Vera Lengsfeld / 28.08.2023 / 06:15 / Foto: Raimond Spekking / 64 / Seite ausdrucken

Hier Aiwanger, da Ströbele und Fischer – wenn Heuchelei nach hinten losgeht

An der Kampagne gegen Hubert Aiwanger ist nichts neu. Aber geht die Heuchelei des linksgrünen Establishments jetzt nach hinten los?

Im sächsischen Sebnitz sollen 1997 Rechtsextremisten vor den Augen von etwa 1.000 Badegästen einen kleinen Jungen umgebracht haben, der, wie später festgestellt wurde, an einem Herzfehler starb. Aus diesem großen Medienskandal, damals ausgelöst von der Bild, wurden offenbar keine Lehren gezogen. Es folgte später die Kampagne gegen Chemnitz, indem behauptet und regierungsseitig bekräftigt wurde, dass dort nach der Ermordung eines jungen Mannes durch Migranten Hetzjagden auf Ausländer stattgefunden haben sollen. Im Gegensatz zum Fall Sebnitz, in dem Bild sich entschuldigt hat, wird die Lüge, die Chemnitz vor der Weltöffentlichkeit desavouiert hat, aufrechterhalten, obwohl sie auf einem von der Antifa gestohlenen Videoschnipsel beruht, der lediglich die Rangelei zwischen zwei Männern zeigt, die nach höchstens 10 Metern „Verfolgung“ endet, ohne dass der Verfolgte erreicht wurde. 

Neu an der Aiwanger-Kampagne ist, dass die Süddeutsche schon seit Jahren von der angeblichen Verfehlung Aiwangers gewusst haben soll, die Veröffentlichung aber zu einem Zeitpunkt erfolgte, da die Gefahr besteht, dass es die Freien Wähler wieder in die bayrische Regierung schaffen könnten. Das grün-woke Establishment kann es Aiwanger nicht verzeihen, dass er sich medienwirksam gegen das unsägliche Heizungsgesetz von Wirtschaftsminister Habeck geäußert hat.

Obwohl Aiwanger erst 17 Jahre alt war, als das Flugblatt, das jetzt veröffentlicht wurde, in seiner Schulmappe gefunden wurde und die schulinterne Untersuchung mit einem Strafreferat endete, was darauf schließen lässt, dass die Schulleitung nicht davon ausging, dass Aiwanger der Verfasser war, wird in den Berichten der links-grünen Presse der Eindruck verbreitet, Aiwanger müsste heute noch zu dem Inhalt des Pamphlets stehen, nach mehr als drei Jahrzehnten. Hätte Aiwanger damals einen Mitschüler umgebracht, wäre die Tat heute nach dem Jugendstrafrecht verjährt und dürfte in den Medien nicht gegen ihn verwendet werden. 

Erinnerungen an Ströbele und Fischer

Die künstlich geschürte Empörung ebbte auch nicht ab, als publik wurde, dass Aiwangers Bruder der Verfasser des Flugblatts gewesen ist. Nach wie vor wird, vor allem von den Grünen, die in Bayern ihre Felle wegschwimmen sehen, aber auch von der SPD, Aiwangers Entlassung gefordert. Aus diesem Grund sei an zwei Begebenheiten erinnert, in denen grüne Politiker antisemitisch agiert haben, die später hochgeehrte Politiker wurden. 

Christian Ströbele war Bundessprecher der Grünen, als er 1991 die Raketenangriffe auf Israel als eine logische Konsequenz der israelischen Politik bezeichnet hat. Auf Nachfrage sagte er, er billige nicht jede Konsequenz, aber Israel habe mit seiner Politik diese vorhersehbare Folge provoziert. Es gab einen medialen Aufschrei, vor allem wegen Henryk Broders öffentlichem Widerspruch, aber der politischen Karriere Ströbeles hat der Skandal nicht geschadet. Im Gegenteil, als Ströbele starb, bekam er nicht nur von der taz eine Gedenkfeier, sondern auch in bürgerlichen Blättern einen Nachruf auf einen Demokraten, dessen antiisraelische Ausfälle vergessen waren. Linker Antisemitismus, der sich als Israelkritik tarnt, wird hierzulande selten thematisiert, noch seltener verurteilt.

