Volker Seitz / 01.08.2018 / 06:22 / Foto: Alexander Sarlay / 44 / Seite ausdrucken

Afrikas verhängnisvoller Aberglaube

Der Hexenglaube ist in den Traditionen und der Mentalität vieler Afrikaner tief verwurzelt. Hexenglaube, Zauberei und die Angst, etwas falsch zu machen, die in ganz Afrika verbreitet sind, führen zu Entwicklungsblockaden, weil sie den Ehrgeiz hemmen. Die Vernachlässigung der Gesundheits- und Bildungssysteme bremst Aufklärung und rationales Denken, und somit bleibt es weiterhin bei Unwissenheit und Aberglaube.

Hexerei-Vorwürfe hängen mit Aberglauben, Magie und dem Glauben an Übernatürliches zusammen. Afrikaner tendieren dazu, unsichtbare Kräfte für persönliches Pech und Krankheiten verantwortlich zu machen. Wenn etwas Negatives geschieht, also eine rätselhafte Krankheit, Unfall oder andere Probleme wie eine vertrocknete Ernte, wird eine Ursache gesucht und meist auch gefunden. Es braucht einen Schuldigen (meiste eine Schuldige) – und was liegt da näher als Hexerei? Besonders Außenseiter, Krüppel, sogar Kinder oder erfolgreiche Menschen sind gefährdet. Letztere, wenn sie ihre Pflicht zu teilen vernachlässigen. Wer spart, investiert, längerfristig anlegt, aufsteigen will, macht sich bei den Zukurzgekommenen verdächtig.

Oft sind es erfolgreiche Frauen, die von Verwandten oder Geschäftskonkurrenten denunziert werden. Andere werden als Hexen gebrandmarkt, damit Verwandte an ihr Erbe kommen. Diese Frauen haben keine andere Wahl, als ihre Kinder und ihren Besitz zurückzulassen und zu fliehen. Manchmal müssen die Frauen sogar in abgelegene Hexendörfer ziehen, die es zum Beispiel in Ghana und Sambia gibt. In Ghana schneidet ein Fetisch-Priester einem Huhn den Hals an. Dann wirft er es im hohen Bogen von sich. Verendet das Tier auf dem Bauch, ist dies das endgültige Schuldurteil. Landet das Tier auf dem Rücken, ist die Frau unschuldig. Aber auch Frauen, die freigesprochen werden, gehen selten in ihr Dorf zurück. Denn der Verdacht verfolgt sie ein Leben lang.

Viele wenig gebildete Menschen in Afrika sind angesichts ihres tiefen Aberglaubens jedenfalls fest davon überzeugt, dass Ebola, genau wie etwa auch Aids, nicht durch ein Virus, sondern durch einen Fluch oder Hexerei übertragen und deshalb auch nur durch einen traditionellen Heiler besiegt werden kann. Dies ist der Hauptgrund, weshalb die Ebola-Seuche in Westafrika lange nicht eingedämmt werden konnte. Der Onkologe Freddy Gnangnon im westafrikanischen Benin sagt, dass besonders in ländlichen Gebieten Krebspatienten von Nachbarn stigmatisiert werden, weil die Krankheit auf „dem Fluch des zornigen Geistes“ beruhe. Die Menschen in Westafrika assoziieren Krankheit und Tod mit dem mangelnden Respekt vor den Geistern des Voodoo. Viele Menschen würden sich deshalb lieber an den Hexer als an den Krebsspezialisten wenden.

Magische Gegenstände, Fetische, Glücksbringer

Viele Afrikaner tragen am Hals, den Armen, den Haaren und/oder in den Taschen Gris-gris. Gris-gris sind Amulette, kleine magische Gegenstände, Fetische, Glücksbringer. Sie gehören ebenso wie einige animistische Rituale für viele zum täglichen Leben. Auch Marabouts erteilen Lebensregeln, interpretieren den Koran, unterhalten Koranschulen, beten für die Gläubigen und weihen Amulette und Glücksbringer.

Der tansanische Schriftsteller Aniceti Kitereza schreibt in seiner Familiensaga „Die Kinder der Regenmacher“ : „Kibuguma hatte den Sud deswegen in den Hauptraum tragen lassen, weil er sehen wollte, ob eine Fliege hineinfiel. Wäre dies geschehen, hätte der Mensch, der ihn gekocht hatte, bestimmt in wenigen Tagen sterben müssen." 

