Peter Grimm / 11.03.2018 / 14:30 / Foto: Bildarchiv Pieterman / 13 / Seite ausdrucken

Ahnungslose Mahnwächter an der Eroberer-Moschee?

Wann gibt es in Deutschland eigentlich eine Mahnwache mit Unterstützung des örtlichen Bürgermeisters? Wenn Messerstecher junge Menschen töten? Wenn Kirchenfenster eingeworfen oder Fassaden christlicher Gotteshäuser beschmiert werden? Oder weil vor Synagogen beziehungsweise jüdischen Einrichtungen permanenter Polizeischutz nötig ist? Nicht unbedingt.

Wird aber eine Moschee mit der Spraydose angegriffen und die Ursache nicht in sunnitisch-schiitischen Spannungen oder türkisch-kurdischen Konflikten liegt, sondern die Täter wahrscheinlich rechtsgerichtete Deutsche waren, gehen die Vertreter der „Zivilgesellschaft“ mit obrigkeitlichem Segen auf die Straße.

Dagegen ist ja auch nichts zu sagen. Trotz aller Einseitigkeit und trotz der Toleranz, die jedem nicht-rechten Vandalismus und jeder nicht-rechten Gewalt allgemein entgegengebracht wird, ist es natürlich nicht falsch, gegen das Beschmieren einer Moschee einzutreten. Es mag auf Bewohner von Ballungsräumen, in denen unbeschmierte Fassaden bereits Seltenheitswert besitzen, vielleicht kurios wirken, aber man kann mit Fug und Recht im Besprühen einer Hauswand einen Angriff sehen und sich dagegen wehren wollen.

In Bremen-Gröpelingen erlitt nun die Fatih-Moschee am ersten Märzwochenende einen „Sprüh-Angriff“ (Radio Bremen) bzw. einen „Farbanschlag“ (Weser-Kurier). Bürgermeister Carsten Sieling verurteilte sofort nach Dienstantritt am Montag diese „feige Tat“. „Die Täter werden ihr Ziel, Unruhe und Zwietracht in unsere Gesellschaft zu säen, auch dieses Mal nicht erreichen“, sagte Sieling dem Weser-Kurier. Seine Solidarität gelte jetzt den Musliminnen und Muslimen und „insbesondere der Fatih-Gemeinde, die sich tagtäglich für ein lebenswertes Gröpelingen“ einsetze.

Ein Fall für die Zivilgesellschaft

Wie gesagt, es ist legitim, das Beschmieren von Hauswänden nicht dulden zu wollen und mit aller Härte dagegen vorzugehen. Doch wenn gleich der Staatsschutz in Stellung gebracht wird, dann muss es sich um schlimme Sprüche handeln, mit denen die Moschee verunstaltet wurde. Oder vielleicht verbotene Symbole, wie Hakenkreuze und SS-Runen?

Auf dem publizierten Foto vom Tatort ist davon nichts zu sehen. Um in „Joker was here“ eine rechtsextreme Äußerung zu erkennen, muss man wahrscheinlich in Codes bewandert sein, die dem Autor dieser Zeilen nicht geläufig sind. „Scheiß Mussel“, was ebenso groß an der Wand steht, ist gewiss recht eindeutig antiislamisch. Das mag den Einsatz des Staatsschutzes legitimieren, denn wahrscheinlich ist der in Bremen nicht durch die Verfolgung schlimmerer staatsgefährdender Taten ausgelastet.

Und natürlich ist dieser Fall einer antiislamischen Entäußerung auch ein Fall für die Menschen, die sich in heutigem Deutsch „Zivilgesellschaft“ nennen. Am Freitag trafen sich einige von ihnen in Solidarität mit den Musliminnen und Muslimen zu einer Mahnwache vor der Fatih-Moschee. Der Weser-Kurier berichtete:

„Anwohner, Politiker und Schüler haben am Freitag eine Mahnwache vor der Fatih-Moschee in Gröpelingen abgehalten. Sie wollten ihre Solidarität mit der muslimischen Gemeinde ausdrücken. In der Nacht zum Sonntag hatten Unbekannte die Außenwände des Gebäudes mit islamfeindlichen Parolen beschmiert. Es war das zweite Mal in sechs Monaten, dass die Moschee zum Ziel von Farbattacken wurde.

