Volker Seitz / 30.12.2019 / 14:00 / Foto: Antoshananarivo / 24 / Seite ausdrucken

Afrika: Warum der Schokoladenanbau nicht böse ist

Es ist schon erschreckend, wie verbreitet – selbst unter Journalisten – europäisches Nichtwissen über simple afrikanische Realitäten ist. Und diese Bessermenschen (Monika Gruber) erleichtern dann ihr fehlgeleitetes Gewissen noch mit falschen Rezepten. Wie jedes Jahr im Dezember werden die Schokoladenabieter an den Pranger gestellt. Am 23. Dezember 2019 schreibt Johannes Ritter in der F.A.Z. in seinem Stück „Bittere Schokolade“, dass viele Kakaobauern in Afrika darben und ihre Kinder schuften lassen.

Soll dem Genuss ein gutes Quäntchen schlechtes Gewissen beigemischt werden? Unsere Gesellschaft, unsere Medien können es sich leisten, gegen den Schokoladengenuss, gegen die „böse Industrie“ zu wettern. Ein Problem, das vermutlich viele Afrikanerinnen und Afrikaner gerne teilen würden. Ein Vorwurf lautet, der Anbau von Kakao geschehe unter oft menschenunwürdigen Bedingungen und sogar mit Kinderarbeit!

Boykottaufrufe gegen Produkte wegen – nach westlichen Vorstellungen – unwürdigen Arbeitsbedingungen sind nicht unproblematisch. Es macht nicht immer Sinn, Vorstellungen, die einer Wohlstandsnation entspringen, in Entwicklungsländern durchsetzen zu wollen. Vielen Kritikern fehlen genaue Kenntnisse der Lebenswirklichkeit vor Ort. Besser – und hilfreicher – wäre es, den Verhältnissen in den jeweiligen Ländern ohne Sozialromantik zu begegnen. 

Kakao für unsere Schokolade kommt vor allem aus der Elfenbeinküste (Côte d’Ivoire) und aus Ghana. 40 Prozent des weltweit gehandelten Rohkakaos kommen aus Côte d’Ivoire, das sind mehr als 1,7 Millionen Tonnen jährlich. Nachbar Ghana folgt mit 897.000 Tonnen. Die beiden größten Anbauländer der Welt bilden seit diesem Sommer ein Kartell. Ihre Marktmacht nutzend, schlagen sie je Tonne Kakao 400 Dollar auf den Weltmarktpreis von derzeit mehr als 2.000 Dollar auf. Vornehmlich findet der Anbau auf Familien-„Plantagen“ statt.

Reißerische Zeitungsartikel, wonach Millionen Kinder auf Kakaoplantagen schuften müssten, sind irreführend. Es sind Kleinbetriebe in Westafrika, die Kakao produzieren. In der Elfenbeinküste gibt es mehr als 20.000 Familienplantagen. Zum einen ist es dort Tradition, dass die Kinder das Handwerk ihrer Eltern lernen, also auf den „Plantagen“ mitarbeiten, zum anderen könnten viele Kleinbauern professionelle Arbeitskräfte überhaupt nicht bezahlen. Herkömmlich arbeitende Betriebe erwirtschaften nur bis zu 400 Kilogramm Kakaobohnen pro Hektar.

Jeder wünscht sich, dass Kinder in Afrika eine schöne und unbeschwerte Jugend verbringen. Leider verkennt diese Betrachtung völlig die Realitäten. Auch in Europa war lange Zeit zum Beispiel Kinderarbeit in der Landwirtschaft normal. Oftmals ist dies die einzige Chance, Hunger und bedrohlicher Armut zu entkommen. Was bedeutet die Arbeit in der Kakaoproduktion konkret für die betroffenen Kinder?

Auswirkungen auf Gesundheit und Entwicklung?

Eine Studie der Tulane University (erschienen 2015, deutsche Zusammenfassung siehe hier, Anm. d. Red.) zeigt, dass in Côte d’Ivoire und Ghana nur ein kleiner Teil der Kinder durch den Kakaoanbau vom Schulbesuch abgehalten wird. (Die Universität Chicago wird im Frühjahr 2020 eine neue Studie zur Kinderarbeit im Kakaoanbau in diesen beiden Ländern herausbringen.) Missbräuchliche Kinderarbeit oder Sklaverei stehen in beiden Ländern unter Strafe. Die Kinder werden keineswegs für alle Arbeiten auf den Plantagen eingesetzt. Vielmehr helfen sie bei Tätigkeiten, die viele Arbeitskräfte erfordern, wie die Vorbereitung des Bodens, die Ernte, die sich auf eine Haupt- und eine Nebenernte beläuft, und die Weiterverarbeitung.

