dieser Wunsch steigt mit dem Alter exponentiell an. Und die Vergewaltigungsphantasien finden mitnichten ausschließlich im Kopf der Zeitgenossinnen statt, sehr gern auch in der realen Ausführung… “Wenn du das einem erzählst…”

K. Schmidt / 03.09.2019

Einen solchen Artikel hätte ich hier nicht erwartet. Eher im Spiegel von Frau Friedrichsen. Immerhin ging das victim blaming hier von einem Mann aus. Das ist der Fortschritt!  Der Herr klärt uns über Vergewaltigungsphantasien auf, ob seine eigenen oder die der Menschheit bleibt sein Geheimnis. Wer es abscheulich findet, dass Männer ihre volljährigen Töchter beschlafen und Kleinkinder vergewaltigen ist “neopuritanistisch”? Dann bekenne ich: ICH BIN NEOPURITANISTISCH! Der von einem Gericht als schuldig verurteilte Allen ist kein Opfer! Seine Taten sind SEINE Verbrechen (Plural!) keine “Familientragödie”!  Seine Ehefrau ist keine schuldige Hexe geworden weil sie zu alt geworden ist und seine erwachsene Tochter, die ihre Aussage immer wiederholt ohne dass man ihr glaubt, keine gehirnlose ferngesteuerte Puppe, die in der Pychiatrie zum schweigen gebracht werden muss! Prominente in “einem Patriarchat” haben sich früher oder später ihre Plätze zurückgeholt mit Hilfe von Buddies wie diesem hier. Charlie Chaplin hat seine Kinder-Opfer auch geehelicht um dem Knast zu entgehen. Und hinterher von ihnen Selbstmord gefordert.  Keine “Horden” puritanistischer Frauen/Schauspielerinnen - eigentlich “Prostituierte” - machen unschuldige Männer fertig! Sie hatten NICHTimmer die Wahl zwischen vielen anständigen Jobangeboten um ihre Miete und das Essen für ihre Kinder zu bezahlen. Die waren bei Polanski im Pool eingeladen.

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