Henryk M. Broder / 28.08.2023 / 16:00 / Foto: Acgut.com / 113 / Seite ausdrucken

Aiwanger soll weg! Sagt Lauterbach.

Hubert Aiwanger soll zurücktreten, weil er sich vor 35 Jahren „diskreditiert“ hat. Am Lautesten fordern das ausgerechnet diejenigen, die selbst deutlich aktuellere Rücktrittsgründe hätten, wie der Gesundheitsminister Karl Lauterbach.

Zu sagen, die Süddeutsche Zeitung (SZ) sei ein antisemitisches Hetzblatt, wäre sicher eine Übertreibung. Aber es gibt schon mehr als nur einen „Anfangsverdacht“, dass die SZ sich ab und zu einen antisemitischen Ausrutscher leistet, in aller Unschuld, wie sie für den Antisemitismus der gebildeten Stände charakteristisch ist, in einem Milieu, wo man gerne über den „jüdischen Beitrag zu deutschen Kultur“ redet und die Lage im Gaza-Streifen mit der im Warschauer Ghetto vergleicht. Hier eine kleine, aber charakteristische Auswahl von antisemitisch kontaminierten Beiträgen aus der „Prawda des Südens“:

Da war eine Karikatur des israelischen Ministerpräsidenten, die zu einer sofortigen Entlassung des Karikaturisten geführt hat. Immerhin, könnte man sagen. Ungeklärt blieb allerdings die Frage, wie so eine Karikatur ins Blatt kommen konnte, vorbei am zuständigen Redakteur, dem C.v.D., dem Chefredakteur und allen an der Produktion der Zeitung Beteiligten. Es ist, als würde ein Edelrestaurant „Ausgekotztes vom Rind“ auf die Tageskarte setzen und es erst merken, nachdem sich die Gäste beschwert haben. Hier und hier.

Eine andere „antisemitisch anmutende Zeichnung“, die dem Facebook-Erfinder Zuckerberg gewidmet war, hat sogar ihren Urheber kalt erwischt. Sie sei, bekannte er, „unter Zeitdruck“ entstanden. „Mir ist in der Situation nicht aufgefallen, dass die Darstellung problematisch sein könnte, da ich Zuckerberg überhaupt nicht als Juden betrachtet habe.“ Bingo, möchte man rufen, genau so funktioniert der vegetative Antisemitismus. Hier.

Ein vermeidbares Missverständnis

Die SZ hat es sogar geschafft, eine harmlose und völlig antisemitismusfreie Zeichnung in ihr Gegenteil zu verwandeln, indem sie entsprechend kontextualisiert wurde. Die zuständige Redakteurin bat um Verständnis für ein „Missverständnis, das vermeidbar gewesen wäre“. Ich war anderer Meinung. „Die Süddeutsche Zeitung setzt dort an, wo der Stürmer 1945 aufhören musste.“ Hier.

Und nun nimmt die SZ den bayerischen Vize-Ministerpräsidenten und Vorsitzenden der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, in die Zange. Sie hat ein 35 Jahre altes lupenrein antisemitisches Flugblatt ausgegraben – oder es wurde ihr zugespielt –, das Hubert Aiwanger als 17-jähriger Schüler verfasst haben soll. „Ich war es nicht!“, sagt Aiwanger, „ich weiß aber, wer es war!“ Worauf sich sein älterer Bruder Helmut zu Wort meldet: „Ich war es! Und ich distanziere mich von diesem Machwerk!“

Ginge es nicht um ein von Judenhass triefendes Stück Papier, sondern um die Vaterschaft an einem unehelich gezeugten Kind, für die zwei Brüder verantwortlich sein könnten, wäre das „a Mordsgaudi“ für das Berchtesgadener Bauerntheater, mit den drei „Bergvagabunden“ in den Hauptrollen. Das ist es aber nicht. Es geht in diesem Abgrund an Heuchelei auch nicht um Antisemitismus und Juden, es geht um politischen Geländegewinn mit Hilfe des Antisemitismus auf dem Rücken der Juden. Und es ist auch wurscht, ob's der Hubert oder der Helmut war oder sonst irgendein Hanswurst in Lederhosen – ginge es nicht um ein Flugblatt, sondern um Mord oder Totschlag, wären die Täter längst wieder auf freiem Fuß. Wie der RAF-Terrorist Christian Klar, der wegen neunfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt und nach 26 Jahren auf Bewährung entlassen wurde, worauf ihm Claus Peymann, der langjährige Intendant des Berliner Ensembles, ein Praktikum als Bühnentechniker anbot, das Klar allerdings nicht annahm.