Nur vergleichsweise wenige Kinder helfen beim Einpflanzen der Setzlinge oder bringen Dünger aus. Nicht jede Form von Arbeit ist für Heranwachsende schädlich, so auch die UNICEF. Viele Kinder wollen auf dem Feld oder im elterlichen Betrieb mithelfen und können dabei einiges lernen. Es ist entscheidend: Wie alt ist ein Kind, was genau muss es machen und wie kann sich die Arbeit auf seine Gesundheit und Entwicklung auswirken? Es muss nicht generell schlecht sein, wenn Mädchen und Jungen mit anpacken und den Zusammenhalt der Familiengemeinschaft stärken, der in Afrika sehr groß ist.

Viele Kinder in den Ländern, in denen ich tätig war, arbeiten als Minenarbeiter, Straßenverkäufer, Dienstboten, Schuhputzer, Zuarbeiter in Hinterhofwerkstätten oder Müllsammler, was – bei den dort vorhandenen Schadstoffen – in etwa gesundheitliche Auswirkungen hat wie Aids, Tuberkulose und Malaria. Vielleicht ist es da besser, im Kakao-Familienbetrieb, der auch ein Großfamilienbetrieb sein kann, mitzuarbeiten.

Ohne Arbeit keine Entwicklung

Wer Armut bekämpfen will, muss Arbeit schaffen. Keine Lösung ist, gar keine Schokolade mehr zu kaufen. Der Kakaobauer hat nichts davon, wenn der Absatzmarkt wegbricht. Darunter leiden auch seine Kinder. Schokoladenprodukte mit Fairtrade-Siegel sind ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings haben sie am deutschen Schokoladenmarkt einen Anteil von nur zwei Prozent. Mein Eindruck ist, dass die deutsche Schokoladenindustrie die sozialethischen Belange in Afrika ernst nimmt. Sie ist um ihre Reputation besorgt und muss zudem die Rohstoffversorgung sichern. Auf dem afrikanischen Kontinent reifen jährlich rund 3,4 Millionen Tonnen Bohnen.

Ghana, ein stabiles und im wirtschaftlichen Wachstum begriffenes Land, strebt selbst eine enorme Steigerung der Produktion an: Die Erträge sollen von heute 450 Kilogramm Kakaobohnen pro Hektar Land auf bis zu 3.500 Kilogramm steigen. Neue, veredelte Bäume sollen höhere Ernten bringen. Von Monokulturen soll auf Plantagenwirtschaft umgestellt werden. Zwischen den Kakaobäumen werden Sternfrucht und Papaya angebaut, weil sie Stickstoff aus dem Boden binden und die ausgelaugten Böden anreichern. Bauern verzichten (auf Druck kritischer europäischer Verbraucher) auf Pestizide, Kunstdünger. Die 60 deutschen Schokoladenhersteller wollen in 10 Jahren 70 Prozent ihres Kakaorohstoffs aus nachhaltigem Anbau beziehen. Derzeit ist es ein Drittel. Die Rohstoffsicherung geht nur – auch angesichts des Klimawandels – über einen nachhaltigen Anbau von Kakao, der dauerhaft gute Erträge bringt und dem Erzeuger ein ausreichendes Einkommen bietet.

Das ist auch das Ziel internationaler Konzerne, die bereits große Programme in Kooperation mit westafrikanischen Staaten durchführen. Die Bundesregierung hat zusammen mit der deutschen Privatwirtschaft 2012 das „Forum nachhaltiger Kakao“ gegründet, mit dem Ziel, den Anbau auf eine solide Basis zu stellen und Kinderarbeit zu vermindern. Dies soll durch großangelegte Schulungen von Kakaoproduzenten, Zertifizierung des Produktes und Stärkung ihrer Organisationen geschehen. Wichtige Pionierarbeit dazu leistet das Regionalprogramm, das 2009 vom BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) in Absprache mit den Regierungen der Côte d’Ivoire, Ghana, Kamerun und Nigeria ins Leben gerufen wurde. Aus diesen Ländern kommen 90 Prozent des in Deutschland verarbeiteten Kakaos. Das Vorhaben wird von der GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) durchgeführt und arbeitet in den vier Ländern mit 33 staatlichen und zivilrechtlichen Organisationen und privaten Unternehmen zusammen.