Heimtückische Hexer, Dämonen – so glaubt man in Westafrika – stehlen die Zeugungskraft, lassen Hoden verschwinden und Penisse schrumpfen. Der zerstörerische Alltag des Schreckens macht viele Afrikaner hoffnungslos. Oft sind die Anschuldigungen willkürlich. „Es geht meist um Neid und Missgunst, die gesellschaftlichen Aufstieg verhindern und die Tüchtigen bestrafen“, schreibt der Schweizer Ethnologe David Signer in seinem faszinierenden Buch „Die Ökonomie der Hexerei oder Warum es in Afrika keine Wolkenkratzer gibt“ . Wer von den traditionellen Hexerjägern verurteilt wurde, wird aus der Gemeinschaft verbannt.

Vor nicht allzu langer Zeit hätten Frauen, die in einer Mine arbeiten, als Hexen gegolten, so Thérèse Lukenge, Ministre du Genre, des Arts et de la Culture de la Province du Katanga, Demokratische Republik Kongo (Katalog Angèle Essamba, „Invisible“). Dotée de pouvoir maléfiques, elle ferait disparaitre les minerais…: „Ausgestattet mit unheilbringender Macht, könnte sie die Erze verschwinden lassen.“ Sie selbst, Lukenge, sei zu der Zeit Ministerin für die Minen gewesen – und der Zutritt sei ihr verboten gewesen. Heute sind Frauen ähnlich berechtigt in der Minenarbeit wie Männer. Sie haben sich der noch aus dem 18. Jahrhundert stammenden Legende widersetzt.

In Teilen Madagaskars gelten Zwillinge als verhext. David Signer schreibt in der NZZ-Online: „In vielen afrikanischen Glaubenssystemen besteht der Mensch nicht nur aus Körper und Seele.... Menschen in der Côte d’Ivoire glauben, dass der Schatten zwischen Körper und Seele angesiedelt ist....  Manchmal stellt man sich den Schatten auch als Spiegelbild vor. In vielen afrikanischen Kulturen sind Zwillinge entweder Glücks- oder Unglücksbringer. Das geht oft mit der Vorstellung einher, dass sie keinen Schatten haben, da der eine Zwilling gewissermaßen schon Schatten oder Spiegelbild des anderen ist.“

Albinos leben gefährlich

Der südafrikanische Fernseh- und Radiomoderator Trevor Noah schreibt in seinem Bestseller „Farbenblind“:

 „Vor ein paar Jahren gab es während eines Fußballspiels der Orlando Pirates einen berühmten Zwischenfall. Irgendwie geriet eine Katze ins Stadion, rannte durch die Zuschauer und mitten im Spiel hinaus aufs Feld. Ein Sicherheitsmann sah die Katze und tat das, was jeder vernünftige Schwarze tun würde. Er sagte sich: ‚Die Katze ist eine Hexe.‘ Also fing er die Katze – live im Fernsehen – und trampelte auf ihr herum und schlug sie mit seiner sjambok tot, einer harten Lederpeitsche, auch bekannt als Nilpferdpeitsche. Der Vorfall machte im ganzen Land Schlagzeilen. Die Weißen waren völlig aus dem Häuschen. Das war wirklich der absolute Irrsinn. Der Sicherheitsmann wurde verhaftet und vor Gericht gestellt und wegen Tierquälerei verurteilt.... Die Schwarzen waren einfach nur verwirrt. Was der Sicherheitsmann getan hatte, fanden sie überhaupt nicht schlimm. Sie dachten: ‚Die Katze war eindeutig eine Hexe. Woher sollte eine Katze sonst wissen, wie man auf ein Fußballfeld kommt? Sie wurde geschickt, um eine der beiden Mannschaften zu verhexen. Der Mann musste die Katze totschlagen, er hat die Spieler beschützt.‘ In Südafrika haben Schwarze Hunde.“

In letzter Zeit wurden in afrikanischen Medien Ritualmorde aus Nigeria, Gabun, Burundi und Tansania gemeldet. (Bei Menschen mit Albinismus ist die Bildung des Pigments Melanin gestört, ihre Haut besonders hell.) Manche Väter verlassen die Familien, weil sie glauben, dass ihre Frauen sie mit einem weißen Mann betrogen haben. Den Knochen der Albinos wird magische Wirkung zugetraut. Sie sollen zu Glück, Macht und Reichtum verhelfen. Deswegen leben Albinos gefährlich. Zwischen 1998 und 2015 hat die Menschenrechtsorganisation „Under the same sun“ (UTSS) 140 Tötungen, 219 Verstümmelungen und andere Angriffe auf Albinos in 25 afrikanischen Ländern gezählt. 