Alte Rechnungen werden beglichen

Antisemitismus ist Alltag in Deutschland. Auf der documenta in Kassel, auf den Straßen und Plätzen in Kreuzberg und Neukölln, im subventionierten Kulturbetrieb, dessen Spitzenvertreter sich mit dem BDS solidarisieren und Petitionen über Israels Existenzrecht verbreiten. Und je mehr „Antisemitismusbeauftragte“ berufen werden, desto ungenierter lebt sich der Judenhass aus.

Unter diesen Umständen ein 35 Jahre altes Pamphlet aus der Versenkung zu holen, ist ein Täuschungsmanöver, eine Chance, alte Rechnungen zu begleichen. Zum Beispiel für den Universalversager Karl Lauterbach, der sich zu diesem Statement herabließ:

„Schon seine Verschwörungstheorien als radikaler Impfgegner hat (!) Hubert Aiwanger für mich als ernsthaften Politiker völlig diskreditiert. Sollte er der Verfasser des menschenverachtenden ‚Ausschwitz Pamphlet‘ [!] sein (!) muss er zurücktreten.“

Was soll man von einem Mann halten, der sich als "Professor" präsentiert, Singular von Plural nicht unterscheiden kann, die Regeln der Zeichensetzung ignoriert und "Auschwitz" mit SS in der Mitte schreibt, als würde es sich um eine Sauna handeln, die man zum Schwitzen aufsucht? 

Minderleister Lauterbach will, dass Aiwanger zurücktritt, weil der sich vor 35 Jahren „diskreditiert“ hat. Lauterbach dagegen, der sich jeden Tag aufs Neue als unfähig erweist, macht munter weiter. Bis irgendein Pamphlet bekannt wird, das er als Zehnjähriger über die Gefahren von Salz und Zucker in Speisen und Getränken geschrieben hat.

PS: Wer von Karl Lauterbach redet, sollte über Saskia Esken nicht schweigen. Die charismatische SPD-Politikerin und Abgeordnete des Bundestages verfügt über ein Monatseinkommen von rund 24.000.- brutto, davon entfallen 9.000.- Euro auf eine "Aufwandsentschädigung", die ihr als Parteivorsitzenden zustehen. In der Sache Aiwanger gab sie der Funke-Mediengruppe ein Interview, in dem sie u.a. sagte: "Selbst wenn Aiwanger das Flugblatt nicht selbst verfasst, aber mit sich getragen und verteilt haben sollte, lassen die widerlichen und menschenverachtenden Formulierungen Rückschlüsse auf die Gesinnung zu, die dem zugrunde lag." - Und wie geht es weiter? Muss noch ermittelt werden, wer das "Ausschwitz-Pamphlet" geschrieben und wo es 35 Jahre geruht hat, bis es der SZ in die Hände fiel? Nein, das muss nicht sein. Frau Esken übernimmt den Fall und führt ihn sinnvoll zu Ende. Rechtliche Grundlage wäre eine noch zu verabschiebende  Verordnung über die Anwendbarkeit von Sippenhaft in außergerichtlichen Schnellverfahren.

Henryk Modest Broder, geb 1946 in Katowice/Polen, ist Herausgeber von Achgut.com.

Durchs irre Germanistan. Notizen aus der Ampel-Republik“ von Henryk M. Broder und Reinhard Mohr erscheint im Europa Verlag. Sie können das Buch im Achgut Shop bestellen, hier.

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Klaus Keller / 28.08.2023

Man könnte meinen das man es seit Jahren mit einer Massenpsychose zu tun hat in der die Patienten der Überzeugung das es vernünftig ist der SZ zu glauben und das es ihnen selber nutzt wenn sie Söder und seine CSU wählen. Man kann durchaus versuchen seinen Zorn durch Mitleid zu ersetzen und Söder eine längere Auszeit von politischen Ämtern zu wünschen in denen er sich erden und zur Ruhe kommen kann. Der Mann wird, wenn er so weiter man an sich selber scheitern. Das kann böse enden. Ich wünsche allen CSU-Wählern und SZ Lesern gute Besserung, Herrn Söder natürlich auch. Man soll die Hoffnung nie aufgeben. Er müsste dazu aber sein Verhalten ändern. Das ist in sofern schwierig da er in seinem Fehlverhalten immer auch bestärkt wird. Das Problem hat auch Herr Minister Lauterbach. +++ Zum latenten Antisemitismus. Mir fällt dann auch immer Siegmar Gabriel ein der, wenn er die Finanzwelt kritisieren wollte Goldman-Sachs zitierte und nicht von Wallstreet oder Bankstern sprach. Goldman und Sachs waren Einwanderer oder Nachkommen von jüdischen Einwanderern aus Franken/Bayern. Kritische Äußerungen über die Verbindung von Juden + Geld waren schon immer Teil des Judenhasses. Gabriel hat auf Lehramt studiert und war in der Erwachsenenbildung tätig und er ist wohl nicht blöd. Also weiß er von was er redet und man muss ihm Absicht unterstellen. Es geht nicht darum das man die Bank nicht kritisieren dürfte aber wenn einem nur der Name als Beispiel einfällt ist das m.E. schon auffällig.