Kakao sorgt für zwei Drittel aller Arbeitsplätze

Kakao ist ein wichtiges Exportgut in Westafrika – und Tafelschokolade ist dort noch immer ein großer Luxus. Viele der Kakaobauern sind bis heute nicht in den Genuss von Schokolade gekommen. Obwohl die Kakaoproduktion seit Jahrzehnten der wichtigste Wirtschaftsfaktor ist, wurde Schokolade bislang kaum konsumiert. Sie ist Luxus, weil sie immer importiert werden musste. Erstmals 2015 hat die französische Firma Cémoi mit der Produktion von Schokolade in der Côte d’Ivoire begonnen. Die Jahreskapazität wird mit 5.000 Tonnen angegeben. In der Wirtschaftsmetropole Abidjan wird in den Supermärkten immer häufiger Schokolade „Made in Ivory Coast“ angeboten. Nach Angaben der Weltbank sorgt das Kakaogeschäft für zwei Drittel aller Arbeitsplätze und Einkommen.

Der Marktführer Barry Callebaut hat vor drei Jahren das Nachhaltigkeitsprogramm „Forever Chocolate“ ins Leben gerufen. Mit dem Programm will der Konzern den Bauern dabei helfen, Produktivität und Ernteerträge zu erhöhen. Chef ist der Brite Nicko Debenham. Er wird in dem eingangs erwähnten F.A.Z.-Artikel wie folgt zitiert: „Meine Vorstellung, wie ein weißer Ritter auf einem Pferd in die Dörfer zu reiten und die armen Bauern mit meinen Aufbauplänen glücklich zu machen, hat sich schon vor fünfzehn Jahren als Illusion entpuppt.“ „'Höhere Produktivität? Größere Ernte? Mehr Arbeit? Nein danke', habe der Pächter einer Kakaoplantage ihm damals beschieden. Er sei zufrieden mit seinem Dasein und wolle nichts ändern“. Offenbar hat sich an der Einstellung der mancher Kakaobauern seither wenig geändert.

Steigende Ansprüche fördern Ausbeutung

In der Demokratischen Republik Kongo befinden sich die größten Kobalt- und Coltanvorkommen weltweit. Die wahre Ausbeutung der Kinder in den Coltan- und Kobalt-Minen im Ostkongo und in Katanga wird in diesem Zusammenhang eher kursorisch benannt; man braucht ja das Coltan unter anderem für die Smartphones. Aus Coltan wird Tantal gewonnen, das zur Herstellung der in nahezu jedem elektronischen Gerät verwendeten Tantal-Elektrolytkondensatoren benötigt wird. In der Provinz Katanga arbeiten nach Schätzungen mindestens 40.000 Kinder in den Minen oder waschen das Mineral aus dem wertlosen Geröll. 

Wer Akkus für Smartphones und E-Autos bauen will, braucht Kobalt (als Nebenprodukt beim Nickel- und Kupferabbau) zum Beispiel auch aus dem Kongo. Von der dortigen Kinderarbeit und dem katastrophalen Arbeitsschutz wird selten berichtet. Sonst könnten unsere Moralisten in Politik und Medien nicht die angeblich „sauberen“ E- Autos fahren.

In der Demokratischen Republik Kongo wird Kobalt unter äußerst gefährlichen Bedingungen abgebaut. Kobalt wird am Rand der großen Kupfer-Nickel-Minen als Nebenprodukt per Hand ausgegraben. Kobalt ist unerlässlich für die Produktion von Akkus, und der Kongo ist für mehr als 60 Prozent der weltweiten Förderung verantwortlich. Abnehmer sind IT-Firmen wie Apple, Alphabet, Dell, Microsoft,Tesla und andere Autobauer. Die Kobalt-Nachfrage wächst durch den steigenden Bedarf an effizienten Energiespeichern in Elektroautos, Smartphones und für erneuerbare Energien. Bei uns geht es nur noch am Rande darum, neue Geräte zum Telefonieren zu kaufen, sondern viel mehr um steigende Ansprüche an Technik und Design. Anders als beim Kauf von Schokolade besteht die Gefahr, dass der Käufer eines Smartphones, Laptops oder E-Autos schmutzige Kinderarbeit fördert.