Für die Yoruba, die in Nigeria und Benin leben, stehen Albinos unter dem Schutz des Gottes Obtala. Auch in Kamerun gibt es offiziell keine Diskriminierung. Albinos können es dort in höchste Ämter schaffen. Isaac Mwaura wurde in Kenia trotz seiner Pigmentstörung ins Parlament gewählt. (Wer Macht hat, ist durch die Macht legitimiert und vorübergehend geschützt.) Mwaura hat die Albinism Society of Kenya gegründet, die Albinos praktische Hilfe mit Sonnenschutzmitteln, Brillen und Kopfbedeckungen leistet. In Malawi kämpft der Verband „Association of People with albinism in Malawi“ (APAM) für die Rechte der 10.000 Albinos in Malawi.

Der kongolesische Schriftsteller Emmanuel Dongola zitiert in seinem Roman „Gruppenfoto am Ufer des Flusses“, Hammer Verlag 2011, eine örtliche Radiomeldung: „Albinos in Tansania bangen um ihr Leben. In Tansania sind in den vergangenen zwölf Monaten mindestens 40 Albinos ermordet worden. Die Leute töten Albinos und benutzen Körperteile der Opfer – Haare, Arme, Beine, Genitalien und Blut – für Zauberrituale, die ihren Kunden Reichtum bringen und ewige Jugend verleihen sollen. Die Goldsucher behaupten, man brauche nur eine Mine mit Albinoblut zu begießen, um Goldklumpen zu finden. Fischer meinen, man müsse nur den abgehackten Arm oder das abgeschnittene Bein eines Albinos im Wasser auslegen, um große Fische mit dem Bauch voller Gold zu fangen. Der tansanische Präsident hat rigorose Maßnahmen gegenüber allen an diesen Morden Beteiligten befohlen.” (S.11)

Modewelt feiert Albinos

Während die Menschen mit Albinismus unter Diskriminierung und gesundheitlichen Problemen leiden, werden einige in der Modewelt gefeiert. Dort wird das „andere Aussehen“ („atypiques“) inszeniert. In Südafrika, Frankreich und den USA haben zahlreiche Albinos außerordentliche Karrieren in der Haute Couture gemacht. Das erfolgreichste südafrikanische Mannequin, die ehemalige Staatsanwältin Thando Hopa, war nicht nur auf dem Titelbild von Marie Claire South Africa im August 2017, sondern auch im letzten Pirelli Kalender zu sehen. Für die französische Kosmetikfirma Vichy ist sie „das Gesicht“ für Sonnenschutz-Produkte. Auch die Afroamerikanerin Diandra Forrest ist ein Star und die erste Frau mit Albinismus, die von einer großen Modelagentur unter Vertrag genommen wurde.

Noch einmal der oben zitierte Dongola mit zwei Beispielen aus "Gruppenfoto am Ufer des Flusses"

„Ein Pastor der Erweckungskirche und zwei Dutzend seiner Anhänger haben in den Straßen Kinshasas Kinder gejagt, als ‚Hexenkinder‘ angeprangert und grausam misshandelt. Solche Jungen im Alter von fünf bis vierzehn Jahren werden oft beschuldigt, für die Krankheit und die Armut ihrer Eltern verantwortlich zu sein. Verfolgt, geprügelt, ja sogar gequält, flüchten sie von zu Hause und suchen in den Straßen Zuflucht, wo man sie oft verjagt. Beim Verhör gab der Pastor zu Protokoll, seine Aktion gehe auf eine Offenbarung des Heiligen Geistes zurück, der ihm gesagt hätte, sein sechsjähriger Neffe sei für den plötzlichen Tod seines Bruders verantwortlich, für die Unfruchtbarkeit seiner Frau und die lange Ehelosigkeit seiner Schwester. Der Junge bekam drei Tage nichts zu essen, wurde geschlagen, und man drohte, ihn wie Jesus Christus mit weiß glühenden Nägeln zu kreuzigen. Schließlich gestand er, tatsächlich ein Hexer zu sein, er benutze einen Halm und eine Hahnenfeder als Flugzeug, um nachts zu reisen, er habe nicht nur seinen Onkel, sondern bereits drei andere Menschen ‚gefressen‘, und zwei seiner Komplizen würden auf der Straße leben, darum die vom Pastor ausgelöste Hatz." 