Karl Napp / 28.08.2023

Die SZ – ähnlich wie der SPIEGEL auch nicht mehr das, was sie mal war und eigentlich immer noch sein könnte. Ich geh’ mal davon aus, dass nun investigative Journalisten recherchieren, wer die Nachricht lanciert hat. Kein Job für den Rentner Hans Leyendecker?

Wolf Hagen / 28.08.2023

Mitte der 80er, ich war ca. 14 Jahre alt, ich erinnere mich, es lief ein Bericht in der damals noch objektiven “Tagesschau”, über Zahlungsforderungen jüdischer KZ-Überlebender. Vorlaut äußerte ich, naiv, unbedacht und völlig ahnungslos, den mir damals “cool” vorkommenden Spruch: “Hätte Adolf es richtig gemacht, bräuchten wir heute nichts zahlen!” Zack, setzte es eine “Backpfeife” von meinem Vater, während er grollte, ich solle nicht so einen Mist erzählen. Natürlich war ich wütend auf “die Juden”, bzw. dass ich wegen “denen” eine geklatscht bekommen hatte, obwohl ich doch schon “erwachsen” war (dachte ich zumindest damals). Also befasste ich mich mit “den Juden” im WW II und davor und danach. Ursprünglich mit der Intention, meinen Spruch zu rechtfertigen. Zuerst sprach ich mit Zeitzeugen, dann las ich viel über den Holocaust und merkte schnell, dass die “Schelle” wohl gerechtfertigt war. Aber über diese Brücke kam ich auch zu Kishon und den Blaumilchkanal, lernte den jüdischen Humor zu schätzen und über einige weitere Stationen landete ich bei Reich-Ranicki, der mir mit seinem Wissen und seiner großen Klappe imponierte, irgendwann bei Broder und heute bei Krav Maga (heute bin ich darin Instructor). Nicht zu vergessen, die hübschen israelischen Mädels in der IDF, die es bei uns, in meiner BW-Zeit, nirgendwo gab und die wirklich coolen Aktionen des Mossad. Kurz, ich wurde vom dämlich-naiven Saulus zum Paulus, der heute schon viele Jahre ein Fan der jüdischen Kultur und Israels ist. Nicht auszuschließen, dass es den Aiwangers ähnlich erging.

Paul Ehrlich / 28.08.2023

Solange wir als Volk uns das noch gefallen lassen, was die da Oben abziehen. Solange werden die auch weitermachen. Das hört nicht auf. Aber da 80% von diesem Volk offenbar mit denen da Oben einer Meinung sind, ist kein Ende abzusehen. Finis Germania

Lutz Liebezeit / 28.08.2023

SZ und ZEIT gäbe es schon lange nicht mehr, würden die nicht vom NDR mit penetranter Schleichwerbung im Spiel gehalten. Wikipedia SZ Kritik: Antisemitismus: “Nachdem die SZ im August 1949 einen zustimmenden Kommentar Wilhelm Emanuel Süskinds zur These des alliierten Hochkommissars John Jay McCloy vom Verhältnis der Deutschen zu den Juden als „Feuerprobe für die deutsche Demokratie“ veröffentlicht hatte, druckte sie unkommentiert neben zwei positiven Leserbriefen auch einen ab, dessen Verfasser das provokante Pseudonym „Adolf Bleibtreu“ (eine Anspielung auf Adolf Hitler) und die fiktive Adresse in der „Palästinastraße“ angab, was von einem Korrektor dann in „Palestrinastraße“ geändert wurde. Darin wurde bezüglich der Juden das Bedauern zum Ausdruck gebracht, „dass wir nicht alle vergast haben“.”