 

Volker Seitz war von 1965 bis 2008 in verschiedenen Funktionen für das deutsche Auswärtige Amt tätig, zuletzt als Botschafter in Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik und Äquatorialguinea mit Sitz in Jaunde. Er gehört zum Initiativ-Kreis des Bonner Aufrufs zur Reform der Entwicklungshilfe und ist Autor des Buches „Afrika wird armregiert“. Die aktualisierte und erweiterte Taschenbuchausgabe erschien im September 2018. Zwei Nachauflagen folgten 2019. Volker Seitz publiziert regelmäßig zum Thema Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika und hält Vorträge.

Foto: Antoshananarivo CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Thomas Gemander / 30.12.2019

Warum werden immer wir Konsumenten und Hersteller an den Pranger gestellt? Für die Arbeitsbedingungen sind die Regierungen der Länder zuständig in denen der Kakao oder was auch immer produziert wird!! Wo gehen denn die 400 Dollar plus zum Weltmarktpreis hin??? Bekämpfung der Kinderarbeit?? Vermutlich eher in neue goldene Wasserhähne.  Immer die gleiche Leier, zur besten Sendezeit.

Anders Dairie / 30.12.2019

In Afrika ist es kein Vergnügen Verdiener in einer größeren Clanfamilie zu sein !  Der Trieb zu mehr Leistung und mehr Geld hält sich in Grenzen.  Denn der Verdiener ist gegenüber den Seinen maximal “abgabepflichtig”.  Sorgt er nicht dafür, dass andere mitarbeiten und mitverdienen, bleibt ihm womöglich nichts. Auf einer Familienfarm spannt der Boss alles ein,  was mithelfen kann.  Er ist der Verdiener !  Übrigens, nach 1945 haben die Alten die Jungen zum “Kohlenklau” an die Bahngleise beordert.  Das ist normal, wenn es überall mangelt.  Und das macht auch Frau Gruber als Bessermensch, wenn der Magen knurrt.  Wenn sie denn Kinder hat,  die auf fahrende Güterwagen klettern können,  was heute bei dicken Kindern Probleme machte.

Werner Arning / 30.12.2019

Es gibt Kinderarbeit und es gibt Kinderarbeit. Die Eine hat mit der Anderen nichts zu tun. Die Eine ist schädlich für die Kinder, die Andere nicht. Sie ist nicht nur nicht schädlich, sie ist unerlässlich für das Überleben der Familie. Sie überfordert die Kinder nicht, sondern hilft ihnen dabei, Verantwortung zu übernehmen, erwachsen zu werden Ein Teil der Gemeinschaft zu werden. Beizutragen. Wichtig auch für die Anderen zu werden und damit ein gesundes Selbstwertgefühl aufzubauen. Arbeit kann auch Spaß machen. Es kann Freude bereiten, etwas zu lernen. Etwas zu beherrschen. Dieses kann erfüllender sein, als mit dem Handy zu spielen. Mit einem Handy, für dessen Produktion tatsächlich schädliche Kinderarbeit vonnöten war.

Carsten Kessler / 30.12.2019

Ganz unkritisch ist der kakao anbau in afrika nicht zu sehen. Das Problem ist mE dass die großen schokoladenproduzenten wie nestle, mondoley etc den afrikanern die kakaopreise diktieren können. Und diese marktmacht haben sie einerseits aufgrund ihrer monopol/oligopol stellung und andererseits weil die kakao exportierenden Länder aufgrund ihres Bevölkerungswachstum auf jeden euro aus dem verkauf angewiesen sind. Die länder können es sich einfach nicht leisten ‘nein’ zu sagen bzw höhere preise zu fordern. Sie sind in einer ausweglosen Verhandlungsposition. Ich denke dass ist auch der Grund warum Schokolade in den letzten 60 jahren in deutschen supermärkten kaum bzw nur unterdurchschnittlich teurer geworden ist. Das gleiche gilt für Kaffee.