„Sie war Mutter von sechs Kindern; ihr Drama begann, als ihre drei jüngsten Kinder innerhalb von vier Jahren starben, zwei an Malaria und eins an Sichelzellenanämie. Die Familie ihres Mannes machte sie für den Tod der Kinder verantwortlich, beschuldigte sie, sie sei eine Hexe, und jagte sie aus dem Haus. Das Schlimmste für sie war dabei, dass ihre Kinder sie nun mieden aus Angst, sie würde auch sie ‚fressen‘. Sie hatte Tränen in den Augen, als sie dir diese Geschichte erzählte. Und wie immer in einem Dorf, wenn jemand der Hexerei beschuldigt wird: Eine Bande Jugendlicher, die von einem ihrer Söhne angeführt wurde, steckte nachts ihr Haus in Brand mit der Absicht, sie bei lebendigem Leib zu verbrennen. Zum Glück hatte sie es bis zum Waldrand geschafft, als die Brandstifter merkten, dass sie durch das kleine Fenster an der Rückwand geflohen war, während alle vor dem Haus warteten, um sie allenfalls zu steinigen, sollte sie den Flammen entkommen. Sie verfolgten sie wie eine Hundemeute ein Wild, doch sie kannte den Wald besser als ihre jungen Söhne.“ 

Die ugandische Rechtsanwältin Winnie Adukule zitiert in ihrem Buch „Flucht“ Charity Ahumuza, die sich mit der Verletzung von Menschenrechten beschäftigt: 

„Wir haben Berichte über entsetzliche Massenvergewaltigungen im Kongo, in Burundi, im Südsudan  und in Ruanda. Was bei diesem Thema oft nicht bekannt ist: Wer etwa in der Demokratischen Republik Kongo eine Vergewaltigung überlebt, gilt als Paria. Tradition und Religion machen das Opfer für das Verbrechen verantwortlich und verächtlich. Die Mädchen und Frauen gelten als ‚besudelt‘, die soziale Stellung des Vaters und des Ehemannes, dem sie ‚gehören‘, ist nach der Vergewaltigung ‚beschädigt‘. Um seine Ehre wieder herzustellen, muss der Mann die Frau oder der Vater die Tochter verstoßen... Wissen Sie, wie viele Vergewaltiger im Kongo bestraft wurden? ... Vielleicht hat man ein paar Männer festgenommen, einige sogar verfolgt, aber die Verurteilten lassen sich an einer Hand abzählen, und nur wenige bleiben tatsächlich im Gefängnis. Etwas Schmiergeld, und der Fall ist vergessen.“ 

„Hexe“ als Touristenattraktion

In vier Regionen in Malawi kam es seit September 2017 zu gewaltsamen Übergriffen gegen Ortsfremde, ausgelöst durch einen tief verwurzelten Aberglauben. Neun Menschen wurden bislang als „Vampire“ (Blutsauger) verdächtigt und gelyncht.

In Mosambik gab es gezielte tödliche Angriffe auf glatzköpfige Männer, da Glatzköpfe für reich gehalten werden. Die Organe wurden nach Medienberichten an traditionelle Heiler in Malawi und Tansania verkauft. Sie sollen laut Angaben des Polizeisprechers der Provinz Zambezia, Miguel Caetana, bei Ritualen verwendet werden, die Reichtum versprechen.

Die Sambierin Rungano Nyoni hat sich des Themas angenommen und 2017 mit Unterstützung aus Großbritannien und Frankreich den Spielfilm „I am not a witch“ gedreht. Nach einem kleineren Zwischenfall in ihrem Dorf wird das achtjährige Waisenkind Shula der Hexerei bezichtigt und für schuldig befunden. Sie wird in ein Hexen-Lager in der Wüste verbannt. Mit einem Band wird Shula an einen großen Baum gebunden und ihr wird gesagt, dass sie sich in eine Ziege verwandeln wird, sollte sie ihre Fesseln durchtrennen. Der Film handelt von Zauberei, Aberglauben und Männerherrschaft, denn Männer entscheiden, welche Frau eine „Hexe“ ist, und ein schändlicher Beamter führt die „Hexe“ Shula als Touristenattraktion vor.