Das zweite Beispiel ist Joschka Fischer, der im Falle Ströbele einer der wenigen Grünen war, die dem damaligen Bundessprecher widersprochen haben. Fischer hatte inzwischen seine antisemitischen Aktionen bereut und sich glaubwürdig gewandelt. 

In den siebziger Jahren, als in Frankfurt der von den Linken inszenierte so genannte „Häuserkampf" tobte, eskalierte der Hass gegen den „Spekulanten“ Ignaz Bubis, der eines seiner Westend-Häuser, Ecke Beethovenstraße und Bockenheimer Landstraße, gewaltsam räumen ließ. Der Holocaust-Überlebende Bubis wurde im Laufe der Kampagne sogar in Rainer Werner Faßbinders Theaterstück „Der Müll, die Stadt und der Tod“ als Vorlage für die Figur des großen Volksfeindes verunglimpft. Dass Joschka Fischer und Daniel Cohn-Bendit sich viele Jahre später bei Bubis dafür entschuldigt haben, hat ihn gefreut, aber die Wunden, die von der damaligen Kampagne gegen ihn geschlagen wurden, schmerzten noch in den 90er Jahren. 

Als ich im April 1993 die Ehre hatte, anlässlich der Eröffnung des United States Holocaust Memorial Museum in Washington Ignaz Bubis persönlich kennenzulernen, sprachen wir auf dem Rückflug lange miteinander. Er hatte mich nach meinen Stasi-Erfahrungen befragt und erzählte später von der Kampagne gegen ihn.

Was Bubis von linken Extremisten, unterstützt von der linken Kulturschickeria, angetan und später mit Schweigen überdeckt wurde, steht im Vergleich in keinem Verhältnis zu dem Flugblatt, das in der Schultasche eines 17-Jährigen gefunden wurde. Fassbinder gehört nach wie vor zum kulturellen Kanon, während Forderungen zur Vernichtung der politischen Existenz Aiwangers erhoben werden. Glauben die Kampagnen-Betreiber, diese Doppelmoral würde vom Publikum nicht bemerkt?

Foto: Raimond Spekking CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

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Marcel Seiler / 28.08.2023

@H.G.Pehrlich: Das VOLLSTÄNDIGE Zitat des Herrn Wolffsohn in der Bild-Zeitung lautet: “Vielleicht hat Hubert Aiwanger mit 17 tatsächlich Nazis verharmlost. Doch, anders als dem grünen Joschka, soll man dem konservativen Aiwanger nicht zubilligen, dass er sich gewandelt hat?” Herr Wolffsohn sagt also: SELBST WENN Herr Aiwanger (und es ist zudem völlig unklar, welcher; Herr Wolffsohn schreibt dies ganz klar an anderer Stelle des von Ihnen zitierten Artikels), den Nationalsozialismus verharmlost haben SOLLTE, so ist ihm zuzubilligen, dass er sich geändert hat.” Das klingt nun ganz anders als Ihre verkürzte Wiedergabe.