Ilona Grimm / 30.12.2019

Mir Schokolade vermiesen oder gar verbieten? Unmöglich! Das müssen sich die Bessermenschen aber nochmal gut überlegen. Mit meinem Konsum ernähre ich mindestens eine Großfamilie in Côte d’Ivoire oder Ghana. -//- Beim TV-Zappen gestern bin ich ganz kurz in einen Beitrag geraten, in dem die Kakaobohnenanzucht gezeigt worden ist. Auch Kinder waren fröhlich und entspannt bei der Arbeit. Das hat mir gleich wieder noch mehr Appetit auf Schokolade gemacht. (Ich trage trotzdem Kleidergröße 38 bei 1,75m; aber ich meide KÄSE jeder Art und faule Sahne stinkenden Fisch…) -//- Danke Herr Seitz, für Ihre immer wieder interessanten Einblicke in den afrikanischen Alltag.

Andreas Stüve / 30.12.2019

Ein klarer Beitrag, von jemandem, der sich bestens auskennt. Danke dafür, Herr Seitz. Alles, was nicht unter kulturmarxistische Glaubenshoheit fällt, findet eben nicht oder nur am Rande statt. Die armen, moslemischen Rohingya werden zum auserwählten Volk, die armen “Palästinenser” zu Schutzbedürftigen unter der zionistischen Knute Israels erklärt. Eine Christenverfolgung gibt es weder im Orient, noch in Afrika. Welch ein Schindluder mit Kindern, speziell im Kongo getrieben wird, erfährt man aus den “progressiven” Postillen i.d.R. nie. Könnte sich eventuell mit den eigenen Glaubenssätzen beißen. Es gibt halt immer zweierlei Sorten von Opfern.

Bernd Feil / 30.12.2019

Ich verbrachte in Kamerun einen 2 monatigen Urlaub und schaute mich mittels Lkws, Bussen und Kleintransportern um. Dabei besuchte ich auch eine Kaffee- und eine Kakaoplantage. DerAutor Volker Seitz beschreibt in seinem Artikel Realitäten, die hier im fernen Deutschland von Gutmenschen völlig verfälscht und linkslastig ideologisiert werden. In Kenia und Tanzania verhielt es sich ebenso, wie von Herrn Seitz beschrieben wird. In Ruanda durfte ich ein echtes Wirtschaftswunder erleben. Nach dem grausamen Völkermord hat sich dieses kleine Land wieder aufgerappelt. Die “Wirtschaft” brummt. Unzählige kleine Erdnussfarmen (Familienbetriebe) exportieren über Genossenschaften ihre Produkte nach Europa. Überall schrauben Kinder in familiären Fahrrad- und KFZ Werkstätten.  Wohlstandsflüchtlinge aus Runda? Fehlanzeige, alle ob Jung oder Alt arbeiten gemeinsam am eigenen Wohlstand und am Aufbau eines neuen Ruanda. In 4 Wochen wurde ich nie angebettelt. Ganz im Gegenteil, gerade die jungen Leute luden mich oft nach Hause ein, um mir, dem Muzungu, ihre Erfolgsgeschichte zu erklären. Ohne die Mitarbeit der Kinder wäre dieser kleine Wohlstand nie zustande gekommen. Übrigens wir heute 60+x Jährigen mussten in unserer Kindheit auch bei der Aussaat und Ernte ran. Damals gabs sogar noch die staatlich verordneten Kartoffelferien. Ich komme seit über 40 Jahren nach Afrika. Von diesen Dummschwätzern und Gutmenschen waren dort wohl die wenigsten vor Ort gewesen und wenn, dann 14 Tage AI im Luxus Resort.

Christa Born / 30.12.2019

Warum jetzt Schokolade und Kinderarbeit? Ganz einfach, weil die Leute sie gern essen. Da muss man doch etwas Bitter beifügen. “Denn das Schöne ist nur des Schrecklichen Anfang” - wie Rilke wusste. Wir sind wieder wie in den Fünfzigern von vertrockneten moralinsauren Betschwestern umzingelt, nur dass sie heute von links kommen.