Volker Seitz war von 1965 bis 2008 in verschiedenen Funktionen für das deutsche Auswärtige Amt tätig, zuletzt als Botschafter in Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik und Äquatorialguinea mit Sitz in Jaunde. Er gehört zum Initiativ-Kreis des Bonner Aufrufs zur Reform der Entwicklungshilfe und ist Autor des Buches „Afrika wird armregiert“. Das Buch ist beim Verlag vergriffen. Die aktualisierte und erweiterte Taschenbuchausgabe wird am 21. September 2018 bei dtv erscheinen. Volker Seitz publiziert regelmäßig zum Thema Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika und hält Vorträge.

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Gertraude Wenz / 01.08.2018

“Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer.” So heißt eine Radierung des spanischen Malers Francisco de Goya. Ich habe dieses Zitat dem SEHR empfehlenswerten Buch von Thomas Grüter : “Magisches Denken / Wie es entsteht und wie es uns beeinflusst”, entnommen. Das Buch lädt ein zu einer Reise durch die menschliche Irrationalität. Magisches Denken ist evolutionär in uns verankert und lässt sich nicht (so leicht) abschütteln. Zitat: “Nur die einzigartige Fähigkeit des Menschen zum abstrakten logischen Denken und zur rationalen Beurteilung von Informationen kann sie in Schach halten.” In Afrika ist dieses aufgeklärte Denken bei den meisten noch nicht angekommen, aber auch die westlichen, ach so modernen Staaten, solllten sich nicht voreilig rühmen. Auch in ihnen blühen die verschiedensten Religionen (Religionen sind eine Form von Aberglauben), boomt die Esoterik, werden mit Globuli Riesenumsätze gemacht, veröffentlicht fast jede Zeitung Horoskope und so weiter und so fort. Zitat: “Auch Wissenschaftler sind nur Menschen und verfallen immer wieder in archaische Denkmuster.” Sehr informativ sind auch die Bücher: “Paranormalität/ Warum wir Dinge sehen, die es nicht gibt” /Richard Wiseman und - jetzt bezogen auf kulturelle, psychologische Unterschiede zwischen den Völkern (Siehe auch obiger Artikel über Afrika!) - “Völkerpsychologie/ Was uns unterscheidet” /Andreas Vonderach. Als ich von dem sehr informativen (und sachlichen) Buch meiner grünen Nochfreundin erzählte, verdrehte sie (innerlich) die Augen und kommentierte: “Ach, so weit sind wir schon wieder…”

Andreas Rochow / 01.08.2018

Die geschilderten Verhaltensweisen dürften auch in D-Land Chancen haben.  Wir müssen sie nicht unbedingt importieren. Unser Land, in dem Esoterik, Homöopathie und Genphobie boomen und Klima-Aberglaube eie “Gender” zu Wissenschaften erklärt werden, nähert sich dem Niveau tribaler Kulturen und feiert das zudem gern als bunter Vielfalt. Damit pfeift es auf die Kultur, die unsere Vorfahren unter Opfern errungen haben.

Uwe Stock / 01.08.2018

Wir brauchen unbedingt noch mehr von diesen Kulturbereicherern! Der Islam ist ja schon so friedfertig und zutiefst humanistisch, warum nicht auch Voodoo- und Hexenglaube in Deutschland ausleben lassen? Unser Leben ist doch so langweilig. Es finden sich bestimmt Horden von Rechtsanwälten und Gutmenschen, die diese Phänomäne und Neubürger, die diese auch täglich ausleben, unter besonderen Schutz des Gesetzgebers stellen möchten.