Emil.Meins / 28.08.2023

@Jürgen Fischer / Apropos Schreibmaschine: im anderen Thread hatte ich es schon geschrieben, nix Schreibmaschine, Dokumentenvergleich! Typen der Schreibmaschine hinterlassen bestimmte Spuren auf den “getippten” Buchstaben/dem Papier, durch minimale Abweichungen bei der Produktion, damit kann man mutmaßen, ob 2 Texte auf derselben Maschine geschrieben wurden. Verglichen wurde eine Facharbeit von Hubert und das inkriminierte Flugblatt. Bei Reitschuster (neuer-rufmord-sueddeutsche-erklaert-jetzt-auch-aiwanger-zum-nazi) kann man Näheres lesen, auch zur Schule, und dem Lehrer, der wohl die Papier durchgestochen hat. Sowie ein Faksimile des Flugblattes, mit dem Text. Nachdem ich dort gelesen hatte: “Weiter ist in der „Süddeutschen“ zu lesen: „Im Schuljahr 1987/88 nimmt das Gymnasium an einem Erinnerungswettbewerb teil, ‘Deutsche Geschichte‘. Hubert Aiwanger, der Elftklässler, strafmündig, bald volljährig, soll sein eigenes Preisausschreiben erfunden haben, antisemitische Fantasien. Das Flugblatt, ein Papier aus der Vergangenheit, das womöglich eine Linie ins Heute zieht.“, fragte ich mich, ob die beiden Aiwangers vielleicht mit ihrem Flugblatt den Erinnerungswettbewerb ‘Deutsche Geschichte‘ verkackeiern wollten, und sich damit den Zorn des lehrers zuzogen, denn das würde einen Sinn ergeben. Und noch eins fällt auf, im Text der Süddeutschen, wie unterschiedlich doch gewichtet wird: Aiwanger wird als Elftklässler, strafmündig, bald volljährig, (also 17 Jahre alt) dargestellt. Während sich die MSM immer fast überschlagen, teils erwachsene migrantische Straftäter als “unmündige Jugendliche mit schwerer Jugend und verzögerter Entwicklung” (und Bart!) zu präsentieren, die unbedingt nach Jugendstrafrecht zu behandeln sind, wird hier genau andersrum verfahren. Schäm dich Prantl, du erbärmlicher Schmutzfink! Und wenn Aiwanger der größte Schweinehund wäre, ist das eine unwürdige, erbärmliche Schmutzkampagne.

Helmut Driesel / 28.08.2023

  Wer das so hoch hängt, sollte eigenlich den Text veröffentlichen. Andererseits waren in Bayern die Konservativen schon immer etwas weiter zurück, als anderswo. Ich meine, etwas tiefer in der Vergangenheit verwurzelt. Dem Jenninger damals als Bundestagspräsdident war das Jüdische auch etwas egaler als anderen. Das ist im Rahmen der Gesetze, aber es ist eben ein Unterschied, ob man sich dann unbedingt nach vorne drängeln muss, um eine Rede zu halten oder nicht. Ich denke, es wird einen Rücktritt geben, ob da der große Bruder in die Bresche gesprungen ist, will jetzt keiner wissen.

Jürgen Fischer / 28.08.2023

Apropos Schreibmaschine: Aiwanger hat echt noch die Schreibmaschine, mit der er seine Facharbeit geschrieben hat? Und selbst wenn: wie kommen diese selbsternannten Ankläger überhaupt an Aiwangers Schreibmaschine? Hat da wieder ein übereifriger Staatsanwalt mit dem Durchsuchungsbeschluss gewedelt? Es ist nicht auszuhalten, was da inszeniert wird. Und die Gutmenschis fallen wie immer drauf rein. Wie sagte Matthias Selbmann in „Das fliegende Klassenzimmer“? »Es waren zu viele!«

M.Müller / 28.08.2023

Ich halte es im Kampf gegen Antisemitismus für unabdingbar, dass bekannt wird, wer mit solchen Flugblättern durch die Gegend gelaufen ist und läuft. Wären Ihnen solche Praktiken unter heutigen Politikern bekannt, würden Sie darüber schreiben? Ab wann sprechen Sie von einer Kampagne? Bei drei Beiträgen pro Tag? Entgegen Ihrer oben zu entnehmenden Einschätzung, halte ich Aiwangers Erklärung a`la “Ich war es nicht, der die Dinger gedruckt hat” für völlig unzureichend, weil sie viele Fragen unbeantwortet lässt.

Angelika Meier / 28.08.2023

Meine Prognose: Herr Aiwanger tritt in den nächsten Tagen vom Ministerposten und als Chef der FW zurück. Die Umfragen für die Landtagswahl werden sich durch die ganze Sache nicht groß ändern.

Frank Box / 28.08.2023

ZITAT: FR, 12.01.2019 - “Auch wenn 70 Jahre nach Adolf Hitlers Todesjahr das Urheberrecht erlischt, bleibt seine Hetzschrift “Mein Kampf” verboten…”

andreas skrziepietz / 28.08.2023

Wenn zwei das gleiche tun, ist das noch lange nicht dasselbe. Die Heuchelei der grünen Übermenschen ist doch hinlänglich bekannt.

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