Christian Feider / 30.12.2019

ich frage mich ja immer wieder das eine…. besteht diese “Republik” nur noch aus wohlstandsverwöhnten Ex-Gymnasiasten mit mehrfach abgebrochenen Studien,so das vor dem dreissigsten Lebensjahr nie ein Pfennig(sorry,Kohl-cent) verdient wurde? ich selber habe mittlere Reife gemacht und war mit Ende des fünfzehnten Lebensjahrs in der Lehre… in einem der haertesten Lebensmittelberufen,die es gibt,mit Ende 16 war ich 15 kg leichter,aber auch so fit wie nie zuvor und nie wieder. Wer hat schonmal mit 16 eine Tonne Salz in 25kg Säcken bewegt? in diesem wirklich dekadenten Land,in dem jeder wegsieht,was vor Ort wirklich los ist,aber kräht wie ein Hahn auf dem Mist,wenn es um möglichst weit weg gelegene Problemzonen geht,da fehlt einfach der Realitätssinn! und um aufs Thema zurück zu kommen von wegen Kakaoplantagen…hat sich schon mal ein deutsher Wohlstandsbürger beschwert,wenn sein Cocktail in Hurghada zb von einem 15jährigen an den Pooltisch gebracht wurde? habe selbst in dem Land mit jugendlichen meines damaligen Einstiegsalters ein duales Ausbildungssystem selbst durch gezogen,die sind heute in der Abteilungsführung!

peter luetgendorf / 30.12.2019

Vielleicht ist Johannes Ritter von der F.A.Z. ja enterbt worden oder mag keine Schokolade? Gruß

Weitere anzeigen Leserbrief schreiben:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Volker Seitz / 15.02.2020 / 16:00 / 11

Ein ehrliches, tabufreies Buch über Einwanderung

Es gibt in der EU nach wie vor keine einheitliche Linie und keine große Freiwilligkeit, mehrheitlich männliche Migranten aus Afrika und dem arabischen Sprachraum aufzunehmen. In…/ mehr

Volker Seitz / 21.01.2020 / 06:25 / 55

Gute Taten – oder besser mal den Mund halten? 

Der Schauspieler Don Johnson gab der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung am 5. Januar 2020 ein lesenswertes Interview. Er sagte zum Beispiel, dass er wenig davon hält,…/ mehr

Volker Seitz / 10.01.2020 / 06:24 / 47

Wie Entwicklungshilfe Afrikas Talent vernichtet

In ein realistisches Gesamtbild der afrikanischen Wirklichkeit sollte auch die Tatsache integriert werden, dass viele Staaten für ihre politische und ökonomische Stagnation eine Eigenverantwortung tragen.…/ mehr

Volker Seitz / 24.11.2019 / 10:00 / 8

Afrika: „Der lachende Kontinent“?

Bernd Dörries berichtet seit 2017 aus Kapstadt für die Süddeutsche Zeitung über Subsahara-Afrika. Der Titel seines Buches „Der lachende Kontinent“ ist etwas verwirrend. Ja, Afrika…/ mehr

Volker Seitz / 21.11.2019 / 06:10 / 23

Afrika-Gipfel in Berlin: Warten auf Godot

Am 19. November 2019 haben Bundeskanzlerin Merkel und deutsche Wirtschaftsverbände wie BDI, DIHK und Afrika-Verein zwölf afrikanische Staatschefs zum „G20-Investitionsgipfel“ nach Berlin eingeladen. Der Fokus…/ mehr

Volker Seitz / 20.11.2019 / 14:00 / 21

Bericht von der Weltbevölkerungskonferenz

Das Berlin-Institut für Demografie hat in einer Studie über die demografische Entwicklung Afrikas im Juni 2019 festgestellt, dass das hohe Bevölkerungswachstum viele Probleme des Kontinents…/ mehr

Volker Seitz / 08.11.2019 / 06:00 / 69

Migration: Frankreichs Kehrtwende

Seit Jahren sind sich die europäischen Staaten uneinig, wie die illegale Zuwanderung und damit auch die Chance für Migranten, mit Helfern beziehungsweise Schleppern nach Europa…/ mehr

Volker Seitz / 30.10.2019 / 12:00 / 58

Familienplanung in Afrika – so kann es gehen

Die demografische Lage in Afrika sehe ich als die Wurzel der afrikanischen Armut. In Afrika findet eine Bevölkerungsexplosion statt, die zwangsläufig zu einer massiven Auswanderung Richtung…/ mehr

Meine Favoriten.

Wenn Ihnen ein Artikel gefällt, können Sie ihn als Favoriten speichern.
Ihre persönliche Auswahl finden Sie Hier
Favoriten

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com