Andrej Stoltz / 28.08.2023

Parallelen zu Ibiza, auch einem “Projekt” der SZ, sind unübersehbar. Man erinnere sich: Die Grünen wurden bei einer Nationalratswahl wegen ihrer allein feministischen Politik komplett aus dem Parlament gewählt. Eine Regierung SchwarzBlau bildet sich. Zwei Einfaltspinsel, Strache und Gudenus vom Regierungskoalitionspartner FPÖ lassen sich mit Alkohol abfüllen und führen dann einen besoffenen Schmäh. Allerdings auch nichts anderes, was alle Politiker mit Wirtschaftsleuten besprechen. Das Ganze illegal gefilmt. Kommt für 2 Jahre in die Schublade. Dann vor der Wahl wieder hervorgezaubert. Wegen dem üblichen linken Empörungssturm der Medien beide nicht mehr haltbar. Zuerst Gudenus, dann Strache zurückgetreten. Um die Koalition für die Partei zu retten. Eigentlich wäre es dann gut gewesen. Aber dann passiert Interessantes. Dem Herrn Bundeskanzler Sebastian Kurz, der mittlerweile selbst ein Korruptionsverfahren nach dem anderem am Hals hat, reicht das noch nicht. Die Köpfe von Strache, Gudenus sind ihm noch nicht genug. Er verlangt auch den Rücktritt von Herbert Kickl, der mit Ibiza überhaupt nichts zu tun hat. Es wird deutlich, dass es gar nicht um Strache ging, sondern noch um viel mehr. Einerseits ist Kickl ein ernstzunehmender, populärer Konkurrent. Und zum anderen ist völlig klar, dass die FPÖ nicht auch noch auf diesen Erpressungsversuch seitens Kurz eingehen kann, denn Kickl ist ja ihr unbelasteter Hoffnungsträger. Es wird also deutlich, dass es bei Ibiza nicht um Enthüllungsjournalismus geht, sondern darum eine nichtlinke Regierung zu sprengen. Die Koalition platzt, Kickl kann die FPÖ nicht auch noch opfern. Kurz ruiniert seine bereits dritte Regierung. Dann Neuwahlen. Die Grünen, wieder auch mit ein paar männlichen Kandidaten” schaffens zurück ins Parlament. SchwarzGrüne Regierung folgt. Operation gelungen. Grün nicht nur gerettet, sondern als Regierung implementiert….Genau das ist hier auch die Roadmap für Bayern. Fazit: ES IST EIN PUTSCH ! Und der Söder…??

L. Bauer / 28.08.2023

Der Kommentar geht leider etwas an der Sache vorbei. Es ist zwar alles richtig erzählt, aber es geht nicht darum, was ein, oder mehrere Mitspieler des Systems dazu sagen. Die sind immer da, werden schön vorgeschickt, Wadenbeißerzeit. Es geht um Söder höchstpersönlich. Nach der Rede in Erding war klar, der Aiwanger wird zur Gefahr, weil er dem Kini die Show gestohlen hat. Also muss er weg. Ein Anruf bei der Alpenprawda und im Hintergrund wird allen Parteien im Landtag erklärt, dass die Freien Wähler keiner im Haus braucht, man will unter sich bleiben, AfD natürlich ausgeschlossen. Also werden von den Grünen die Rücktrittsforderungen erhoben, SPD und FDP bauen mit Druck auf und die Einheitsfront steht wieder mal gegen ungeliebte demokratische Mitspieler. Dann wird für Dienstag ein quasi Standgericht einberufen, auf dessen Ergebnis heute noch Wetten angenommen werden. Herr Aiwanger soll wie ein kleiner ungezogener Schüler vor Allen erniedrigt werden. Ein Bekenntnis seines Bruders reicht natürlich nicht, wie 35 Jahre her, verjährt, oder nur sein eigenes Wort, dass er es nicht war. Auch ein zartes Alter von 17 schützt nicht! Der feine Herr Söder schaut sich das natürlich belustigt im Hintergrund an, weiß er doch, er hat alle an der Leine. Und ist natürlich die Unschuld in Person, die SZ wird spätestens in vier Wochen mit einem Exklusivinterview belohnt. Was allen Wählern von Herrn Aiwanger, und ihm selbst, jetzt unbedingt klar werden muss: In diesem Land wird jeder vernichtet, der nicht der offiziellen Politik der US-Marionetten folgt. Egal, ob dort Freie Wähler oder AfD drauf steht. Jeder! Deswegen hat sich auch der vergessliche Herr Scholz gemeldet. Befehl von oben!

H. Nietzsche / 28.08.2023

Bei Lauterbach fällt mir der bekannte DDR-Witz ein: “Frage an Breshnew: Was halten Sie von Honecker? Antwort: Von Politik keinen Schimmer, aber küssen kann der…..Wahnsinn!”

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