Wiebke Lenz / 01.08.2018

Auch wenn ich Ihren Artikel sehr bewegend und informativ empfinde, werter Herr Seitz, möchte ich auf die rationale Ebene wechseln. Gesellschaften müssen sich allein und aus sich selbst heraus entwickeln und/oder das beste Konzept für sich finden. Auf allem anderen liegt meines Erachtens kein Segen: siehe Afghanistan. Ob ich nun das dort herrschende System gut oder schlecht finde, sei hier dahingestellt. Es nötigt mir aber doch Respekt ab, wie sich hier gegen Besatzungsmächte gewehrt wird. Dies heißt nicht, dass ich Voodoo und Ähnliches befürworte - allein kann ich nicht bestimmen, wer in seinem Land wie lebt. Und dieses Recht nehme ich auch mir in meinem Land heraus. Hier gilt es, diese Regeln und Gesetze zu beachten. Als gutes Zeichen für mich sehe ich übrigens, dass die Minenarbeiterinnen nun (zumindest offiziell) die gleichen Voraussetzungen haben. Und ich hoffe sehr, dass sich die Gesellschaften in Afrika von Hexenverbrennungen etc. entfernen. Auch vom Sklavenhandel - der ja den Europäern in die Schuhe geschoben wird und zu dem (meines Erachtens nach verhängnisvollen) Deal auf dem EU-Afrika-Gipfel zwischen Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien auf der einen Seite und den afrikanischen Länder auf der anderen führte.

Moritz Cremer / 01.08.2018

JETZT kapiere ich auch dieses Mantra: “wir bekommen Menschen geschenkt, wertvoller als Gold. Ausschliesslich Fachkräfte zur Sicherung unserer Renten!” was für irre Psychopathen haben die ex-“Volks"parteien da nach oben gespült…

Rolf Menzen / 01.08.2018

Das kann man ja nun wirklich nicht auf den Kolonialismus schieben.

Reiner Steppkes / 01.08.2018

Der Hexen- und Geisterglaube ist auch bei gebildeten Afrikanern nicht aus den Köpfen zu kriegen. Ein in Afrika viel herumgereister Bekannter erzählte mir von einem Gespräch während eines Fluges. Neben ihm saß ein offensichtlich sozial hochstehender Afrikaner, der mit seinem Laptop hantierte. Man kam ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass der Afrikaner einer “Fortschritts-Partei” angehörte.  Als meinem Bekannten auffiel, dass sein Sitznachbar um den Hals eine Schnur mit verschiedenen Talismanen trug, meinte er zu ihm scherzhaft: “So so, Fortschrittspartei! Und das da?” Antwort des Afrikaners: “Man kann ja nie wissen…”

Gudrun Meyer / 01.08.2018

In D, in Europa, im (gegenwärtigen!) abendländischen Raum ist es besser. Aber kaum hatten die europäischen Völker die “klassischen” totalitären Systeme und den 2. Weltkrieg hinter sich, schon brachen außer berechtigten auch grundlose Selbstbeschuldigungen und ein kultureller, inzwischen auch “rassischer” Selbsrhass aus. Die Eliten im D und Europa sind bei allem, was sie gegen sie einwenden lässt, die wohlwollendsten der Menschheitsgeschichte. Eben das ist leider ihre und unsere Schwäche. Wenn sich hier erst eine “Friedensreligion” durchgesetzt hat, der wir schon jetzt nicht mehr zu widersprechen wagen, werden sich die Verhältnisse in sehr absehbarer Zeit nur noch in den letzten Einzelheiten von den afrikanischen unterscheiden. Schon jetzt gibt es Physik- und Biologielehrer an deutschen Schulen, die es nicht mehr wagen, über den Urknall und die Evolutionstheorie zu sprechen.  Im Koran steht ja etwas anderes. Aufklärung ist nur da möglich, wo sie vor abergläubischen Angriffen geschützt wird, und dqs ist zuwenig der Fall.. Auch für unsere Berufsideologen ist ein ständig wachsender Teil der aufgeklärten Erkenntnisse inkorrekt und “rechts” (z.B. menschliche Verhaltensbiologie) oder schlicht unverständlich und damit “unwahr” (z.B.  Molekulargenetik). Mit der Massenmigration rollt die sowieso schon vorhandene Problematik dann auch noch von außen auf uns zu. Grüne und vergrünisierte Politiker und Journokraten halten das unaufgeklärte Kulturerbe sinnigerweise schon jetzt für liebenswert-folkloristisch und für etwas, das man bedingungslos vor finsteren, aufklärerischen Machenschaften zu schützen hat.