„Mensch ist Mensch“, „Schule ohne Rassismus“ war auf dem Transparent zu lesen, das drei Schüler des Schulzentrums Walle vor dem Gebäude hochhielten. „Wir wollen zeigen, dass wir eine Gemeinschaft sind“, sagte die 16-jährige Zoe B[…]. „Wir wollen ein Zeichen setzen“, betonte auch Ulrike Pala, Leiterin des Ortsamtes Bremen-West.“

Was wollen Muslime mit dem Bau einer „Eroberer-Moschee“ sagen?

Wie hatte Bürgermeister Sieling schon Anfang der Woche so schön gesagt: „Wir dulden in Bremen und Bremerhaven keine Form von Menschenfeindlichkeit.“ Bei aller Solidarität mit der Fatih-Moschee scheint es die Vertreter der „Zivilgesellschaft“ nicht sonderlich zu interessieren, welche Rolle die Menschenfeindlichkeit eigentlich innerhalb der besprühten Mauern spielt. Darf man sich bei aller Solidarität nicht bereits fragen, ob der Name der Moschee vielleicht Programm ist? Fatih bedeutet Eroberer beziehungsweise Sieger. Was wollen Muslime der nichtmuslimischen Umwelt wohl mitteilen, wenn sie in ihrer Mitte eine Eroberer-Moschee errichten?

Gut, vielleicht ist das ja einfach nur ein kulturelles Missverständnis, dem der Autor dieser Zeilen hier erliegt. Also schauen wir, wer die Moschee betreibt: Es ist, ausweislich der Seite der Fatih Moschee Bremen, die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG). Die Vereinigung war jahrzehntelang im Visier deutscher Verfassungsschutzbehörden. Seit sie vor einigen Jahren als Hauptbestandteil des Islamrats von der Bundesregierung in die Deutsche Islamkonferenz eingeladen wurde, hatten einige Verfassungsschutzämter die Beobachtung eingestellt.

Genau weiß wahrscheinlich kein Außenstehender, was in der Eroberermoschee zu Bremen so gepredigt und getan wird. Aber von Geist und Praxis, durch die viele Gläubige in Milli-Görüs-Gemeinden geprägt wurden, vermittelt der Erlebnisbericht von Akif Şahin möglicherweise eine Ahnung. Der Hamburger Islam-Experte, der selbst jahrelang für die IGMG gearbeitet hat, schildert seine Erziehung in der Gemeinschaft 2017 in der Zeit so:

„Wir wurden als Kinder in der Moschee vom Imam mit einem Stock geschlagen. Unsere Eltern haben dies ausdrücklich erlaubt; Knochenbrüche gehörten in der Moschee zur Erziehung dazu; man erzog uns zu Islamisten und Nationalisten. Kritische Distanz zu Parteien gab es damals nicht und gibt es auch heute nicht; wir lernten, Juden und Christen zu hassen. Interreligiöser Dialog wird heute noch weitestgehend verteufelt; wir hörten, dass die Deutschen unsauber seien. Deutsche Freunde waren verpönt. Die Imame lehrten uns, dass wir Allah und die Hölle zu fürchten hätten. Allah zu lieben war kaum ein Thema; ein Imam hatte eine Affäre mit seiner Praktikantin und ließ sie nach einem Jahr wieder fallen; einer Frau wurde vom Imam geraten, die Schläge ihres Ehemannes zu ertragen. Das mache sie zu einer besseren Gläubigen.“

Stellen sich Mahnwächter die Frage nicht, vor welchen Mauern sie wachen, wenn nur das Feindbild stimmt? Hoffentlich, denn schlimmer wäre die Annahme, sie leisten der Ausbreitung solcher Lebenswelten sehenden Auges Vorschub.

Der Beitrag erschien auch hier auf sichtplatz.de

Foto: Bildarchiv Pieterman

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Reto N. Müller, Schweiz / 11.03.2018

Es ist eigentlich alles gar nicht zu fassen, was hier in Europa abläuft. Ich bin einfach nur froh, wenn ich wenigstens noch in ein paar wenigen Foren meine Eindrücke und Meinungen bestätigt bekomme. Ohne Achgut, Weltwoche und Co, wäre ich wirklich nicht mehr weit von der Einlieferung in ein Irrenhaus entfernt. DANKE, DASS ES EUCH ALLE GIBT!!