J. Braun / 01.08.2018

Es ist ja ganz nett, was der Autor so beschreibt, allein mir fehlt der Glaube, daß Magie-, Hexen- und sonstiger Wunderglaube beim einfachen Volk den Fortschritt hemmt. Denn Hokuspokus, Aberglaube und Wunder kennt man eben nicht nur aus Afrika, wir finden dies genauso hier. Leute rennen in Kirchen (Aberglaube), trinken Wasser, um zu gesunden (homöopathischer Hokuspokus) und wallfahrten nach Spanien. Zugegeben, hier geht es zusehends bergab, aber mit Wallfahrten zu einen in Spanien kompostierten »Zauberer« hat das gewiß nichts zu tun. Und Google und Co. kommen aus einem Land, wo der Großteil der Bevölkerung heute noch die Basis der biologischen Wissenschaften strikt leugnet. Und dann China— ein Land voll albernen Hokuspokus. Allein schon die »Chinesische Medizin« ist nicht einmal einen Lacher wert und der Rest des Esoterik-Blödsinns aus Fernost findet ja bis zu uns seine Anhänger. Aber China ist erfolgreich, wer das anzweifelt, verkennt die Realität. Und nehmen wir einmal unsere Juden und ihre rückwärtsgewandte Religion, die jede Menge absonderlicher Tabus kennt. Dennoch hat kein anderes Volk der Erde so viele herausragende Wissenschaftler hervorgebracht. Aberglaube und Hexenwahn können es also nicht sein. In Europa ist die Masse der Bevölkerung nicht intelligenter als in Afrika und ich möchte behaupten, nicht gebildeter. Die Kriterien sind also andere. Sicher ist das Hauptmerkmal, warum man in großen Teilen Afrikas kein Interesse an Vorratswirtschaft hat, das Klima. Man kann das mit den Bienen vergleichen: Die europäische Honigbiene ist fleißig und sammelt für den Winter, die afrikanische Honigbiene ist aggressiv, weil ihre Umwelt und ihre Futterpflanzen andere sind. Warum sollte jemand, der drei Ernten im Jahr einfährt, in die Zukunft denken? Oder ein Viehhirte oder jemand, der noch nicht einmal über das Stadium eines Sammlers und Jägers hinausgekommen ist? Und wer nicht in die Zukunft denkt, hat kein Interesse etwas zu ändern und plant nicht.

Jürg Casanova / 01.08.2018

Dieses unsäglich verwirrende Gemisch aus Aberglauben, Glauben, Unbildung, sozialem Druck, ungezügelter Vermehrung, Disziplinlosigkeit, Vorurteilen, Denunziantentum und Hass ist so tiefsitzend und weitverbreitet, dass es illusorisch ist, dass sich irgendetwas auf diesem Kontinent zum Besseren wendet. In dreissig Jahren leben um die drei Milliarden Menschen in Afrika, eine Obergrenze gibt es nicht. Und man stelle sich nun vor, dass 500 Millionen von ihnen, vielleicht eine Milliarde, Europa fluten und alle Probleme, die sie eh schon haben, mitbringen. Da schon in unsern Ländern das Bildungsniveau rapide abnimmt und die wirtschaftlichen Grabenkämpfe in beängstigender Weise zunehmen, kann man sich ausrechnen, dass alle Bemühungen, diese Menschen für eine einigermassen erträgliche Zivilisation zu gewinnen, ins Leere laufen werden. Vielleicht gelingt es einer riesigen, noch unbekannten Epidemie, diesen Wahnsinn aufzuhalten, doch viel eher wird es dazu führen, dass sich Hunderttausende von gut organisierten Gangs bekriegen, alle, auch Einzelne, bewaffnet sind und sich für einen Laib Brot gegenseitig umbringen. Afrika ist weder arm noch ohnmächtig, wie die schwarze Axelle Kabou in einem Buch beschrieben hat, in dem sie ihre Mitmenschen auffordert, die stereotype Schuldzuweisung der unterentwickelten Afrikaner an den Westen zu unterlassen, sie müssten selbstkritischer werden, und ihre Zurückgebliebenheit ihrer eigenen Unfähigkeit zuschreiben, ihrem ungezügelten Vermehrungsdrang und ihrer eigenen Korruptheit. Das Buch erschien vor einem Vierteljahrhundert. Geändert hat sich nichts, im Gegenteil. Dass viele Afrikaner jetzt in Scharen zum Islam überlaufen, macht die Sache nur noch schlimmer: Da werden alle Energien kanalisiert und fokussiert in einer Richtung, die man am besten an den Praktiken von Boko Haram ablesen kann. Wie man in Europa angesichts dieser Perspektiven noch von Integration und Entwicklung träumen kann, ist mir ein Rätsel. Dream on, Europa!

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