Elmar Schürscheid / 11.03.2018

Niemand will es sehen. Und niemand will später davon gewusst haben. So blöd kann eigentlich niemand sein, ausser…......?

Horst Pruffa / 11.03.2018

Ach ja. Die gute alte „Mahnwache“ - die grosse westdeutsch-gutmenschliche Erfindung aus dem Lehrer und Beamtenmilieu. Steht die schon unter UNESCO Weltkulturerbe Schutz?

Gabriele Schulze / 11.03.2018

Eigentlich passt diese Mahnwache doch zur kuscheligen Teddybärenwerfer-Mentalität. Sie leisten der Ausbreitung solcher Lebenswelten Vorschub. Punkt. Es gibt keine Entschuldigung für Nichtwissen. Den Deutschen mit ihrem kitschigen konsensgetriebenen Gutseinwollen ist nicht zu helfen.

Rolf Menzen / 11.03.2018

Das ist genau so ein Ausdruck des Schwachsinns wie die Teddybärwerferei am Münchner Hauptbahnhof im September 2018. Doof bleibt eben doof, da helfen keine Pillen.

Werner Arning / 11.03.2018

Mahnwache für Christen-und Judenhasser? Klar, geht, solange sich die Aktion gegen Deutsche und gegen Rechts wendet. Natürlich ist das Beschmieren der Moschee zu verurteilen, um so mehr, wenn das Beschmieren rassistisch motiviert sein sollte. Doch wünschte man sich das gleiche Engagement auch in Fällen, in denen es deutsche Opfer zu beklagen gibt. Wenn es das gäbe, oder wenn es zumindest erlaubt wäre und nicht von Antifanten niedergebrüllt würde, wäre die Welt ja auch in Ordnung. Es ist die Unausgeglichenheit, die stört. Es ist die einseitige Opfer-Täter-Erwartung, die nicht geht. Und es diese Einseitigkeit, die unser Land spaltet.

Dirk Jungnickel / 11.03.2018

Der Autor und einer der profundesten Kenner des Islam, der Orientalist Hans Peter Raddatz   (u.a. “Von Allah zum Terror?” ), erwähnt in einem Interview des Deutschlandfunks schon im Jahre 2006 Milli Görüs. Zitat: Die Aufgabe der Islamisten aber, sowohl im Zentralrat der Muslime als auch bei Milli Görüs und anderen Organisationen, ist es, nicht die Interessen der Demokratie wahrzunehmen, sondern sie verfolgen die Installation der Scharia eins zu eins, und sie nehmen ihre Pflicht in dieser Richtung sehr ernst. Sie haben auch bisher sehr große Erfolge zu verzeichnen, weil sie, insbesondere durch unsere eigenen politischen Kräfte darin unterstützt werden. Insofern muss man konstatieren, dass im Dialog mit dem Islam unsere eigene Politik an Demokratiefähigkeit verloren hat.

Mark Schild / 11.03.2018

Den Muslimen muss deutlich gemacht werden, wie eine offene, demokratische Gesellschaft funktioniert. Ihnen muss erklärt werden, dass Religionsfreiheit Teil des Konzepts der Freiheit ist, das jedem das Recht gibt zu sagen und zu schreiben was man will, solange man nicht zu Gewalt oder anderen Straftaten aufruft. Freiheit bedeutet, dass Frauen schwimmen, arbeiten, lieben und heiraten dürfen, wie es ihnen gefällt. Freiheit bedeutet auch, dass niemand gegen Kritik oder Satire immun ist. Diese Prinzipien machten Europa stark und sind auch ein Grund warum Millionen Muslime nicht nach Ägypten oder Saudi-Arabien flüchten.

Dolores Winter / 11.03.2018

Die Einheit von Religion und Staat, Anwendung eines vor-mittelalterlichen Rechtssystems, Rechtlosigkeit und Verachtung für Frauen, Verfolgung von Homosexuellen und Andersgläubigen, keine Mitbestimmung des Volkes usw. Für aufgeklärte Menschen ist das alles wahrlich kein Grund diesem religiös-politischen System Beifall zu zollen.

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